Tag 5: Vom Grab Schindlers zum Grab Jesu

Montag, 29. Mai 2017.  In einem kleinen, christlichen Friedhof in der Nähe vom Zionstor steht das Grab von Oskar Schindler (1908-1974). Im Zweiten Weltkrieg rettete er über 1000 Menschen vor den Konzentrationslagern, indem er sie als Zwangsarbeiter in seiner Fabrik beschäftigte. An diesem Tag haben wir beides besucht bzw. gesehen: sein Grab auf diesem Friedhof und „seinen“ Baum in der Allee der Gerechten in Yad Vashem. Wie immer war die Grabplatte fast von Steinen bedeckt (in diesem Land legt man verständlicherweise keine Blumen aufs Grab, sondern Steine). Dennoch gab es Platz für die unterschiedlichsten Steine, die jeder aus Deutschland mitgebracht hatte. Ein wirklich ruhiger Ort, der zur Besinnung einlädt!

Von hier aus brachte uns der Bus zum Gartengrab – das ist die besinnliche Alternative zur Grabeskirche. Eine Minderheit hält diesen Platz außerhalb der Altstadt und unweit vom Damaskustor für die wahrscheinlichere Stelle, an der Jesus gekreuzigt und später ins Grab des Joseph von Arimathäa gelegt wurde. Durch die parkähnliche, schattige Anlage führte uns Paul (ein 72-jähriger Brite), der uns alle mit seiner Begeisterung ansteckte. Man spürte ihm das Evangelistenherz ab. Gegenüber vom (leeren!) Grab hielten wir eine Besinnungszeit und dachten über die Begegnung Maria Magdalenas mit dem Auferstandenen, den sie für den Gärtner hielt, bis er sie bei ihrem Namen ansprach.

Nächste Station war die Gedenkstätte für den Holocaust Yad Vashem. Yad Vashem bedeutet „ein Denkmal und ein Name“ (nach Jesaja 56,4-5: „Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.“). Hier sind Archiv, Forschungszentrum und Museum vereint, vor allem aber ist dies eine Gedenkstätte für mehr als sechs Millionen Opfer des Holocausts. Auf dem hügeligen Gelände sind im Laufe der Zeit mehr als 20 Mahnmale entstanden.

Eines davon, das Besucher besonders beeindruckt, ist das „Denkmal für die Kinder“, dem Gedenken an die 1,5 Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Kinder gewidmet. In einem unterirdischen Raum werden fünf Kerzen in der Dunkelheit so reflektiert, dass ein ganzer Sternenhimmel entsteht. Im Hintergrund werden die Namen, das Alter und der Geburtsort der Kinder von einem Tonband abgespielt. Dieses Endlosband braucht ungefähr drei Monate, um alle Namen wiederzugeben. (Quelle: Wikipedia)

Übrigens: Im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ werden seit 1996 für nichtjüdische Retter Platten mit ihren Namen angebracht. Zu ihnen gehört auch ein Siebenten-Tags-Adventist: dem Holländer Jean-Henri Weidner wurde 1978 die Ehrung für die Rettung von 800 Juden und 200 Nicht-Juden anerkannt. Seine Platte steht in der Nähe des Ehrenmals für die gefallenen Soldaten unter einem Johannisbrotbaum.

Die letzte Besichtigungstour dieses Tages galt Bethlehem, das seit 1995 zum palästinensischen Autonomiegebiet gehört und wo 30.000 Menschen leben. Bethlehem ist muslimisch: 1990 waren noch rund 60 Prozent der Einwohner Christen, heute sind es etwa 18 Prozent, Tendenz abnehmend. Begleitet vom sympathischen Guide Kamal machten wir einen schönen Spaziergang durch die Gassen bis hin zur Geburtskirche. Unser Glück war, dass wir nur etwa eine Stunde warten mussten, um Zutritt zur Geburtsgrotte zu bekommen. Hier herrschte wie immer großer Andrang. Mehr als der Blick auf die Stelle, in der mutmaßlich die Krippe damals stand, sprach uns das Weihnachtslied an, das Kamal ohne Vorwarnung in der angrenzenden Katharinenkirche uns singen ließ und mit seiner Flöte begleitete.

Zum Abschied von Jerusalem machte sich eine Gruppe (20 Personen?) nach dem Abendessen mit der Straßenbahn auf den Weg in die Altstadt. Am Jaffator wurde auf die Mauer eine beeindruckende Lichtshow projiziert, eine Mischung aus Popmusik, geschichtlichem Rückblick und Werbung für Land und Stadt. Den Gang durch die fast menschenleeren Gassen der Altstadt beendeten wir am Damaskustor. Dieses ist nicht nur das imposanteste Tor der Altstadt, sondern auch sehr belebt: Im Vorplatz pulsiert das Leben – so auch an diesem Abend, wo die Moslems nach dem Fastentag in fröhlicher Stimmung feierten.

Der erste Teil unserer Reise, Israel gewidmet, war nun zu Ende. Nun sollte es am nächsten Tag weitergehen durchs Nachbarland Jordanien!

 

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edp – Eine Denk-Pause