Archiv der Kategorie: Nachdenkliches

Beten befreit!

Gebet ist die Tür aus dem Gefängnis unserer Sorge. Helmut Gollwitzer

Helmut Gollwitzer  (1908-1993)  war evangelischer Theologe und Schriftsteller, ein Schüler  des Theologen Karl Barth.

Beten ist die Kraftquelle eines Christen. Auch wenn er allein ist, ist er nicht einsam, denn er spürt die Gegenwart dessen, der gesagt hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage“. (E. G. White, „Das Gebet“, Advent-Verlag Lüneburg, 2010, S. 17)

English:
Prayer is the door out of the prison of our anxiety. Helmut Gollwitzer (Foto)

Español:
La oración es la puerta de salida de la prisión de nuestra inquietud. Helmut Gollwitzer (Foto)

Wie undankbar bin ich?

(Foto: Godsgirl_madi, pixabay.com)

Nach einer Umfrage von 2018 gibt es mehr undankbare Menschen (56 Prozent) als dankbare (21 Prozent; 23 Prozent konnten sich nicht festlegen). Zu welcher Gruppe gehöre ich?

Wer gern und oft Danke sagt, ist nachweislich gesünder, leistungsfähiger und stressresistenter, denn wenn wir uns bedanken, schüttet unser Körper das Glückshormon Serotonin. Paulus wusste das nicht, riet aber den Christen in der Stadt Thessaloniki vor 2000 Jahren:  „Seid dankbar in allen Dingen!“ (1. Thessalonicher 5,18)

Jesus Christus erlebte häufig Undankbarkeit, während er sich bis zur Selbstaufgabe für das Wohl von Menschen einsetzte. Einmal heilte er zehn Leprakranke und nur einer von ihnen (ein „Ausländer“) kam zurück, um sich bei Jesus zu bedanken. Daraufhin fragte er: „Waren es nicht zehn Männer, die gesund geworden sind? Wo sind denn die anderen neun?“ (Lukas 17,17 Hfa)

Es muss kein böser Wille der Grund dafür gewesen sein, dass die anderen nicht kamen, um Danke zu sagen. Mir fielen ein paar mögliche Begründungen ein. Dabei merkte ich, dass es mir möglicherweise auch nicht anderes ergangen wäre:

  • Ich wollte nicht nur mit Worten danken, wollte ein Geschenk suchen, fand aber nichts passendes. (Kenne ich!)
  • Ich wollte ihm danken, da fiel mir ein, dass er wahrscheinlich keinen Dank erwartet, da ließ ich es auch sein. (Es stimmt: Gott hat unseren Dank nicht nötig, wir aber das Danken!)
  • Ich bin sonst nicht undankbar, aber aus lauter Freude habe ich es einfach vergessen! (Danken hat mit Denken zu tun. Gedankenlosigkeit führt zur Undankbarkeit aus Vergesslichkeit.)
  • Warum sollte ich mich bedanken? Ich hatte ein anständiges Leben geführt, ich hielt es für recht und billig, dass Jesus mich heilte. (Nach dem Motto: Mir wird nichts geschenkt, alles, was ich bekomme, steht mir zu, habe ich mir hart verdient.)
  • Warum kam schließlich der eine, der Ausländer, um sich zu bedanken? Vielleicht weil er meinte: Ohne zu atmen, kann ich nicht leben. Danken gehört für mich so zum Leben wie das Atmen!

Ich wünsche mir, dass auch ich nicht leben kann, ohne Danke zu sagen – Gott und meinen Mitmenschen. So häufig wie möglich.

 

English:
I was weeping, because I had no shoes, until I met one, who had no feet. Giacomo Leopardi (Foto)

Español:
Lloraba, porque no tenía zapatos, hasta que conocí a uno que no tenía pies.  Giacomo Leopardi (Foto)

Gesucht: Geborgenheit!

Gott ist kein Boss auf der Suche nach Arbeitskräften. Er ist ein Adler, der nach Menschen sucht, die unter seinen Flügeln Zuflucht finden. (John Piper)

Zu diesem schönen Spruch fallen mir zwei Bibelworte ein, eines von Jesus , das er auf dem Ölberg mit dem Blick auf die Stadt Jerusalem sprach,  das andere aus dem  Buch Deuteronomium (5. Mose):

O Jerusalem, Jerusalem, du Stadt, die Propheten ermordet und Gottes Boten steinigt! Wie oft wollte ich deine Kinder zusammenrufen, wie eine Henne, die ihre Küken unter ihren Flügeln birgt, doch ihr habt es nicht zugelassen. (Matthäus 23,37 NLB)

Wie ein Adler, der seinen Jungen das Fliegen beibringt, über ihnen schwebt und sie auffängt, seine Schwingen ausbreitet und sie auf seinen Flügeln in die Höhe trägt, so führte der Herr sie [die Israeliten].  (5. Mose 32,11.12 NLB)

 

English:
God is not an employer looking for employees. He is an Eagle looking for people who will take refuge under his wings. (John Piper) (Foto)

Español:
Dios no es un jefe buscando empleados. Él es un águila buscando personas que quieran encontrar refugio bajo sus alas. (John Piper) (Foto)

Zu dunkel?

Ich sagte zu dem Engel: „Gib mir ein Licht, damit ich festen Schrittes in die Ungewissheit des neuen Jahres schreiten kann.“ Aber er antwortete mir: „Geh hinein ins neue Jahr und lege deine Hand in Gottes Hand. Das ist mehr wert als ein Licht, und sicherer, als den Weg im Voraus zu kennen.“ (Mündlich überliefert/edp)

Allen Lesern wünsche ich einen sanften Übergang in das neue Jahr 2020. Möge es von Frieden, Zuversicht und dem Segen unseres Vaters im Himmel erfüllt sein, der uns unermesslich liebt.

Ein vertrauensvolles neues Jahr!

English:
I said to the angel, “Give me a lamp that I may tread firmly into the uncertainty of the new year.” But he answered me, “Go into the new year and put your hand in God’s hand. That is worth more than a lamp, and safer than knowing the way ahead.” (Oral tradition/edp) (Foto)

Español:
Le dije al ángel: “Dame una lámpara, para que pueda entrar con pasos firmes en la incertidumbre del año nuevo”. Pero él me respondió: “Pasa al nuevo año y coloca tu mano en la mano de Dios. Eso vale más que una lámpara, y es más seguro que conocer de antemano el camino a seguir”. (Transmitido oralmente/edp) (Foto)

The same procedure …

The same procedure since 110 years
Millionen Spanier werden heute um Mitternacht die „Zwölf Weintrauben des Glücks“ schlucken – 20.000 von ihnen auf dem berühmten Platz Puerta del Sol im Zentrum Madrids.

Diese Zeremonie wird so ernst genommen, dass immer am Vorabend ein Probelauf stattfindet. Im Radio und Fernsehen werden sogar Ratschläge erteilt, wie die Weintrauben zu schlucken sind, damit es keine Komplikationen gibt (am 31.12.2018 starb dabei ein Dreijähriger in meiner Heimatstadt Gijón, Asturias).

Vielleicht ein netter Brauch (den ich noch nie probiert habe), meine Wünsche bringe ich lieber Gott im Gebet vor. Zum einen kann er sie „filtern“, denn er weiß, was für mich wirklich gut ist. Und zum anderen ist er der einzige, der mir wirklich helfen kann, trotz unerfüllter Wünsche glücklich zu sein.

Ein vertrauensvolles und glückliches Neues Jahr!

Der Uhrturm der Casa de Correos an der Puerta del Sol läutet in der Silvesternacht das neue Jahr mit zwölf Glockenschlägen ein. (Foto: edp)
Hier steht der Null-Kilometerstein der sechs Hauptnationalstraßen Spaniens, die sich sternförmig von Madrid aus über das gesamte spanische Festland erstrecken.

 

English:
Since 1909 it has been a custom in Spain to swallow twelve grapes during the last twelve seconds and gong strokes of the year. This is done by 20,000 people in the Puerta del Sol square in Madrid and millions more at home in front of the television. (Foto)

Español:
Desde 1909 es costumbre en España tragar doce uvas durante los últimos doce segundos y campanadas del año. Esto lo hacen 20.000 personas en la plaza de la Puerta del Sol de Madrid y millones más en casa frente al televisor. (Foto)

Annahme verweigert

(Foto: Harry Strauss, pixabay.com)

Während ich die ersten Zeilen schreibe, werden im Radio Tipps für den Umtausch von Weihnachtsgeschenken gesendet. Eine lästige Sache, dieses Zurückgeben oder Umtauschen von Dingen, die nicht passen oder nicht gefallen!

Etwas Schlimmeres erlebte ich vor ein paar Jahren, als ein Buchgeschenk, das ich ins Ausland verschickt hatte, mit dem Vermerk zurückkam „Annahme verweigert“. Ich konnte es nicht fassen, bis ich die Bestätigung erhielt, dass der Empfänger keinen Kontakt mehr zu mir haben wollte. (Leider kenne ich bis heute die Gründe nicht. Ich bete aber regelmäßig für diese Person und hoffe, dass wir einmal wieder miteinander reden können.) Jedenfalls ist das nichts im Vergleich zur Annahmeverweigerung, die Jesus Christus, der Sohn Gottes, erlebte, als er vor ca. 2000 Jahren auf die Erde kam.

Dazu fällt mir  das gelungene Titelbild  eines Wochenmagazins ein. Es war ein weihnachtliches Motiv und es ging beim Thema „Das gelieferte Fest“ darum, wie der Onlinehandel unser Leben revolutioniert. Josef und Maria betrachten ratlos das Baby, das ihnen aus einem Karton des größten Online-Versandhändlers die Ärmchen entgegenstreckt. Sprechblasen verraten, was den überrascht wirkenden Eltern durch den Kopf geht. Josef: „Das habe ich nicht bestellt.“ Maria: „Können wir ihn umtauschen?”

Artikel gefällt nicht, passt nicht, entspricht nicht den Erwartungen … Wie sehr trifft das alles auf Jesus Christus zu, Gottes „Weihnachtsgeschenk“ an die Menschheit. Zuerst an sein Volk, aber „die Seinen nahmen ihn nicht auf“ – so nachzulesen im Johannes-Evangelium (1,11):

Jesus kam in seine Welt, aber die Menschen wiesen ihn ab.

Das war nicht der Messias, mit dem sie gerechnet hatten! Selbst der Bußprediger Johannes, der Jesus getauft hatte, bekam Zweifeln und ließ ihn fragen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Lukas 7,20) Und zwei Schüler von Jesus formulierten so ihre Enttäuschung: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“ (Lukas 24,21)

Es gab vieles, was den Menschen an Jesus nicht passte: seine Herkunft, die Kreise, in denen er verkehrte, die Mitarbeiter, die er sich aussuchte, und vor allem viele seiner Reden: „Was er da redet, geht zu weit! So etwas kann man nicht mit anhören!“ (Johannes 6,60 GNB)

Jesus Christus umtauschen? Ausgeschlossen! Wer könnte uns besser als er zeigen, wie Gott-Vater wirklich ist? Wer sollte seinen Platz am Kreuz für ihn einnehmen? Wer käme in Frage, stellvertretend die Schuld der ganzen Menschheit auf sich zu nehmen?

Welche Erwartungen haben wir denn an Gottes größtes Geschenk? Dass er so ist, handelt und redet wie wir? Dann wäre Jesus nur ein Mensch! Aber er ist zugleich Gott und darum sind seine Gedanken viel höher als unsere, seine Pläne vielversprechender, seine Versprechen absolut zuverlässig und die Zukunft, die er für uns vorbereitet, größer und schöner, als wir sie uns jemals erträumen könnten. Gottes Geschenk an uns ist durch nichts und niemand zu überbieten!

Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.

 

Dieser Beitrag ist in ähnlicher Form am 27.12.2019 im Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg erschienen.

Den Beitrag zum Anhören
(Reihe “Das Wort zum Tag” vom Hope Media)

(Dieser Beitrag ist ein Update von „Artikel gefällt nicht“ vom 26.12.2017.)

 

English:
Jesus came to what was his own. But his own people rejected him.
Yet to all who received him, to those who believed in his name, he gave the right to become children of God. (John 1:11-12) (Foto)

Español:
Cristo vino al mundo que El había creado, pero los hombres lo rechazaron. Mas a cuantos lo recibieron y creyeron en El, les dio el derecho de ser hijos e hijas de Dios. (Juan 1:11-12) (Foto)