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Ein kindliches Wunder

Fast jeder dritte deutsche Apfel stammt aus der Region Altes Land an der Elbe bei Hamburg. Es ist das größte zusammenhängenden Obstanbaugebiet Nordeuropas mit 18 Millionen Obstbäumen. Die Prognosen für 2018 sind gut: Mehr als 25 Prozent können in diesem Jahr geerntet werden – das sind 300.000 Tonnen! Bis in den November hinein werden die frischen Äpfel gepflückt. (Foto: lumix2004, pixabay)

 

Friedrich von Bodelschwingh (1877-1946) erzählte ein Erlebnis aus seiner Kindheit, das mich besonders berührt hat:

Als im Herbst das Obst reif an den Bäumen im Garten hing, hatte uns der Vater streng verboten, auf die Bäume zu klettern. Wir durften nur von den heruntergefallenen Früchten essen. Aber einmal hatte ich das Verbot doch übertreten und war heimlich auf einen Baum geklettert. Dabei zerriss ich mir unglücklich den Hosenboden.

Heimlich schlich ich mich mit einem bösen Gewissen nach Hause. Dabei drehte ich mich immer so geschickt, dass keiner den Schaden entdecken konnte. Nach dem Abendbrot ging ich in mein Zimmer, besah dort erst richtig voll Entsetzen die zerrissene Hose und legte sie zuunterst auf den Stuhl, alle anderen Kleidungsstücke geschickt darüber. Dann kniete ich am Bett nieder, um mein Abendgebet zu sprechen: „Lieber Gott, ich bin heute ungehorsam gewesen. Vergib es mir doch und mach, dass morgen früh meine Hose wieder heil ist!“

In diesem Augenblick ging meine Mutter an der Kinderzimmertür vorbei, blieb einen Augenblick stehen und hörte mein Gebet. Dann ging sie lächelnd weiter. Dem Vater sagte sie nichts. Sie wollte eine Handlangerin Gottes sein. Als ich fest eingeschlafen war, nahm sie die zerrissene Hose und machte sie wieder heil. Dann legte sie die Hose so hin, wie sie unter dem Berg von Kleidern gelegen hatte.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, war mein erster Griff nach der Hose. Welch ein Wunder, die Hose war wieder in Ordnung! Ich weiß noch wie heute, dass dieses Erlebnis, wo Mutter ein Engel gewesen war, meinen Kinderglauben mächtig stärkte.

(Entnommen aus „Hört ein Gleichnis“ von Heinz Schäfer; vergriffen, antiquarisch zu erwerben)

Verborgene Schönheit

Als Kind habe ich fast jeden Ferientag stundenlang im Wasser (im kühlen Atlantik!) verbracht und geschnorchelt. Dass ich eines Tages im warmen Roten Meer baden, schnorcheln und wunderschöne Korallenformationen betrachten würde, daran habe ich damals nicht einmal im Traum gedacht.

Gelbe Segelflossendoktorfische im Korallenriff. (Foto: Bru-nO, pixabay)

Wenn ich die Farbenpracht der Wasser-Pflanzen- und Tierwelt betrachte – sei es im Meer oder in einem großen Aquarium –, möchte ich am liebsten laut rufen: „Mensch, haben wir einen genialen Schöpfer!“ Und bei manchem Tiergesicht würde ich gleich hinzufügen: „Einen Sinn für Humor hat er auch!“

Ein alttestamentlicher Sänger muss ähnlich empfunden haben, vielleicht als er den Sternenhimmel betrachtete, denn er dichtete (Psalm 104,24):

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

Es ist interessant, wie viele Schönheiten der Natur Jahrhunderte bzw. Jahrtausende lang der menschlichen Betrachtung entzogen waren. Nicht nur unter Wasser, sondern beispielsweise unter der Erde: Immer wieder entdecken Höhlenforscher die interessantesten Formationen, gigantische Tropfsteinhallen, unterirdische Seen, Kathedralen aus Eis …

Die Feengrotten im thüringischen Saalfeld. (Foto: „Märchendom“, Ansgar Koreng, CC BY 3.0, DE).

Eine weitere versteckte Schönheit der Schöpfung sind die Schneekristalle: Obwohl sie alle sechseckig sind, hat man noch nicht zwei entdeckt, die exakt gleich waren. Fotografiert wurden sie zum ersten Mal 1879. Das bedeutet: Auch im Schnee lag jahrtausendelang ein Wunder verborgen, das von der Phantasie und Kreativität des Schöpfers zeugt. Er ist also nicht nur ein genialer Gott, sondern auch einer, der dem Menschen Raum zum Erforschen und Entdecken gibt. Ich leite daraus ab, dass er sich darüber freut, wenn wir neugierig sind.

Kein Eiskristall gleicht einem anderen. (Foto: geralt, pixabay)

Mit einem Gott, der phantasievoll und kreativ ist, der Schönheit liebt und den Entdeckergeist schätzt und fördert, die Ewigkeit verbringen zu dürfen: Welch ein Erlebnis wird das sein! Als Kind hatte ich die Sorge, ich könnte mich in dieser zeitlosen Ewigkeit einmal langweilen. Inzwischen halte ich diese Sorge für völlig unberechtigt. Vielmehr glaube ich, dass uns die Gründe, über unseren Schöpfer zu staunen, ihn zu bewundern und ihm zu danken, niemals ausgehen werden.

Das „Wunder von Thailand“ – Nachlese

Teil des Rettungsteams am Eingang der Tham-Luang-Höhle. (Foto: NBT; Lizenz: cc 3.0)

Nachdem die allgegenwärtige Berichterstattung über die Rettung der 13 jungen Männer aus der Höhle in Thailand aufgehört hat, gewinne ich Abstand für einen Rückblick.

Sehr interessant finde ich, wie die deutsche und ausländische Presse die mediale Präsenz kommentiert hat. Häufig wurde kritisiert, dass dem Geschehen in Thailand viel zu viel Aufmerksamkeit gewidmet worden wäre, und zwar zu Ungunsten anderer und größerer humanitärer Probleme. Daraus allerdings zu schlussfolgern, das Mitgefühl für die Kinder in Thailand sei falsch gewesen, hielt die australische Zeitung THE AGE (11.7.2018) für falsch: „Die Rettung der Fußballmannschaft war eine seltene gute Nachricht, und Mitgefühl ist eine fundamental menschliche Regung.“ Ich kann mich dem voll anschließen, denn in der Tat: Den guten Nachrichten wird in den Medien kaum Raum gegeben – sie „verkaufen“ sich nicht so gut wie die schlechten. Das musste ich kürzlich während der drei Wochen in meiner spanischen Heimat beim Ansehen der Tagesschau mit Bedauern feststellen; bald konnte ich die langen und ausführlichen Berichte über Vergewaltigungen, Morde und Verkehrsunfälle nicht mehr sehen.

Vielfach gelobt wurde in den Kommentaren die internationale Zusammenarbeit. So schrieb beispielsweise The Guardian (11.7.2018): „Die Rettungsaktion ist eine echte Inspiration: Sie bestätigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Menschen ihre Ängste überwinden, an einem Strang ziehen und zuerst an ihre Mitmenschen denken.“ Auch ich freue mich jedes Mal, wenn sich nicht der Egoismus und die kleinkarierten Interessen durchsetzen, sondern die „Goldene Regel“, die Jesus Christus in der Bergpredigt lehrte, praktiziert wird: „Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt.“ (Matthäusevangelium 7,12 GNB) Auf die Situation hier bezogen: Tue für diese Kinder das, was du dir für deine eigenen wünschen würdest, wenn sie in solch einer Situation wären.

Ich selbst konnte „nur“ für diese Jungen, ihren Trainer und für die Rettungskräfte beten. Das habe ich gern getan. Und Gott nach dem Abschluss der Rettungsaktion gedankt. Neben dem Dank und dem Respekt für die Rettungskräfte und deren außerordentliche Leistung (die ein Menschenleben gekostet hat), fand ich in meiner Recherche eher selten den Dank an Gott. Fest steht, dass weltweit Christen für die Rettung der Jungen gebetet haben. Und dass Mitschüler der Eingeschlossenen am Höhleneingang die Rettung mit Gebet und Gesang begleitet haben. Wie wunderbar, dass Gott nicht nur die Gebete der Christen beachtet, sondern auch auf die Hilferufe eines jeden Menschen, ob religiös oder nicht, eingeht. (Warum so viele Menschen, auch Kinder, beispielsweise auf der Flucht im Mittelmeer ihr Leben lassen müssen, ist eine Frage, auf die es keine befriedigende Antwort gibt!)

Apropos wunderbar: Sehr selten habe ich in den Schlagzeilen den Begriff „Wunder“ gefunden. Als ich darüber nachdachte, warum viele dieses Wort zu meiden scheinen, sind mir zwei mögliche Gründe eingefallen: Warum muss man diesen Begriff bemühen, wenn so viele Menschen nach einem professionell ausgetüftelten Plan erfolgreich sind? Wir sind es ja gewohnt, dass allein durch menschliches Können fast Übermenschliches zustande kommt. Die Höchstleistungen von Wissenschaft und Technik scheinen den Bedarf an Wundern nahezu gänzlich zu decken.

Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass ein Wunder in der Regel dem Eingreifen Gottes zuzuschreiben ist. Wer aber Gott keinen Platz in seinem Leben einräumt, der wird wohl mit keinem Wunder rechnen. Das ist aber ein großer Verlust: Wer das tut, gleicht einem Schiffbrüchigen, der sich mit dem Leben auf seiner kleinen Insel abfindet und die Funkanlage ins Wasser wirft, durch die er Ermutigung bekommen und letzten Endes Rettung finden würde.

Grenzenlose Entfaltungsmöglichkeiten

Der Volocopter: das Lufttaxi der Zukunft? (Foto: Matti Blume, CCL 4.0)

Am 25. September 2017 flog über Dubai der erste Volocopter: eine von 18 Elektrorotoren angetriebene Drohne, die als autonomes Lufttaxi eingesetzt werden soll. Der Jungfernflug fand allerdings ohne Passagiere statt. Die zweisitzige Drohne aus Bruchsal (Baden) flog erfolgreich acht Minuten lang, die Batterien hätten für 27 Minuten bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern gereicht. Mit diesem Minihubschrauber wollen die Hersteller „jedem Menschen den Traum vom Fliegen ermöglichen und modernen Städten helfen, ihre wachsenden Mobilitätsprobleme zu lösen“.

Persönlich bezweifle ich zwar sehr, dass ich jemals freiwillig in so ein wundersames Gefährt einsteigen sollte, aber faszinierend finde ich diese Erfindung dennoch. Meine Großeltern hätten so etwas für unmöglich gehalten. So wie viele Menschen lange geglaubt haben, dass eine Hummel nach den Gesetzen der Aerodynamik überhaupt nicht fliegen kann (das so genannte Hummel-Paradoxon). Erst im Jahr 1996 wurde experimentell der Nachweis erbracht, dass der Flügelschlag (bis zu 200-mal kreisförmig pro Sekunde) einen tornadoartigen Luftwirbel erzeugt, der der Hummel den nötigen Auftrieb verschafft.

Es gibt fast keine menschliche Erfindung, für die es nicht längst in der Natur einen Prototyp, ein Vorbild gegeben hat! Wenn wir über das staunen, was menschliche Intelligenz zustande bringt, dann staunen wir letztlich (ob wir es merken oder nicht) über den Schöpfergott, der uns Menschen mit Intelligenz, Phantasie und Kreativität ausgestattet hat.

Einmal sagte Jesus seinen Schülern Folgendes (Matthäusevangelium 19,26):

Bei Gott sind alle Dinge möglich. 

Diese Aussage sollte uns aufhorchen lassen: Wenn der Mensch mit den von Gott verliehenen Fähigkeiten in der Lage ist, fast Unglaubliches zu leisten, wie viel mehr könnten wir vollbringen, wenn wir unserem Schöpfer freie Hand in unserem Leben ließen? Ist es nicht kurzsichtig und vermessen, nur das zu glauben, was wir erklären oder beweisen können? Wer sind wir denn, die als Geschöpfe meinen, die Dimensionen und Möglichkeiten des Schöpfers des Universums abstecken zu können?

Man kann es auch so formulieren: Grenzenlos sind die Entfaltungsmöglichkeiten und die Brauchbarkeit eines Menschen, der seinem Gott alles zutraut und sich ihm ohne Wenn und Aber mit Leib und Seele zur Verfügung stellt. Ich will das gern vertrauensvoll tun!