Jerusalem-Kalender MÄRZ

Mit Via Dolorosa (dt.: Schmerzensweg) ist der Weg gemeint, den Jesus zu seiner Kreuzigung durchschritt. Allerdings ist dieser Weg durch die Altstadt Jerusalems als religiöse Tradition zu betrachten, nicht als historisch belegte Route. „Da sich sowohl der Straßenverlauf als auch das Niveau der Stadt über die letzten 2000 Jahre stark verändert haben, muss dieser Weg mehr als Verbindung von Gedenkstätten als eine Wanderung in Jesu Fußstapfen gesehen werden.“ (Wikipedia)
Ein besinnlicher Gang ist dieser Weg schon deswegen nicht, weil die Straßen von Läden und Ständen gesäumt sind. Freitags ist der Haupttag der Pilger, wenn sie sich der Prozession der Franziskaner anschließen.
Der Schmerzens- oder Leidensweg umfasst 14 Stationen, teilweise durch Schilder gekennzeichnet. Acht davon befinden sich auf der Via Dolorosa selbst, die neunte auf dem Dach der Grabeskirche und die restlichen fünf darin.

Was ist hier zu sehen?

1 – Die 5. Station des Kreuzwegs
Diese kleine Franziskanerkapelle erinnert an den Augenblick, als Simon von Cyrene von den Römern gezwungen wurde, Jesus beim Tragen des Kreuzes zu helfen. Über der Tür ist in lateinischer Sprache zu lesen: SIMONI – CYRENAEO CRUX IMPONITUR (Simon von Cyrene wird das Kreuz auferlegt).

2 – Hauptportal der Grabeskirche
Die überwiegende Mehrheit der Gelehrten hält die Grabeskirche (auch Kirche vom Heiligen Grab oder Auferstehungskirche genannt) für den Ort, an dem Jesus gekreuzigt und begraben wurde. Andere Christen, vor allem anglikanische und freikirchliche, halten das „Gartengrab“ außerhalb der Altstadt, unweit vom Damaskustor, für die wahrscheinlichere Stätte (siehe April).
Die Grabeskirche, im 4. Jhdt. unter Kaiser Konstantin gebaut, wurde mehrmals im Laufe der Geschichte zerstört und wiederaufgebaut. Sie beherbergt heute sechs Konfessionen, die sich seit Jahrhunderten um die Zuständigkeiten streiten. Das ist beispielsweise der Grund, warum bereits seit dem Jahr 637 zwei muslimische Familien die alleinige Schlüsselgewalt haben. Oder warum die kleine Holzleiter, auf dem Bild oben rechts zu sehen, angeblich wegen ungeklärter Zuständigkeit bis heute nicht entfernt worden ist.
Die sechs Konfessionen, die sich das Heiligtum teilen und um jeden Zentimeter oder um jede Minute im Nutzungszeitplan mancher Bereiche eifersüchtig streiten, sind:

  • die griechisch-orthodoxe Kirche
  • die römisch-katholische Kirche
  • die Armenisch Apostolische Kirche
  • die Kopten
  • die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien
  • die Abessinier (bzw. Äthiopisch-Orthodoxe Kirche)

3 – Der Salbungsstein
Diese Steinplatte, die im Eingangsbereich der Grabeskirche steht, wird für den Stein gehalten, auf dem der Leichnam Jesu nach der Kreuzabnahme gesalbt worden sein soll. Hier kann man sehen, wie viele Besucher die Steinplatte berühren und küssen. Sie legen Devotionalien und Einkaufstüten mit Souvenirs und Mitbringseln darauf, damit sie besonders gesegnet sind.

4 – Kerzenlichter
Die Grabeskirche ist in Wirklichkeit keine Kirche im herkömmlichen Sinne, sondern „ein labyrinthisches Konglomerat“ (Baedeker) von heiligen Stätten, düsteren Kirchenschiffen, kleinen Kapellen, engen Treppen und Gängen. Der größte Besucherandrang mit meterlangen Warteschlangen herrscht in der „Rotunde“ vor dem „Heiligen Grab“. Es gibt aber stille Ecken, in die sich Gläubige zurückziehen und Kerzen anzünden.
Es wäre wünschenswert, dass die vielen Räumen mit ihren Sehenswürdigkeiten und die vielen Riten der unterschiedlichen Konfessionen (einschließlich der Streitigkeiten) nicht das Licht verdunkeln, das in der Person Jesu personifiziert auf die Welt kam, um die Finsternis zu besiegen!

Der biblische Bezug

 StationBibelOrt
I.Jesus wird zum Tode verurteiltMarkus 15,1-15Hof einer muslimischen Mädchenschule (früher römische Festung Antonia)
II.Jesus nimmt das Kreuz aufJohannes 19,13-17Franziskanerkapelle der Verurteilung und Kapelle der Geißelung
III.Jesus stürzt zum ersten MalEhem. polnische Kapelle beim armenisch-katholischen Patriarchat
IV.Jesus sieht seine MutterJohannes 19,26-27Armenisch-katholische Kapelle
V.Simon von Cyrene hilft beim TragenMarkus 15,21Oratorium der Franziskaner
VI.Veronika trocknet Jesus GesichtMatthäus 25,40Französische Veronikakirche und Kloster der kleinen Schwestern Jesu
VII.Jesus stürzt zum zweiten MalKapelle der Franziskaner
VIII.Jesus tröstet weinende FrauenLukas 23,27-31Markierungskreuz in der Wand des griechischen Klosters an der Rückseite der Grabeskirche
IX.Jesus stürzt zum dritten MalDach der Grabeskirche
X.Jesus wird entkleidetJohannes 19,23-24Kapelle der Kleiderverteilung neben dem zugemauerten Eingang zur Grabeskirche
XI.Jesus wird gekreuzigtLukas 23,33-43Römisch-katholische Kapelle neben der Kreuzigungsstelle auf Golgatha in der Grabeskirche
XII.Jesus stirbt am KreuzJohannes 19,28-37Ein Loch unter dem griechisch-orthodoxen Altar in der Grabeskirche
XIII.Jesu Leichnam wird vom Kreuz genommenJohannes 19,38-40Das Stabatmater-Standbild zwischen der 11. Und 12. Station (andere: der Salbungsstein im Bereich des Eingangs der Grabeskirche)
XIV.Jesus wird begrabenMarkus 15,46-47;
Matthäus 27,57-61
Das Heilige Grab in der Grabeskirche
(XV.)Die Auferstehung JesuMarkus 16,1-7

Bilder der Seite und weitere Fotos

« von 2 »

Weitere Informationen und Links

edp – Eine Denk-Pause