Etwas mehr Bescheidenheit

(Foto aufgenommen am 27.4.2021 um 22:45 Uhr in Lüneburg)
Diese Woche konnten wir wieder einen wunderschönen „Supermond“ betrachten.* Dabei musste ich an die Worte der dritten Strophe des Abendliedes „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius (1740-1815) denken (sein Gedicht gehört zu den bekanntesten Werken der deutschen Literatur):

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

Was bilden wir uns häufig ein, über etwas oder jemanden genau Bescheid zu wissen! Dabei kennen wir nur die halbe Wahrheit, die Vorderseite der Medaille, das, was für jeden offensichtlich ist. Wie sehr können wir uns dabei täuschen, Situationen fehleinschätzen oder gar Menschen belächeln!

Schon der Apostel Paulus sagte sinngemäß vor 2000 Jahren: Unser Wissen ist bruchstückhaft. Erst in der Ewigkeit werden wir das Ganze erkennen und verstehen (nach 1. Korinther 13,9-10). Etwas mehr Bescheidenheit und Empathie für unsere Mitmenschen täte uns gut.

Übrigens: Auf Wunsch des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt wurde dieses Lied beim Trauergottesdienst anlässlich seiner Beerdigung am 23. November 2015 gesungen.


* Als „Supermond“ wird der Vollmond bezeichnet, wenn er sich in seiner erdnächsten Position (mindestens 367.600 Kilometer) befindet und von der Sonne angestrahlt wird. Das ist kein astronomisch anerkannter Begriff und wurde so im Jahr 1979 vom Astrologen (sic) Richard Nolle benannt.

(Foto: beate bachmann, pixabay.com)

Der tatsächliche sichtbare Größenunterschied ist recht gering, wirkt aber beim Mondaufgang, wenn er sich nahe dem Horizont befindet, größer – ähnlich wie die Sonne, wenn sie auf- oder untergeht.


A little more humility
This week we could again look at a beautiful “supermoon”. This made me think of the words of the third verse of the evening song “Der Mond ist aufgegangen” (The moon has risen) by Matthias Claudius (1740-1815) (his poem is one of the most famous works of German literature).

How often we imagine that we know exactly about something or someone! But we only know half the truth, the front side of the coin, what is obvious to everyone. How much we can deceive ourselves, misjudge situations or even smile at people! Already the apostle Paul said 2000 years ago: Our knowledge is fragmentary. Only in eternity will we recognize and understand the whole (according to 1 Corinthians 13:9-10). A little more humility and empathy for our fellow human beings would be good for us.

By the way: At the request of former German Chancellor Helmut Schmidt, this song was sung at the funeral service on the occasion of his burial on November 23, 2015.


Un poco más de humildad
Esta semana pudimos contemplar de nuevo una hermosa “superluna”. Esto me hizo pensar en las palabras de la tercera estrofa de la canción “Der Mond ist aufgegangen” (La luna ha salido) de Matthias Claudius (1740-1815) (su poema es una de las obras más famosas de la literatura alemana).

¡Cuántas veces pensamos que conocemos perfectamente algo o a alguien, mientras que sólo conocemos la mitad de la verdad, una cara de la moneda, lo que es evidente para todo el mundo. ¡Cuánto podemos engañarnos a nosotros mismos, juzgar mal las situaciones o incluso reírnos de algunas personas! Ya lo dijo el apóstol Pablo hace 2000 años: Nuestros conocimientos son fragmentarios. Sólo en la eternidad reconoceremos y comprenderemos la totalidad (según 1 Corintios 13:9-10). Un poco más de humildad y empatía con nuestros semejantes nos vendría muy bien.

Por cierto: a petición del excanciller Helmut Schmidt, este poema se cantó en su servicio fúnebre el 23 de noviembre de 2015.