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Keine Kälte? Keine Wärme!

Deutsch:
Leben ohne Kälte ist Leben ohne Wärme,
wer nie gezittert hat, schätzt keinen Unterstand.
Leben ohne Alleinsein ist Leben ohne Liebe,
wer keine Leere kennt, greift kalt nach jeder Hand.
(Jürgen Werth, aus dem Musical Josef – Eine Traumkarriere)

Den ersten Satz kann ich leicht nachvollziehen, wenn ich an die Winter meiner Kindheit denke. Das waren noch Winter! Oder später in der Pfadfinderarbeit: Wie gut tat es, sich nach einer klammen Nacht im Zelt am Frühstückslagerfeuer zu wärmen!

Der zweite Satz in dieser dritten Strophe des Liedes gibt mir mehr zu denken und reizt mich auf Anhieb zum Widerspruch: Leben mit bzw. im Alleinsein ist Leben ohne Liebe, dem könnte ich leichter zustimmen. Aber im Kontext des Liedes ist dieser Satz sicher anders gemeint: Wer das Alleinsein nicht ertragen kann, dem wird es schwerfallen, die Dimensionen der Liebe in der Freundschaft oder in der Partnerschaft zu entdecken.

Auch der Satz mit der Leere hat es in sich. Die Leere auszuhalten, die manchmal über einen kommt, ohne gleich verzweifelt nach der erst besten Hand zu greifen, die sich einem streckt – auch das ist nicht leicht.

Apropos Leere: Ich denke dabei an den Spruch des Kirchenvaters Augustinus: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht, O Gott, in Dir.“ Es ist so, als hätte Gott von Anfang an eine Art „Vakuum“ im Menschen „eingepflanzt“, welches nur vom Schöpfer selbst „gefüllt“ werden kann. Das würde erklären, warum so viele Menschen jahre- oder gar ein Leben lang rastlos auf der Suche sind, um ihre innere Leere zu füllen, dabei nach jeder Hand greifend. Bis sie eines Tages Gott auf irgendeiner Weise begegnen und ihn so erleben, dass ihr verzweifeltes Rennen und Suchen ein Ende, ihr Ziel findet.

Danke, Herr, dass du dich finden lässt! Danke, dass wir in der Begegnung mit dir die Geborgenheit finden, nach der wir uns sehnen. Und die Wärme, um die kalten Zeiten unseres Lebens zu überstehen!

Das Lied auf YouTube / neuere Fassung

(4. Strophe folgt im nächsten Beitrag)

 

English:
Life without coldness is life without warmth,
who has never trembled does not appreciate a refuge.
Life without loneliness is life without love,
who knows no emptiness, reaches cold for every hand.
(Jürgen Werth) [picture]

Español:
Una vida sin frío es una vida sin calor,
quien nunca tembló no sabe apreciar un refugio.
Una vida sin soledad es una vida sin amor,
quien no conoce el vacío, se aferra frío de cada mano.
(Jürgen Werth) [Foto]

Wasser mehr als genug!

Wird das Wasser knapp? (Foto: analogicus, pixabay)

Letzte Woche bekamen wir die Wasser-Jahresabrechnung: Wir müssen nachzahlen. Aber wir sind froh und dankbar, dass wir reichlich mit gutem Wasser versorgt werden – gerade zurzeit! In den Nachrichten hieß es, die Rekordhitze sorge in manchen Regionen Deutschlands für Wasserknappheit. Die Landwirte machen sich Gedanken über neue Sorten von Feldpflanzen, um mit den wetterbedingten Herausforderungen besser klar zu kommen.

Als ich letzte Woche in der Mittagshitze etwas erledigen musste, fiel mir auf, wie leergefegt die Straßen waren – fast wie zur Siesta-Zeit in meiner Heimat! Ich musste unwillkürlich an die Frau im Johannes-Evangelium denken, die bewusst die Mittagshitze wählte, um Wasser aus dem Dorfbrunnen zu schöpfen. Sie wollte ihren Nachbarinnen aus dem Weg gehen, um sich keine herabwürdigenden Bemerkungen zu ihrem Lebensstil anhören zu müssen.

Den Nachbarinnen begegnete sie nicht, dafür 13 Männern! Allerdings schickte einer von ihnen, den sie Jesus nannten, alle 12 weg ins Dorf, um sich allein mit der Frau unterhalten zu können. Denn er spürte sofort: Diese Frau braucht mehr als nur Brunnenwasser. Sie braucht jemand, der sie herausfordert, ihr zuhört, „zwischen den Zeilen lesen kann“, sich nicht von Vorurteilen lenken und auch nicht durch Fangfragen ablenken lässt. Und sie braucht einen Menschen, der sie so annimmt und respektiert, wie sie ist. Und der ihr sagt: „Auch Gott liebt dich. Du bist in seinen Augen unendlich wertvoll.“ Und auch: „Du darfst neu beginnen, du musst nicht so bleiben, wie du bist.“

Am Abend dieses Tages konnte man eine deutlich gelöste Frau sehen, die – umgeben von den Menschen, die sie bis dahin gemieden hatte – von dieser Begegnung mit Jesus erzählte und ihm weiterhin zuhörte, während er das Thema ihres Mittagsgesprächs am Brunnen vertiefte:

Wenn die Menschen dieses Wasser [vom Brunnen] getrunken haben, werden sie schon nach kurzer Zeit wieder durstig. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird niemals mehr Durst haben. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer nie versiegenden Quelle, die unaufhörlich bis ins ewige Leben fließt.

So nachzulesen im Johannesevangelium Kapitel 4 (nach der Übersetzung Neues Leben Bibel). Das gesamte Kapitel ist sehr spannend!

Wir Menschen brauchen etwa zwei Liter Wasser pro Tag – bei der derzeitigen Hitze sicher etwas mehr. Aber wir dürfen den Durst unserer Seele nicht ignorieren: Die Sehnsucht nach Annahme, Geborgenheit, Vergebung, einem gesunden Selbstwert, einem Sinn für das Leben hier und die begründete Hoffnung auf ein Leben danach – das alles kann letztlich kein Getränk und auch kein Mensch abdecken. Diese Sehnsucht kann nur derjenige stillen, der uns erschaffen hat. Das erkannte auch der Kirchenvater Augustinus, als er sagte:

Groß bist du, Herr, und über alles Lob erhaben. Und da will der Mensch dich preisen, dieser winzige Teil deiner Schöpfung. Du selbst regst ihn dazu an; denn du hast uns zu dir hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir. (Bekenntnisse, I, 1,1)

Wer diesen Durst durch die Hingabe an Jesus Christus und die Beziehung zu ihm täglich gestillt bekommt, wird zu einem Bach, durch das dieses Lebenswasser zu anderen fließt. Wie belebend und erfrischend!