Jammern oder danken?

 

Gestern Abend haben wir uns, meine Frau und ich, die Sendung “Ein Herz für Kinder” angesehen. Die Beiträge über Menschen, junge und ältere, die sich weltweit für Kinder in Not einsetzen, haben uns sehr berührt. Beispielhaft fanden wir u. a. den Einsatz des 14-jährigen Colin Rimbach aus Ludwigsau, der durch den Verkauf von  Badeentchen die Arbeit eines Kinderhospizes unterstützt. (1) Betroffen machte uns die Situation der Kinder, die im Wasserslum von Tondo in Manila zwischen dem Plastikmüll leben und diesen einsammeln und verkaufen, um überleben zu können – es ist unser aller Müll! (2)

Wenn ich das betrachte, so muss ich mich dafür schämen, auf welch einem hohen Niveau wir gern in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, jammern. Dabei haben wir Tausende Gründe, dankbar zu sein.

“Tausende Gründe, dankbar zu sein” – das ist übrigens der Titel der Predigt, die ich gestern in meiner Kirchengemeinde (Adventgemeinde Lüneburg) gehalten habe. (3)

Ausgangstext der Predigt waren die Worte Davids im 103. Psalm:

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat …

Aus dieser Predigt möchte ich hier die letzten Worte abdrucken:

  • Wenn du diese Predigt hören konntest, dann kannst du Gott dafür danken, denn es gibt 360 Millionen Menschen weltweit, die ein Hörproblem haben. Und davon sind 32 Millionen Kinder!
  • Wenn du ein eigenes Konto bei einer Bank hast, gehörst du zu den acht Prozent der Reichen dieser Welt. Und wenn du mehr als 100 g Reis pro Tag essen kannst, kannst du mehr essen als ein Drittel der Weltbevölkerung!
  • Wenn du zur Schule gehst/gegangen bist, kannst du Gott dankbar sein, denn 121 Millionen Kinder haben nicht die Chance, in die Schule zu gehen!
  • Wenn du nie die Gefahr eines Krieges, die Einsamkeit einer Gefangenschaft, den Schmerz von Folterung oder das Elend von Hunger erlebt hast, geht es dir besser als 500 Millionen anderer Menschen auf dieser Erde!
  • Wenn du Essen im Kühlschrank, ein Dach über dem Kopf und ein Bett hast, bist du reicher als 75 Prozent der Weltbevölkerung!
  • Wenn du immer frisches Trinkwasser zur Verfügung hast, geht es dir besser als 1 Milliarde Menschen in den Entwicklungsländern.

Bevor du dich also das nächste Mal darüber beschwerst, wie unfair das Leben doch zu dir ist, denk an diese Beispiele. Es gibt tausende Gründe dankbar zu sein – Gott und unseren Mitmenschen gegenüber. Gott helfe uns, jeden Tag viele davon zu finden!

(1) Hier ist ein Kurzvideo davon zu sehen:  http://ogy.de/go96
(2) Hier ein Videoclip dieses Beitrags:  http://ogy.de/tq25
(3) Text der Predigt zum Herunterladen als PDF:  http://ogy.de/w489 und hier kann man sie hören:  http://ogy.de/j0r4

 

Blind vertrauen?

Der Navi-Anweisung folgen oder nicht? (Foto: DariuszSankowski, pixabay)

Da Navigationsgeräte im Auto sehr verbreitet sind, können viele Leute interessante Erlebnisse mit ihrem „Navi“ berichten. Ich las von zwei Autofahrern in Alaska, die anscheinend ihrem Navi (in diesem Falle war es ein Smartphone-Navigationsprogramm) blind vertrauten: Sie übersahen mehrere Warnschilder, fuhren durch Absperrungen und Tore, überquerten ein Rollfeld und hielten erst auf der Seite eines Terminals an, von der die Passagiere die Flugzeuge betreten.

Besonders dann, wenn mir vor einem Stau die freundliche Stimme empfiehlt, die Autobahn zu verlassen, frage ich mich, ob ich dem Navi mehr vertrauen soll als meinem Blick auf einen (noch) recht flott rollenden Verkehr. Bei diesen Gelegenheiten denke ich häufig an diesen Bibeltext:

Vertraue von ganzem Herzen auf den Herrn und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Denke an ihn, was immer du tust, dann wird er dir den richtigen Weg zeigen. Sprüche 3,5–6 (NLB)

Man kann die Führung Gottes nur sehr grob mit den Anweisungen eines Navis vergleichen. Beim Navi weiß ich, dass man ihm nicht blind folgen darf – sonst steht man plötzlich möglicherweise auf dem Rollfeld eines Flugplatzes. Aber wie ist es mit Gott? Soll man ihm blind vertrauen? Beim Navi sollte man den Verstand nicht ausschalten. Muss man das bei Gott etwa tun?

Der weise Salomo schrieb nicht: „Vertraue von ganzem Herzen auf den Herrn und schalte deinen Verstand ab!“ Wie könnte er auch? Denn unser Verstand ist ein unentbehrlicher Bestand des Menschen, so wie Gott ihn erschaffen hat. Außerdem: Wie sollten wir an ihn denken, was auch immer wir tun (V. 6), ohne den Verstand zu benutzen? Je besser wir den Verstand gebrauchen, desto mehr ehren wir den, der uns erschaffen hat. Aber von ganzem Herzen vertrauen sollen wir nicht unserer Intuition, sondern „Gottes Geboten“ (V. 1–4). Auf Gott können wir uns wirklich verlassen – auf unseren Verstand, unsere Erfahrungen, unsere Sinnesorgane und unser Wissen nicht.

Es ist ein wenig wie mit dem Spruch „ora et labora“ (lat. bete und arbeite): Die Intelligenz, die Gott uns verliehen hat, macht das Fragen nach dem rechten Weg im Gebet nicht überflüssig. Und das Vertrauen auf die Führung Gottes ersetzt das eigene Denken nicht und schließt es auch nicht aus. Je enger wir mit ihm verbunden leben, desto besser wird sich beides ergänzen! Gute „Fahrt“ durch diesen Tag!

Einfach da sein!

Deutsch:   Am Sabbat lebt der Mensch, als hätte er nichts, als verfolge er kein Ziel außer zu sein, das heißt seine wesentliche Kräfte auszuüben, beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben. Erich Fromm (Haben oder Sein)
English:   On the Shabbat one lives as if one has nothing, pursuing no aim except being, that is, expressing one’s essential powers, praying, studying, eating, drinking, singing, loving. Erich Fromm (To Have or to Be?)
Español:   En sábado el hombre vive como si no tuviera nada, como si no persiguiera otra meta que la de existir, es decir, ejercer sus facultades esenciales, orar, estudiar, comer, beber, cantar, amar. Erich Fromm (Del tener al ser)

Der Deckel meines Puzzles

Eine echte Herausforderung, die Teile richtig zuzuordnen! (Foto: pixabay)

Es macht Spaß, Kindern beim Puzzeln zuzuschauen. Wenn sie klein sind, nehmen sie es nicht immer so genau: Da wird ein Teil an der falschen Stelle einfach eingedrückt nach dem Motto „Passt schon!“.

Besonders aufregend wurde es für meine Frau und für mich, als unsere zwei Jungen sich mit großer Begeisterung den Riesenpuzzles mit 3.000 Teilen widmeten. Diese (später) fast wandfüllenden Gebilde blockierten das Kinderzimmer für Wochen. Der spannendste Augenblick kam gegen Ende, als nur noch wenige Lücken zu füllen waren: Wie viele Teile hat wohl Mamas Staubsauger verschluckt? Wird das Geduldswerk vollendet werden können? Einmal, bei einer Weltkarte, fehlte gerade an gut sichtbarer Stelle ein Puzzleteil. Wir kaschierten die Lücke mit einem zurechtgeschnittenen Teil der Verpackung. Es passte gerade so!

Wie ist das bei unserem Lebenspuzzle? Wie viele können wohl behaupten, alle Bereiche ihres Lebens seien bis in die kleinste Ecke geordnet, alle Aufgaben gelöst, alle Beziehungen intakt, alle Pläne erfüllt? Viele stochern im Dunkeln, versuchen ihren Lebensentwurf irgendwie zu verwirklichen („es passt schon!“), fragen sich im besten Fall: „Weiß denn niemand, wo der Deckel mit dem Bild für das ganze Puzzle ist?“

Ich habe entdeckt, dass Gott die Vorlage, an der wir uns ausrichten können, längst geliefert hat: Sein Wort, die Bibel, zeigt uns zuerst den besten Rahmen, an dem man sich orientieren kann, nämlich die Ordnungen Gottes. Und dann auch, wie wir diesen Rahmen mit Leben füllen können, und zwar nach dem Vorbild von Jesus Christus. Er ist für mich „der Deckel“ meines Lebenspuzzles. Eine bessere Vorlage kenne ich nicht!

Nicht nur das: Wie der Apostel Paulus den Christen der Gemeinde in Philippi schrieb (Philipperbrief 1,6), ist Gott dazu bereit, uns beim Zusammensetzen unseres Lebenspuzzles zu begleiten und es sogar abzuschließen, zu vollenden:

Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt. (Neues Leben Bibel)

Wie wir aus dem Schöpfungsbericht wissen, ist das, was Gott tut und vollendet, immer sehr gut! Ich finde dieses Angebot regelrecht befreiend. Ich habe es angenommen und will weiterhin versuchen, die Vorlage meines Lebenspuzzles (das Vorbild von Jesus) nicht aus dem Blick zu verlieren.