Der Sabbat: Lust oder Last

GEDANKEN ZUM SABBAT – Beitrag vom 2..8.2026 (Teil 1)

(Das ist der vorletzte Beitrag der Reihe SHABBAT SHALOM!)

Wer heute an den jüdischen Sabbat denkt, hat oft Bilder von unzähligen Verboten vor Augen: kein Lichtschalter, kein Autofahren, kein Kochen, kein Smartphone. Tatsächlich beachten viele ultraorthodoxe Juden bis heute sehr detaillierte Sabbatvorschriften. In manchen Hotels in Israel gibt es sogar einen sogenannten Sabbataufzug. Habe ich selbst mehrmals erlebt: Er fährt ununterbrochen, hält automatisch in jedem Stockwerk und öffnet selbstständig die Türen, damit niemand einen Knopf drücken muss.

Doch war das von Anfang an Gottes Idee? Ein Blick in die Bibel zeigt etwas anderes. Als Gott den Sabbat einsetzte, hatte er zwei große Anliegen. Das vierte Gebot erinnert zunächst an die Schöpfung: „Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht … und ruhte am siebenten Tag“ (2. Mose 20,11). Der Sabbat ist also ein wöchentliches Erinnerungszeichen an den Schöpfer. Er lädt den Menschen ein, innezuhalten und sich daran zu erinnern, dass das Leben letztlich ein Geschenk Gottes ist.

Im fünften Buch Mose kommt ein zweiter Gedanke hinzu: Israel soll den Sabbat feiern, weil Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat (5. Mose 5,15). Der Sabbat erinnert deshalb nicht nur an den Schöpfer, sondern auch an den Befreier und Erlöser. Er erzählt jede Woche neu: Gott schenkt Freiheit.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten Rabbiner 39 Hauptkategorien verbotener Arbeiten, aus denen sich später Hunderte weiterer Einzelbestimmungen ableiteten. Viele dieser Regeln sollten verhindern, dass das eigentliche Gebot unabsichtlich übertreten wird. Dadurch verlagerte sich jedoch häufig der Schwerpunkt: Nicht mehr der Schöpfer und Befreier stand im Mittelpunkt, sondern die Frage, was erlaubt oder verboten war.

Wenn der Sabbat als Last empfunden wird, dann stimmt etwas nicht. Es ist Zeit zu hinterfragen, ob menschliche Traditionen, Vorschriften oder Gewohnheiten Jesus aus dem Zentrum verdrängt haben. Den Sabbat wirklich „im Sinne seines Erfinders“ feiern und Lust darauf haben, kann man nur, wenn man versteht, worauf er hinweist. Er ist weit mehr als ein arbeitsfreier Tag. Er ist eine wöchentliche Einladung, sich daran zu freuen, dass wir einen Schöpfer haben, der uns liebt, und einen Erlöser, der uns befreit hat. Wer das entdeckt, erlebt den Sabbat nicht als Last, sondern als Geschenk – als einen Tag der Ruhe, der Freiheit und der vertieften Beziehung zu Gott.

Ihr plagt euch mit den Geboten, die die Gesetzeslehrer euch auferlegt haben. Kommt alle zu mir; ich will euch die Last abnehmen! (Jesus im Matthäusevangelium 11,28)

Teil 2

Wie im ersten Teil oben erwähnt, wurden aus den 39 rabbinischen Hauptkategorien verbotener Sabbat-Arbeiten im Laufe der Zeit Hunderte weiterer Einzelbestimmungen abgeleitet – und ebenso viele „Schlupfwege“ diese Regeln zu umgehen. So galt beispielsweise das Reisen über den erlaubten „Sabbatweg“ hinaus als verboten. Auf dem Wasser wiederum spielte die Entfernung keine Rolle. So kam man auf die Lösung, ein Reittier mit einem Wassersack zu satteln. Man fuhr dann „auf dem Wasser“ – so weit man wollte. So leicht können Regeln ihren Sinn verlieren!

Durch die Wunder, die Jesus bewusst sabbats tat, schaffte er den Sabbat nicht ab. Er führte ihn vielmehr zu seinem ursprünglichen Sinn zurück. Als Herr des Sabbats wusste er, worauf dieser Tag von Anfang an hinweisen sollte: auf Gottes schöpferische Liebe und seine befreiende und heilende Gnade.

Auch Christen, die den Sabbat am siebten Tag der Woche, den Samstag, feiern – etwa die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten –, verzichten an diesem Tag bewusst auf ihre gewöhnliche Arbeit und möglichst auch auf alltägliche Beschäftigungen wie Einkaufen oder andere vermeidbare Verpflichtungen. Dabei stehen allerdings auch sie in der Gefahr, wieder Regeln aufzustellen und für alle verbindlich erklären zu wollen. Regeln, die sie aus ihrer kulturellen Tradition ableiten – oder aus alttestamentlichen Zeiten, ohne Zeit und Umstände zu berücksichtigen.

Den Aufwand des Kochens beispielsweise war zur Zeit des Alten Testaments – und selbst zur Zeit der adventistischen Pioniere (also im 19. Jahrhundert) – eindeutig ein anderer als heute: Es gab keinen Kühlschrank, keine Mikrowelle, keinen Thermobehälter … Ein Kochfeuer zu machen bedeutete oft: Holz holen, Holz hacken, Herd reinigen, Feuer anzünden, Wasser holen … Ein Mittagessen kochen bedeutete damals mehrere Stunden Arbeit. Wenn heute eine Jugendgruppe gemeinsam eine Portion Nudeln kocht, um anschließend Zeit im Bibelgespräch, Gebet und in froher Gemeinschaft zu verbringen, entspricht das wahrscheinlich eher dem Geist dessen, was der Sabbat fördern will, als wenn über den Kochvorgang Streit entsteht.

Noch ein Unterschied scheint mir beim Vergleich jüdischer und christlicher Sabbatheiligung wichtig zu sein: Bei der jüdischen Begrüßungsfeier des Sabbats (am Freitagabend) wird die „Königin Schabbat“ willkommen geheißen. Für Christen ist Jesus Christus der König, nicht der Ruhetag. Diese 24 Stunden haben keine rettende, befreiende Eigenschaft. Retter und Befreier ist er, der Herr des Sabbats. Sein Sabbatgeschenk soll Zeit schaffen für Gemeinschaft mit Gott, für Familie, für Mitmenschen, für die Natur und für alles, was den Glauben stärkt.

 

Elí Diez-Prida online
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.