Jerusalem-Kalender DEZEMBER

Nachts ist es ruhiger in Jerusalem. Die Luft ist besser, es gibt keinen Andrang mehr in den Gassen. Das Wechselspiel zwischen Licht und Dunkel macht die Stadt bei Nacht zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Was ist hier zu sehen?

1 Die Calatrava-Brücke
Diese moderne Brücke verbindet den Stadtteil Kiryat Moshe mit dem zentralen Busbahnhof und überquert dabei die verkehrsreiche Kreuzung Jaffastraße und Herzlboulevard. Sie ist 360 Meter lang und 118 Meter hoch. Gebaut wurde sie zwischen 2005 und 2008, und zwar vom spanischen Architekten und Ingenieur Santiago Calatrava, der eine ähnliche Brücke (Puente del Alamillo) für die Expo 92 in Sevilla baute. Verkleidet wurde sie fast vollständig mit hellem Jerusalem-Stein, den Fertigbeton lieferte ein israelisches Tochterunternehmen von HeidelbergCements.
Seit der Einweihung 2011 wird sie von Fußgängern und der Straßenbahn benutzt. Mit ihren 66 tragenden Kabeln sieht sie aus wie ein Musikinstrument und wird daher gern als „König Davids Harfe“ oder „Saitenbrücke“ bezeichnet.
Das Foto habe ich von einem Fenster des Hotels aus aufgenommen, in dem wir häufig in Jerusalem untergebracht sind (Prima Park).

2 Illuminationsfestival
Seit 2010 veranstaltet die Stadt ein „Light Festival“: An verschiedenen Plätzen in der Altstadt und um die Altstadt finden Sound- und Lightshows statt. So werden zum Beispiel Szenen aus der Geschichte Jerusalems auf die Altstadtmauer projiziert.
Bei der Reise 2019 konnten wir diese Show in der Nähe des Jaffa-Tores bewundern: Mit 15 Geräten war das die größte Lightshow mit Laserprojektoren weltweit. Die Show dauerte ca. 45 Minuten und wurde zweimal täglich durchgeführt (ausgenommen am Freitagabend). 2020 fiel sie wegen der Coronapandemie aus, 2021 soll sie wieder aufgenommen werden.

3 Die Westmauer („Klagemauer“)
Die „Klagemauer“ ist die Westmauer der Tempelanlage (ausführlicher dazu im Oktober). Sie bei Tag zu besuchen ist ein Muss, denn diese nackte Wand ist die heiligste Stätte des Judentums. Der Platz davor ist eine Open-Air-Gebetsstätte, täglich 24 Stunden lang jeden Tag des Jahres geöffnet.
Wir staunten nicht wenig, als wir gegen 22 Uhr den Platz betraten: Hunderte von Menschen (orthodoxe Juden) standen oder saßen vor und an der Klagemauer und beteten, lasen in den Schriften, hörten dem Klagelied eines anscheinend bekannten Rabbis zu. Dieser schrie pausenlos und weinte, umgeben von Dutzenden Anhängern, die ab und zu ins Wehklagen mit einstimmten (auf dem folgenden Video zu sehen und zu hören).

4 Das Damaskustor
Das Damaskustor ist das größte der acht Tore an der Altstadtmauer und führt direkt in das muslimische Viertel. Auf dem Platz davor ist immer etwas los. Bei unserem spätabendlichen Besuch saßen zahlreiche Menschen auf den Stufen und feierten, nachdem sie tagsüber aufgrund des Ramadans gefastet hatten. Es herrschte eine Art Volksfest-Stimmung.
Der Eingang ist auf beiden Seiten von imposanten Türmen flankiert. Sobald man es betritt, befindet man sich sofort im Basar, denn im Torbau sind Geschäfte, Wechselstube und Marktstände untergebracht. Lustig war es, auf einem der Stände Nikoläuse aus Schokolade angeboten zu bekommen – Anfang Juni!

5 Auf dem Skopusberg
Mit seiner Höhe von 826 m ist der Skopusberg ein gern aufgesuchter Aussichtspunkt, um bei Tag und bei Nacht auf Jerusalem zu blicken. Wir sind dorthin mit dem Bus gefahren und haben bei angenehmer Temperatur den Ausblick sehr genossen.
Der Berg heißt auf Hebräisch Har ha-Zōfīm (Berg der Späher) und geht auf die strategische Bedeutung für die Verteidigung der Stadt zurück, die er früher hatte. Auf dem Skopusberg befinden sich die Hebräische Universität von Jerusalem, die Nationalbibliothek Israels und das Hadassah Medical Center (Hadassah ist übrigens der jüdische Name der Königin Esther).
In der Bildmitte ist deutlich der Felsendom zu sehen (hell illuminiert), links davon, in orangener Farbe, die al-Aqsā-Moschee.
Bevor wir wieder den Bus bestiegen, konnten wir sechs Moslems beim Abendgebet beobachten (Foto in der Bildergalerie unten).

6 Basarstraße
Auch am Abend sind die Basarstraßen sehr reizvoll. Die Altstadt von Jerusalem enthält nicht nur viele Heilige Stätte, sondern ist auch ein bunter, riesiger Handelsplatz. Der Basar erstreckt sich über das muslimische, das jüdische und das christliche Viertel. Es gibt hier nicht nur Souvenirs für Touristen, hier kaufen die Bewohner ihre Lebensmittel, besuchen den Friseur, hier bieten Metzger und Bäcker ihre Ware an, man kann sehen, wie das Brot und die süßen Teile zubereitet und in den Holzofen geschoben werden. Wirklich spannend! (Siehe auch Juni-Seite.)

  • TV-Doku in der Reihe „Basare der Welt“
    Am 1.1.2021 um 19.40 Uhr auf ARTE
    Am 27.2.2021 um 15.35 Uhr auf 3sat

7 Das Dungtor
Das Dungtor, auch Misttor genannt, ist ein eher kleines Tor an der Altstadtmauer und führt stadteinwärts zur Klagemauer bzw. zum arabischen Dorf Silwan (stadtauswärts, wie auf dem Foto), daher der arabische Name Bab Silwan.
Vom Misttor ist in Nehemia 2,13 die Rede, allerdings lag das damalige Tor etwas weiter südlich als das heutige. 1985 wurde es vergrößert, damit man mit dem Wagen und mit Bussen bis zum Platz vor der der Klagemauer (Western Wall Plaza) fahren kann. Wir sind hier als Gruppe zu Fuß bis zur Klagemauer gelaufen, wo uns das hohe Menschenaufkommen um diese Zeit (s. Bild 3) überraschte.

Bilder der Seite und weitere Fotos

Ein Teil der folgenden 50 Fotos sind bei einem nächtlichen Spaziergang mit einer kleinen Gruppe entstanden: Wir fuhren nach dem Abendessen mit der Straßenbahn vom Hotel bis vor der Altstadt, dann sind wir zu Fuß gegangen. Wir kehrten vor Mitternacht ins Hotel zurück. Es war völlig problemlos und ungefährlich.
Andere sind entstanden während der (extra) Tour „Jerusalem by night“ in Begleitung unserer Reiseleiterin vor Ort, und zwar teils mit dem Bus, teils zu Fuß. Ebenfalls völlig problemlos und ungefährlich.

Weitere Links

edp – Eine Denk-Pause