Einfach da sein!

Deutsch:   Am Sabbat lebt der Mensch, als hätte er nichts, als verfolge er kein Ziel außer zu sein, das heißt seine wesentliche Kräfte auszuüben, beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben. Erich Fromm (Haben oder Sein)
English:   On the Shabbat one lives as if one has nothing, pursuing no aim except being, that is, expressing one’s essential powers, praying, studying, eating, drinking, singing, loving. Erich Fromm (To Have or to Be?)
Español:   En sábado el hombre vive como si no tuviera nada, como si no persiguiera otra meta que la de existir, es decir, ejercer sus facultades esenciales, orar, estudiar, comer, beber, cantar, amar. Erich Fromm (Del tener al ser)

Der Deckel meines Puzzles

Eine echte Herausforderung, die Teile richtig zuzuordnen! (Foto: pixabay)

Es macht Spaß, Kindern beim Puzzeln zuzuschauen. Wenn sie klein sind, nehmen sie es nicht immer so genau: Da wird ein Teil an der falschen Stelle einfach eingedrückt nach dem Motto „Passt schon!“.

Besonders aufregend wurde es für meine Frau und für mich, als unsere zwei Jungen sich mit großer Begeisterung den Riesenpuzzles mit 3.000 Teilen widmeten. Diese (später) fast wandfüllenden Gebilde blockierten das Kinderzimmer für Wochen. Der spannendste Augenblick kam gegen Ende, als nur noch wenige Lücken zu füllen waren: Wie viele Teile hat wohl Mamas Staubsauger verschluckt? Wird das Geduldswerk vollendet werden können? Einmal, bei einer Weltkarte, fehlte gerade an gut sichtbarer Stelle ein Puzzleteil. Wir kaschierten die Lücke mit einem zurechtgeschnittenen Teil der Verpackung. Es passte gerade so!

Wie ist das bei unserem Lebenspuzzle? Wie viele können wohl behaupten, alle Bereiche ihres Lebens seien bis in die kleinste Ecke geordnet, alle Aufgaben gelöst, alle Beziehungen intakt, alle Pläne erfüllt? Viele stochern im Dunkeln, versuchen ihren Lebensentwurf irgendwie zu verwirklichen („es passt schon!“), fragen sich im besten Fall: „Weiß denn niemand, wo der Deckel mit dem Bild für das ganze Puzzle ist?“

Ich habe entdeckt, dass Gott die Vorlage, an der wir uns ausrichten können, längst geliefert hat: Sein Wort, die Bibel, zeigt uns zuerst den besten Rahmen, an dem man sich orientieren kann, nämlich die Ordnungen Gottes. Und dann auch, wie wir diesen Rahmen mit Leben füllen können, und zwar nach dem Vorbild von Jesus Christus. Er ist für mich „der Deckel“ meines Lebenspuzzles. Eine bessere Vorlage kenne ich nicht!

Nicht nur das: Wie der Apostel Paulus den Christen der Gemeinde in Philippi schrieb (Philipperbrief 1,6), ist Gott dazu bereit, uns beim Zusammensetzen unseres Lebenspuzzles zu begleiten und es sogar abzuschließen, zu vollenden:

Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt. (Neues Leben Bibel)

Wie wir aus dem Schöpfungsbericht wissen, ist das, was Gott tut und vollendet, immer sehr gut! Ich finde dieses Angebot regelrecht befreiend. Ich habe es angenommen und will weiterhin versuchen, die Vorlage meines Lebenspuzzles (das Vorbild von Jesus) nicht aus dem Blick zu verlieren.

Grenzenlose Freiheit?

Zahme Vögel träumen von Freiheit. Wilde Vögel fliegen! (Foto: GhiblyCalimero, pixabay)

Mancher versteht unter „Freiheit“ die Möglichkeit, alles zu tun oder zu lassen, was ihm gefällt bzw. nicht gefällt. Schon wenn man über die Folgen einer so verstandenen Freiheit nachdenkt, dürfte einem klarwerden, dass diese Definition nicht stimmen kann: Die Entscheidung, auf der Autobahn entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung zu fahren, trifft nicht jemand, der seine Freiheit auskosten will, sondern der lebensmüde (oder betrunken) ist.

Für ein Nachdenken über dieses Thema kann die Unterscheidung zwischen Willens- und Handlungsfreiheit hilfreich sein. Der freie Wille, mit dem Gott uns als Menschen erschaffen hat, ist eines unserer größten Vorrechte als Geschöpfe. Unseren freien Willen zu respektieren ist dem Schöpfergott so wichtig, dass er sowohl den Sündenfall im Himmel (Luzifer entschied sich für die Rebellion und wurde zum Satan) als auch den Sündenfall im Paradies (Adam und Eva wollten sich von Gott emanzipieren und so sein wie er) in Kauf nahm. Dafür, dass wir uns als Sünder (wieder) für Gott und für ein Leben in Gemeinschaft mit ihm entscheiden können, bezahlte er einen hohen Preis: den Tod seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz!

Was die Handlungsfreiheit betrifft, so ist nicht der Mensch wirklich frei, der alles tut, was ihm in den Sinn kommt. Wirklich frei ist, wer ohne äußere und innere Zwänge sich dafür entscheidet, im Einklang mit seiner Berufung als Geschöpf Gottes und in Harmonie mit dem Plan des Schöpfers für sein Leben zu handeln.

Wer mit seinem Wagen fliegen will, mag sich sehr frei fühlen, wird aber eine schmerzhafte Lan-dung erleben, weil der Wagenhersteller diese Verwendung nicht vorgesehen hat. Und wenn eine Lokomotive die „grenzenlose Freiheit“ suchen, aus den Gleisen springen und querfeldein fahren wollte, würde das zur Katastrophe führen: Die Gleise wurden vom Erfinder nicht dazu geschaffen, die Bewegungsfreiheit des Zuges einzuschränken, sondern eine gefahrlose und zügige Fahrt zu ermöglichen.

Nur wenn uns Jesus Christus frei macht – von den Bindungen an die Sünde, aber auch von falschen Vorstellungen bezüglich eines Lebens in Freiheit -, werden wir uns voll entfalten und nach und nach das verwirklichen, wozu er uns letztlich geschaffen hat (nachzulesen im Johannesevangelium 8,36):

Wenn euch nun der Sohn [Jesus Christus] frei macht, so seid ihr wirklich frei. 

An Oscar Schindlers Grab

Nach seinem Tod am 9. Oktober 1974 in Hildesheim fand Oskar Schindler auf seinen Wunsch hin seine Ruhestätte in Jerusalem. (Foto: edp)

Nach einem langen Fußweg fand ich ihn endlich: den Franziskanerfriedhof am Zionsberg. Als ich vor zwei Jahren eine Woche in Jerusalem verbrachte, nahm ich mir vor, das Grab von Oskar Schindler zu besuchen. Nun stand ich davor und las: „OSCAR SCHINDLER, 28.4.1908 – 9.10.1974, Der unvergessliche Lebensretter 1200 verfolgter Juden“. Dazwischen in hebräischer Schrift: Chaside umot ha-olam (Deutsch: Gerechter unter den Völkern der Welt). Um die Inschrift herum lagen Dutzende Steine (statt Blumen, nach jüdischem Brauch).

Die Geschichte über die Rettung der Juden vor dem Tod in Auschwitz und anderen Lagern dürfte recht bekannt sein – vor allem durch den Film „Schindlers Liste“, der 1993 uraufgeführt wurde. Der Schwarz-Weiß-Film endet in Jerusalem mit der Szene in Farbe, in der die Überlebenden und Nachkommen der von Schindler geretteten Juden Steine auf sein Grab legen.*

Während ich die Stille genoss, über Schindlers Tat nachdachte und die wunderschönen Blumen zwischen den Gräbern bewunderte, kam mir eine Frage in den Sinn: Was würde hier auf diesem Friedhof passieren, wenn Jesus gerade jetzt wiederkäme? Die Bibel berichtet darüber, dass bei der Wiederkunft Christi die Toten auferstehen werden, und zwar jene, die in das ewige Leben eingehen dürfen. (Die anderen werden erst tausend Jahre später auferstehen, um gerichtet zu werden.) Würde Oskar Schindler bei dieser (ersten) Auferstehung aus dem Grab herauskommen? Würde er folgende Worte aus dem Mund von Jesus hören? (Aus Matthäus 25,40 nach der Neues Leben Bibel):

Der König wird ihnen entgegnen: „Ich versichere euch: Was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!“ 

Und was würde Jesus zu mir sagen?

Die Antwort auf diese Fragen kennt nur Gott selbst. Denn er wird sich weder bei Oskar Schindler noch bei mir davon beeindrucken lassen, was wir Gutes getan haben, wenn es um die Entscheidung geht, ob wir die Ewigkeit mit ihm verbringen dürfen oder nicht. Das ewige Leben erhalten wir als ein Geschenk, nicht als eine Belohnung. Aber die Liebe, die wir von Gott bekommen, will und kann uns befähigen, in jedem Menschen auch heute einen Bruder und eine Schwester von Jesus zu erkennen.

*  https://youtu.be/BFP4dDheqHY