Herzlich willkommen!
Die Beiträge dieser Woche: Karneval: Harmlose Kultur und Ausgelassenheit? Was mir am Karneval gefällt und was nicht / Notruf zum „Ratschen“ genutzt – zum Thema Einsamkeit / Der Blindgeborene wird sehend, die Superfrommen bleiben blind / Zitat der Woche zum Thema „Sklaven der Arbeit?“
Eine schöne, kreative Woche!
This week’s features: Carnival: Harmless culture and exuberance? What I like and dislike about carnival / Emergency number used for ‘chatting’ – on the subject of loneliness / The blind-born see, the super-pious remain blind / Quote of the week on the subject of ‘Slaves to work?’
Have a wonderful, creative week!
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¡Hola y bienvenidos! Los temas de esta semana: Carnaval: ¿cultura inofensiva y jolgorio? Lo que me gusta y lo que no me gusta del carnaval / Llamada de emergencia utilizada para «charlar» sobre el tema de la soledad / El ciego de nacimiento recupera la vista, los superpiadosos siguen ciegos / Cita de la semana sobre el tema «¿Esclavos del trabajo?».
¡Que tengáis una semana agradable y creativa!
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KOMMENTAR
Karneval: Harmlose Kultur und Ausgelassenheit?
Karneval (Fasching, Fasnacht), oft als „fünfte Jahreszeit“ bezeichnet, hat in Deutschland einen hohen Stellenwert – kulturell wie wirtschaftlich. Die Karnevalssession 2024/2025 generierte bundesweit einen geschätzten Umsatz von über 2,1 Milliarden Euro.
Was ich am Karneval in Deutschland schätze, sind die Lebensfreude, das Gemeinschaftsgefühl, die Offenheit und die Fröhlichkeit, die in diesen Tagen auf den Straßen spürbar sind. Dann denke ich mir: „Es geht doch!“ – und frage mich zugleich: „Warum nur an diesen Tagen?“ Denn im Ausland gelten wir im Allgemeinen nicht als besonders fröhlich oder extrovertiert, sondern eher als humorlos, steif und introvertiert. Es ist schade, dass die positiven Seiten des Karnevals nicht stärker über das ganze Jahr hinweg spürbar sind, sondern gebündelt und oft auch exzessiv auf wenige Tage oder Wochen beschränkt bleiben.
Apropos exzessiv: Genau das ist es, was ich am Karneval nicht mag. Viele scheinen sich auszuleben, als müssten sie den Rest des Jahres in Sack und Asche verbringen. Muss Fröhlichkeit wirklich an übermäßigen Alkoholkonsum gebunden sein? Was staut sich im Laufe des Jahres emotional so sehr an, dass es dann leicht zu enthemmtem Verhalten, sexuellen Grenzüberschreitungen, Gewalt oder Vandalismus kommt? Kann man Selbstbeherrschung und Würde einfach für ein paar Tage ablegen – und anschließend zur Tagesordnung übergehen, als wäre nichts geschehen?
Mit Staunen betrachte ich bei den Karnevalsumzügen die Fantasie und Kreativität der Künstlerinnen und Künstler, die gesellschaftliche Missstände und öffentliche Personen satirisch anprangern. Dennoch empfinde ich manches als grenzwertig. Sexuelle Anspielungen, das pauschale Herabsetzen von Autoritäten aus Kirche und Politik oder auch Dämonen- und Hexenmasken wirken auf mich respektlos oder wie ein Spiel mit okkulten Symbolen.
Verkleidung, Gruppendynamik und Alkohol senken die Hemmschwelle erheblich. Viele verhalten sich dadurch riskanter, weil sie sich in der Anonymität der Masse geschützt fühlen. Mit den Konsequenzen – und oft auch mit einem „Gefühlskater“ – stehen sie anschließend jedoch wieder allein da.

Ich plädiere für mehr Lebensfreude, Gemeinschaft, Offenheit, Humor, Selbstironie und Gelassenheit – und zwar über das ganze Jahr verteilt. Sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und beim Feiern dennoch an Werten wie Respekt und Selbstbeherrschung festzuhalten, muss kein Widerspruch sein. Und es geht auch ohne Verkleidung.
GESELLSCHAFT
Einsamkeit: Notruf zum „Ratschen“ genutzt
Nach mehr als 300 unberechtigten Notrufen soll eine Seniorin in Niederbayern Besuch von der Polizei bekommen haben. Die Frau habe seit Mai 2025 immer wieder die 110 gewählt, um zu „ratschen“ (bayrisch: sich unterhalten, viel/zu viel erzählen), so ein Polizeisprecher. Schließlich war dort rund um die Uhr jemand, der ihre Anrufe entgegennehmen konnte. Die Streifenbeamte hätten ihr bei ihrem Besuch nun eindringlich den Sinn des Notrufs und die Folgen bei weiterem Missbrauch erklärt. Die Seniorin habe versprochen, künftig nicht mehr die 110 zum Reden zu wählen.
Einsamkeit – ein modernes Phänomen?
Einsamkeit fühlt sich für viele wie ein Symptom unserer Zeit an: Social Media, Homeoffice, Singlehaushalte, anonyme Großstädte. Und tatsächlich zeigen Studien – etwa der World Health Organization – dass Einsamkeit weltweit zunimmt und inzwischen als ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko gilt.
Neu ist Einsamkeit nicht, aber die moderne Lebensweise begünstigt sie stärker. Digitale Vernetzung ersetzt nicht automatisch echte Nähe. Wir sind ständig „connected“, aber nicht immer persönlich verbunden.

Wer ist besonders betroffen?
Einsamkeit betrifft Menschen in allen Lebensphasen – dennoch gibt es Gruppen mit erhöhtem Risiko:
• Junge Erwachsene: Trotz sozialer Netzwerke berichten viele von fehlender emotionaler Tiefe in Beziehungen.
• Ältere Menschen: Nach dem Verlust von Partnern oder durch eingeschränkte Mobilität droht soziale Isolation.
• Alleinerziehende und pflegende Angehörige: Zeitmangel erschwert soziale Kontakte.
• Menschen mit Migrationsgeschichte: Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede können Integration erschweren.
• Menschen mit psychischen Erkrankungen: Einsamkeit ist sowohl Ursache als auch Folge von Depressionen oder Angststörungen.
Einsamkeit ist außerdem subjektiv. Man kann viele Kontakte haben und sich dennoch zutiefst allein fühlen.
Was kann der Einzelne tun?
Einsamkeit verschwindet selten von selbst. Kleine, bewusste Schritte helfen:
• Aktiv Kontakte pflegen: Regelmäßige Treffen oder Anrufe fest einplanen.
• Neue Räume suchen: Vereine, Kurse, kirchliche Treffs, Ehrenamt – gemeinsame Aktivitäten verbinden.
• Verletzlichkeit zulassen: Offen über eigene Gefühle sprechen schafft echte Nähe.
• Digitale Balance finden: Social Media bewusst nutzen, statt passiv zu konsumieren.
• Professionelle Hilfe annehmen: Bei anhaltender Belastung Unterstützung suchen.
Was kann die Gesellschaft tun?
Einsamkeit ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung.
• Begegnungsräume schaffen: Stadtplanung mit Treffpunkten, Nachbarschaftszentren, Mehrgenerationenprojekten.
• Arbeitsmodelle überdenken: Soziale Aspekte im Homeoffice berücksichtigen.
• Bildung und Prävention: Soziale Kompetenzen früh fördern.
• Entstigmatisierung: Offener über Einsamkeit sprechen – sie ist kein persönliches Versagen.
In Ländern wie Großbritannien wurde Einsamkeit bereits politisch adressiert, etwa durch eigene Regierungsinitiativen. Das zeigt: Das Thema ist gesellschaftlich relevant.
Fazit
Einsamkeit ist kein rein modernes Phänomen – aber moderne Lebensbedingungen können sie verstärken. Sie betrifft nicht nur „die anderen“, sondern potenziell uns alle. Entscheidend ist, Einsamkeit nicht als individuelles Scheitern zu sehen, sondern als Signal: für mehr Verbindung, mehr Gemeinschaft und mehr echte Begegnung.
- Telefonhotline „Silbernetz“ (das wäre eine bessere Alternative für die alte Dame in der Einleitung)
- „Maßnahmen gegen Einsamkeit – Beispiele aus einer international vergleichenden Perspektive“ (Bundesgesundheitsblatt), PDF
- Allianz gegen Einsamkeit (BMBFSFJ)
- Bundesprogramm Mehrgenerationenhäuser
NACHDENKLICHES
Die Superfrommen bleiben blind
Der Befund war eindeutig: blind geboren; das Heilmittel schlicht: ein Brei aus Speichel und Lehm; die Anweisung einfach: sich die Augen am Teich von Siloah waschen; die Wirkung faszinierend: sofortige Heilung; die Nebenwirkung traurig: die Superfrommen werfen dem Arzt vor, das Gesetz durch Arbeit am Sabbat zu brechen!
Es ist eine spannende Geschichte, die das ganze 9. Kapitel im Johannesevangelium umfasst: die Heilung eines Blindgeborenen durch Jesus am Sabbat. Jesus bestrich die Augen des Mannes mit einem aus Leh und Speichel bereiteten Teig und wies ihn an, sich im Teich Siloah zu waschen. Sofort wurde er sehend. Diese Heilung löste aber nicht nur Freude aus, sie führte zu Konflikten mit den Pharisäern, die diese „Behandlung“ als Bruch der Sabbatruhe werteten.
Der Geheilte, vermutlich ein junger Mann, wird gegenüber den Pharisäern sicherer, lässt sich von ihnen nicht einschüchtern, provoziert sie sogar. Im Verhör erwiderte er bei der wiederholten Frage nach dem Ablauf: „Das habe ich euch doch bereits erzählt! Habt ihr denn nicht zugehört? Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden?“ Bestimmt nicht! Aber er selbst erkannte Jesus als Sohn Gottes an und betet ihn an. Die Folge seines Eintretens für Jesus, nämlich aus der Synagoge geworfen zu werden, nahm er gern in Kauf.

Der Blindgeborene wird sehend, die Superfrommen bleiben blind. Blind für den Schöpfer und Chefarzt des Universums. Blind für die Not ihrer Mitmenschen. Blind für die Liebe Gottes, die nicht an Sprechstunden gebunden ist.
Die Heilung fand an einem Sabbat statt. Der Sabbat: Ein Tag, um zur Augenarztpraxis Gottes zu gehen. Damit wir erkennen, wie groß er wirklich ist. Und damit wir lernen, unsere Mitmenschen mit seinen Augen zu sehen. Und uns selbst. Und seine Vision für eine Zukunft ohne Leid und Tod.

ZITAT DER WOCHE
Sklaven der Arbeit?
Der Mensch darf nicht zum Sklaven der Arbeit werden. Und wenn Eltern weniger arbeiten, um Kinder zu erziehen, oder Angestellte Angehörige pflegen, ist das kein Ausdruck von Faulheit, sondern das Übernehmen von Verantwortung. Es ist die Ausübung einer anderen wertvollen Berufung, die viel zu wenig Anerkennung in unserer Gesellschaft erfährt. Von der ehrenamtlichen diakonischen Arbeit Tausender Christen ganz zu schweigen.
Dennoch ist Arbeit so viel mehr als Belastung. Sie ist Gottesdienst. Wer treu arbeitet – ob als Handwerker, Manager oder Reinigungskraft –, dient Gott und seinem Nächsten. Machen wir wieder Lust darauf!
Dennis Pfeifer in IDEA, DAS CHRISTLICHE SPEKTRUM 7.2026, S. 3
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