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Das Fass läuft über!

Jesus sagte in seiner berühmten Bergpredigt (Matthäusevangelium 5,38-39): „Ihr wisst, dass es heißt: ,Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘ Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut! …“ Wer sich nicht auf das Spiel des Angreifers einlässt, der entwaffnet ihn und durchbricht somit die Spirale von Hass und Gewalt. Wer die Worte Jesu lebt, trägt zum Frieden bei, und zwar sowohl dem eigenen inneren als auch dem Frieden in der Welt.

Heute las ich einen aktuellen Kommentar eines Freundes in einem kirchlichen Newsletter. Er gab mir die Erlaubnis, den  Text hier zu veröffentlichen.

„Das Fass läuft über!“
Ein Kommentar von Jörn Pabst

Momentan bin ich mir nicht sicher, ob eins der ehemals mächtigsten Länder der Erde noch die Kurve bekommt oder ob es in voller Fahrt in eine Katastrophe schlittert. Früher haben politische Veränderungen Jahre oder Jahrzehnte gedauert. Jetzt dauert es manchmal nur ein paar Monate und Dinge verändern sich Grundlegend.

Während Deutschland die Pandemie einigermaßen zu überstehen scheint und richtig viel Geld in die Hand nimmt, um die Wirtschaft und damit auch die Einkünfte der Menschen wieder in Schwung zu bringen, zerfleischt sich ein anderes Land gerade selbst. Neben einer gigantischen Zahl an Corona-Toten, Millionen von Arbeitslosen und einer daniederliegenden Wirtschaft kommen jetzt auch noch Unruhen im Volk hinzu, ausgelöst durch rassistische Polizeigewalt. Das scheint der Tropfen gewesen zu sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und anstatt sein Volk zu vereinen, schüttet der Präsident Öl ins Feuer.

Andererseits stehen überall Menschen auf (oder knien sich hin), um auszudrücken, dass sie keine Form von Rassismus und keine Form von Gewalt akzeptieren. Das wiederum gibt Hoffnung. Und wir sollten darüber nachdenken, wie wir uns Rassismus in unserem Land ebenfalls deutlich entgegenstellen können, überall da, wo er uns begegnet.

Anstatt mit einer Bibel vor einer Kirche für ein Foto zu posieren, empfehle ich dem amerikanischen Präsidenten, die Ruhe einer Kirche zu nutzen, um in der Bibel zu lesen. Ich weiß nicht, ob jemanden, der so von sich selbst überzeugt ist, Gottes Botschaft von Liebe und Hoffnung erreicht, aber einen Versuch wäre es wert. Gottes Geist kann auch den verwirrtesten Geist erreichen und verändern. Das ist mein aufrichtiges Gebet.

(Jörn Pabst ist Kommunikationsbeauftragter der adventistischen Kirchengemeinde ComingHOME in Darmstadt)


After all, the old principle “an eye for an eye” makes everyone blind.  Martin Luther King (1929-1968) Foto

Jesus said in his famous Sermon on the Mount (Gospel of Matthew 5:38-39): “You know that it is said: ‘An eye for an eye, a tooth for a tooth.’But I say to you: Do not fight back when someone does evil to you!  …” Whoever does not engage in the game of the attacker disarms him and thus breaks the spiral of hatred and violence. Whoever lives the words of Jesus contributes to peace, his own inner peace and peace in this world.

 

El antiguo principio “ojo por ojo” hace que a fin de cuentas todos queden ciegos. Martin Luther King (1929-1968) Foto

Jesús dijo en su famoso Sermón de la Montaña (Evangelio de Mateo 5:38-39): “Sabéis que se dice: ‘Ojo por ojo, diente por diente’. Pero yo os digo: ¡No os enfrentéis cuando alguien os hace daño! …” Quien no se deja atrapar por el juego del atacante, lo desarma y rompe así la espiral de odio y violencia. Quien practica las palabras de Jesús contribuye a la paz, a su propia paz interior y a la paz de este mundo.

Coronavirus: Ist uns noch zu helfen?

Das sind nur zwei kurze Auszüge zum Thema Corona-Demos. Man könnte seitenfüllend zitieren!

Corona-Demos: Tausende demonstrieren in Berlin, Dortmund, München und Stuttgart gegen die Corona-Maßnahmen. Auch in Niedersachsen und Bremen sind Demonstrationen geplant. Politiker warnen vor dem Einfluss von Verschwörungstheoretikern und Extremisten. Ich persönlich habe nichts dagegen, DASS demonstriert wird. Das Problem ist WIE es gemacht wird, WER mit WEM und WARUM.

Heute früh las ich den Kommentar eines Freundes in einem kirchlichen Newsletter. Er gab mir die Erlaubnis, ihn hier zu zitieren. Und kurz danach bekam ich einen Dialog aus Facebook gemailt, der mich sehr nachdenklich stimmte.

„Ich hatte gehofft …“
Ein Kommentar von Jörn Pabst

Irgendwie hatte ich ja gehofft, dass die Menschen die Zeit der sozialen Distanz zum Nachdenken nutzen. Sich mal Gedanken über das Leben, die sozialen Kontakte, den Umgang miteinander und mit der Welt machen. Und wahrscheinlich haben das viele auch getan. Aber, die große Frage ist, ob und wie sich das in der näheren und weiteren Zukunft auswirken wird. Werden wir nachhaltiger leben wollen? Werden wir mehr Wert auf gute Kontakte legen, weniger oberflächlich an Beziehungen herangehen? Sicher ist vielen bewusst geworden, wie sehr sie Kontakte zu anderen Menschen brauchen. Andern ist vielleicht aber auch klar geworden, wie einfach sie auf bestimmte Kontakte verzichten konnten.

Irgendwie hatte ich mir gewünscht oder darauf gehofft, dass dieser „Neustart“ auch eine Neuausrichtung bringt. Jetzt, wo alles so gaaanz langsam wieder hochfährt, bin ich mir nicht sicher, ob nicht vieles sich wieder so einschleift, wie vorher. Und zusätzlich machen mir die Menschen sorgen, die tatsächlich an die große Verschwörung glauben und dafür auch noch auf die Straße gehen.

Noch viel bedenklicher finde ich es, dass auch in unseren Reihen [also unter Christen], einige auf diesen Zug aufspringen. In den letzten Tagen musste ich mich in den sozialen Medien von vier bis fünf Menschen trennen, weil ich die Kommentare und unreflektierten Posts nicht mehr ertragen habe (keine aus meiner Kirchengemeinde). Was für ein Gottesbild muss ein Mensch haben, wenn er in allem und jedem das Böse und eine Verschwörung sieht? Wenn sein Glaube maßgeblich auf Angst aufbaut und nicht auf Vertrauen? Wenn seine Hoffnung darauf basiert, leben zu können, weil er ein Spezialwissen habe, das andere nicht haben? Wenn jegliche Freiheit fehlt, wie will man es denn dann im Himmel aushalten?

Ich hoffe, dass es Jesus gelingt, die Herzen dieser Menschen zu berühren und dass er ihnen durch seine Liebe, seine Ruhe und seinen Frieden ins Herz geben kann. Sollte er mich dafür brauchen, dann würde ich ihn darum bitten, mich vorher noch mit einer gaaanz großen Portion Geduld auszustatten. Sonst könnte das schwierig werden.

(Jörn Pabst ist Kommunikationsbeauftragter der adventistischen Kirchengemeinde ComingHOME in Darmstadt)


Von einem anderen Freund bekam ich – ebenfalls heute – einen Dialog, den er bei Facebook gefunden hat. Ich befürchte, dass dieser „Austausch“ keine vereinzelt vorkommende Ausnahme sein dürfte.

Ein vielsagender Dialog (aus Facebook)

„Ich glaube nicht an das Virus!“
Ich: „Das ist nicht schlimm – das Virus ist so oder so da, auch wenn Du nicht daran glaubst.“

„Es ist sowieso Teil einer großen Verschwörung!“
Ich: „Wie das? Ich dachte, es sei nicht da?“

„Ist es auch nicht, aber es soll uns Angst machen.“
Ich: „Wieso?“

„Weil man uns impfen will!“
Ich: „Also ich möchte geimpft werden, sobald eine Impfung gegen COVID-19 verfügbar ist.“

„Hast Du Dich auch gegen die anderen 18 impfen lassen?“
Ich: „Welche anderen 18?“

„Na, COVID-19!“
Ich: „Ähm, das ist das Entdeckungsjahr.“

„Das ist nicht entdeckt worden. Gibt es ja auch gar nicht.“
„Bill Gates will uns alle impfen.“
Ich: „Wieso?“

„Er hat die WHO gekauft! 80 % von deren Geld stammen von ihm. Wusstest Du, dass COVID für Impfpass steht? Certification of Vaccination Identification!“
Ich: „Tut es nicht. Und die 80 % kommen von Ken Jebsen und sind falsch, steht im WHO-Jahresbericht. Kann man nachlesen.“

„Aber er will uns alle chippen. Das steht auch in der Johannes-Offenbarung. Glaubst Du dem WHO-Jahresbericht mehr als der Bibel?“
Ich: „Gott hat was über Bill Gates reingeschrieben, aber nicht über das Virus?“

„Ich weiß nicht, was er genau geschrieben hat, musst Du selbst lesen. Sei kein Schaf!“
Ich: „Aber Du hast es nicht gelesen?“

„Nein, aber ich habe darüber gelesen! Bei Leuten, die sich damit auskennen!“
Ich: „Hast Du geprüft, ob das stimmt?“

„Nein. Wieso auch? Das leuchtet doch ein!“
Ich: „Also glaubst Du alles ungeprüft, was einleuchtet?“

„Nein.“
Ich: „Aber das?“

„Nein. Ich hinterfrage alles!“
Ich: „Aber Du hast es doch nicht selbst gelesen?“

„Muss ich auch nicht. Ich habe meine Quellen. Denen vertraue ich.“
Ich: „Und warum möchtest Du Dich nicht impfen lassen?“

„Weil da Gift drin ist!“
Ich: „Aber die Impfung gibt es doch noch gar nicht.“

„Doch klar! Die, die das Virus in Wuhan erschaffen haben, haben das Gegenmittel. Das geht alles von den Chinesen aus.“
Ich: „Das Virus gibt es also doch?“

„Nein.“
Ich: „Wieso gibt es dann schon eine Impfung?“

„Na, das gehört zum Plan.“
Ich: „Welchem Plan?“

„Na, dem von Bill Gates.“
Ich: „Der arbeitet mit den Chinesen zusammen?“

„Ja, und Trump und Putin tun ja ihr Möglichstes dagegen. Aber es hilft nichts.“
Ich: „Was tun die denn?“

„5G aufhalten! Das Land öffnen, gegen die Opposition! Kinder retten!“
Ich: „Was hat jetzt 5G damit zu tun?“

„Damit soll unser Immunsystem geschwächt werden, damit uns das Virus erwischen kann. Die Weltbevölkerung soll dezimiert werden. Kannst Du im Internet nachlesen.“
Ich: „Man kann alles im Internet nachlesen, das sagt noch nichts über den Wahrheitsgehalt aus. Und wie kann ein erfundener Virus unser schwaches Immunsystem ausnutzen?“

„Die retten auch Kinder.“
Ich: „Wovor? Und was ist jetzt mit dem Virus? Erfunden oder nicht?“

„Vor der Folter!“
Ich: „Welcher Folter?“

„Tom Hanks und viele aus der Elite wollen das Kinderblut trinken.“
Ich: „Warum wollen sie das? Und der Virus?“

„Damit sie länger leben!“
Ich: „Woher hast Du das?“

„Xavier Naidoo hat mich darauf gebracht. Er hat das herausgefunden. Er recherchiert da seit 20 Jahren!“
Ich: „Nein, er macht seit 20 Jahren schlechte Musik. Er ist Sänger, kein Journalist oder Wissenschaftler. Und auch nicht Ermittler.“

„Sänger können auch recherchieren!“
Ich: „Und was ist jetzt mit dem Virus?“

„Was soll damit sein?“
Ich: „Na, existiert es, oder nicht?“

„Das kann ich nicht genau sagen. Aber eher nicht. Ich kenne niemanden, der es hat.“
Ich: „Naja, es sind bloß 0,2 % der Bevölkerung in Deutschland infiziert. Die Chance, dass man niemanden kennt, der das Virus hat, ist recht groß.“

„Na also, da haben wir’s!“
Ich: „Was?“

„Na, niemand ist infiziert!“
Ich: „Mit einem Virus, das es nicht gibt?“

„Genau!“
Ich: „Im Ernst, wie kommst Du drauf?“

„Na, hast Du doch gerade eben gesagt!“
Ich: „Wo das?“

„Du hast gesagt, es sind nur 0,2 % infiziert. Das ist doch fast niemand!“
Ich: „Das sind bei über 83 Millionen Deutschen immer noch über 170.000 Menschen!“

„Das stimmt nicht. Das sind nur 0,2. Und außerdem sind das ja nicht alles Deutsche!“
Ich: „Was hat das denn damit zu tun?“

„Na, Du hast doch gesagt: 83 Millionen Deutsche. Da sind doch auch Ausländer dabei!“
Ich: „Nein. Aber was hat das damit zu tun?“

„Ausländer füttern wir mit durch!“
Ich: „Wie kommst Du jetzt drauf?“

„Na, die kriegen den Impfstoff ja kostenlos!“
Ich: „Selbst wenn es so wäre: Du willst ihn doch gar nicht, was schert Dich das?“

„Wenn Ausländer ihn kostenlos bekommen, wieso müssen wir ihn bezahlen?“
Ich: „Musst Du ja nicht. Das ist doch Deine Entscheidung!“

„Ich darf ja nichts mehr, wenn ich mir kein Gift spritzen lasse.“
Ich: „Was darfst Du dann nicht mehr?“

„Rausgehen.“
Ich: „Wer sagt das?“

„Merkel.“
Ich: „Hast Du eine Quelle?“

„Weiß doch jeder.“
Ich: „Also hast Du keine Quelle?“

„Habe ich gelesen.“
Ich: „Wo?“

„Bei jemandem, dem ich vertraue.“
Ich: „Okay. Und wie kommst Du darauf, dass der Impfstoff Gift ist, oder sogar tödlich?“

„Weil ich den Plan kenne.“
Ich: „Welchen Plan?“

„Den Plan, die Bevölkerung zu dezimieren.“
Ich: „Du weißt schon, dass es noch keinen Impfstoff gibt?“

„Jeder weiß, was da drin sein wird.“
Ich: „Wieso haben wir ihn dann noch nicht, wenn jeder das weiß?“

„Gift. Es ist immer Gift drin. Um uns zu kontrollieren. Schon als Kinder!“
Ich: „Du weißt, dass auf Impfstoffen draufsteht, was drin ist, oder?“

„Das glaubst Du?“
Ich: „Es gibt kaum etwas in Deutschland, was so gut kontrolliert wird, wie Medizin.“

„Ja, von Merkel. Was ich davon halte, weißt Du ja.“
Ich: „Merkel kontrolliert Impfstoffe?“

„Nein, aber ihre Handlanger.“
Ich: „Ich weiß nicht mehr, was ich dazu noch sagen soll.“

„Ich auch nicht. Mit Dir kann man sich nicht vernünftig unterhalten. Das bringt nichts.“
Ich: „Oh, woran meinst Du, könnte das liegen?“

„Ich habe so viele Informationen über alles, was so passiert, und Du bist ein höriges Schlafschaf, das der Elite wirklich alles glaubt. Du solltest besser aufwachen.“

Kein Kommentar meinerseits!

Zurück zu welcher „Normalität“?

Screenshot der Predigtsendung vom HOPE-TV

Der Titel der Predigt machte mich neugierig: „Nicht nur sauber, sondern rein“. Worauf wollte denn der Redner, Pastor Johannes Naether (Hannover), Präsident der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Norddeutschland, hinaus? Ich ließ mich überraschen und war am Schluss begeistert von dieser Predigt, die am 2. Mai 2020 im HOPE-TV-Gottesdienst übertragen wurde.

Nach einer kurzen Einführung über die „neue Normalität“ – Hände 20 Sekunden lang waschen, Supermarktbesuch mit zwei Einkaufswägen, Mindestabstand – kam Pastor Naether auf die biblische Grundlage der Predigt zu sprechen, nämlich die Begebenheit, die im Markusevangelium Kapitel 7 berichtet wird: In einer Art „Untersuchungsausschuss“ konfrontieren Abgesandte der damaligen geistlichen Elite Jesus damit, dass seine Schüler sich nicht an die geltenden Vorschriften halten, so z. B. an die rituellen Waschungen vor dem Essen.

Was ist normal? Was ist bindend?
Bei der kontroversen Diskussion, die Jesus führte, sei es ihm nicht um eine Missachtung der fünf Bücher Mose gegangen, sondern vielmehr um die Zusatzvorschriften, die sich im Laufe der Jahrhunderte angesammelt hatten („Überlieferungen der Ältesten“ genannt). An dieser Stelle fragte Naether die Zuschauer:

Was ist normal, d. h. in welcher Wirklichkeit leben wir? Was ist für uns bindend? In dieser Zeit spüren und wissen wir, dass alles in Frage gestellt wird. Die gängige Routine ist futsch und Antworten auf (lebens)wichtige Fragen werden von Pressekonferenzen der Regierenden erwartet. Wenn ich von Normalität spreche, dann darf ich davon ausgehen, dass uns Dinge in Fleisch und Blut übergegangen sind, die wir nicht mehr – oder nur ganz, ganz selten – hinterfragen. Aber genau das zu tun, ist die Chance in der Krise.

„Normalität ist ein Zustand, der mir vertraut ist und … Sicherheit vermittelt – ein existentielles Grundbedürfnis!“, führte er weiter aus. Diese Normalität, die wir schaffen und kontrollieren, politisch regulieren und rechtlich klären, wird durch ein Virus plötzlich in Frage gestellt: „Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als Begleiter in der Krise – das ist schwer zu ertragen.“

Bezugnehmend auf die Regelungen der Pharisäer (Schüssel, Becher, Krüge), die alle Aufmerksamkeit verlangten und Pflichten regelten, übertrug Naether auf unser persönliches geistliches Leben:

Eine Welt, in der letztlich mein Glaube an Gott, meine Spiritualität in der Gefahr steht, zu einer anstrengenden Pflichtübung zu verkommen, weil ich nur noch darauf aus sein muss, das selbstgebastelte Gebäude der Normalität aufrechtzuerhalten, zu funktionieren. Ansonsten verunreinige ich mich, wenn ich aus der Normalität ausbreche.

Das Fazit von Jesus (indem er Jesaja 29,13 zitiert) könnte deutlicher nicht sein: „Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.“ (Markus 7,6) Am Beispiel der Korban-Formel machte er deutlich, „wie trügerisch und voller Heuchelei die so genannte ,Normalität‘ sein kann, ja, wie wir sie sogar pervertieren können“. (Die Juden gestatteten Söhnen, ihren Besitz Gott hinzugeben [Korban] und dann ihren Eltern die Unterstützung unter dem Vorwand zu verweigern, ihre Habe sei nun Gott geweiht.)

Ist Europa erst jetzt krank?
Zwischendurch wurden Naethers Ausführungen gesellschaftskritisch:

Zu welcher „gesunden Normalität“ lohnt es sich zurückzukehren?Eine Normalität, die achselzuckend zusieht, wie Männer, Frauen und Kinder während des gesamten Osterfestes hinweg im Mittelmeer treiben und vergeblich auf Rettung hoffen, während die Christenheit die Auferstehung Jesu feiert? Unsere „Normalität“ lässt Menschen ertrinken oder in Lagern misshandeln. War Europa schon vor der Pandemie schwer krank?
Wir bekommen es in Europa nicht hin, 1800 unbegleitete Kinder aus Flüchtlingslagern aufzunehmen, aber mit Frühlingseifer Erntehelfer aus dem Ausland einzufliegen? Kein Problem, um den nationalen Spargelhaushalt aufrechtzuerhalten. Ist das normal? In armen Ländern werden die Särge gestapelt und Leichen mit dem Gabelstapler abtransportiert, aber auf die Idee, einen Schuldenschnitt wirklich umzusetzen, kommt keiner.

Das falsche Leben im vermeintlich richtigen?
Dann wurde Naether persönlich, als er fragte:

Ist es nicht auch legitim zu fragen, ob wir womöglich das falsche Leben im vermeintlich richtigen führen, wenn Partnerschaft, Familie oder auch Single-Dasein sonst nur mit Dauer-Ablenkung zu ertragen ist?
Wie steht es mit Unversöhnlichkeit, Hartherzigkeit, Hochmut? Ich kenne diese Dinge, sie sind mir nicht fremd, und ich will nicht, dass sie zur Normalität meines Lebens werden oder bleiben.

Johannes Naether zitierte die Worte Jesu in Markus 7,20-23: „Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dies Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein.“
Damit leitete er über auf seine Schlussfolgerung: Die schwerwiegendere Verunreinigung steckt tief, ist die des Herzens, und die bekommen wir nicht mit eigenen Bordmitteln in den Griff. Daher fragte er:

Was bedroht die Menschen im Innersten mehr: Covid 19 oder eine „Normalität“, die wir uns ohne Gott zurechtbasteln?

Er lud die Zuschauer ein, ihr Herz vor Jesus auszubreiten. Das wäre der Beginn einer neuen „Normalität“ und der Weg, mit sich selbst im Reinen zu sein.

Mit sich selbst im Reinen
Wenn wir das sagen, denken wir weder an eine aufgeräumte Wohnung noch ans Händewaschen, sondern daran, dass wir uns mit unseren inneren „Baustellen“ auseinandergesetzt haben:

Da hast du vielleicht Vergebung empfangen oder ausgesprochen. Oder du bist durch Gebet und Seelsorge frei geworden von Neid und Bitterkeit. Oder du konntest an dir vielleicht eine neue Freizügigkeit entdecken und denkst solidarischer, mitfühlender und auch mehr fürsorglich.
Vielleicht bist du auch frei geworden von einem ätzenden Zynismus, der in Wirklichkeit nur deine Unsicherheit am Leben kaschiert hat. Jetzt ziehen Güte und Freundlichkeit in dein Herz. Vielleicht konntest du auch einen Neuanfang mit einem Menschen wagen, wo eine bittere Distanz eingetreten war.

Naether verglich den Krisenmodus der Pandemie mit einem Vergrößerungsglas, das die Bruchstellen unserer Gesellschaft oder unseres Lebens sichtbar macht. Und er zeigte sich zuversichtlich, dass Jesus auch diese Krisenzeit nutzen kann, um uns einen Neuanfang zu schenken. Das sei viel besser, als das Alte zu verklären, „denn, wenn in einem halben oder einem Jahr wieder alles ist wie vorher, dann darf man von einer verpassten Chance sprechen“.

Zum Abschluss seiner Predigt ermutigte Johannes Naether die Zuschauer, sich nicht mit der alten Normalität ohne Gott zu begnügen:

Der Weg zu einem neuen Leben, zu einer neuen Normalität, ist der Weg zu Jesus, ist der Weg mit IHM. Die neue Normalität ist ein Herz, in dem Jesus Platz hat – kein Mindestabstand, keine Maske, die du vor ihm tragen musst. Du brauchst dich auch vorher nicht zu desinfizieren oder einem Test unterziehen. Sag einfach JA zu Jesus, und er beginnt ein neues Leben mit dir.

 

Ein heikles Gebet

Gottesdienst frei Wohnzimmer via Tablet. (Foto: edp)

Meiner Frau und mir hat der heutige Jahresanfangsgottesdienst der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland sehr gut gefallen. Er wurde (wie jedes Jahr) am zweiten Samstag im Januar vom Medienzentrum Hope Media über Satellitenfernsehen und Internet übertragen. Dutzende von Kirchengemeinden bauten die Übertragung in ihren Gottesdienst (bei den Adventisten am Samstagvormittag, dem biblischen Sabbat) ein, Kranke u. a. konnten ihn zu Hause erleben und werden ihn auch bald in der Mediathek von Hope TV abrufen können.

Uns beiden hat dieser Gottesdienst rundum sehr gut gefallen:

  • Ein feiner Rahmen (es war eine Studio-Übertragung).
  • Sehr ausgewogene Musik, die vermutlich sowohl jüngere als auch konservativere Teilnehmer/Zuschauer angesprochen haben dürfte. (Das Schlagzeug wurde sehr zurückhaltend gespielt; die Geige, sehr gekonnt gespielt, stand mehr im Mittelpunkt; die Solistin hat eine helle, angenehme Stimme.)
  • Die Live-Schaltungen waren (abgesehen von den Tonstörungen) sehr gut ausgewählt, denn es kamen zwei Minikirchengemeinden zur Sprache, die kurz vor dem Aus standen, dann aber mit vereinten Kräften durch einen Neubau bzw. ein Integrationsprogramm für Flüchtlinge neu belebt wurden.
  • Die Predigt von Pastor Johannes Naether, dem Vizepräsidenten der Freikirche in Deutschland, war anspruchsvoll, aktuell und bibelfundiert.
  • Auch die Kinder kamen durch einen Kindermoment, das mit dem Predigtthema abgestimmt war, auf ihre Kosten.

Das Thema des Gottesdienstes bzw. der Predigt lautete „Versuchung. Heute.“ und entsprach der Jahreslosung der Freikirche für 2020, die dem Vaterunser entnommen ist: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ (Matthäusevangelium 6,13) Zweierlei gefiel mir besonders:

  • Dass der Redner auf die Problematik dieser Bitte eingegangen ist: Führt uns Gott tatsächlich in Versuchung? Diese Frage und damit verbunden die Deutung bzw. die Übersetzung dieser Bitte des Vaterunsers hat die Theologen intensiv beschäftigt – zuletzt nach dem Vorschlag von Papst Franziskus, den Text anders zu übersetzen. Er schlug vor: „Lass mich nicht in Versuchung geraten.“ Das lasse der Grundtext aber nicht zu. Es sei eher eine Deutung, um die Aussage von Jesus in Einklang mit unserem Gottesbild zu bringen – so Naether. Er gab offen zu, dass es ein glattes, widerspruchloses Gottesbild nicht gibt. Mit anderen Worten: Wir müssen einfach damit leben, dass wir nicht erklären können, warum Gott z. B. die Verführung bereits im Paradies zuließ (mit dem Baum, aus dem das erste Elternpaar nicht essen sollte). Zugleich aber wurde dadurch die Entscheidungsmöglichkeit des Menschen (Willensfreiheit) dokumentiert.
  • Gut fand ich auch Naethers Bezüge zu Jesus Christus, dessen öffentliches Wirken nicht mit einem spektakulären Wunder begann, und auch nicht mit einer bewegenden Predigt, sondern damit, dass er vom Geist Gottes in die Wüste geführt wurde, „damit er von dem Teufel versucht würde“ (Matthäusevangelium 4,1). Auch am Vorabend seiner Verurteilung war die Versuchung im Garten Gethsemane groß, „auszusteigen“, um dem Kreuzestod zu entkommen. Gerade dadurch, dass Jesus Versuchungen erlebte (denen er nicht nachgab), ist er überzeugenderweise in der Lage, uns Menschen zu verstehen und zu helfen, wenn wir versucht werden: „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.“ (Hebräerbrief 4,15)

Warum diese Bitte im Vaterunser steht, d. h. warum Gott uns die Versuchungen nicht erspart, wissen wir nicht. Aber dass Jesus Christus uns in der Versuchung gut versteht, uns nicht von der Seite weicht und uns gern vergibt und einen neuen Anfang schenkt, wenn wir der Versuchung erlegen sind, das ist gewiss!

  • Aufnahme in der Mediathek hier abrufen.
  • Auch den Gottesdienst erlebt? Kommentare dazu? Gern unten!

Traust du deinen Augen noch?

Ist das wirklich ein Dreizack? Eine „harmlose“ optische Täuschung.

Als ich vorgestern eine Präsentation für meine Kirchengemeinde vorbereitete, habe ich ein Foto manipuliert: Mit zwei Klicks habe ich einen Aschenbecher „entsorgt“ und den abgebildeten Raucher in einen Nichtraucher verwandelt. (Das Foto hatte ich übrigens aus einer kostenlosen Bilderdatenbank mit zurzeit über 1,5 Millionen freien Fotos und Videos.)

Wir erleben seit der Einführung der Digitalfotografie und dank der ständigen Verbesserung der Kamerafunktionen moderner Mobiltelefone eine regelrechte Bilderflut. Im digitalen Zeitalter „reden“ wir mehr und mehr durch Bilder miteinander, denn „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Und so wundert es mich nicht, dass Instagram, ein kostenloser Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos, zu einer führenden Plattform in den sozialen Netzwerken geworden ist: Betrug die Mitgliederanzahl Ende 2010 eine Million, so waren im Juni 2018 eine Milliarde aktive Nutzer registriert!

Obwohl inzwischen fast jeder weiß, wie leicht es ist, Bilder zu manipulieren, lassen wir uns leicht von dem beeindrucken, was wir sehen. Eine Studie der britischen Universität Warwick belegt, dass die meisten Menschen nicht in der Lage sind, digital gefälschte Bilder zu erkennen. „Der blinde Glaube ans Bild wird schamlos ausgenutzt, das Publikum in die Irre geführt“, schrieb die NZZ am Sonntag (3.6.2017). Auch wenn das Wort in einem anderen Zusammenhang fiel, bewahrheitet sich in auffälliger Form der Spruch aus der Bibel: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist.“ (1. Samuel 16,7)

Inzwischen hat die digitale Manipulation auch den Filmbereich erreicht: Videos lassen sich mit Algorithmen und Apps dank künstlicher Intelligenz derart manipulieren, dass beispielsweise gefälschte Pornos mit den Gesichtern von Promis im Internet verbreitet werden. Oder Politikern werden Worte in den Mund gelegt, die sie so nie gesagt haben. Dabei gibt die digitale „Maske“ das Lächeln, Zwinkern usw. der Person so täuschend echt wieder, dass der Zuschauer die Manipulation („deepfakes“ nennt man solche Videos) nicht merkt.

Seit Ende Januar 2018 gibt es eine (kostenlose) App, mit der jedermann sehr einfach die Gesichter austauschen und so Fake-Videos erstellen und verbreiten kann. Daher wächst die Sorge, dass diese Manipulationen zu einem gefährlichen Massenphänomen werden könnten. Es wird nicht einmal ausgeschlossen, dass Deepfake-News Kriege auslösen könnten.

Diese Entwicklungen fordern uns heraus, noch kritischer alles zu prüfen, was die Medien verbreiten – nicht nur das, was wir hören und lesen, sondern auch das, was wir sehen, also auch Fotos und Filmmaterial. Eine Hilfe wird dabei möglicherweise eine Ergänzung (Plugin) für Internetbrowser sein, die automatisch erkennen wird, ob ein Video echt oder gefälscht ist.

Eine Folge dieser Entwicklung könnte sein, so ein Experte auf dem Gebiet der sozialen Netzwerke, dass Menschen mit festgefügten Weltbildern sich ihre eigene Parallelwelt schaffen und sich in ihrer eigenen zurechtmanipulierten „Wahrheit“ bestätigen. Eine andere Gefahr, die in der postmodernen Gesellschaft schon länger zutage tritt, ist die Relativierung der Wahrheit: Das Empfinden, es gäbe keine absolute Wahrheit mehr, kann auch eine Folge der Verunsicherung bzw. des Misstrauens sein, dass man heute nichts und niemandem glauben kann.

Da sind Christen besonders herausgefordert, ihren Glauben an einen Gott zu bekennen, der absolut vertrauenswürdig ist; von Jesus Christus zu erzählen, der den Anspruch erhob, „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ zu sein; zu zeigen, dass man sehr wohl der Heiligen Schrift, der Bibel, vertrauen darf; und vor allem: wahrhaftig und authentisch zu leben.

Vor 2000 Jahren stellte Pilatus die berühmte Frage: „Was ist Wahrheit?“ (Johannesevangelium 18,38) Leider wartete er nicht mehr die Antwort aus dem Mund von Jesus ab. Bewusst oder unbewusst, direkt oder wortlos wird auch heute diese Frage von vielen gestellt. Hoffentlich wird sie gehört und wahrhaftig und überzeugend von jenen beantwortet, mit Worten und/oder mit Taten, die erlebt haben: Der Mensch sieht, was vor Augen ist, und kann sich daher gewaltig täuschen. Gott aber sieht das Herz an, ihm kann man nichts vormachen – und man braucht es auch nicht!

Das „Wunder von Thailand“ – Nachlese

Teil des Rettungsteams am Eingang der Tham-Luang-Höhle. (Foto: NBT; Lizenz: cc 3.0)

Nachdem die allgegenwärtige Berichterstattung über die Rettung der 13 jungen Männer aus der Höhle in Thailand aufgehört hat, gewinne ich Abstand für einen Rückblick.

Sehr interessant finde ich, wie die deutsche und ausländische Presse die mediale Präsenz kommentiert hat. Häufig wurde kritisiert, dass dem Geschehen in Thailand viel zu viel Aufmerksamkeit gewidmet worden wäre, und zwar zu Ungunsten anderer und größerer humanitärer Probleme. Daraus allerdings zu schlussfolgern, das Mitgefühl für die Kinder in Thailand sei falsch gewesen, hielt die australische Zeitung THE AGE (11.7.2018) für falsch: „Die Rettung der Fußballmannschaft war eine seltene gute Nachricht, und Mitgefühl ist eine fundamental menschliche Regung.“ Ich kann mich dem voll anschließen, denn in der Tat: Den guten Nachrichten wird in den Medien kaum Raum gegeben – sie „verkaufen“ sich nicht so gut wie die schlechten. Das musste ich kürzlich während der drei Wochen in meiner spanischen Heimat beim Ansehen der Tagesschau mit Bedauern feststellen; bald konnte ich die langen und ausführlichen Berichte über Vergewaltigungen, Morde und Verkehrsunfälle nicht mehr sehen.

Vielfach gelobt wurde in den Kommentaren die internationale Zusammenarbeit. So schrieb beispielsweise The Guardian (11.7.2018): „Die Rettungsaktion ist eine echte Inspiration: Sie bestätigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Menschen ihre Ängste überwinden, an einem Strang ziehen und zuerst an ihre Mitmenschen denken.“ Auch ich freue mich jedes Mal, wenn sich nicht der Egoismus und die kleinkarierten Interessen durchsetzen, sondern die „Goldene Regel“, die Jesus Christus in der Bergpredigt lehrte, praktiziert wird: „Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt.“ (Matthäusevangelium 7,12 GNB) Auf die Situation hier bezogen: Tue für diese Kinder das, was du dir für deine eigenen wünschen würdest, wenn sie in solch einer Situation wären.

Ich selbst konnte „nur“ für diese Jungen, ihren Trainer und für die Rettungskräfte beten. Das habe ich gern getan. Und Gott nach dem Abschluss der Rettungsaktion gedankt. Neben dem Dank und dem Respekt für die Rettungskräfte und deren außerordentliche Leistung (die ein Menschenleben gekostet hat), fand ich in meiner Recherche eher selten den Dank an Gott. Fest steht, dass weltweit Christen für die Rettung der Jungen gebetet haben. Und dass Mitschüler der Eingeschlossenen am Höhleneingang die Rettung mit Gebet und Gesang begleitet haben. Wie wunderbar, dass Gott nicht nur die Gebete der Christen beachtet, sondern auch auf die Hilferufe eines jeden Menschen, ob religiös oder nicht, eingeht. (Warum so viele Menschen, auch Kinder, beispielsweise auf der Flucht im Mittelmeer ihr Leben lassen müssen, ist eine Frage, auf die es keine befriedigende Antwort gibt!)

Apropos wunderbar: Sehr selten habe ich in den Schlagzeilen den Begriff „Wunder“ gefunden. Als ich darüber nachdachte, warum viele dieses Wort zu meiden scheinen, sind mir zwei mögliche Gründe eingefallen: Warum muss man diesen Begriff bemühen, wenn so viele Menschen nach einem professionell ausgetüftelten Plan erfolgreich sind? Wir sind es ja gewohnt, dass allein durch menschliches Können fast Übermenschliches zustande kommt. Die Höchstleistungen von Wissenschaft und Technik scheinen den Bedarf an Wundern nahezu gänzlich zu decken.

Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass ein Wunder in der Regel dem Eingreifen Gottes zuzuschreiben ist. Wer aber Gott keinen Platz in seinem Leben einräumt, der wird wohl mit keinem Wunder rechnen. Das ist aber ein großer Verlust: Wer das tut, gleicht einem Schiffbrüchigen, der sich mit dem Leben auf seiner kleinen Insel abfindet und die Funkanlage ins Wasser wirft, durch die er Ermutigung bekommen und letzten Endes Rettung finden würde.