Ein Platz wie aus einer anderen Zeit: Am Sande

SO SCHÖN IST LÜNEBURG – Teil 4
 

Lüneburg is a charming, historical town in northern Germany with well-preserved medieval buildings and a high density of bars and cafes. Here we take a look at the central square, Am Sande, with its many gabled houses and St John’s Church.

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Lüneburg es una encantadora ciudad histórica del norte de Alemania, con edificios medievales muy bien conservados y una gran cantidad de bares y cafeterías. Aquí echamos un vistazo a la plaza central, Am Sande, con sus numerosas casas de gablete y la iglesia de San Juan.

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Der Platz am Sande im Mai 2026 (alle Fotos, falls nichts anderes angegeben: edp).

Wer zum ersten Mal durch Lüneburg spaziert, landet früher oder später hier: auf dem Platz Am Sande. Zwischen hohen Backsteingiebeln, alten Kaufmannshäusern und der mächtigen Johanniskirche wirkt der 225 Meter lange und 30 bis 40 Meter breite Platz fast wie eine Filmkulisse. Am Sande gehört zu den schönsten historischen Plätzen Norddeutschlands. Und er ist ein hübsches Fotomotiv, wie meine Fotosammlung belegt: Am Sande bei jedem Stadtbummel, zu jeder Tages- und Jahreszeit! Der Platz ist aber mehr als ein schönes Fotomotiv: Am Sande erzählt die Geschichte vom Aufstieg Lüneburgs zur reichen Salz- und Hansestadt – und genau das macht ihn bis heute so faszinierend.

Woher kommt der Name?
„Am Sande“ klingt zunächst ungewöhnlich schlicht. Tatsächlich geht er aber direkt auf die ursprüngliche Funktion des Platzes zurück. Im Mittelalter war Am Sande noch nicht gepflastert, sondern ein großer sandiger Handelsplatz. Schon im 13. Jahrhundert wurde er in Urkunden als „in harena“ (im Sand) erwähnt. Hier trafen wichtige Handelsstraßen aufeinander. Händler kamen aus Hamburg, Lübeck, Braunschweig oder Magdeburg nach Lüneburg, um Waren zu verkaufen oder das berühmte Lüneburger Salz zu kaufen. Der Platz entwickelte sich schnell zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der Stadt.

Ob es im Mittelalter so oder ähnlich aussah? (Foto Ki-gen.)
Salz war das Gold für Lüneburg. (Foto: JanneG, pixabay.com)

Reich dank dem „weißen Gold“
Ohne Salz wäre Lüneburg vermutlich nie so bedeutend geworden. Das „weiße Gold“ machte die Stadt im Mittelalter wohlhabend, denn Salz wurde dringend gebraucht, um Lebensmittel haltbar zu machen – besonders Fisch. Der Reichtum der Kaufleute und Brauer zeigt sich bis heute rund um Am Sande. Viele der prächtigen Häuser gehörten einst wohlhabenden Familien, die mit Handel und Bierbrauen Geld verdienten.

Treppengiebel, Schneckengiebel, Doppelgiebel, „Schwiegermutter-Anbauten“
Besonders beeindruckend ist dabei die Vielfalt der Fassaden: gotische Treppengiebel, Renaissance-Ornamente und barocke Verzierungen stehen hier direkt nebeneinander. Gerade diese Mischung macht den Platz so lebendig. Kein Haus sieht exakt wie das andere aus, und trotzdem wirkt das Ensemble erstaunlich harmonisch.

Am Sande gilt als eines der schönsten Beispiele norddeutscher Backsteingotik. Viele Gebäude waren früher sogenannte Dielenhäuser. Im Erdgeschoss wurden Waren gelagert und gehandelt, während die Familien in den oberen Etagen wohnten. Wer über den Platz läuft, entdeckt überall kleine Details: kunstvoll verzierte Fassaden, schmale, hohe Häuser, alte Dachluken für Warenzüge, unterschiedlich gestaltete Giebel … und „Schwiegermutter-Anbauten“: Der seitlich angebaute Giebel geht auf die Zeit zurück, als nach der Heirat der Kinder der Wohnraum erweitert wurde, um die Schwiegereltern unterzubringen – im Volksmund „Schwiegermutterhaus“ genannt.

Rechts vom Apotheken-Schriftzug sieht man den "Schwiegermutter-Anbau".
Haus Nr. 53 (rechts) hat den ältesten erhaltenen Staffelgiebel - um 1400. Im Mittelalter war hier Ausschank Hamburger Bieres durch den Rat.
An bzw. auf manchen Giebeln kann man die unterschiedlichsten Figuren beobachten.

Interessante Gebäude
Am östlichen Ende des Platzes erhebt sich die imposante St. Johanniskirche. Mit ihrem 108 Meter hohen Turm ist sie die älteste Kirche Lüneburgs. Wer genau hinsieht, bemerkt, dass der Turm leicht geneigt ist. Während des Baus um 1384 (bzw. nach einem Brand 1406 neu errichtet) geriet er um ca. 2,20 Meter nach Westen aus dem Lot. Die Neigung entstand vermutlich durch ein ungleichmäßiges Fundament oder den unstabilen Untergrund in der Stadt (durch den jahrhundertelangen Salzabbau kam es in Teilen der Stadt immer wieder zu Bodensenkungen). Eine lokale Sage besagt, dass der Baumeister sich aus Scham über den Pfusch vom Turm stürzte, aber auf einem Heuwagen landete und überlebte. Als er dies als Gottes Wille interpretierte und betrunken in einer Kneipe feierte, fiel er von der Bank und brach sich das Genick.

Die Kirche wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg gebaut und zählt zu den bedeutendsten Backsteinkirchen Norddeutschlands. Besonders spannend: Der junge Johann Sebastian Bach soll hier als Schüler musiziert haben.

Am anderen Ende des Platzes steht heute das Gebäude der Industrie- und Handelskammer, früher Brauhaus „Schütting“. Die prachtvolle Renaissancefassade mit ihren hellen Ornamenten sollte einst den Wohlstand der Besitzer zeigen. Einige Steine wurden sogar dunkel angestrichen, um besonders kostbar zu wirken. Die Fassade wird gern fotografiert, allerdings findet zzt. (bis 2027) ein großer Umbau statt.

(Foto 2005)
(Foto 2005)

Nur ein paar Meter von St. Johannis entfernt erinnert eine Mosaiktafel am Boden an die Gründung der Stern´schen Buchdruckerei im Jahr 1614 (!), die sich dem Geschäft des Vertriebs von Bibeln widmete und bald zu einer der wichtigsten Großdruckereien in Nordeuropa avancierte. Heute ist sie nach eigenen Angaben, die älteste in Familienbesitz (14. Generation!) befindliche Druckerei der Welt.

Wer eine kulinarische Besonderheit sucht, wird in der Sand-Passage garantiert fündig. Und freut sich außerdem über die freundliche Bedienung und kompetente Beratung. Da bezahlt man gern etwas mehr, gerade wenn es um Feinkost geht. (Schade nur, dass es so gut wie keine Parkmöglichkeiten gibt. Dafür aber einen sehr guten Lieferservice.)

(Foto: 2005)

Das Angebot an Straßencafés, Eisdielen und Kneipen ist überreich.

Früher war es ein italienisches Restaurant ("Camus"): Hier genossen meine Frau und ich zum ersten Mal den Platz Am Sande vor 35 Jahren!
Die Eisdielen am Sande sind immer gut besucht. Zuletzt ließen wir es uns im Eiscafé Venezia gut schmecken.
Am häufigsten besuchen wir das BODRUM, wo wir bei einem leckeren Mittagessen die türkische Gastfreundschaft genießen und den Stadtbummel beginnen oder beenden.
Nachdem zahlreiche Sitz- und Liegegelegenheiten aufgestellt wurden, muss man nicht unbedingt etwas konsumieren, um sich zu sonnen oder das bunte Treiben zu beobachten.
Eine sehr gute Eingebung, das Alkoholkonsum-Verbot zwischen 8 und 19 Uhr in der Innenstadt. Gerade Am Sande kam es häufig zu unangenehmen Situationen.

Der Platz am Sande ist Treffpunkt und Herzstück der Innenstadt. Menschen sitzen in Cafés, Touristen fotografieren die alten Fassaden – und Busse fahren hier ständig vorbei! Das ist meine Hauptkritik an diesem schönen Platz. Ich hätte die Pferdekutschen der Stadtrundfahrten vorgezogen, die aber nicht mehr angeboten werden. Bei Veranstaltungen verwandelt sich der Platz regelmäßig in eine große Bühne und zur Weihnachtszeit wirkt der Platz fast märchenhaft, wenn Lichter zwischen den alten Giebeln hängen, die Händler ihre Waren anbieten und Kinder gespannt an den Märchenhäuschen den Erzählungen lauschen.

Alle Beiträge der Reihe „So schön ist Lüneburg“:

Elí Diez-Prida online
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