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Worüber wir uns alles aufregen

HINGESCHAUT. (4)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Heute schon gemeckert?
Meiner Frau gefiel mein Bart gut. (Foto: Standesamtliche Trauung 1976 in Darmstadt)

Als junger Pastor trug ich schon einen Bart. Das gefiel einem älteren Gemeindeglied überhaupt nicht. Für ihn gehörten Bärte einfach nicht auf eine Kanzel. Auch meine Mutter war kein großer Fan meines Bartes. Deshalb rasierte ich ihn zu Beginn eines längeren Urlaubs ab. Doch das Ergebnis überzeugte mich nicht. Meine Frau fand den „neuen“ Mann an ihrer Seite ebenfalls nicht besonders attraktiv. Also ließ ich den Bart wieder wachsen — trotz der Meinung des Gemeindegliedes. Und trotz der Kommentare meiner Mutter.

Heute muss ich darüber schmunzeln. Aber die Geschichte hat mich etwas gelehrt: Wie viel Energie verschwenden wir eigentlich damit, uns über Dinge aufzuregen, die bei genauer Betrachtung gar nicht wichtig sind?

Ein Bart ist nur ein Bart. Doch oft geht es um viel mehr: Kleidung, Frisur, Gewohnheiten, Lebensstil oder andere Kleinigkeiten. Dinge, die uns an anderen stören, obwohl sie uns eigentlich nichts angehen. Wenn wir uns daran festbeißen, kann etwas entstehen, das viel größer ist als der ursprüngliche Anlass: Distanz. Vorurteile. Barrieren. Manchmal sogar regelrechte Mauern zwischen Menschen.

Der Apostel Paulus gab den Christen in Philippi einen bemerkenswerten Rat: „Denkt über das nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen.“ (Philipper 4,8) Das ist ein hilfreicher Perspektivenwechsel: Nicht ständig danach suchen, was uns stört. Sondern bewusst wahrnehmen, was gut ist. Was liebenswert ist. Was wir am anderen schätzen können.

Jesus war darin ein Meister. Er konnte das Gute in Menschen entdecken – manchmal sogar dort, wo andere längst aufgegeben hatten. Er sah Möglichkeiten, wo andere nur Schwächen sahen.

  • Hätte Jesus seine Mitarbeiter mit meinem kritischen Blick ausgesucht, wäre seine Gruppe vermutlich deutlich kleiner ausgefallen. Zwölf Männer hätte er kaum zusammenbekommen. Vielleicht nicht einmal drei.
  • Und mich hätte er zweitausend Jahre später wahrscheinlich ebenfalls aussortiert.

Wir Menschen sind erstaunlich schnell darin, die Macken anderer zu entdecken. Ein falsches Wort, eine seltsame Angewohnheit, ein Kleidungsstück, das uns nicht gefällt – schon haben wir etwas gefunden, worüber wir uns ärgern können. Beim Guten sind wir oft viel langsamer. Vielleicht sollten wir das einmal umdrehen:

Nicht zuerst fragen: Was stört mich an diesem Menschen?
Sondern: Was kann ich an ihm entdecken, das liebenswert und bewundernswürdig ist?

Das würde manche Begegnung verändern. Vielleicht sogar manche Beziehung. Und vielleicht würde uns dann auch der eine oder andere Bart etwas weniger stören.

 

Abstract:
Your beard’s getting on my nerves! All the things we get worked up about.
We humans are astonishingly quick to spot other people’s quirks. When it comes to their good qualities, we’re often much slower. Perhaps we should turn this around: instead of asking first, ‘What bothers me about this person?’, we should ask, ‘What can I find in them that is endearing and admirable?’.

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Resumen
¡Tu barba me molesta! De todo lo que nos enfadamos
Los humanos somos increíblemente rápidos a la hora de descubrir los defectos de los demás. Sin embargo, cuando se trata de encontrar lo bueno, solemos tardar mucho más. Quizás deberíamos darle la vuelta a esto: no preguntarnos primero «¿qué me molesta de esta persona?», sino «¿qué puedo descubrir en ella que sea digno de cariño y admiración?».

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