Ziel verfehlt?

Getroffen? Macht nichts! Noch ein Versuch! (Foto: RitaE, pixabay)

Mit einem Gewehr zu schießen war nicht gerade meine Stärke als junger Mann. Eher zufällig erlegte ich nach vielen erfolglosen Versuchen einmal einen Bären – ich meine ein Kuscheltier auf dem Jahrmarkt. Es sah in der Schießbude so leicht aus. Die vorbeilaufenden Blechfiguren waren nicht einmal zwei Meter entfernt. Ob die Luftgewehre präpariert waren?

Eine Zielverfehlung beim Schießen auf dem Jahr­markt ist leicht zu verschmerzen – abgesehen von der Blamage, wenn man von der Freundin begleitet wird. Viel schlimmere Folgen könnte es haben, stünde man einem ausgewachsenen Bären in der Wildnis gegen­über. Aber die schlimmste Zielverfehlung, die es in diesem Leben gibt, ist das, was die Bibel Sünde nennt.

Wir neigen dazu, unter Sünde etwas Verkehrtes zu verstehen: eine Lüge, eine lieblose Handlung, eine Übertretung der Gebote Gottes. Zutreffender wäre es, diese Dinge als Sünden (also im Plural) zu bezeichnen; denn sie sind die Folgen einer falschen Einstellung  be­ziehungsweise einer gebrochenen Beziehung zu Gott. Diese ist die Ursünde und Mutter aller Sünden: Als das erste Menschenpaar sich im Paradies von seinem Schöpfer „emanzipierte“, löste diese Trennung von Gott die Lawine der Sünden aus, die darauf und bis heute folgten.

Die falsche Einstellung ist die Auflehnung gegen Gott, von der der Psalmdichter David sprach (Psalm 32,5 Neues Leben Bibel):

Endlich gestand ich dir meine Sünde und gab es auf, sie zu verbergen. Ich sagte: “Ich will dem Herrn meine Auflehnung bekennen.” Und du hast mir vergeben und meine Schuld weggenommen!

David ge­stand Gott gegenüber nicht nur seine Sünden, son­dern er bekannte dem Herrn auch seine Auflehnung. Die Sünden vergibt Gott uns gern, aber noch lieber möchte er, dass wir unsere Einstellung ihm gegenüber ändern. Indem er seinen Sohn Jesus Christus für uns sterben ließ, schlug er die Brücke über die Kluft der Sünde. Nun liegt es an uns, über diese Brücke zurück zum liebenden und vergebungsbereiten Vater zu ge­hen.

Auf dem Weg zurück ins Vaterhaus zu sein bedeu­tet nicht, dass wir nie wieder sündigen. Es zeigt aber: Wir haben die Auflehnung aufgegeben und sind unterwegs zum richtigen Ziel. Fallen wir in Sünde, so fal­len wir nicht in den Abgrund, sondern auf die Brücke, in die Hand Jesu, die uns wieder aufrichtet und trägt. Welch befreiende Erfahrung!

You raise me up

 

Zu zweit geht es leichter! (Foto: AmandaCullingford, pixabay)

Für Eiskunstlauf habe ich mich nie sonderlich interessiert, aber ich muss zugeben: Der Paarlauf von Aljona Savchenko und Bruno Massot vor wenigen Tagen hat mich fasziniert. Besonders beeindruckt war ich davon, mit welcher Leichtigkeit Massot seine Sportpartnerin immer wieder in die Höhe, mit nur einer Hand, gehoben hat. Ihre Kür war so perfekt, dass sie nicht nur die Goldmedaille gewannen (das erste olympische Paarlauf-Gold für Deutschland seit 66 Jahren!), sondern auch einen Weltrekord aufstellten – und das, obwohl sie nach einem Fehler im Kurzprogramm nur noch Außenseiterchancen hatten.

Während ich sah, wie leicht der Läufer seine Laufpartnerin an der Hand nahm, sie aufrichtete, in die Höhe hob, musste ich an eines meiner Lieblingslieder denken: „You raise me up“ – Du richtest mich auf.

Für mich ist es ein Liebeslied, in dem Jesus als derjenige besungen wird, der sich zu uns setzt, wenn wir niedergeschlagen und uns von Sorgen und Lasten erdrückt fühlen. Jesus ist derjenige, der uns die Hand reicht, wenn wir in Gefahr sind, auf stürmischem See unterzugehen – so wie damals Petrus auf dem Galiläischen Meer (Matthäus-Evangelium 14,30-31 nach der Übersetzung Hoffnung für alle, Hfa):

Petrus erschrak, und im selben Augenblick begann er zu sinken. „Herr, hilf mir!“, schrie er. Sofort streckte Jesus ihm die Hand entgegen, hielt ihn fest und sagte: „Vertraust du mir so wenig, Petrus? Warum hast du gezweifelt?“

Wie viele Menschen richtete Jesus wieder auf, als er durch die Straßen und Dörfer Palästinas ging! Den Gelähmten, der seit 38 Jahren auf Heilung hoffte, aber keinen Menschen hatte, der ihm half, richtete er auf mit dem Wort, das ihn heilte: „Steh auf, nimm deine Matte und geh!“ (Johannes-Evangelium 5,2 Hfa) Die 12-jährige verstorbene Tochter des Jaïrus fasste er bei der Hand und weckte sie wieder zum Leben auf. Die so genannte Ehebrecherin, die von den geistlichen Führern zu Jesus geführt wurde, bevor sie gesteinigt werden sollte, richtete er wieder durch sein befreiendes Wort auf („Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen, aber sündige nun nicht mehr!“ Joh 8,4 Hfa) und schenkte ihr einen neuen Anfang.

Der Gedanke im Lied, dass wir stark werden, wenn er uns auf seinen Schultern trägt (wie der gute Hirte das müde oder verletzte Schaf), fasziniert mich. Genauso wie der Schlusssatz: You raise me up, to more than I can be. So ist Jesus: Er richtet uns zu Höhen auf, die unsere kühnsten Erwartungen übertreffen. Danke, Jesus, dass ich durch dich nach jeder Niederlage neu starten darf!

(You raise me up – Text sehen und hören)

Heuchler unterwegs

Ein Mann kommt vom Supermarkt zurück zu seinem Wagen auf dem Parkplatz. Da sieht er: Der hintere, linke Kotflügel ist eingedrückt, vom Schadenverursacher ist aber keine Spur zu sehen. Wie ärgerlich! Schon will er die Hoffnung aufgeben, da sieht er ein unter den Scheibenwischer geklemmtes Papier. Etwas beruhigt faltet er es auseinander und liest: „Während ich diesen Zettel für Sie schreibe, beobachten mich mindestens sechzehn Leute. Sie glauben, ich gäbe Ihnen meinen Namen und meine Adresse. Gerade das tue ich nicht.“

Frech? Gerissen? Feige?

So zu tun als ob; sich als jemand ausgeben, der man nicht ist; unwahrhaftig sein, etwas vortäuschen: das alles nennt die Bibel Heuchelei. Beim Lesen der Predigten, die Jesus hielt, bekomme ich den Eindruck, dass er diese Scheinheiligkeit zutiefst verabscheut hat. Seine härtesten Worte richtete er nicht an offenkundige Sünder, sondern an fromme Scheinheilige: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr seid wie die weiß getünchten Grabstätten: Von außen erscheinen sie schön, aber innen ist alles voll stinkender Verwesung.“ (Matthäus 23,27 im Wortlaut der Bibelübersetzung Hoffnung für alle)

Wie authentisch bin ich? (Foto: geralt, pixabay)

Ich will allerdings vorsichtig sein, denn bei allem Willen authentisch zu sein, können wir schnell in Situationen geraten, in denen wir uns aus Angst oder Scham verstellen. Wir verlieren dann den Mut, uns zu unseren Fehlern oder Überzeugungen zu bekennen. So ging es beispielsweise Petrus, als er aus Angst um sein Leben behauptete, Jesus von Nazareth, seinen Meister, nicht zu kennen.

So ging es auch einem Ehepaar aus der ersten Christengemeinde: Sie gaben vor, den Gesamterlös eines Grundstücksverkaufs – wie andere Mitchristen auch – der Gemeinde zur Verfügung gestellt zu haben, dabei behielten sie einen Teil des Geldes für sich zurück. Sie wollten nicht kleinlich erscheinen, sondern als generös angesehen werden. Das Urteil war hart. Zum Ehemann sagte der Apostel Petrus (Apostelgeschichte 5,4 nach der Gute Nachricht Bibel):

Du hättest ja das Land behalten können, und nachdem du es verkauft hattest, auch das Geld. Warum hast du dich auf dieses falsche Spiel eingelassen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen! 

Herr: Ich möchte sein, was ich sage, ich möchte tun, was ich bin. Mein Leben sei offen und authentisch, weil du, der wahrhaftige Gott, es reinigst und prägst!

Leuchtende Augen

Jedes Jahr führen christliche Einrichtungen Freizeiten für Kinder aus Tschernobyl oder der Ukraine durch. Vor zwei Jahren waren es 46 Kinder aus der Ukraine, die 14 unbeschwerte Tage in einem christlichen Freizeit- und Tagungszentrum in Norddeutschland verbrachten. Sie kamen aus Waisenhäusern oder ärmlichen Verhältnissen und machten daher große Augen, als sie die schönen Gästehäuser, Spiel- und Sportplätze sahen. Als sie dann auch noch die Hilfsbereitschaft der Menschen erlebten, die ihnen Kleidung, Spielsachen und vieles mehr schenkten, riefen sie: „Wir sind im Paradies!“

Im Rundbrief dieser Einrichtung war einige Wochen später zu lesen: „Nach der Heimkehr sahen die Eltern, die Pflegeeltern und Verwandten die glücklichen Augen ihrer Kinder und waren sehr dankbar für die geschenkte Freude.“

Vor 2000 Jahren fragten Menschen Jesus, wann das Reich Gottes kommen würde. Seine überraschende Antwort lautete (Lukas 17,21):

Das Reich Gottes ist mitten unter euch. 

Ein Stück Paradies auf Erden als Vorwegnahme des wiederhergestellten Paradieses nach dem zweiten Kommen Jesu: Ist nicht auch das mit der obigen Antwort gemeint, die Jesus den Fragestellern gab?

Wäre es nicht großartig, wenn Menschen die Gemeinschaft mit Christen als paradiesisch empfinden würden? Natürlich nicht deswegen, weil sie sündlose Christen angetroffen hätten, sondern weil sie Menschen begegnet sind, die Jesus Christus ehrlich und entschlossen nachfolgen. Christen, die nicht nur das (geschriebene) Wort Gottes ernst nehmen, sondern sich auch am Vorbild Jesu orientieren – zum Beispiel in der Liebe zum Nächsten und zueinander: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannes 13,35)

Leuchtende Augen – auch bei mir? (Foto: blackstarvideo, pixabay)

Leuchten die Augen der Menschen, nachdem sie einen Tag (oder mehrere) mit uns verbracht haben? Nachdem sie Einblick in unser Denken, in unseren Umgang mit dem Partner oder den Kindern, den Arbeitskollegen, den Vorgesetzten, unseren Angestellten, unseren Nachbarn? Ich denke, auch das ist mit folgenden Worten Jesu gemeint: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5,16)

Das Reich Gottes ist mitten unter den Menschen, weil du und ich, Kinder Gottes, Bürger und Botschafter dieses Reiches sind. Mit beiden Beinen leben wir auf dieser Erde, aber unser Herz schlägt für Jesus. Wo er wohnt, hat das Paradies bereits begonnen.