Alle Beiträge von Elí Diez-Prida

Engstirniger Prophet geht baden

(Foto: Jeff Jacobs, pixabay.com)

[Only German / Sólo en alemán]

Die Bibel berichtet sehr ehrlich über die Schwächen der Menschen, die Gott in Führungspositionen berufen hat: König David zum Beispiel. Oder der Prophet Jona. Das ist für mich ein Hinweis auf die Echtheit der Heiligen Schrift. Rein menschliche Autoren hätten die Schattenseiten weggelassen und nur die Heldentaten berichtet.

Hier ein paar Gedanken, die mir beim Lesen des (kurzen) Buches Jona in den Sinn gekommen sind:

  • Zuerst macht er sich auf die Flucht vor Gott: Statt nach Ninive zu gehen (im heutigen Irak), um eine Gerichtsbotschaft im Auftrag Jahwes zu überbringen, geht er nach Jaffa und steigt in ein Schiff nach Tarsis (im heutigen Andalusien) ein. Das ist exakt die entgegengesetzte Richtung!
  • Das wäre eine Schiffsreise von etwa 5.000 Kilometern gewesen. „Gewesen“, weil Jona nicht sehr weit kam: Ein schwerer Sturm brachte das Schiff in große Seenot. Während die Seeleute ihr Bestes gaben, schlief Jona seelenruhig in seiner Kajüte. Da hat er starke Nerven gehabt!
  • Es war der heidnische Kapitän (!), der Jona auffordern musste, seinen Gott um Hilfe zu bitten, sowie die ebenfalls heidnischen Seeleute zu ihren Göttern beteten, als sie mit ihrem Latein am Ende waren: „Was liegst du hier herum und schläfst? Los, steh auf und ruf zu deinem Gott um Hilfe! Vielleicht erbarmt er sich und lässt uns nicht umkommen!“
  • Erst nachdem per Loswerfen der Schuldige gesucht wurde, gab Jona zu, dass er sich auf der Flucht vor seinem Gott befand. Was für eine Blamage für einen Propheten Jahwes!
  • Als Lösung schlug Jona vor, dass sie ihn ins Meer warfen, aber das brachten sie zunächst nicht fertig! Sie ruderten weiter, kamen aber nicht ans Land, weil der Sturm immer heftiger tobte. Erst dann warfen sie Jona über Bord und baten dann Gott um Vergebung für ihre verzweifelte Tat.
  • Jahwe, der den Sturm ausgelöst hatte, ließ seinen unwilligen Propheten nicht umkommen, denn er liebte ihn immer noch – und die Menschen in Ninive, die er warnen sollte, waren Ihm auch nicht gleichgültig. Er ließ einen großen Fisch Jona auffangen und unversehrt verschlingen.
  • Jetzt hatte Jona Zeit (drei ganze Nächte und die Zeit dazwischen), sich und sein Verhalten zu hinterfragen und mit Gott darüber zu sprechen. Schön, sein Gebet: „Das Wasser ging mir bis an die Kehle. Ich versank im abgrundtiefen Meer, Schlingpflanzen wanden sich mir um den Kopf.“ (2,6 GNB)
  • Nach dieser Besinnungszeit ließ Gott den Fisch ans Ufer schwimmen und Jona ausspucken. Da war er glücklich, wie es seinem Gebet zu entnehmen ist: „Du, HERR, mein Gott, hast mich heraufgezogen und mir das Leben neu geschenkt!“ (2,7 Hfa)
Der Prophet Jonas wird vom Fisch bei Ninive ausgespien, von Hortus Deliciarum (um 1180). Foto: Dnalor_01, Wikimedia Commons, Lizenz CC-BY-SA 3.0
  • Nun war Jona bereit, der zweiten Aufforderung Gottes zu folgen und nach Ninive zu gehen. Ich hätte erwartet, dass er den Menschen dort von seiner Erfahrung berichtet, davon, wie Gott ihm seinen Ungehorsam verziehen und durch ein Wunder gerettet hatte. Das hätte, so denke ich, die Menschen in Ninive motiviert, mehr über diesen Gott erfahren zu wollen. Ich weiß nicht, wie lang seine Predigt war, nach dem biblischen Bericht war sie nicht nur sehr kurz, sondern überhaupt nicht empathisch, ja sogar lieblos: „Noch vierzig Tage, dann legt Gott Ninive in Schutt und Asche!“ (3,4 Hfa)
  • Erstaunlich finde ich das, was nach dieser unmotivierten Predigt geschah: „Da glaubten die Einwohner von Ninive an Gott.“ Noch mehr: „Sie beschlossen zu fasten, und alle, von den einflussreichsten bis zu den einfachen Leuten, zogen als Zeichen ihrer Reue Kleider aus grobem Stoff an.“ (3,4 Hfa) Da hielt der heidnische König eine „bessere“ Predigt als Jona, als er sich an die Bürger Ninives wandte: „Jeder muss von seinen falschen Wegen umkehren! Keiner darf dem anderen mehr Unrecht tun!“ (3,8 Hfa)
  • Es war nicht Jona, der einen möglichen Ausweg aus dem Gericht aufzeigte, sondern der König selbst! „Vielleicht lässt sich Gott ja noch umstimmen und hat Erbarmen mit uns; vielleicht wendet er seinen glühenden Zorn von uns ab, und wir kommen mit dem Leben davon.“ (3,9 Hfa) Obwohl Jona Vergebung erfahren und einen neuen Anfang gewährt bekommen hatte, gönnte er den Ninivitern Gleiches nicht, sondern hatte für sie nur ein alternativloses Gerichtsurteil.
  • Tatsächlich, Gott ließ sich „umstimmen“ (menschlich gesprochen; er kannte ja den Ausgang vom Anfang an): „Gott sah, dass die Menschen von ihren falschen Wegen umkehrten. Da taten sie ihm leid, und er ließ das angedrohte Unheil nicht über sie hereinbrechen.“ (3,10 Hfa) Denn er will nichts lieber, als dass die Menschen ihre Sackgassen erkennen und den Weg zu ihm, zum wahren Leben, zurückfinden.
  • Aus meiner Sicht kommt der Gipfel der Engstirnigkeit Jonas im 4. und letzten Kapitel des Buches vor: Statt sich über die Bekehrung der Bewohner Ninives zu freuen, wurde er zornig darüber, dass Gott sie nun verschonte. Und dieses freundliche Handeln Gottes warf er ihm nun gerade vor: „Ach Herr, genau das habe ich vermutet, als ich noch zu Hause war! Darum wollte ich ja auch nach Spanien fliehen. Ich wusste es doch: Du bist voll Liebe und Erbarmen, du hast Geduld, deine Güte kennt keine Grenzen.“ Wie kann man sich bloß darüber ärgern, dass Gottes Liebe und Geduld keine Grenzen kennt!! (Ich weiß, die Theologen haben für Jonas Haltung einige Erklärungen, aber ich begreife Jonas Verhalten dennoch nicht.)
  • Spätestens jetzt, als Jona lieber sterben will als weiterzuleben, und auf einem Hügel darauf wartet, dass Feuer vom Himmel fällt und Ninive zerstört, hätte ich ihn ins tiefste Meer zurückbeordert. Und was tut Gott? Er gibt ihm noch in aller Geduld eine Lektion in Empathie, und zwar nicht in Vortragsform sondern als eigenes Erlebnis: Er schenkt ihm über Nacht eine ausgewachsene Rizinusstaude als „Sonnenschirm“ gegen die Hitze, und lässt in der darauf folgenden Nacht einen Wurm die Wurzeln des Rizinus zerfressen. Jetzt wünscht sich Jona zum zweiten Mal zu sterben. Und nun endet das Buch mit einer Frage, die offen bleibt, aber Jonas sicher sehr nachdenklich stimmte: „Du hast dich mit dieser Staude keinen Augenblick abmühen müssen, nichts brauchtest du für sie zu tun. In einer Nacht ist sie gewachsen, und in der nächsten ging sie zugrunde. Trotzdem hättest du sie gerne verschont. Ich aber sollte Ninive nicht verschonen, diese große Stadt, in der mehr als 120.000 Menschen leben, die Gut und Böse nicht unterscheiden können, und dazu noch so viele Tiere?“ (3,10-11 Hfa)
Jona trauerte um die eingetrocknete Rizinusstaude – das Schicksal der Menschen in Ninive ließ ihn kalt!

Fünf Schlussfolgerungen habe ich für mich aus dieser erstaunlichen Geschichte gezogen:

  1. Menschen, die Gott nicht persönlich kennen, können ethisch so vorbildlich handeln, dass Fromme sich davon „eine Scheibe abschneiden“ können. Ein befreundeter Pastor hat dieses Zitat dazu gepostet: „Es ist leichter, einen Heiden zu bekehren, als einen Frommen nach Ninive zu schicken.“ (unbekannt)
  2. Du kannst nie tiefer fallen, als in Gottes Hand – selbst wenn du dich auf der Flucht vor Gott befindest!
  3. Manchmal schickt uns Gott in die Dunkelheit, damit wir sehen können: uns selbst, unser Handeln und Gottes Pläne mit uns.
  4. Es kommt nicht darauf an, wie sprachgewandt wir sind, wenn wir Menschen von Gott erzählen, sondern darauf, dass Er durch seinen Geist die Herzen der Hörer erreicht. (Was natürlich nicht bedeutet, dass es gleichgültig ist, wie wir uns verhalten und wie wir reden.)
  5. Wenn wir vergessen, wie liebevoll und gnädig Gott mit uns umgegangen ist, werden wir hart und unbarmherzig unseren Mitmenschen gegenüber. Darum: „Vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat!“ (Psalm 103,2)

(Foto: Johannes Feldmann, hope.tv)

Um die erstaunliche Geschichte des ruhelosen Jona ging es in der  Gesprächsrunde für den 18.9.2021 in DIE BIBEL.DAS LEBEN auf HOPE.TV.

Gefährdete Freiheit

(Fotos: Freiheitsstatue: Pete Linforth; Nine Eleven Memorial: Armelion – beide pixabay.com)

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Als ich in meiner digitalen Materialsammlung nach einem Beitrag zum 11. September 2001 suchte, stieß ich auf sehr interessante Aussagen meines Freundes Matthias Müller (inzwischen auch Pastor i. R.) im 13. Kapitel „Die letzte Freiheit“ des Buches „glauben.einfach – Menschen, Geschichten, Gedanken“ (S. 111ff.), 2011 im Advent-Verlag Lüneburg erschienen. Das ganze Buch ist lesenswert! Hätte er es kürzlich geschrieben, hätte er sicher Bezug auf die Freiheitseinschränkungen wegen der Coronapandemie genommen. Zurzeit aktuell in Deutschland sind seine Aussagen zum Thema Wahlen.

Die Freiheit ist nie ungefährdet

Die Freiheitsstatue auf Liberty Island im New Yorker Hafen ist ein Symbol, das mich schon als Junge auf amerikanischen Briefmarken fasziniert hat … Das Gesamtbauwerk ist über 90 Meter hoch. Die Figur sollte ein Symbol für Zusammenarbeit zwischen den Völkern und für Freiheit sein. Darauf deuten zum Beispiel die zerbrochenen Fesseln an ihren Füßen. Ihre sieben Strahlen stehen dafür, dass sie die sieben Kontinente und Weltmeere erleuchten möge … Allein in den ersten 40 Jahren nach ihrer Einweihung war die Statue für über 14 Millionen Einwanderer ein Zeichen des Willkommens.

Allerdings hat die Freiheit in den letzten Jahrhunderten ein wechselvolles Schicksal erlebt. Man muss sich immer wieder klarmachen: Freiheit ist nicht ungefährdet. In New York gibt es eben nicht nur die Freiheitsstatue, sondern auch den Ground Zero, wo das durch die Terrorangriffe 2001 zerstörte World Trade Center stand. Er ist in gewisser Weise ein Symbol der geplanten Unfreiheit, denn die Leute, die dort sinnlos Menschenleben vernichteten, indem sie Flugzeuge in die beiden Hochhäuser steuerten, hatten wahrhaftig keine Pläne zur Befreiung der Menschen.

Seither muss man bei der Einreise in die USA seine Fingerabdrücke abgeben und es werden Fotos gemacht. Und auch in Deutschland werden Straßen und Plätze mehr überwacht. Auf einmal ist Freiheit durch den Wunsch nach Sicherheit gefährdet. Die Stationen sehen so aus: Terroranschlag – Krise – Sicherheitsbedürfnis – Freiheitseinschränkung oder im schlimmsten Fall sogar ihre Abschaffung.

Freiheit kann man verteidigen, indem man sie nutzt. Nehmen wir Wahlen als Beispiel. Nicht zur Wahl zu gehen ist Leichtsinn, denn wenn Sie oft genug nicht gehen, wird eines Tages der Gang zur Urne sinnlos sein. Lothar de Maizière, frei gewählter Ministerpräsident der zu Ende gehenden DDR, sagte: „Ich werde bis zu meinem Ende zu jeder freiheitlich-demokratischen Wahl gehen.“ Warum? Weil er die Zustände kannte, als Wahlen diese Bezeichnung nicht verdienten.

Gott war die Freiheit des Menschen so wichtig, dass er bereit war, seine Schöpfung auf diesem Planeten dafür zu riskieren. Und tatsächlich – sie ging verloren! Wir Menschen haben uns vom Gegenspieler Gottes die Freiheit rauben lassen und wurden eingesperrt in ein System, in dem Menschen anderen schaden, die Umwelt schädigen, einander belügen und betrügen und letztlich die Welt ruinieren werden … Um die zerstörte Freiheit der Menschen wiederherzustellen, kam Jesus Christus auf diese verlorene Welt. Bei seinem zweiten Kommen am Ende der Weltzeit geht es auch wieder um Freiheit. Das heißt: Freiheit ist bei Gott ein hoher Wert.

Wenn Jesus wiederkommt, sichtbar, hörbar, real, für alle wahrnehmbar, dann werden wir begeistert und glücklich sein über unsere wiedergewonnene Freiheit. Dann wird die Welt wieder in Ordnung gebracht, Gerechtigkeit für alle wiederhergestellt, und es gibt eine herrliche Begegnung mit Gott, den man dann mit eigenen Augen sehen kann.

 

 

When I was searching in my digital archive for a contribution on September 11, 2001, I came across very interesting statements by my friend Matthias Müller (now also a retired pastor) in the 13th chapter “Die letzte Freiheit” (The last freedom) of the book “glauben.einfach – Menschen, Geschichten, Gedanken” (p. 111ff.), published in 2011 by Advent-Verlag Lüneburg. The whole book is worth reading!

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Cuando buscaba un comentario sobre el 11 de septiembre de 2001 en mi archivo digital, encontré un text muy bueno de mi amigo Matthias Müller (ahora también pastor jubilado) en el capítulo 13 de su libro “glauben.einfach – Menschen, Geschichten, Gedanken” (p. 111 y siguientes), publicado en 2011 por Advent-Verlag Lüneburg. Vale la pena leer todo el libro.

Shabbat Shalom für alle

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Shabbat Shalom für alle
Dieser Satz im „Studienheft zur Bibel“ (S. 78) hat mich diese Woche besonders angesprochen: Religion, die nicht befreit und Würde schenkt, schadet Menschen. Gott führt nicht in die Enge. Er befreit.

Ich wünsche dir, dass du erlebst, wie befreiend der Glaube sein kann und wie Gottes Friede dich in diesen unruhigen Zeiten erfüllt.

Vor ein paar Wochen haben wir uns auf HOPE.TV über das Thema Ruhe für alle im Rahmen der Sendereihe DIE BIBEL. DAS LEBEN unterhalten. Die Sendung lief diese Woche und ist in der Mediathek abrufbar.

Bibelgesprächsrunde bei HOPE.TV (Foto: Johannes Feldmann, hope.tv)
Bibelgesprächsrunde bei HOPE.TV (Screenshot der Sendung auf hope,tv)

 

 

 Shabbat Shalom for all
This sentence from the “Study Booklet on the Bible,” (p. 78) spoke to me especially this week: Religion that does not liberate and give dignity harms people. God does not lead into a confinement. He liberates.

I wish for you to experience how liberating faith can be, and for God’s peace to fill you in these troubled times.

A few weeks ago on HOPE.TV, we talked about the topic Rest For All in the series DIE BIBEL. DAS LEBEN. The program runs this week and is online here (only in German).

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Shabbat Shalom para todos
La cita que he puesto en la foto (tomada del folleto para el estudio de la Biblia de esta semana) me ha gustado mucho: La religión que no libera y da dignidad perjudica a las personas. Dios no nos arrincona, sino que nos libera.

Te deseo que experimentes lo liberadora que es la fe y que la paz de Dios te acompañe en estos tiempos difíciles.

Hace unas semanas, en HOPE.TV, hablamos del tema Descanso para todos en la serie DIE BIBEL. DAS LEBEN. El programa se emitió esta semana y está en línea aquí (sólo en alemán).

Ein Tag zum Genießen!

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Ein Tag zum Genießen!

Gott beendete seine Schöpfung nicht schon am sechsten Tag, als er fertig war mit seiner „Arbeit“, sondern erst am siebten, als er „ruhte“. Vollendet war diese erste Woche der Erde erst mit dem Sabbat. Diesen Tag heiligte Gott (d. h. er sonderte ihn aus als „seinen“ Tag), um sich über seine Geschöpfe zu erfreuen, besonders über den Menschen, und mit diesem Gemeinschaft zu haben.  Er reservierte diesen Tag sozusagen für sich, um ihn wiederum als einen befreienden Tag den Menschen zurückzugeben.

Bibelgesprächsrunde bei HOPE.TV (Foto: Johannes Feldmann, hope.tv)

Der wöchentliche Sabbat-Ruhetag: Ist er bloß der erste Teil des freien Wochenendes? Was alles meint „Ruhen“, wenn von Gott die Rede ist? Und wie kann die Sabbatruhe die Lebensqualität in hektischer Zeit steigern? Darum ging es in der Folge „Der Ruhe-Tag“ von DIE BIBEL.DAS LEBEN auf HOPE.TV, an der auch ich beteiligt war.

Zwei Aussagen im „Studienheft zur Bibel“, die mich diese Woche besonders angesprochen haben:

Der Sabbat hat etwas von Meditation in einem ganz positiven Sinn: Man ruht aus von den Taten. Da ist Sein wichtiger als Tun. Der Mensch soll erkennen, dass er nicht nur aus Taten lebt, sondern auch aus anderen Quellen. Ruhe dient der Resilienz, soll Feiern ermöglichen, aus dem Alltag herausholen. Im Feiern schöpft man Kraft, bricht mit der Illusion, man könne aus ruheloser Arbeit leben. (S. 69)

Der Sabbat ist ein Geschenk des Befreier-Gottes an sein Volk. Deshalb soll der Sabbat eine Befreiungserfahrung sein. Er ist und bleibt ein tiefer Einschnitt in die wirtschaftlichen Interessen der Eliten, die pausenloses Arbeiten und Effektivität fordern. Der Sabbat stellt ein ganz anderes Verständnis vom Leben dar. Er fordert auf zur Empathie, zum Rollentausch. Er macht alle Menschen gleich. Am Sabbat gibt es keinen Unterschied zwischen Vorgesetzten und Lohnarbeitern. Bis heute dürfen in Israel am Sabbat Kindern keine Befehle erteilt werden. (S. 72)

 


 

A day to enjoy!

God did not finish his creation already on the sixth day, when he was finished with his work, but not until the seventh day, when he “rested”. This first week of the earth was fulfilled only with the Sabbath. God sanctified this day (i.e. he set it apart as “his” day) in order to rejoice over his creatures, especially over man, and to have fellowship with him. He reserved this day for himself, so to speak, in order to give it back to man as a day of celebration.

The weekly Sabbath day of rest: Is it just the first part of the free weekend? What all does “rest” mean when talking about God? And how can Sabbath rest enhance the quality of life in hectic times?
We talk about this in the episode “The Day of Rest” (in German) of THE BIBLE.THE LIFE on HOPE.TV.

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¡Un día para disfrutar!

Dios no concluyó su creación en el sexto día, cuando terminó su “trabajo”, sino en el séptimo, cuando “descansó”. Esta primera semana de la tierra sólo se completó con el sábado. Dios santificó este día (es decir, lo apartó como “su” día) para alegrarse por sus criaturas, especialmente por el hombre, y tener comunión con él. Se reservó este día, por así decirlo, para devolverlo al hombre como un día para celebrar.

El sábado como día de descanso semanal: ¿es simplemente la primera parte del fin de semana libre? ¿Qué significa “descansar” cuando se habla de Dios? ¿Y cómo puede el descanso sabático mejorar la calidad de vida en tiempos agitados?
Hablamos de esto en el episodio “El día de descanso” (en alemán) de LA BIBLIA.LA VIDA en HOPE.TV en el que también yo participé.

Reset!

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Erschöpft? Resetten!

Die Bibel berichtet nicht nur von den Höhepunkten im Leben geistlicher Menschen, sondern auch von Zeiten des Versagens und der Erschöpfung. So zum Beispiel bei Elia, einem angesehen Propheten Israels.

Als er sich völlig erschöpft den Tod wünschte, richtete Gott Elia liebevoll wieder auf. Er verschrieb ihm einen Reset für Körper, Geist und Seele (nachzulesen in 1. Könige 19).

Bibelgesprächsrunde bei HOPE.TV (Foto: Johannes Feldmann, hope.tv)

Wie gehen wir mit Frust-Erlebnissen im Alltag um? Wie erleben wir Gott, wenn wir – vielleicht nach einem besonderen Erfolgserlebnis – in einem Tief stecken? Wie, wodurch, durch wen spricht Gott zu uns, wenn wir seine Hilfe in einer Krise brauchen?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Gesprächsteilnehmer in der Folge „Heilsame Stille“ von DIE BIBEL.DAS LEBEN auf HOPE.TV, an der auch ich teilgenommen habe.

 

 


 

Exhausted? Reset!

The Bible records not only the high points in the lives of spiritual people, but also times of failure and exhaustion. For example, Elijah, a respected prophet of Israel.

When he wished for death, completely exhausted, God lovingly raised Elijah up again. He prescribed him a reset for body, mind and soul (to be read in 1 Kings 19).

How do we deal with experiences of frustration in everyday life? How do we experience God when we are in a low – perhaps after a special experience of success? How, through what, through whom does God speak to us when we need his help in a crisis?

These are the questions that the participants of the discussion in the episode “Healing Stillness” (in German) of DIE BIBEL.DAS LEBEN on HOPE.TV, in which I also participated, deal with.

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¿Agotado? ¡Resetea!

La Biblia no sólo relata los momentos cumbre de la vida de personas importantes, sino también los momentos de fracaso y agotamiento. Uno de ellos fue Elías, un respetado profeta de Israel.

Cuando Elías, completamente agotado, deseaba morirse, Dios lo reanimó cuidadosamente, prescribiéndole un reset para cuerpo, mente y alma (leer en 1 Reyes 19).

¿Cómo afrontamos las experiencias de frustración en la vida cotidiana? ¿Cómo experimentamos a Dios cuando estamos de bajón, quizás después de una experiencia especial de éxito? ¿Cómo y a través de quién nos habla Dios cuando necesitamos su ayuda en una crisis?

Estas son las preguntas que abordaron los participantes en el episodio “Cuando el silencio cura” de DIE BIBEL.DAS LEBEN en HOPE.TV, en el que también participé.

Auf Rache verzichten?

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Eine der bewegendsten Familiengeschichten der Bibel ist die Geschichte Josefs und seiner Brüder. Aus purem Neid wollten diese ihn töten, verkauften ihn aber stattdessen als Sklaven nach Ägypten. Dem Vater erzählten sie, ein wildes Tier habe ihn getötet. Was sie nicht ahnen konnten: Als sie 20 Jahre später aufgrund einer Hungersnot nach Ägypten zogen, um Getreide zu kaufen, standen sie plötzlich vor ihrem Bruder Josef, der zum zweiten Mann nach dem Pharao avanciert und für die Versorgung der Bevölkerung während der siebenjährigen Hungersnot verantwortlich war.

Was würde Josef nun mit seinen Brüdern tun? Sie strafen lassen? Sie und ihre Not ignorieren? Sie zappeln lassen, bis sie aufrichtig bereuten? Sich rächen für die Jahre fern von zu Hause als Sklave und sogar im Gefängnis? Die spannende Geschichte steht im 1. Buch Mose Kap. 42-45.

Bibelgesprächsrunde bei HOPE.TV (Foto: Johannes Feldmann, hope.tv)

Ein Gespräch darüber mit dem Titel „Vergeben und vertrauen“ ist in der Mediathek von HOPE-TV abrufbar. Ich hatte das Vorrecht, einer der vier Gesprächspartner zu sein – auch bei den darauf folgenden sechs Sendungen. Bei unserem Gespräch ging es nicht allein um die alte Geschichte, sondern auch darüber, was wir für den Umgang mit Menschen lernen können, die uns Leid zugefügt haben.

Einige Gedanken zum Thema Vergebung und Versöhnung:

„Kein Unrecht wird durch Vergebung wie durch ein Wunder in Recht verwandelt. Im Gegenteil: Ein erster Schritt in Richtung Vergebung besteht darin, das erlittene Unrecht anzuerkennen, ohne sich schuldig zu fühlen, und sich so aus der Opfer-Rolle zu befreien.“ (Studienheft zur Bibel, 3/2021, S. 53)
„Das Aussprechen der Worte „Ich vergebe dir“ ist hilfreich, aber kein Ersatz für die innere Auseinandersetzung.“ (Ebenda, S. 54)
„Vergebung ist ein bewusster Akt, eine Entscheidung. … Wenn ich vergebe, überlasse ich meinen Impuls zur Rache oder Vergeltung Gott und seinem heilsamen Wirken. So werde ich frei, auch die schmerzhafteste Vergangenheit so anzunehmen, wie sie war.“ (Ebenda, S. 55)

Pfarrer Uwe Holmer, der Weihnachten 1989 damit konfrontiert wurde, Honeckers in seine private Wohnung aufzunehmen, fand glaubwürdige Worte:
„Vergebung und Versöhnung ist die beste und einzige Weise Vergangenheit aufzuarbeiten. Ich möchte Mut dazu machen, dass dies viele tun. Ich vergifte mein Herz, wenn ich nicht vergebe.“ Uwe Holmer (Hervorhebung von Christian Knoll)
Uwe Holmer, dessen christliches Gewissen Honeckers eine barmherzige Unterkunft gewährte und der über seine kiloschweren ungeöffneten Stasiakten die Hände faltete und betete: „Gott vergebe jetzt jedem, der hier drin steht und etwas Böses gegen mich gehabt hat.“ Nach diesem Gebet ließ er den Aktenberg ungeöffnet! wieder wegschaffen. Vorbild! (Christian Knoll)

 


 

Renounce revenge?

One of the most moving family stories in the Bible is the story of Joseph and his brothers. Out of pure envy, they wanted to kill him, but instead sold him as a slave to Egypt. They told his father that a wild animal had killed him. What they could not have known: When they moved to Egypt 20 years later due to a famine to buy grain, they were suddenly faced with their brother Joseph, who had advanced to second in command to Pharaoh and was responsible for feeding the population during the seven-year famine.

What would Joseph now do with his brothers? Let them be punished? Ignore them and their plight? Let them flounder until they sincerely repented? Take revenge for the years away from home as a slave and even in prison? The exciting story is in Genesis ch. 42-45.

A talk about it entitled “Forgiveness and Trust” is available in HOPE-TV’s media library (in German). I had the privilege of being one of the four interlocutors – also in the following six broadcasts. Our conversation was not just about the old story, but also about what we can learn for dealing with people who have caused us suffering.

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¿Renunciar a la venganza?

Una de las historias familiares más conmovedoras de la Biblia es la de José y sus hermanos. Por pura envidia, querían matarlo, pero en su lugar lo vendieron como esclavo a Egipto. Le dijeron a su padre que un animal salvaje lo había matado. Lo que no podían saber: Cuando 20 años después, debido a una gran hambruna, fueron a Egipto a comprar trigo, se encontraron de repente con su hermano José, que se había convertido en el segundo hombre después del faraón y era el responsable de alimentar a la población durante los siete años de hambruna.

¿Qué haría ahora José con sus hermanos? ¿Ordenar que fueran castigados? ¿Ignorarlos en su necesidad? ¿Dejarlos coleteando hasta que se arrepintieran sinceramente? ¿Vengarse de los años fuera de casa como esclavo e incluso en la cárcel? La emocionante historia se encuentra en el capítulo 42-45 del Génesis.

En la mediateca de HOPE-TV hay una charla sobre el tema titulada “Perdonar y confiar” (en alemán). Tuve el privilegio de ser uno de los cuatro interlocutores, también para los seis programas posteriores. Nuestra conversación no sólo versó sobre la antigua historia, sino también sobre lo que podemos aprender para hacer frente a las personas que nos han hecho sufrir.