Jerusalemtag

Blick auf Jerusalem vom Ölberg aus: Altstadtmauer mit dem Goldenen Tor, Tempelberg mit dem Felsendom (auch Omar Moschee genannt), ganz hinten die Neustadt. (Foto: edp, 2019)
Heute (22. Mai bzw. 28. Ijjar im jüdischen Kalender) feiert Israel den Jerusalemtag. Gefeiert wird die Wiedervereinigung der Stadt Jerusalem als Ergebnis des Sechstagekrieges (Juni 1967). Die arabische Bevölkerung Jerusalems empfindet diesen Gedenktag als Provokation.

Nachfolgend ein paar Fotomotive aus meinem Aufenthalt 2013 in dieser geschichtsträchtigen und faszinierenden Stadt (erstes Bild anklicken, um die Vorschau auszulösen):

Und hier ein paar Lieder, die Jerusalem besingen:

 

Today Israel celebrates Jerusalem Day. It represents the reunification of the city of Jerusalem as a result of the Six Day War (June 1967). The Arab population of Jerusalem considers this day of commemoration a provocation.

See the links and the photo gallery above.

Hoy (22 de mayo y 28 de Iyar según el calendario judío) celebra Israel el Día de Jerusalén, conmemorando la conquista de la parte oriental de la ciudad durante la Guerra de los Seis Días (junio, 1967). Los habitantes árabes consideran que este día festivo nacional es una provocación.

Véanse arriba los enlaces a algunas canciones dedicadas a esta ciudad tan histórica y fascinadora,  y la galería de algunas fotos hechas durante mi estancia en 2013.

Coronavirus: Ist uns noch zu helfen?

Das sind nur zwei kurze Auszüge zum Thema Corona-Demos. Man könnte seitenfüllend zitieren!

Corona-Demos: Tausende demonstrieren in Berlin, Dortmund, München und Stuttgart gegen die Corona-Maßnahmen. Auch in Niedersachsen und Bremen sind Demonstrationen geplant. Politiker warnen vor dem Einfluss von Verschwörungstheoretikern und Extremisten. Ich persönlich habe nichts dagegen, DASS demonstriert wird. Das Problem ist WIE es gemacht wird, WER mit WEM und WARUM.

Heute früh las ich den Kommentar eines Freundes in einem kirchlichen Newsletter. Er gab mir die Erlaubnis, ihn hier zu zitieren. Und kurz danach bekam ich einen Dialog aus Facebook gemailt, der mich sehr nachdenklich stimmte.

„Ich hatte gehofft …“
Ein Kommentar von Jörn Pabst

Irgendwie hatte ich ja gehofft, dass die Menschen die Zeit der sozialen Distanz zum Nachdenken nutzen. Sich mal Gedanken über das Leben, die sozialen Kontakte, den Umgang miteinander und mit der Welt machen. Und wahrscheinlich haben das viele auch getan. Aber, die große Frage ist, ob und wie sich das in der näheren und weiteren Zukunft auswirken wird. Werden wir nachhaltiger leben wollen? Werden wir mehr Wert auf gute Kontakte legen, weniger oberflächlich an Beziehungen herangehen? Sicher ist vielen bewusst geworden, wie sehr sie Kontakte zu anderen Menschen brauchen. Andern ist vielleicht aber auch klar geworden, wie einfach sie auf bestimmte Kontakte verzichten konnten.

Irgendwie hatte ich mir gewünscht oder darauf gehofft, dass dieser „Neustart“ auch eine Neuausrichtung bringt. Jetzt, wo alles so gaaanz langsam wieder hochfährt, bin ich mir nicht sicher, ob nicht vieles sich wieder so einschleift, wie vorher. Und zusätzlich machen mir die Menschen sorgen, die tatsächlich an die große Verschwörung glauben und dafür auch noch auf die Straße gehen.

Noch viel bedenklicher finde ich es, dass auch in unseren Reihen [also unter Christen], einige auf diesen Zug aufspringen. In den letzten Tagen musste ich mich in den sozialen Medien von vier bis fünf Menschen trennen, weil ich die Kommentare und unreflektierten Posts nicht mehr ertragen habe (keine aus meiner Kirchengemeinde). Was für ein Gottesbild muss ein Mensch haben, wenn er in allem und jedem das Böse und eine Verschwörung sieht? Wenn sein Glaube maßgeblich auf Angst aufbaut und nicht auf Vertrauen? Wenn seine Hoffnung darauf basiert, leben zu können, weil er ein Spezialwissen habe, das andere nicht haben? Wenn jegliche Freiheit fehlt, wie will man es denn dann im Himmel aushalten?

Ich hoffe, dass es Jesus gelingt, die Herzen dieser Menschen zu berühren und dass er ihnen durch seine Liebe, seine Ruhe und seinen Frieden ins Herz geben kann. Sollte er mich dafür brauchen, dann würde ich ihn darum bitten, mich vorher noch mit einer gaaanz großen Portion Geduld auszustatten. Sonst könnte das schwierig werden.

(Jörn Pabst ist Kommunikationsbeauftragter der adventistischen Kirchengemeinde ComingHOME in Darmstadt)


Von einem anderen Freund bekam ich – ebenfalls heute – einen Dialog, den er bei Facebook gefunden hat. Ich befürchte, dass dieser „Austausch“ keine vereinzelt vorkommende Ausnahme sein dürfte.

Ein vielsagender Dialog (aus Facebook)

„Ich glaube nicht an das Virus!“
Ich: „Das ist nicht schlimm – das Virus ist so oder so da, auch wenn Du nicht daran glaubst.“

„Es ist sowieso Teil einer großen Verschwörung!“
Ich: „Wie das? Ich dachte, es sei nicht da?“

„Ist es auch nicht, aber es soll uns Angst machen.“
Ich: „Wieso?“

„Weil man uns impfen will!“
Ich: „Also ich möchte geimpft werden, sobald eine Impfung gegen COVID-19 verfügbar ist.“

„Hast Du Dich auch gegen die anderen 18 impfen lassen?“
Ich: „Welche anderen 18?“

„Na, COVID-19!“
Ich: „Ähm, das ist das Entdeckungsjahr.“

„Das ist nicht entdeckt worden. Gibt es ja auch gar nicht.“
„Bill Gates will uns alle impfen.“
Ich: „Wieso?“

„Er hat die WHO gekauft! 80 % von deren Geld stammen von ihm. Wusstest Du, dass COVID für Impfpass steht? Certification of Vaccination Identification!“
Ich: „Tut es nicht. Und die 80 % kommen von Ken Jebsen und sind falsch, steht im WHO-Jahresbericht. Kann man nachlesen.“

„Aber er will uns alle chippen. Das steht auch in der Johannes-Offenbarung. Glaubst Du dem WHO-Jahresbericht mehr als der Bibel?“
Ich: „Gott hat was über Bill Gates reingeschrieben, aber nicht über das Virus?“

„Ich weiß nicht, was er genau geschrieben hat, musst Du selbst lesen. Sei kein Schaf!“
Ich: „Aber Du hast es nicht gelesen?“

„Nein, aber ich habe darüber gelesen! Bei Leuten, die sich damit auskennen!“
Ich: „Hast Du geprüft, ob das stimmt?“

„Nein. Wieso auch? Das leuchtet doch ein!“
Ich: „Also glaubst Du alles ungeprüft, was einleuchtet?“

„Nein.“
Ich: „Aber das?“

„Nein. Ich hinterfrage alles!“
Ich: „Aber Du hast es doch nicht selbst gelesen?“

„Muss ich auch nicht. Ich habe meine Quellen. Denen vertraue ich.“
Ich: „Und warum möchtest Du Dich nicht impfen lassen?“

„Weil da Gift drin ist!“
Ich: „Aber die Impfung gibt es doch noch gar nicht.“

„Doch klar! Die, die das Virus in Wuhan erschaffen haben, haben das Gegenmittel. Das geht alles von den Chinesen aus.“
Ich: „Das Virus gibt es also doch?“

„Nein.“
Ich: „Wieso gibt es dann schon eine Impfung?“

„Na, das gehört zum Plan.“
Ich: „Welchem Plan?“

„Na, dem von Bill Gates.“
Ich: „Der arbeitet mit den Chinesen zusammen?“

„Ja, und Trump und Putin tun ja ihr Möglichstes dagegen. Aber es hilft nichts.“
Ich: „Was tun die denn?“

„5G aufhalten! Das Land öffnen, gegen die Opposition! Kinder retten!“
Ich: „Was hat jetzt 5G damit zu tun?“

„Damit soll unser Immunsystem geschwächt werden, damit uns das Virus erwischen kann. Die Weltbevölkerung soll dezimiert werden. Kannst Du im Internet nachlesen.“
Ich: „Man kann alles im Internet nachlesen, das sagt noch nichts über den Wahrheitsgehalt aus. Und wie kann ein erfundener Virus unser schwaches Immunsystem ausnutzen?“

„Die retten auch Kinder.“
Ich: „Wovor? Und was ist jetzt mit dem Virus? Erfunden oder nicht?“

„Vor der Folter!“
Ich: „Welcher Folter?“

„Tom Hanks und viele aus der Elite wollen das Kinderblut trinken.“
Ich: „Warum wollen sie das? Und der Virus?“

„Damit sie länger leben!“
Ich: „Woher hast Du das?“

„Xavier Naidoo hat mich darauf gebracht. Er hat das herausgefunden. Er recherchiert da seit 20 Jahren!“
Ich: „Nein, er macht seit 20 Jahren schlechte Musik. Er ist Sänger, kein Journalist oder Wissenschaftler. Und auch nicht Ermittler.“

„Sänger können auch recherchieren!“
Ich: „Und was ist jetzt mit dem Virus?“

„Was soll damit sein?“
Ich: „Na, existiert es, oder nicht?“

„Das kann ich nicht genau sagen. Aber eher nicht. Ich kenne niemanden, der es hat.“
Ich: „Naja, es sind bloß 0,2 % der Bevölkerung in Deutschland infiziert. Die Chance, dass man niemanden kennt, der das Virus hat, ist recht groß.“

„Na also, da haben wir’s!“
Ich: „Was?“

„Na, niemand ist infiziert!“
Ich: „Mit einem Virus, das es nicht gibt?“

„Genau!“
Ich: „Im Ernst, wie kommst Du drauf?“

„Na, hast Du doch gerade eben gesagt!“
Ich: „Wo das?“

„Du hast gesagt, es sind nur 0,2 % infiziert. Das ist doch fast niemand!“
Ich: „Das sind bei über 83 Millionen Deutschen immer noch über 170.000 Menschen!“

„Das stimmt nicht. Das sind nur 0,2. Und außerdem sind das ja nicht alles Deutsche!“
Ich: „Was hat das denn damit zu tun?“

„Na, Du hast doch gesagt: 83 Millionen Deutsche. Da sind doch auch Ausländer dabei!“
Ich: „Nein. Aber was hat das damit zu tun?“

„Ausländer füttern wir mit durch!“
Ich: „Wie kommst Du jetzt drauf?“

„Na, die kriegen den Impfstoff ja kostenlos!“
Ich: „Selbst wenn es so wäre: Du willst ihn doch gar nicht, was schert Dich das?“

„Wenn Ausländer ihn kostenlos bekommen, wieso müssen wir ihn bezahlen?“
Ich: „Musst Du ja nicht. Das ist doch Deine Entscheidung!“

„Ich darf ja nichts mehr, wenn ich mir kein Gift spritzen lasse.“
Ich: „Was darfst Du dann nicht mehr?“

„Rausgehen.“
Ich: „Wer sagt das?“

„Merkel.“
Ich: „Hast Du eine Quelle?“

„Weiß doch jeder.“
Ich: „Also hast Du keine Quelle?“

„Habe ich gelesen.“
Ich: „Wo?“

„Bei jemandem, dem ich vertraue.“
Ich: „Okay. Und wie kommst Du darauf, dass der Impfstoff Gift ist, oder sogar tödlich?“

„Weil ich den Plan kenne.“
Ich: „Welchen Plan?“

„Den Plan, die Bevölkerung zu dezimieren.“
Ich: „Du weißt schon, dass es noch keinen Impfstoff gibt?“

„Jeder weiß, was da drin sein wird.“
Ich: „Wieso haben wir ihn dann noch nicht, wenn jeder das weiß?“

„Gift. Es ist immer Gift drin. Um uns zu kontrollieren. Schon als Kinder!“
Ich: „Du weißt, dass auf Impfstoffen draufsteht, was drin ist, oder?“

„Das glaubst Du?“
Ich: „Es gibt kaum etwas in Deutschland, was so gut kontrolliert wird, wie Medizin.“

„Ja, von Merkel. Was ich davon halte, weißt Du ja.“
Ich: „Merkel kontrolliert Impfstoffe?“

„Nein, aber ihre Handlanger.“
Ich: „Ich weiß nicht mehr, was ich dazu noch sagen soll.“

„Ich auch nicht. Mit Dir kann man sich nicht vernünftig unterhalten. Das bringt nichts.“
Ich: „Oh, woran meinst Du, könnte das liegen?“

„Ich habe so viele Informationen über alles, was so passiert, und Du bist ein höriges Schlafschaf, das der Elite wirklich alles glaubt. Du solltest besser aufwachen.“

Kein Kommentar meinerseits!

Unsterblichkeit: ein Fluch?

Wenn Unsterblichkeit und Macht nicht mit einer vollkommenen Moral und einer göttlichen Fähigkeit zur Liebe einhergehen, bewirken sie Unheil, ganz gleich, wie gut die Absichten sein mögen. (Thomas Lobitz)

Das ist ein Zitat aus dem  zeitlosen Andachtsbuch „Atem holen. Ermutigung für jeden Tag“.

 

English:
Immortality: a curse?
If immortality and authority do not go hand in hand with perfect morality and a divine capacity for love, they bring about disaster, no matter how good the intentions may be. (Thomas Lobitz) Picture

This is a quotation from the timeless devotional book „Atem holen. Ermutigung für jeden Tag“ (Take  a Breath. Encouragement for every day). 

Español:
Inmortalidad: ¿una maldición?
Si la inmortalidad y el poder no van acompañados de una moral perfecta y de una capacidad divina de amor, provocan gran daño, por muy buenas que sean las intenciones.  (Thomas Lobitz)  Foto

Esta es una cita del libro devocional „Atem holen. Ermutigung für jeden Tag“ (Toma aliento. Ánimo para cada día).

Kirchlich online verwöhnt!

Drei Online-Gottesdienste heute: Regional: “Predigt im Norden”; bundesweit: “Atem der Hoffnung” bei HOPE-TV; lokal: Präsenzgottesdienst in Lüneburg auf YouTube übertragen. (Screenshots)
Dass meine Freikirche welt- und bundesweit im Medienbereich sehr innovativ und gut aufgestellt ist, wusste ich bereits (ich bin Siebenten-Tags-Adventist). Aber dass sich diese technische Affinität herunter bis in die örtlichen Kirchengemeinden durchzieht, das ist mir jetzt während der Corona-Pandemie ganz klar geworden.

Vier Gottesdienste zur Auswahl
Heute hätte ich beispielsweise mindestens vier Gottesdienste vom Wohnzimmer aus besuchen können. Drei davon habe ich auch zeitweise besucht: Um 9:30 Uhr war ich virtuell in Alsbach-Hähnlein (bei Darmstadt), wo das HOPE-Medienzentrum (früher „Stimme der Hoffnung“) der Freikirche in Deutschland steht. Dort senden sie jeden Sonnabend einen zweiteiligen Gottesdienst bestehend aus einer Talkrunde und einer Predigt, dazwischen einige Minuten Kinderprogramm.
Seit keine Gottesdienste vor Ort stattfinden dürfen, senden sie live. Mit sehr ansprechenden Musikbeiträgen. Heute konnte ich nur 30 Minuten dabei sein und so erlebte ich den Anfang der Talkrunde zu einem aktuellen Thema: Wie gehen wir in dieser Zeit und auf engem Raum so miteinander um, dass wir uns nicht auf den Wecker fallen und Konflikte erst gar nicht eskalieren?

Wofür YouTube gut sein kann …
Um 10 Uhr bin ich „umgestiegen“ und in Lüneburg gelandet: Meine Heimatgemeinde veranstaltete heute erstmalig einen Präsenzgottesdienst unter Beachtung aller Hygienevorschriften. Und weil die Teilnehmerzahl sehr beschränkt ist, wurde der Gottesdienst zum ersten Mal live über YouTube übertragen. Sowohl die junge Moderatorin als auch unser Pastor und sein Sohn in der Technik haben wirklich „Tolles“ geleistet. Sogar eine kurze Kindergeschichte gab es für einen einzigen Jungen, der mit seiner Familie dabei war.
Als ich den Pastor und den Jungen vorn neben einer Arche Noah im gebührenden Abstand sitzen sah, musste ich an Jesus am Jakobsbrunnen denken: Ob ihm Tausende oder nur eine Person zuhörten, er widmete sich diesem Einen so, als stünde dieser im Zentrum des Universums. Nach 35 Minuten musste ich mich verabschieden, um virtuell nach Hamburg zu reisen. (Meine Frau sagte mir aber, dass ihr die Predigt gut gefallen hätte: Unser Pastor verband die aktuelle Situation mit der „Quarantäne“, die Gott Noah und seiner Familie während der Sintflut „verordnete“. Und diese dauerte viel länger als die Zeit unserer Einschränkungen möglicherweise dauern wird.)

… und auch Zoom
Um Punkt 11 Uhr begann der Online-Gottesdienst der Freikirche für den Großraum Hamburg (Predigt im Norden). Mit eigenem Studio und eigener Band. Parallel über Zoom (da kann man sich auch sehen, nicht nur hören) und über YouTube. Nach einer netten Anmoderation durfte ich (vom Wohnzimmersessel aus) etwa zum Thema Vorsorge (z. B. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht) sagen und auch auf meine Online-Vorsorgeseminare hinweisen, ebenfalls ein „Nebenprodukt“ der Corona-Krise. Danach begann die Predigt, die ein junger, dynamischer Pastor hielt und den Titel trug: „Von den weichen Herzen: Wenn Gott mitgeht, sollten wir nicht stehen bleiben“.

Am Schluss des Gottesdienstes wurde es dann interaktiv: Wer wollte, blieb auf Zoom und wurde (per Zufallgenerator) kleinen Gesprächsrunden zugeordnet, die noch eine Weile miteinander reden, beten usw. konnten. Und so standen mir plötzlich eine nette Frau mit ihren drei Söhnen auf der Couch sitzend und ein freundlicher Herr in einem leeren Kirchenraum gegenüber auf dem Bildschirm.
Wir kannten uns nicht, doch schnell waren wir im Gespräch verwickelt – die junge Familie aus Hamburg und der Herr aus einer kleinen Adventgemeinde in Mecklenburg. Er erzählte uns u. a., dass seine Gemeinde zzt. den Gottesdienst im Freien feiert und sie immer schönes Wetter gehabt hätten. Die Jungen erzählten ein wenig von der Schule und dass sie sich auf den Nachmittag mit ein paar Verwandten freuten. Wir sprachen auch eine Weile über das Thema Vorsorge. Auch dieser hanseatische Gottesdienst hat mich sehr angesprochen.

Die vierte Alternative, die aber heute nicht infrage kam, wäre gewesen, wieder den Zoom-Gottesdienst der ComingHOME-Gemeinde in Darmstadt zu besuchen, in der ich mich vor zwei Wochen sehr wohl gefühlt habe, als ich für sie die Predigt vom Wohnzimmer aus hielt.

Und nächste Woche?
Morgen, Sonntag, will ich die Wiederholung des HOPE-Channel-Gottesdienstes sehen, denn die Gesprächsrunde schien mir sehr interessant und aktuell zu sein. Außerdem sagte mir ein Freund, dass die anschließende Predigt sehr gut gewesen sei. Vergangene Woche hielt übrigens der Präsident der Freikirche in Norddeutschland eine ausgezeichnete Predigt über die Rückkehr zur „Normalität“. Sie hat mir so gut gefallen, dass ich darüber einen extra Beitrag  schreiben musste.

Am kommenden Donnerstagabend wird es wieder „rund“ gehen: Von 18 bis 19 Uhr möchte ich am Bibelgespräch meiner Heimatgemeinde über Zoom teilnehmen (das sonst im ersten Teil des wöchentlichen Gottesdienstes stattfindet) und ab 19 Uhr treffen wir uns als Hausbibelkreis zum zweiten Mal ebenfalls über Zoom. Am Sonnabend möchte ich aber nicht wieder zappen, sondern an einem Gottesdienst von Anfang bis Ende teilnehmen; denn ich will nicht „süchtig“ werden! Und man kann auch das Gute übertreiben.

Zurück zu welcher „Normalität“?

Screenshot der Predigtsendung vom HOPE-TV

Der Titel der Predigt machte mich neugierig: „Nicht nur sauber, sondern rein“. Worauf wollte denn der Redner, Pastor Johannes Naether (Hannover), Präsident der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Norddeutschland, hinaus? Ich ließ mich überraschen und war am Schluss begeistert von dieser Predigt, die am 2. Mai 2020 im HOPE-TV-Gottesdienst übertragen wurde.

Nach einer kurzen Einführung über die „neue Normalität“ – Hände 20 Sekunden lang waschen, Supermarktbesuch mit zwei Einkaufswägen, Mindestabstand – kam Pastor Naether auf die biblische Grundlage der Predigt zu sprechen, nämlich die Begebenheit, die im Markusevangelium Kapitel 7 berichtet wird: In einer Art „Untersuchungsausschuss“ konfrontieren Abgesandte der damaligen geistlichen Elite Jesus damit, dass seine Schüler sich nicht an die geltenden Vorschriften halten, so z. B. an die rituellen Waschungen vor dem Essen.

Was ist normal? Was ist bindend?
Bei der kontroversen Diskussion, die Jesus führte, sei es ihm nicht um eine Missachtung der fünf Bücher Mose gegangen, sondern vielmehr um die Zusatzvorschriften, die sich im Laufe der Jahrhunderte angesammelt hatten („Überlieferungen der Ältesten“ genannt). An dieser Stelle fragte Naether die Zuschauer:

Was ist normal, d. h. in welcher Wirklichkeit leben wir? Was ist für uns bindend? In dieser Zeit spüren und wissen wir, dass alles in Frage gestellt wird. Die gängige Routine ist futsch und Antworten auf (lebens)wichtige Fragen werden von Pressekonferenzen der Regierenden erwartet. Wenn ich von Normalität spreche, dann darf ich davon ausgehen, dass uns Dinge in Fleisch und Blut übergegangen sind, die wir nicht mehr – oder nur ganz, ganz selten – hinterfragen. Aber genau das zu tun, ist die Chance in der Krise.

„Normalität ist ein Zustand, der mir vertraut ist und … Sicherheit vermittelt – ein existentielles Grundbedürfnis!“, führte er weiter aus. Diese Normalität, die wir schaffen und kontrollieren, politisch regulieren und rechtlich klären, wird durch ein Virus plötzlich in Frage gestellt: „Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als Begleiter in der Krise – das ist schwer zu ertragen.“

Bezugnehmend auf die Regelungen der Pharisäer (Schüssel, Becher, Krüge), die alle Aufmerksamkeit verlangten und Pflichten regelten, übertrug Naether auf unser persönliches geistliches Leben:

Eine Welt, in der letztlich mein Glaube an Gott, meine Spiritualität in der Gefahr steht, zu einer anstrengenden Pflichtübung zu verkommen, weil ich nur noch darauf aus sein muss, das selbstgebastelte Gebäude der Normalität aufrechtzuerhalten, zu funktionieren. Ansonsten verunreinige ich mich, wenn ich aus der Normalität ausbreche.

Das Fazit von Jesus (indem er Jesaja 29,13 zitiert) könnte deutlicher nicht sein: „Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.“ (Markus 7,6) Am Beispiel der Korban-Formel machte er deutlich, „wie trügerisch und voller Heuchelei die so genannte ,Normalität‘ sein kann, ja, wie wir sie sogar pervertieren können“. (Die Juden gestatteten Söhnen, ihren Besitz Gott hinzugeben [Korban] und dann ihren Eltern die Unterstützung unter dem Vorwand zu verweigern, ihre Habe sei nun Gott geweiht.)

Ist Europa erst jetzt krank?
Zwischendurch wurden Naethers Ausführungen gesellschaftskritisch:

Zu welcher „gesunden Normalität“ lohnt es sich zurückzukehren?Eine Normalität, die achselzuckend zusieht, wie Männer, Frauen und Kinder während des gesamten Osterfestes hinweg im Mittelmeer treiben und vergeblich auf Rettung hoffen, während die Christenheit die Auferstehung Jesu feiert? Unsere „Normalität“ lässt Menschen ertrinken oder in Lagern misshandeln. War Europa schon vor der Pandemie schwer krank?
Wir bekommen es in Europa nicht hin, 1800 unbegleitete Kinder aus Flüchtlingslagern aufzunehmen, aber mit Frühlingseifer Erntehelfer aus dem Ausland einzufliegen? Kein Problem, um den nationalen Spargelhaushalt aufrechtzuerhalten. Ist das normal? In armen Ländern werden die Särge gestapelt und Leichen mit dem Gabelstapler abtransportiert, aber auf die Idee, einen Schuldenschnitt wirklich umzusetzen, kommt keiner.

Das falsche Leben im vermeintlich richtigen?
Dann wurde Naether persönlich, als er fragte:

Ist es nicht auch legitim zu fragen, ob wir womöglich das falsche Leben im vermeintlich richtigen führen, wenn Partnerschaft, Familie oder auch Single-Dasein sonst nur mit Dauer-Ablenkung zu ertragen ist?
Wie steht es mit Unversöhnlichkeit, Hartherzigkeit, Hochmut? Ich kenne diese Dinge, sie sind mir nicht fremd, und ich will nicht, dass sie zur Normalität meines Lebens werden oder bleiben.

Johannes Naether zitierte die Worte Jesu in Markus 7,20-23: „Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dies Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein.“
Damit leitete er über auf seine Schlussfolgerung: Die schwerwiegendere Verunreinigung steckt tief, ist die des Herzens, und die bekommen wir nicht mit eigenen Bordmitteln in den Griff. Daher fragte er:

Was bedroht die Menschen im Innersten mehr: Covid 19 oder eine „Normalität“, die wir uns ohne Gott zurechtbasteln?

Er lud die Zuschauer ein, ihr Herz vor Jesus auszubreiten. Das wäre der Beginn einer neuen „Normalität“ und der Weg, mit sich selbst im Reinen zu sein.

Mit sich selbst im Reinen
Wenn wir das sagen, denken wir weder an eine aufgeräumte Wohnung noch ans Händewaschen, sondern daran, dass wir uns mit unseren inneren „Baustellen“ auseinandergesetzt haben:

Da hast du vielleicht Vergebung empfangen oder ausgesprochen. Oder du bist durch Gebet und Seelsorge frei geworden von Neid und Bitterkeit. Oder du konntest an dir vielleicht eine neue Freizügigkeit entdecken und denkst solidarischer, mitfühlender und auch mehr fürsorglich.
Vielleicht bist du auch frei geworden von einem ätzenden Zynismus, der in Wirklichkeit nur deine Unsicherheit am Leben kaschiert hat. Jetzt ziehen Güte und Freundlichkeit in dein Herz. Vielleicht konntest du auch einen Neuanfang mit einem Menschen wagen, wo eine bittere Distanz eingetreten war.

Naether verglich den Krisenmodus der Pandemie mit einem Vergrößerungsglas, das die Bruchstellen unserer Gesellschaft oder unseres Lebens sichtbar macht. Und er zeigte sich zuversichtlich, dass Jesus auch diese Krisenzeit nutzen kann, um uns einen Neuanfang zu schenken. Das sei viel besser, als das Alte zu verklären, „denn, wenn in einem halben oder einem Jahr wieder alles ist wie vorher, dann darf man von einer verpassten Chance sprechen“.

Zum Abschluss seiner Predigt ermutigte Johannes Naether die Zuschauer, sich nicht mit der alten Normalität ohne Gott zu begnügen:

Der Weg zu einem neuen Leben, zu einer neuen Normalität, ist der Weg zu Jesus, ist der Weg mit IHM. Die neue Normalität ist ein Herz, in dem Jesus Platz hat – kein Mindestabstand, keine Maske, die du vor ihm tragen musst. Du brauchst dich auch vorher nicht zu desinfizieren oder einem Test unterziehen. Sag einfach JA zu Jesus, und er beginnt ein neues Leben mit dir.

 

Warum gehen Schiffe unter?

Schiffe sinken nicht wegen des Wassers um sie herum, sie sinken wegen des Wassers, das in sie eindringt. Lass nicht zu, dass das, was um dich herum vorgeht, in dich eindringt und dich versenkt. (N. N.)

Eine Begebenheit aus dem Leben Jesu passt gut dazu (berichtet im Lukasevangelium 8,23-25 – GNB):

Unterwegs schlief Jesus ein. Plötzlich kam ein Sturm auf, ein Fallwind von den Bergen. Das Wasser schlug ins Boot und sie waren in großer Gefahr. Die Jünger gingen zu Jesus, weckten ihn und riefen: »Herr, Herr, wir gehen unter!« Jesus stand auf und sprach ein Machtwort zu dem Wind und den Wellen. Da hörten sie auf zu toben und es wurde ganz still. Zu den Jüngern aber sagte er: »Wo ist euer Vertrauen?«

 

English:

Why do ships sink?
Ships don’t sink because of the water around them, they sink because of the water that enters them. Don’t let what’s going on around you get inside you and sink you.  (N. N.) Picture

An event from the life of Jesus fits this well (reported in the Gospel of Luke (.23-25):

As they sailed, Jesus fell asleep. A storm came down on the lake. It was so bad that the boat was about to sink. They were in great danger. The disciples went and woke Jesus up. They said, “Master! Master! We’re going to drown!” He got up and ordered the wind and the huge waves to stop. The storm quieted down. It was completely calm. “Where is your faith?” he asked his disciples.

Español:
¿Por qué se hunde un barco?
Los barcos no se hunden por el agua que los rodea, se hunden por el agua que entra en ellos. No permitas que lo que sucede a tu alrededor se meta dentro de ti y te hunda. (N. N.) Foto

Un suceso de la vida de Jesús cuadra bien con esta cita (relatado en el Evangelio de Lucas 8:23-25):

Mientras navegaban, Jesús se durmió. Entonces se desató una tormenta sobre el lago, de modo que la barca comenzó a inundarse y corrían gran peligro. Los discípulos fueron a despertarlo. “¡Maestro, Maestro, nos vamos a ahogar!” gritaron. Él se levantó y reprendió al viento y a las olas; la tormenta se apaciguó y todo quedó tranquilo. “¿Dónde está vuestra fe?” les dijo a sus discípulos.