Jerusalem-Kalender MAI

In Jerusalem kann man acht Altstadttore bestaunen. Sieben davon sind passierbar, manche sogar mit dem Auto.

Was ist hier zu sehen?

1 – Das Goldene Tor (vom Garten Gethsemane aus betrachtet)
2 – Das Goldene Tor (von der Dominus Flevit Kirche auf dem Ölberg aus betrachtet)
Dieses Tor, das direkt vom Ölberg zum Tempelberg führt, wird auch „Tor des Erbarmens“ genannt und ist seit 1541 zugemauert. Nach christlicher Überlieferung ist Jesus als Messias am Palmsonntag durch dieses Tor auf einem Esel in die Stadt geritten, während die Menschen ihm zujubelten und einen Teppich mit Kleidern und Palmenzweigen ausbreiteten (Matthäus 21,1-11 und Parallelstellen).
Für die Versiegelung des Tores werden verschiedene Gründe genannt: Der türkische Herrscher Süleymann der Prächtige hätte das Tor zugemauert, um den Einzug des jüdischen Messias zu verhindern. Andere halten es für wahrscheinlicher, dass die Osmanen damit den Ungläubigen den Zugang zum Tempelberg verwehrten. Dass dieses Tor bis zum heutigen Tag verschlossen geblieben ist, sehen jüdischen Gelehrte und viele Bibelleser als Erfüllung der Prophezeiung aus Hesekiel 44,1-3 an, wonach dieses Tor bis zur Ankunft des Messias verschlossen bleiben soll, weil „der HERR, der Gott Israels, durch dieses Tor eingezogen ist“.
Der jüdischen Tradition zufolge wird der Messias durch dieses Tor in die Stadt Einzug halten, daher sind die Gräber auf dem Ölberg gegenüber stark begehrt. Die Moslems wiederum glauben, dass dies der Ort des Jüngsten Gerichts sein wird.

3 – Das Jaffator
Dieses Tor stellt den einzigen westlichen Zugang zur Altstadt dar (also von der Neustadt kommend). Durch dieses Tor gelangt man in das christliche und in das armenisch Stadtviertel. Gebaut wurde es 1538 und zwar im 90-Grad-Winkel angelegt (Knicktor), um so das schnelle Durchbrechen von Angreifern zu verhindern.
Rechts vom Tor ist ein „Durchbruch“, eine Maueröffnung, durch die der Pkw- und Lieferverkehr hin die Stadt gelangt. Während seiner Palästinareise ritt am 29. Oktober 1898 der deutsche Kaiser Wilhelm II. in weißer Paradeuniform auf einem Schimmel durch diese Lücke in die Stadt hindurch. (Das war eine „Kompromisslösung“, denn nach muslimischer Tradition stand das Vorrecht, durch das Stadttor in die Stadt einzuziehen, nur einem Eroberer zu.)
Am Türpfosten ist eine große Mesusa angebracht (siehe 8.). Hinter dem Tor trifft man Brothändler und eine Reihe von Geschäften und Geldwechslern. Auch das Jerusalemer Tourismusbüro ist hier, nur ein paar Meter vom Tor entfernt. Rechter Hand ist die Davidszitadelle mit einem Museum.
Hier am Jaffator findet die Sound- und Lightshow statt, in der Szenen aus der Geschichte Jerusalems auf die Altstadtmauer projiziert werden (siehe Dezember, Bild 2).

4 – Das Zionstor
1540 unter Sultan Suleiman dem Prächtigen errichtet, gelangt man durch dieses Tor zum armenischen und zum jüdischen Viertel der Altstadt. Auch dieses Tor ist, wie das Jaffator, im 90-Grad-Winkel gebaut, um die massive Stürmung feindlicher Truppen zu erschweren. Oberhalb des Eingangs befindet sich ein Loch, durch das Angreifer mit heißen Flüssigkeiten (z. B. Teer) übergossen werden konnten.
Die vielen Einschusslöcher an der Außenseite stammen aus dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg (1947-1949). Hier wurde 1948 sehr heftig gekämpft, als israelische Soldaten bei der Belagerung der Jordanier mit aller Gewalt versuchten, die Mauer zu durchbrechen, um das Jüdische Viertel zu erobern.

5 – Das Herodestor
Dieses neuere Tor wurde ebenfalls von Sultan Suleiman dem Prächtigen errichtet, und zwar 1875 an Stelle einer Schlupfpforte. Beim ersten Kreuzzug (1096-1099) gelang 1099 den Kreuzfahrern an dieser Stelle der Durchbruch durch die damalige Mauer.
Der Name Herodestor geht zurück auf die Annahme mittelalterlicher Pilger, das Haus des Herodes Antipas (siehe Lukas 23,6ff) hätte sich in der Nähe befunden. Der arabische und der hebräische Name bedeutet „Blumentor“, was ein Bezug zur Rosette über dem Bogen ist.
Freitags findet hier ein Schafmarkt statt, auf dem Beduinen aus der Judäischen Wüste ihr Vieh anbieten.

6 und 7 – Das Damaskustor
Dieses ist das größte Tor, wurde 1542 in Gebrauch genommen und stellt eines der schönsten Beispiele islamischer Baukunst in Jerusalem dar. Es steht auf der Nordseite der Stadtmauern und führt in das moslemische Viertel, das kommerzielle Zentrum der Altstadt. Die Araber nennen es das Säulentor. Diese Bezeichnung geht auf eine römische Siegessäule zurück, die zu Zeiten Kaiser Hadrians aufgestellt wurde.
Das Tor wurde auf den Überresten einer früheren Pforte und eines prächtigen römischen Platzes errichtet. Benannt ist es nach Damaskus, weil die römische Straße, die aus Jerusalem über Nablus zu dieser syrischen Stadt führt, genau hier begann.
Da das heutige Straßenniveau recht hoch liegt, muss man über Stufen zum Tor hinabsteigen. Während des Fastenmonats Ramadan pulsiert nachts auf dem Stufen dieses Vorplatzes das Leben. Wegen der Ausgrabungen des alten Tores befindet sich vor dem Tor nun quasi ein Burggraben, der überquert werden muss. Hinter dem Tor gelangt man zur Ausgrabungsstätte mit u. a. Überresten einer Kreuzfahrerkapelle.
Das Damaskustor bildet als wichtigstes Fußgängertor ein Nadelöhr zwischen Altstadt und Neustadt. Besonders während der Geschäfts- sowie der jüdischen und muslimischen Gebetszeiten ist das Tor stark frequentiert. Schon im Torbau befinden sich kleine Geschäfte und Geldwechselstuben, und fliegende Händler verkaufen ihre Waren. Von hier aus ist es nur ein kurzer Weg bis zur Via Dolorosa.
Durch dieses Tor schieben Händler ihre schmalen Handkarren vollbeladen mit frischen Lebensmittel und müssen dabei immer wieder aufgrund des Gefälles und der unebenen Kopfsteinpflaster auf die Bremse (ein Gummireifen im Schlepptau) treten. Ab und zu übernimmt ein schmaler, nicht mal einen Meter breiter Traktoren diese Aufgabe.
Ca. 200 m nordwestlich des Tores hält die 2011 eingeweihte Jerusalemer Straßenbahn. Und nicht weit vom Damaskustor befindet sich das Gartengrab (siehe Monat April).

8 – Mesusa
Eine Mesusa ist eine Kapsel aus Glass, Holz, Metall, Keramik, Stein oder Kunststoff, die ein Stück Pergament mit einem Abschnitt aus der Tora enthält. An den Türrahmen der Häuser bzw. Wohnungen oder Büros und an den Pfosten der Stadttore angebracht, sehen die gläubigen Juden damit die Anweisung aus 5. Mose 6,9 und 11,20 als erfüllt an. Viele Juden berühren ehrfürchtig die Mesusa beim Betreten eines Raumes bzw. beim Gang durchs Stadttor mit den Fingerspitzen der rechten Hand und führen diese dann zum Mund.
Die Abschrift muss von einem Schriftgelehrten mit einem Federkiel handschriftlich gemacht werden. Inhalt ist das so genannte Schma Jisrael (5. Mose 6,4-9: „Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein.“ EB). Die gläubigen Juden bezeugen mit dem Anbringen der Mesusa ihr Vertrauen zum Ausdruck, dass Gott über ihrem Haus wacht und es beschützt: „Durch das Erfüllen dieser Mizwa (G-ttliches Gebot) bringen wir ein bestimmtes Maß an Heiligkeit und Sicherheit in unsere Häuser.“ (de.chabad.org) (Siehe unten Bilder vom Jaffator.)

Bilder der Seite und weitere Fotos

Bilder vom Goldenen Tor:

Bilder vom Jaffator:

Bilder vom Damaskustor:

Bilder vom Löwentor, Herodestor und Zionstor:

Weitere Informationen und Links

edp – Eine Denk-Pause