Tag 10: Eine spannende Reise durch die Wüste

Sabbat, 8. Juni. Wir hatten an diesem zweiten Sabbat wieder einen besinnlichen Gottesdienst im Hotel vor unserer Abreise in die Wüste. Nach dem Singen durfte jeder, der wollte, erzählen, wie oder wo er/sie die Nähe Gottes während der Reise gespürt hatte. Hier und bei der anschließenden Gebetsgemeinschaft (in Form eines Familiengebets) musste Elí einen Punkt setzen, sonst wäre es im Hotel Mittag geworden – ein gutes Zeichen dafür, wie stark wir als Reisefamilie zusammengewachsen waren!

In seiner Kurzpredigt mit dem interessanten Titel „Fuhr Jesus Trabi oder Porsche?“ führte uns Elí behutsam und anschaulich in das Geheimnis der Menschwerdung von Jesus ein, und zwar ausgehend von Philipper 2,6-9.

Nach dem Gottesdienst (die Koffer waren bereits gepackt) verabschiedeten wir uns von Eilat und machten uns auf die Reise durch die Wüste Richtung Norden (Jaffa-Tel Aviv).

Die erste Station, in der wir auch Mittagspause machten, war der Timna-Park am Rande der Arava-Wüste, nur 25 Kilometer nördlich von Eilat. Dieser Park erstreckt sich auf einer Fläche von 60 Quadratkilometern mit bizarren Felsformationen aus rotem Sandstein, wie der riesige „Pilz“ und die „Säulen Salomos“. In einem interessanten Film am Eingang des Parks wurde uns u. a. gezeigt, wie die antiken Kupferminen von frühzeitlicher Ausbeutung von Rohstoffen zeugen, die bereits zur Zeit der Ägypter von großer Bedeutung waren. Ein Höhepunkt war aber die Besichtigung eines 1:1 Nachbaus der Stiftshütte, die das transportable Heiligtum des Volkes Israel während der Wüstenwanderung war. Wir bewunderten die schönen Farben, staunten aber darüber, wie klein die Stiftshütte gewesen ist. (Der Nachbau ist übrigens in Breckerfeld, NRW, entstanden!)

Ein junger Mann erzählte uns (auf Englisch) einiges über den Aufbau, die Geräte und die Bedeutung der Stiftshütte, was für die meisten eine Bestätigung ihres biblischen Wissens war. In einem Flyer, den wir von Elí bekommen hatten, konnten wir dieses Wissen vertiefen. Und später erzählte er uns im Bus, welch eine zuerst befremdliche dann aber befreiende Erfahrung es für die ersten (Juden-)Christen gewesen sein muss, einfach direkt, ohne Opfer und ohne Priester, Kontakt mit Gott im himmlischen Heiligtum aufnehmen zu können. So, als würde der Generaldirektor eines Großunternehmens sein Vorzimmerpersonal entlassen, den Terminkalender abschaffen, die Tür seines Büros aushängen und es jedem Mitarbeiter erlauben, ihn – wann und wie oft auch immer – direkt zu besuchen und mit ihm zu sprechen, solange dieser es wollte!

Nach der Mittagspause setzten wir die Fahrt durch die Wüste Negev fort. Silke hatte einiges zu erzählen, zum Beispiel, als wir den Ramon-Krater überquerten: In der größten Ausdehnung misst er fast 40 km. Wer Zeit genug mitbringt, kann dort versteinerte Baumstämme und versteinerte Korallenriffe, sowie auch Dorkasgazellen, Nubische Steinböcke und Asiatische Halbesel (wie wir sie bereits am Donnerstag im Yotvata-Park gesehen hatten) beobachten.

Während der Weiterfahrt erzählte uns Elí interessante Fakten über die Welt der Delphine, die uns wieder über die Größe des Schöpfers staunen ließen. (Anknüpfungspunkt war das Dolphin Reef in Eilat, wo es möglich ist, mit Delfinen zu schwimmen, die nicht in Gefangenschaft leben und auch nicht dressiert werden, sondern sich frei im Roten Meer bewegen und selbst entscheiden, ob sie sich den Menschen nähern oder nicht.)

Als wir die Wüste Zin durchquerten, erinnerte uns er auch an die Erfahrungen des Volkes Israels in dieser Gegend, als sie gegen Mose murrten und dieser den Felsen schlug, um ihnen Wasser zu verschaffen (4. Mose 20,1-13). Hier, in der Wüste Zin, ließen sich der israelische Staatsgründer und frühere Ministerpräsident David Ben Gurion und seine Frau Paula begraben. Wir besuchten ihre Gräber bei der Ben-Gurion-Akademie, die sich besonders mit der Frage nach der Nutzung und Entwicklung von Wüstengebieten befassen. Ben Gurion unterstützte den Traum, „Die Wüste zum Blühen“ zu bringen. In diesem Forschungszentrum geht es um Fragen wie: Wie lässt sich Sonnenlicht konzentrieren, um das Bedürfnis nach dem teuren Material zum Bau von Solarzellen zu reduzieren? Welche Bepflanzung ist nachhaltig geeignet, um die Bodenerosion durch Wind und Wasser aufzuhalten? Wie lässt sich das Problem der Ineffizienz beim Prozess der Wasserentsalzung lösen?

Während der Weiterfahrt in Richtung Jaffa-Tel Aviv sahen wir in der Ferne Beerscheba, mit 208.000 Einwohnern, eine der größten Städte Israels. In der Nähe irrte bspw. Hagar in der Wüste umher. (Es gibt viele Verweise auf Beerscheba im Alten Testament, siehe Wikipedia.)  Hier steht die 1966 gegründete Ben-Gurion-Universität des Negev.

Unsere Reise endete dort, wo sie begonnen hatte, nämlich in Jaffa, und zwar mit einem schönen und schmackhaften Abendessen in romantischer Stimmung. Das Städtchen hatte bei Nacht ein besonderes Flair und der Blick auf das nächtliche Tel Aviv war auch beeindruckend. So ging wieder ein besonderer Sabbat zu Ende, der uns viel zum Nachdenken gab.


Aus der Predigt vom 8.6.2019 im Hotel in Eilat („Fuhr Jesus Trabi oder Porsche?“):

Die Dimensionen der Liebe Gottes können wir genauso wenig begreifen wie die Größe das Opfers, das Jesus auf sich nahm, um uns zu erlösen. Gottes Geheimnisse können wir nicht erklären, aber wir können sie bewundern. Und wir können ihn dafür loben und ihm danken!

Aus der Andacht vom 8. Juni während der Busfahrt nach Tel Aviv (über den Pfarrer, der seinem Sohn nicht das neue Fahrrad zu Weihnachten schenken wollte):

Wir bekommen das ewige Leben nicht deswegen geschenkt, weil wir es verdient haben. Auch nicht, weil Gott ein Auge zudrückt. Wir bekommen es als ein unverdientes Geschenk, weil Gott uns liebt. Unser Leben als Christen kann niemals der Versuch sein, uns dieses Geschenk zu verdienen (dann wäre es kein Geschenk mehr, sondern eine Belohnung). Auch nicht der Versuch, das wieder gutmachen zu wollen! Unser Leben als Christen kann nur die Antwort der Dankbarkeit dafür sein, dass Gott uns unendlich liebt und sich sehr wünscht, dass wir die Ewigkeit bei ihm verbringen.


Weitere Informationen:

edp – Eine Denk-Pause