Archiv der Kategorie: Nachdenkliches

Heimweh nach Spanien?

Im Stadtstrand von Gijón (am Atlantik) habe ich als Kind im Sommer jeden Tag Stunden lang im Wasser verbracht. (Foto: edp)

 

„Hast du eigentlich Heimweh nach deiner spanischen Heimat?“, werde ich manchmal gefragt. Nein, habe ich nicht. Nach bald 48 Jahren empfinde ich Deutschland längst als meine Heimat. Außerdem leben meine nächsten Familienangehörigen hier. Wenn ich länger auf Reisen bin, dann spüre ich Sehnsucht nach meinem gemütlichen Zuhause und vor allem nach meiner Frau, die mich sehr vermisst und sehnsüchtig erwartet.

Auf einem christlichen Sender hörte ich einmal ein Lied, das mich über die Frage nachdenken ließ: Wie groß ist meine Sehnsucht nach Gott? Im Refrain hieß es: „Gott, lass mich immer Heimweh haben, wenn ich nicht nahe bei dir bin!“ Heimweh nach Gott: Genau das spürte der Dichter des 84. Psalms:

Mit Leib und Seele schreie ich nach dir, dem lebendigen Gott! … Ein Tag im Vorhof deines Tempels zählt mehr als sonst tausend. Lieber an der Tür deines Hauses stehen als bei Menschen wohnen, die dich missachten. Psalm 84,3.11 (Gute Nachricht Bibel)

Er beneidete die Menschen, die Gott im Tempel dienten, und sogar die Schwalben, die ihr Nest nahe bei den Altären bauen und ihre Jungen dort aufziehen konnten (Vers 4).

Heimweh nach Gott dürfte – bewusst oder unbewusst – jeder Mensch empfinden, weil Gott eine Sehnsucht in unser Herz gelegt hat, die nur er stillen kann. Der Kirchenvater Augustinus (354–430 n. Chr.) formulierte es so: „Zu dir hin, o Gott, hast du uns erschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ (Bekenntnisse)

Heimweh nach Gott spürte – im übertragenen Sinn – der Sohn im Gleichnis Jesu (siehe Lukas 15,11–24), der sein Zuhause verließ, um das Glück in der Ferne zu suchen. Die Anziehungskraft der Liebe seines Vaters siegte über seine Scham und sein schlechtes Gewissen.

Heimweh nach Gott – das möchte ich immer wie- der spüren, wenn die Geschäftigkeit des Alltags, die Ablenkung durch die Medien, die Fülle der Termine und Verabredungen die Pflege meiner Beziehung zu ihm verdrängen oder auf Sparflamme reduzieren.

Herr, halte du meine Sehnsucht nach dir wach. Erinnere mich daran, wie schön es ist, Zeit mit dir zu verbringen, mit dir zu reden und in der Bibel deine Antwort zu entdecken. Amen!

 

Diese Andacht wurde im Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg veröffentlicht (für den 10.3.2019).

Die Andacht ist auch zu Hören beim HOPE Channel Radio.

Kein Karneval mehr

Deutsch: Wenn eines Tages alle Masken fallen, wird nur das bestehen, was Gott in uns verändert und neu geschaffen hat. Elí Diez-Prida
English:  When one day all masks fall, there will remain only that which God has changed and recreated in us.
Español:  Cuando un día todas las máscaras caigan, sólo quedará aquello que Dios ha cambiado y creado en nosotros de nuevo.

 

Pusten! Pusten?

Deutsch: Mit dem Wind, den man selber macht, lassen sich die Segel nicht füllen. Karl Heinrich Waggerl (English:  You can’t fill your sails with the wind you make yourself. Español:  No puedes llenar tus velas con el viento que haces tú mismo.)

Womit lassen sich denn die Segel füllen? Mit welchem Wind?

Menschen, die Jesus Christus nachfolgen, haben die Antwort auf diese Frage in seinem Leben und in seinen Predigten gefunden: Der Heilige Geist, der Geist Gottes, ist derjenige, der alles bewirkt, was wir nicht können:

  • Jesus konnte lebensnah, verständlich und zugleich tiefgründig und mit Autorität predigen und lehren, weil der Geist ihm dazu die Weisheit gab (Lukas 4,18-21).
  • Jesus heilte Kranke und befreite von Dämonen Besessene ebenfalls durch den Geist Gottes dazu befähigt (Matthäus 12,28).
  • Jesus versprach seinen Nachfolgern, dass der Heilige Geist sie weiterführen in der Erkenntnis der Wahrheit und auch trösten würde (Johannes 14,15-26).
  • Jesus lehrte, dass der Heilige Geist wie der Wind wehen und wirken kann, sich aber nicht von Menschen steuern oder etwas diktieren lässt (Johannes 3,8).
  • Jesus betonte – wie später auch seine Schüler –, dass ein Mensch sich selbst nicht radikal (d. h. von der Wurzel her) aus eigener Kraft ändern kann, der Geist Gottes aber neue Menschen aus uns machen kann (Johannes 3,5-6; Titus 3,5). Die Folgen dieser Änderung – wie ein liebevolles und geduldiges Wesen, Friede, Freundlichkeit, Güte, Treue etc. – werden auch vom Geist Gottes bewirkt, und werden daher „Frucht“ des Geistes genannt (Galater 5,22-23).
  • Als Jesus seine Schüler beauftragte, weltweit die gute Nachricht der Befreiung von der Sünde und der Liebe Gottes zu verbreiten, gab er ihnen auch das Versprechen, dass der Heilige Geist sie dazu befähigen und begleiten würde (Apostelgeschichte 1,8).

In der Tat: Mit dem Wind, den ich selber machen könnte, würde ich weder mich noch andere von der Stelle bewegen. Aber der Geist Gottes kann das und noch viel mehr – wenn ich es zulasse und ihn darum bitte.

„Ich bestehe nur aus Egoismus“

Ihr erstes Fotoshooting: Was wird aus beiden, dem jungen Model und dem jungen Fotografen, werden? Wer und was wird sie prägen? Welche Vorbilder werden sie sich aussuchen? (Foto: Bess-Hamiti, pixabay)

„Ein Modezar verlässt die Welt“, so lautete eine der Schlagzeilen nach dem Tod des Modeschöpfers Karl Lagerfeld. Da ich mich auf diesem Gebiet nicht auskenne, wusste ich nicht viel über diesen talentierten und erfolgreichen Menschen, der darin groß war, sich selbst zu inszenieren und auch zu provozieren.

Beim Lesen einiger Spruchsammlungen, die es von ihm gibt, gefiel mir dieses Zitat gut: „Persönlichkeit fängt dort an, wo der Vergleich aufhört.“ Es gefällt mir deswegen gut, weil ich es für gefährlich halte, sich mit anderen zu vergleichen: Die Gefahr dabei ist groß, dass man überheblich oder depressiv wird, je nachdem, mit wem man sich vergleicht.

Andere Sprüche von ihm machten mich aber sehr nachdenklich: „Ich interessiere mich nur für mich selbst und mein Spiegelbild.“ „Ich bestehe nur aus Egoismus. Ich bin keine Opfernatur.“ „Ich leide an einer Überdosis meiner selbst.“

Welch ein Kontrast zur Person, die ich am meisten bewundere und mein lebenslanges Vorbild ist: Jesus Christus! Über ihn schrieb Paulus den Christen in Philippi:

Seid bescheiden und achtet den anderen mehr als euch selbst. Denkt nicht an euren eigenen Vorteil. Jeder von euch soll das Wohl des anderen im Auge haben. Nehmt euch Jesus Christus zum Vorbild: Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich … Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz. Philipper 2,3–8 (Hoffnung für alle)

Jesus Christus „klebte“ nicht an seinem Thron im Himmel. Dienen war seine Lebensmaxime. Mit seinen Worten verletzte er nicht, sondern richtete auf. Für die Schwächsten in der Gesellschaft empfand er tiefstes Mitleid, ehrte sie und gab ihnen Lebensmut und Lebenssinn.

Jesus Christus ist der Einzige, auf den wir als Vorbild blicken können, ohne depressiv werden zu müssen. Denn wir brauchen ihn nicht zu kopieren – und könnten es gar nicht. Seine Erniedrigung erhöht uns Sünder zu wertvollen Kindern Gottes. Seine Vollkommenheit bedeckt unsere Schwäche. Seine Liebe verändert unser Wesen und motiviert uns, so zu leben und zu lieben wie er, weil er in uns leben und durch uns lieben kann und will.

Nie wieder!

„Habe stets ein Ohr für die Vergangenheit, ein Auge für die Zukunft und ein Lächeln für den Augenblick!“ (Stefan Radulian)

Ein meiner Meinung nach gutes Zitat für den 27. Januar, den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.
(Am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz-Birkenau durch Truppen der Roten Armee befreit.)

English:  “Always have an ear for the past, an eye for the future and a smile for the very moment!” (Stefan Radulian)

In my opinion a good quote for January 27th, the International Holocaust Remembrance Day for the victims of National Socialism.
(On January 27, 1945, Auschwitz-Birkenau, the largest Nazi concentration and death camp, was liberated by the Red Army.)

Español:  “¡Tened siempre un oído para el pasado, un ojo para el futuro y una sonrisa para el momento presente!” (Stefan Radulian)

Una cita que opino va bien para el 27 de enero, el Día Conmemorativo de las Víctimas del Nacionalsocialismo.
(El 27 de enero de 1945 tropas del Ejército Rojo liberaron el campo de concentración de Auschwitz.)

Ein Jahrhundertfoto

Earthrise: Die Erde geht am 24.12.1968 über dem Mondhorizont auf. (Foto: NASA/Bill Anders)

In ihrer Neujahrsansprache verwies Bundeskanzlerin am 31.12.2018 auf die Fotos, die der deutsche Astronaut Alexander Gerst in den Monaten davor von der internationalen Raumstation ISS geschickt hatte. Sie sprach dabei den Klimawandel an, sagte aber auch, „immer wieder sind es auch einfach Bilder von der überwältigenden Schönheit unserer Erde“.

Diese Worte erinnerten mich an das so genannte „Jahrhundertfoto“, das die Astronauten der Apollo-8-Mission am Heiligabend des Jahres 1968, also vor 50 Jahren, machten: „Earthrise“, den Aufgang der Erde über dem Mondhorizont. Das Bild zeigt die blau-weiß leuchtende Erdkugel im nachtschwarzen All über der grauen, mit Kratern übersäten Oberfläche des Mondes. Ulrich Köhler, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, kommentierte: „Dieses Foto hat bestimmt nicht nur bei den Technokraten und Astronauten und Ingenieuren und Wissenschaftlern der NASA etwas bewegt, sondern vor allem natürlich bei den Menschen selber, die gesehen haben, dass die Erde ein kleines Sandkorn in der Unendlichkeit des Universums ist.“

Die drei Astronauten waren so bewegt, dass sie am Weihnachtsmorgen gegen vier Uhr deutscher Zeit die biblische Schöpfungsgeschichte vorlasen, die mit den Worten beginnt:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (1. Mose 1,1–5)

Ich finde es großartig, wie diese drei Astronauten in dieser überwältigenden Situation reagiert haben: Sie konnten nicht anders, als den Schöpfergott durchs Vorlesen dieses Abschnitts aus der Bibel zu ehren. Vielleicht, weil sie meinten, keine passenderen eigenen Worte für diese Situation zu finden. Oder aber weil ihnen die Größe des Schöpfers bewusst wurde, auf die die Dimensionen des Weltalls schließen lassen.

Wie schade, dass über die biblische Schöpfungsgeschichte so viel und auch heftig während der letzten Jahrzehnte diskutiert worden ist! Statt sich durch deren Wortlaut persönlich ansprechen und zum Nachdenken über den Schöpfer bewegen zu lassen, blieben viele Leser an Details hängen, zerlegten Begriffe unter dem Mikroskop, suchten Ungereimtheiten, indem sie heutige wissenschaftlichen Maßstäbe an einen Text anlegten, der zu einem ganz anderen Zweck verfasst worden war: zu zeigen, dass es einen persönlichen Gott gibt, der ein vollkommenes Zuhause für seine Geschöpfe formte, um eine innige Beziehung zu ihnen zu pflegen.

Es ist ermutigend, zu lesen, wie zwei berühmte Astronomen das beschrieben, was sie durch die Beschäftigung mit der Schöpfung erlebten: „Wer sollte nicht durch die Beobachtung und den sinnenden Umgang mit der von der göttlichen Weisheiten geleiteten herrlichen Ordnung des Weltgebäudes zur Bewunderung des allwirkenden Baumeisters geführt werden!“ (Nikolaus Kopernikus, 1473–1543) „Die Erhabenheit Deiner Schöpfung wollte ich den Menschen verkünden, soweit mein eingeschränkter Verstand Deine Unendlichkeit begreifen konnte.“ (Johannes Kepler, 1571–1630)

Als Jugendlicher habe auch ich mich zu fruchtlosen Diskussionen über Schöpfung vs. Evolution verführen lassen. Inzwischen verlocken mich viel mehr die Wunder der Schöpfung, ob im Weltall, in der Tierwelt oder im menschlichen Körper. Je mehr ich über die geheimnisvollen Prozesse im Mikro- und Makrokosmos lese, desto mehr muss ich über die Größe und Kreativität des Schöpfers staunen. Die Bibel steht mir dabei keineswegs im Wege, sondern im Gegenteil: Sie beflügelt mein Denken und verleiht meinen Gedanken die passenden Worte – wie vor fünfzig Jahren den Astronauten der Apollo-8-Mission.

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