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Traust du deinen Augen noch?

Ist das wirklich ein Dreizack? Eine „harmlose“ optische Täuschung.

Als ich vorgestern eine Präsentation für meine Kirchengemeinde vorbereitete, habe ich ein Foto manipuliert: Mit zwei Klicks habe ich einen Aschenbecher „entsorgt“ und den abgebildeten Raucher in einen Nichtraucher verwandelt. (Das Foto hatte ich übrigens aus einer kostenlosen Bilderdatenbank mit zurzeit über 1,5 Millionen freien Fotos und Videos.)

Wir erleben seit der Einführung der Digitalfotografie und dank der ständigen Verbesserung der Kamerafunktionen moderner Mobiltelefone eine regelrechte Bilderflut. Im digitalen Zeitalter „reden“ wir mehr und mehr durch Bilder miteinander, denn „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Und so wundert es mich nicht, dass Instagram, ein kostenloser Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos, zu einer führenden Plattform in den sozialen Netzwerken geworden ist: Betrug die Mitgliederanzahl Ende 2010 eine Million, so waren im Juni 2018 eine Milliarde aktive Nutzer registriert!

Obwohl inzwischen fast jeder weiß, wie leicht es ist, Bilder zu manipulieren, lassen wir uns leicht von dem beeindrucken, was wir sehen. Eine Studie der britischen Universität Warwick belegt, dass die meisten Menschen nicht in der Lage sind, digital gefälschte Bilder zu erkennen. „Der blinde Glaube ans Bild wird schamlos ausgenutzt, das Publikum in die Irre geführt“, schrieb die NZZ am Sonntag (3.6.2017). Auch wenn das Wort in einem anderen Zusammenhang fiel, bewahrheitet sich in auffälliger Form der Spruch aus der Bibel: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist.“ (1. Samuel 16,7)

Inzwischen hat die digitale Manipulation auch den Filmbereich erreicht: Videos lassen sich mit Algorithmen und Apps dank künstlicher Intelligenz derart manipulieren, dass beispielsweise gefälschte Pornos mit den Gesichtern von Promis im Internet verbreitet werden. Oder Politikern werden Worte in den Mund gelegt, die sie so nie gesagt haben. Dabei gibt die digitale „Maske“ das Lächeln, Zwinkern usw. der Person so täuschend echt wieder, dass der Zuschauer die Manipulation („deepfakes“ nennt man solche Videos) nicht merkt.

Seit Ende Januar 2018 gibt es eine (kostenlose) App, mit der jedermann sehr einfach die Gesichter austauschen und so Fake-Videos erstellen und verbreiten kann. Daher wächst die Sorge, dass diese Manipulationen zu einem gefährlichen Massenphänomen werden könnten. Es wird nicht einmal ausgeschlossen, dass Deepfake-News Kriege auslösen könnten.

Diese Entwicklungen fordern uns heraus, noch kritischer alles zu prüfen, was die Medien verbreiten – nicht nur das, was wir hören und lesen, sondern auch das, was wir sehen, also auch Fotos und Filmmaterial. Eine Hilfe wird dabei möglicherweise eine Ergänzung (Plugin) für Internetbrowser sein, die automatisch erkennen wird, ob ein Video echt oder gefälscht ist.

Eine Folge dieser Entwicklung könnte sein, so ein Experte auf dem Gebiet der sozialen Netzwerke, dass Menschen mit festgefügten Weltbildern sich ihre eigene Parallelwelt schaffen und sich in ihrer eigenen zurechtmanipulierten „Wahrheit“ bestätigen. Eine andere Gefahr, die in der postmodernen Gesellschaft schon länger zutage tritt, ist die Relativierung der Wahrheit: Das Empfinden, es gäbe keine absolute Wahrheit mehr, kann auch eine Folge der Verunsicherung bzw. des Misstrauens sein, dass man heute nichts und niemandem glauben kann.

Da sind Christen besonders herausgefordert, ihren Glauben an einen Gott zu bekennen, der absolut vertrauenswürdig ist; von Jesus Christus zu erzählen, der den Anspruch erhob, „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ zu sein; zu zeigen, dass man sehr wohl der Heiligen Schrift, der Bibel, vertrauen darf; und vor allem: wahrhaftig und authentisch zu leben.

Vor 2000 Jahren stellte Pilatus die berühmte Frage: „Was ist Wahrheit?“ (Johannesevangelium 18,38) Leider wartete er nicht mehr die Antwort aus dem Mund von Jesus ab. Bewusst oder unbewusst, direkt oder wortlos wird auch heute diese Frage von vielen gestellt. Hoffentlich wird sie gehört und wahrhaftig und überzeugend von jenen beantwortet, mit Worten und/oder mit Taten, die erlebt haben: Der Mensch sieht, was vor Augen ist, und kann sich daher gewaltig täuschen. Gott aber sieht das Herz an, ihm kann man nichts vormachen – und man braucht es auch nicht!

Das „Wunder von Thailand“ – Nachlese

Teil des Rettungsteams am Eingang der Tham-Luang-Höhle. (Foto: NBT; Lizenz: cc 3.0)

Nachdem die allgegenwärtige Berichterstattung über die Rettung der 13 jungen Männer aus der Höhle in Thailand aufgehört hat, gewinne ich Abstand für einen Rückblick.

Sehr interessant finde ich, wie die deutsche und ausländische Presse die mediale Präsenz kommentiert hat. Häufig wurde kritisiert, dass dem Geschehen in Thailand viel zu viel Aufmerksamkeit gewidmet worden wäre, und zwar zu Ungunsten anderer und größerer humanitärer Probleme. Daraus allerdings zu schlussfolgern, das Mitgefühl für die Kinder in Thailand sei falsch gewesen, hielt die australische Zeitung THE AGE (11.7.2018) für falsch: „Die Rettung der Fußballmannschaft war eine seltene gute Nachricht, und Mitgefühl ist eine fundamental menschliche Regung.“ Ich kann mich dem voll anschließen, denn in der Tat: Den guten Nachrichten wird in den Medien kaum Raum gegeben – sie „verkaufen“ sich nicht so gut wie die schlechten. Das musste ich kürzlich während der drei Wochen in meiner spanischen Heimat beim Ansehen der Tagesschau mit Bedauern feststellen; bald konnte ich die langen und ausführlichen Berichte über Vergewaltigungen, Morde und Verkehrsunfälle nicht mehr sehen.

Vielfach gelobt wurde in den Kommentaren die internationale Zusammenarbeit. So schrieb beispielsweise The Guardian (11.7.2018): „Die Rettungsaktion ist eine echte Inspiration: Sie bestätigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Menschen ihre Ängste überwinden, an einem Strang ziehen und zuerst an ihre Mitmenschen denken.“ Auch ich freue mich jedes Mal, wenn sich nicht der Egoismus und die kleinkarierten Interessen durchsetzen, sondern die „Goldene Regel“, die Jesus Christus in der Bergpredigt lehrte, praktiziert wird: „Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt.“ (Matthäusevangelium 7,12 GNB) Auf die Situation hier bezogen: Tue für diese Kinder das, was du dir für deine eigenen wünschen würdest, wenn sie in solch einer Situation wären.

Ich selbst konnte „nur“ für diese Jungen, ihren Trainer und für die Rettungskräfte beten. Das habe ich gern getan. Und Gott nach dem Abschluss der Rettungsaktion gedankt. Neben dem Dank und dem Respekt für die Rettungskräfte und deren außerordentliche Leistung (die ein Menschenleben gekostet hat), fand ich in meiner Recherche eher selten den Dank an Gott. Fest steht, dass weltweit Christen für die Rettung der Jungen gebetet haben. Und dass Mitschüler der Eingeschlossenen am Höhleneingang die Rettung mit Gebet und Gesang begleitet haben. Wie wunderbar, dass Gott nicht nur die Gebete der Christen beachtet, sondern auch auf die Hilferufe eines jeden Menschen, ob religiös oder nicht, eingeht. (Warum so viele Menschen, auch Kinder, beispielsweise auf der Flucht im Mittelmeer ihr Leben lassen müssen, ist eine Frage, auf die es keine befriedigende Antwort gibt!)

Apropos wunderbar: Sehr selten habe ich in den Schlagzeilen den Begriff „Wunder“ gefunden. Als ich darüber nachdachte, warum viele dieses Wort zu meiden scheinen, sind mir zwei mögliche Gründe eingefallen: Warum muss man diesen Begriff bemühen, wenn so viele Menschen nach einem professionell ausgetüftelten Plan erfolgreich sind? Wir sind es ja gewohnt, dass allein durch menschliches Können fast Übermenschliches zustande kommt. Die Höchstleistungen von Wissenschaft und Technik scheinen den Bedarf an Wundern nahezu gänzlich zu decken.

Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass ein Wunder in der Regel dem Eingreifen Gottes zuzuschreiben ist. Wer aber Gott keinen Platz in seinem Leben einräumt, der wird wohl mit keinem Wunder rechnen. Das ist aber ein großer Verlust: Wer das tut, gleicht einem Schiffbrüchigen, der sich mit dem Leben auf seiner kleinen Insel abfindet und die Funkanlage ins Wasser wirft, durch die er Ermutigung bekommen und letzten Endes Rettung finden würde.

Verwirrend!?

Auf dem Friedhof von Ceares, Gijón, Nordwestspanien. (Foto: edp)

Vor wenigen Tagen war ich mit meiner Mutter auf dem Altfriedhof unserer spanischen Heimatstadt, um mit ihr das Grab meines Vaters zu besuchen (er starb bei einem Arbeitsunfall im Alter von 35 Jahren). Die Worte über dem Eingangsportal sind für jeden, der den Friedhof verlässt, nicht zu übersehen: „Señor, dadles el descanso eterno“ (Gib ihnen, Herr, die ewige Ruhe). Die meisten Grabinschriften enthielten außerdem die drei bekannten Buchstaben R.I.P. (für „Ruhe in Frieden“ auf Lateinisch) beziehungsweise D. E. P. (für „Descanse en paz“, das spanische Äquivalent).

Diese Aussagen haben den Gedanken des Ruhens gemeinsam, der Portalschriftzug allerdings um die Eigenschaft „ewig“ ergänzt. Sollen die dort Begrabenen nur eine Zeitlang in Frieden ruhen, um dann irgendwie aufzuwachen (d. h. auferstehen), oder sollen sie für immer und ewig ruhen, ohne jemals wieder aufzuwachen?

Sofort musste ich an eine Beisetzungsfeier denken, die ich wenige Wochen zuvor besucht hatte: Der Pfarrer sprach mal von der ewigen Ruhe, dann davon, dass der Verstorbene bereits am Ziel, d. h. bei Gott, wäre, dann aber betete er das Vaterunser, in dem es heißt „Dein Reich komme“ und in einem Nachruf wurde aus dem Glaubensbekenntnis zitiert: „„Er [Jesus Christus] sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“

Nun ist die Verwirrung noch größer: Wieso ewige Ruhe oder Ruhe überhaupt, wenn der Verstorbene bereits am Ziel sein sollte? Und wenn er schon im Reich Gottes angekommen ist, wieso wird die Bitte ausgesprochen „Dein Reich komme“? Und wenn die Verstorbenen schon bei Gott sind, wozu soll Jesus Christus wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten?

Opferstock in der Kathedrale von Lugo, Galizien, Norwestspanien. (Foto: edp)

Den Höhepunkt der Verwirrung erlebte ich aber letzte Woche in der Kathedrale von Lugo in Galizien. Dort stand über einen Opferstock die Schrift „Limosna para las benditas ánimas del purgatorio“ (Almosen für die seligen Seelen im Fegefeuer). Woher weiß der Pfarrer, dass der Verstorbene nicht im Fegefeuer (zwecks Erhalt der fehlenden Läuterung) verweilt, sondern schon bei Gott ist? Und wieso wird gleich nach dem Tod bereits „gerichtet“, d. h. entschieden, dass diese Läuterung im Fegefeuer zu erfolgen hat, wenn doch Jesus Christus die Toten und Lebenden erst richten wird, wenn er wiederkommt? Und wie soll durch Almosen die Verweildauer im Fegefeuer verkürzt werden können?

Es gibt so viele Widersprüche im Zusammenhang mit dem Leben nach dem Tod, dass ich mich viel lieber auf das verlasse, was die Bibel, die Heilige Schrift, darüber sagt – und das ist nicht wenig. Und nicht schwer zu verstehen! Sie vergleicht den Zustand im Tod mit einem Schlaf – da finden wir den Gedanken des Ruhens wieder. Dieses Ruhen ist aber nicht ewig, denn es gibt – wie beim Schlaf – ein Aufwachen, das als Auferstehung bezeichnet wird. Und diese Auferstehung (des ganzen Menschen, da die Teilung in Körper und Seele griechischen Ursprungs ist) findet erst dann statt, wenn Jesus wiederkommen und richten wird. Richten heißt trennen: jene, die gerettet und ewig bei Gott leben dürfen, von denen, die zum ewigen Tod verurteilt werden, weil sie das Rettungsangebot Gottes abgelehnt haben.

Hier nur eine der vielen unmissverständlichen Aussagen von Jesus (nach dem Johannesevangelium, 14,2-3 – GNB): Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereitzumachen … Und wenn ich gegangen bin und euch den Platz bereitet habe, dann werde ich zurückkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.

Übrigens, auf die Grabplatte meines Vaters haben wir damals die Worte eingravieren lassen: „Deine Frau, Kinder und Familie vertrauen darauf, dich am herrlichen Tag der Auferstehung wiederzusehen.“

In Würde sterben dürfen

Cicely Saunders, 2002. (Foto: History of Modern Biomedicine Research Group; Lizenz: cc-by-sa 4.0)

Sie muss eine außergewöhnliche Frau gewesen sein: Cicely Saunders, die Begründerin der Hospizbewegung, wurde am 22. Juni 1918, also vor 100 Jahren, in Barnet, Hertfordshire (England) geboren.

Aus wohlsituierter Familie stammend, brach sie ein Studium der Philosophie, Politik und Ökonomie in Oxford ab, weil sie sich im gerade ausgebrochenen Zweiten Weltkrieg nützlich machen wollte. Sie ließ sich zur Krankenschwester ausbilden. Nach Kriegsende schloss sie ihr Studium ab und blieb in der Krankenpflege tätig. In dieser Arbeit wurde ihr bewusst, wie unzureichend Patienten im Endstadium ihrer Krankheit versorgt wurden.

Eine Erfahrung Ende der 1940er Jahre spielte eine entscheidende Rolle in ihrem Lebenslauf: Sie begleitete einen aus Polen stammenden Juden, der aufgrund einer fortgeschrittenen Krebserkrankung unter starken Schmerzen litt, während der Sterbephase. Das Vermächtnis dieses Überlebenden des Warschauer Ghettos, 500 Pfund, sollte das Startkapital zur Gründung eines Hospizes im Südosten Londons werden.

Um sich für die Hospizarbeit zu qualifizieren, beschloss Saunders, Ärztin zu werden. Neben dem Aufbau der Hospizarbeit prägte sie auch die Palliativmedizin, so zum Beispiel mit ihrer umfassenden Sicht des Schmerzes (Total Pain): physisch, psychisch, sozial und spirituell. Sie formulierte Basisprinzipien zur ganzheitlichen Begleitung (Palliative Care) durch ein multiprofessionelles Team, das durch ehrenamtliche Helfer unterstützt wird. Dabei spielen die Lebensqualität und die Selbstbestimmung des Patienten bis zum Schluss eine zentrale Rolle. Dessen Leben darf weder gewaltsam verkürzt noch verlängert werden, die belastenden Symptome sollen aber – so gut es geht – kontrolliert werden. Angehörige und enge Freunde werden grundsätzlich mit einbezogen und auch nach dem Tod ihres Angehörigen in der Trauerarbeit unterstützt.

Saunders starb 87-jährig am 14. Juli 2005 in dem von ihr eröffneten Hospiz.

Weltweit gibt es über 8.000 stationäre Hospize. Laut dem Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband gab es 2016 in Deutschland rund 1.500 ambulante Hospizdienste sowie 236 stationäre Hospize, einschließlich der stationären Hospize für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Außerdem gab es mehr als 300 Palliativstationen in Krankenhäusern.

Ich bewundere Menschen wie Cicely Saunders, die ihre Lebensaufgabe darin sehen, Menschen in ihren letzten Stunden und Tagen zu begleiten. Seitdem ich Informationstunden im Bereich Vorsorge (Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht) in Kirchengemeinden halte, habe ich von den Teilnehmern nur positive Erfahrungen über die Hospizarbeit gehört. Aus diesem Grund empfehle ich, auch diese Möglichkeit in der Patientenverfügung anzugeben. Auch über die mir in meiner Umgebung bekannten Hospize (Bardowik bei Lüneburg und Uelzen) habe ich nur Positives von Angehörigen inzwischen Verstorbener gehört.

Über unsere Sympathie gegenüber allen, die sich hier einbringen, Angestellten wie Ehrenamtlichen, hinaus, können wir sie und ihren Einsatz in unsere Gebete aufnehmen. Das ist enorm wichtig, damit sie innerlich stark bleiben ohne abzustumpfen, von Gott jeden Tag eine extra Portion Empathie erhalten und sie nicht nur viel geben, sondern auch viel zurückempfangen. Mögen sie eines Tages die Worte aus dem Mund von Jesus Christus hören: „Was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan.“ (Matthäusevangelium 25,40 Neues Leben Bibel)

Dümmer als Hawking?

Milchstrasse
Das Zentrum der Milchstraße in einer Aufnahme des Spitzer-Weltraumteleskop der NASA. Die Milchstraße – die Galaxie, in der sich das Sonnensystem mit der Erde befindet – besteht aus Milliarden von Sternen. Die Gesamtzahl der Galaxien im beobachtbaren Kosmos dürfte bei mehr als einer Billion liegen. (Foto: NASA/JPL-Caltech/S. Stolovy, SSC/Caltech)

 

Es gab zum Tod des britischen Astrophysikers Stephen Hawking am 14. März 2018 viele lesenswerte Nachrufe. Häufig bewundert wurde die Tatsache, dass solch ein genialer Verstand sich nicht von seinem gravierenden physischen Handicap gefangen nehmen ließ.

Ein Kommentar des stellvertretenden BILD-Chefredakteurs Daniel Böcking fiel mir besonders auf. Am 23. März stellte er auf bild.de zwei interessante Fragen: „Kann es sein, dass der Mann, der fast alles wusste, sich in einem entscheidenden Punkt geirrt hat?“ Und: „Bin ich dümmer als Hawking, weil ich an Gott glaube?“

In einem Punkt geirrt?
Seine Überzeugung, dass es keines Schöpfers bedarf, äußerte Hawking immer wieder deutlich, beispielsweise in seinem Buch The Grand Design (2010): „Spontane Schöpfung ist der Grund, warum es statt des Nichts doch etwas gibt, warum das Universum existiert, warum wir existieren. Es ist nicht nötig, sich auf Gott als den zu berufen, der die Zündschnur entzündete und das Universum erschuf.” Noch 2014 bekannte er sich in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El Mundo (vom 21.9.) zu seiner atheistischen Überzeugung und zur Inkompatibilität von Wissenschaft und Glaube: „In der Vergangenheit, bevor wir die Wissenschaft verstanden hatten, war es logisch zu glauben, dass Gott das Universum erschaffen hat. Aber jetzt bietet die Wissenschaft eine überzeugendere Erklärung … Es gibt keinen Gott. Ich bin Atheist. Religion glaubt an Wunder, aber diese sind nicht mit der Wissenschaft vereinbar.“

Ob es einen (Schöpfer-)Gott gibt oder nicht, das ist wirklich ein entscheidender Punkt. Natürlich kann man die Existenz Gottes nicht beweisen, genau so wenig allerdings seine Nicht-Existenz. Die Existenz Gottes ist denkbar, denn sie widerspricht weder unserer Intelligenz noch der Logik. „Wir müssen nicht unseren Verstand abschalten, um an die Existenz Gottes glauben zu können.“ (Ekkehard Müller, Die Lehre von Gott, S. 78) [1] Da die Realität nicht notwendigerweise an unsere drei Dimensionen gebunden ist, ist verständlich, dass wir das Eingreifen eines Wesens, das über viel mehr und ganz andere Dimensionen verfügt, nicht direkt wahrnehmen können.

Keine Beweise, aber viele Hinweise
Es gibt keine Beweise dafür, aber zahlreiche Hinweise darauf, dass es einen persönlichen, gerechten und zugleich liebevollen Gott gibt, einen Gott, der allmächtig, aber auch menschennah ist. Einige dieser Hinweise will ich hier kurz aufzählen, und zwar in Anlehnung an die Ausführungen von Ekkehard Müller im genannten Buch [2]:

  • Die Religiosität des Menschen, seine Suche nach Gott, als schiene jeder Mensch seine Existenz zu ahnen. Oder wie der Kirchenvater Augustinus es formulierte: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet, o Gott, in dir.“
  • Das Gewissen des Menschen, das unabhängig von Erziehung oder Kultur auf eine übergeordnete Instanz hinweist.
  • Persönliche Erfahrungen wie unerklärbare Gebetserhörungen bestärken gläubige Menschen in der Gewissheit, dass Gott sich für uns interessiert.
  • Das veränderte Leben von Menschen, die sich entschieden haben, an Christus zu glauben und in einer Beziehung zu ihm zu leben. Häufig genug können sich jene, die sie früher kannten, diese Veränderung nur als Wunder erklären. [3]
  • Die Schöpfung selbst: „Das Design, die Vielfalt, Schönheit und Zielgerichtetheit der Schöpfung hat Menschen immer wieder auf den Schöpfergott aufmerksam gemacht.“ [4]
  • Die prophetischen Vorhersagen der Bibel, deren exakte Erfüllung sich nicht mit Wahrscheinlichkeitsberechnungen erklären lässt. [5]
  • Jesus Christus selbst: Wer sich anhand der Evangelienberichte intensiv mit seiner Person und seiner Lehre befasst, wird erleben, dass hier mehr als ein Mensch von Gott erzählt und seine Worte mit seinen außergewöhnlichen Taten bekräftigt. [6]

Persönlich glaube ich an Gott, weil ich ihn in seinem Wort, der Heiligen Schrift, gefunden habe. Gerade die biblischen Vorhersagen, die sich bereits erfüllt haben, bilden ein solides Fundament meines Glaubens. Ich glaube aber auch an Gott, weil ich ihn in meinem Leben – auf Höhen und in Tiefen – erlebt habe und noch erlebe. In einem katholisch-freievangelischen Milieu aufgewachsen, habe ich seine Existenz jahrelang hauptsächlich aus theologischen-verstandesmäßigen Gründen bejaht. Später habe ich aber durch die intensivere Beschäftigung mit Jesus Christus begonnen, eine persönliche, innigere Beziehung zu ihm als meinem Schöpfer, meinem Erlöser, meinem Freund zu entwickeln. Ich kann mir mein Leben ohne Gott, ohne die Beziehung zu Jesus Christus, nicht mehr vorstellen!

Dumm, wer an Gott glaubt?
Bin ich nun dumm, weil ich an Gott glaube? Beziehungsweise „dümmer als Hawking“, wie Daniel Böcking in seinem Kommentar fragt? Der Gedanke wäre mir nie in den Sinn gekommen; besser gesagt: die Begründung („weil ich an Gott glaube“). Dass ich an Gott glauben darf, rechne ich mir allerdings nicht als Verdienst an. Auch nicht als geistige Leistung. Eher als ein Geschenk, ein Vorrecht. Und ich wünschte, Hawking hätte sich auch beschenken lassen.

Nicht ausschlaggebend aber um der Vollständigkeit des Bildes willen möchte ich hier erwähnen, dass ich mich in guter Gesellschaft befinde. Es gab und gibt renommierte Wissenschaftler, die trotz bzw. wegen ihres enormen Wissens an Gott geglaubt haben bzw. glauben. Ich denke beispielsweise an den neuseeländischen Physiker und Chemie-Nobelpreisträger Ernest Rutherford (1871-1937), der bekannte: „Unsere Arbeit bringt uns Gott näher. Sie erhöht unsere Ehrfurcht vor seiner gigantischen Macht, vor der unsere armseligen Werkzeuge – so titanenhaft sie uns auf Erden auch erscheinen mögen – jämmerlich versagen.“ [7]

Auch nach den Aussagen des größten christlichen Theologen, des Apostel Paulus, befinde ich mich in bester Gesellschaft: „Was Gott getan hat, übersteigt alle menschliche Weisheit, auch wenn es unsinnig erscheint; und was bei ihm wie Schwäche aussieht, übertrifft alle menschliche Stärke. Schaut euch doch selbst an, liebe Brüder und Schwestern! Sind unter euch, die Gott berufen hat, wirklich viele, die man als gebildet und einflussreich bezeichnen könnte oder die aus einer vornehmen Familie stammen? Nein, denn Gott hat sich die aus menschlicher Sicht Törichten ausgesucht, um so die Klugen zu beschämen. Gott nahm sich der Schwachen dieser Welt an, um die Starken zu demütigen. Wer von Menschen geringschätzig behandelt, ja verachtet wird, wer bei ihnen nichts zählt, den will Gott für sich haben. Dadurch erklärt er für null und nichtig, worauf Menschen so großen Wert legen. Vor Gott soll sich niemand etwas einbilden können.“ (1. Korintherbrief 1,25-29 Hfa) Natürlich zeigt sich Gott den Gebildeten und Intelligenten, aber nur solange sich diese nichts auf ihre Begabung einbilden. Genauso offenbart er sich aber den Einfachen und Schlichten. Dadurch beweist er seine Größe und unterstreicht die Werte, auf die er größten Wert legt. [8]

Mehr Demut
Bescheidenheit tut uns not, denn je mehr wir wissen und entdecken, desto größer scheint das uns noch Unbekannte zu sein – im Universum wie im Mikrokosmos. [9] „Wir sind – im Bild gesprochen – gerade auf die Schwelle unserer Haustür getreten und haben relativ wenig Ahnung von dem, was uns außerhalb unseres Hauses erwartet“, schreibt Ekkehard Müller. [10] Wie wahr!

Ich schließe mich der Einschätzung von König David an: „Ich blicke zum Himmel und sehe, was deine Hände geschaffen haben: den Mond und die Sterne – allen hast du ihren Platz zugewiesen. Was ist da schon der Mensch, dass du an ihn denkst? Wie klein und unbedeutend ist er, und doch kümmerst du dich um ihn … HERR, unser Herrscher! Die ganze Welt spiegelt deine Herrlichkeit wider.“ (Psalm 8,4.5.10 Hfa)

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[1] Ekkehard Müller, Die Lehre von Gott: Biblischer Befund und Theologische Herausforderung, St. Peter am Hart, 2010, Näheres

[2] Müller, Kap. 4, S. 78-80

[3] Ein Beispiel dafür ist der eingangs genannte stellvertretende BILD-Chefredakteur Daniel Böcking. In seinem Buch Ein bisschen Glauben gibt es nicht: Wie Gott mein Leben umkrempelt beschreibt er, wie er eine Vollbremsung in seinem hektischen Alltag hinlegte und ein neues Leben mit Gott begann. Diese Umkehr zu Gott bezeichnet er als „einen Sechser im Lotto“.

[4] Müller, S. 80

[5] Diesbezüglich sind die Berechnungen sehr aufschlussreich, die der deutsche Informatiker Prof. Werner Gitt (Braunschweig) vorgenommen hat. Hier mehr dazu.

[6] Auch hierzu gibt es den interessanten Fall eines amerikanischen Journalisten: Lee Strobel, erfahrener Gerichtsreporter und erfolgreicher Journalist der Chicago Tribune, startete intensive Recherchen, um den christlichen Glauben zu widerlegen, besonders die Auferstehung von Jesus Christus. Zum Buch / zur 2017 erschienenen Verfilmung Gerade ist ein weiteres Buch von ihm erschienen: Do Miracles Exist? (Gibt es Wunder?).

[7] Ein interessanter Beitrag darüber, wie Astrophysiker sich in jüngster Zeit als religiös bekennen, ist hier zu lesen.

[8] Zum Beispiel in der Bergpredigt (die so genannten Seligpreisungen, Matthäus 5,3-11).

[9] Eine beeindruckende graphische Animation über die Dimensionen des Universums ist hier zu sehen.

[10] Müller, S. 76

Wieder im Kino: Maria Magdalena

Maria Magdalena salbt Jesus die Füße, Nikolaus Bluntschli, 1559 (1)

Passend zu Ostern kommt wieder ein Film mit biblischen Bezügen in die Kinos: „Die Jüngerin“ mit Maria Magdalena als Hauptfigur. (2) Diese Frau scheint immer wieder eine große Anziehungskraft auf Schriftsteller, Künstler und Filmproduzenten auszuüben. Schon im Film „Die letzte Versuchung“ von Martin Scorsese (1988) spielte sie eine besondere Rolle, auch wenn sie dort als laszive, schmuckbehängte, tätowierte Prostituierte dargestellt wurde.

Wer und wie war Maria Magdalena? War sie die Lieblingsjüngerin Jesu, wie außerbiblische Schriften darstellen, die von ihm besondere Offenbarungen empfing? War sie die „Sünderin“, die Jesus die Füße wusch? (3) Was ist von den Spekulationen zu halten, sie sei die Geliebte oder Ehefrau Jesu gewesen?

Was die Bibel über Maria Magdalena verrät, ist recht nüchtern und aufregend zugleich. Gesichert ist „nur“, dass sie zu den Frauen gehörte, die Jesus begleiteten und für ihn und seine Jünger (Schüler) sorgten, (4) allerdings wird sie nirgendwo als „Jüngerin“ bezeichnet, auch nicht als „Apostelin“. (5) Außerdem erlebte sie die Kreuzigung und half bei der Grablegung von Jesus. Aufregend war, dass Jesus ihr sieben Dämonen ausgetrieben hatte und sie ihm nach seiner Auferstehung als erster Mensch begegnete. (6) Daraufhin bekam sie den Auftrag, den Jüngern die gute Nachricht der Auferstehung ihres Meisters zu überbringen. (7)

Sehr bewegend muss für sie der Augenblick gewesen sein, als sie – völlig niedergeschlagen und enttäuscht – den Auferstandenen sah, ihn aber nicht erkannte. Erst als Jesus ihren Namen aussprach, wusste sie, wer vor ihr stand. In ihrer unbeschreiblichen Freude wollte sie ihn festhalten, worauf der Auferstandene sagte: „Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.“ (8) Interessant ist auch, was sie antwortete, als Jesus sie bei ihrem Namen nannte: Nicht etwa „mein Liebster“, sondern schlicht und ergreifend „mein Lehrer“.

Dass Maria Magdalena und andere Frauen als erste Zeuginnen der Auferstehung in den Evangelien benannt werden, spricht übrigens für die Glaubwürdigkeit des Auferstehungsberichtes: Da in der antiken Welt Frauen nicht als verlässliche Zeugen vor Gericht angesehen wurden, hätte wohl niemand eine Geschichte über Frauen als Zeugen für die Auferstehung Jesu erfunden.

An Maria Magdalena beeindruckt mich ihre Treue und ihr Mut: Sie blieb am Kreuz, als die anderen davonliefen; sie beteiligte sich an der Grablegung, als die Jünger sich ängstlich verkrochen hatten; sie war als Erste am Grab und hatte dann das Vorrecht, den Jüngern mitzuteilen, dass Jesus lebt und somit ihre Enttäuschung, Ohnmacht und Traurigkeit abstreifen durften.

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(1) In der katholischen Tradition wurde Maria Magdalena gleichgesetzt mit der anonymen Sünderin, die Jesus die Füße salbte (Lukas 7,36–50).
(2) Der katholische Sender Domradio fasst das Interview mit einem Filmkritiker zusammen: „Ganz im Geiste der Bibel“. DIE WELT hält den Film für eine bigöttliche Komödie, denn er tue feministisch, „doch spätestens der Abspann zeigt, was hier wirklich gepredigt wird“. Die Süddeutsche Zeitung fasst zusammen: „Rooney Mara [Maria Magdalena] soll Jesu Gefährtin zur feministischen Ikone machen. Aber dafür fehlt diesem Film die Radikalität.“ Das (evangelische) Christliche Magazin pro meint, der Film räume ein Stück weit auf mit dem Bild eines archaischen und patriarchal organisierten Christentums und fordere die Kirchen auf, so manche eigene Praxis zu prüfen.
Offizieller Trailer
(3) Vgl. Lukasevangelium 7,36-50
(4) Lukas 8,1-3
(5) So katholisch.de, bezugnehmend auf die im Abspann zitierte Würdigung Marias als „Apostola Apostolorum“ (Apostelin der Apostel) zuletzt 2016 in einem Dekret der Gottesdienst-Kongregation.
(6) Markus 1,9
(7) Johannes 20,11-18
(8) Johannes 20,17 nach der Einheitsübersetzung; die geläufigere Übersetzung „Berühre mich nicht“ ist vom Kontext her unpassend.