Alle Beiträge von Elí Diez-Prida

Wovor haben wir eigentlich Angst?

Wie sicher ist mein Job? Wer mit seiner Arbeit unzufrieden ist, wird häufiger krank. Besonders gefährdet sind Beschäftigte, die fürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. (Foto: moerschy, pixabay.com)

Wie wird das Leben in Deutschland in ein paar Jahren aussehen? Können wir uns das Wohnen noch leisten? Werden die Renten reichen? Wie sicher ist unser Arbeitsplatz? Und was kommt auf unsere Kinder und Enkel zu?

Solche Fragen beschäftigen viele Menschen. Ein Blick auf die aktuellen Ergebnisse der Studie „Die Ängste der Deutschen 2026“ der R+V-Versicherung zeigt, wie groß die Verunsicherung ist.

Die größte Angst haben die Deutschen vor weiter steigenden Lebenshaltungskosten. 59 Prozent der Befragten nennen dieses Thema. 53 Prozent fürchten Steuererhöhungen und Leistungskürzungen, 52 Prozent eine Überforderung des Staates durch Geflüchtete und 51 Prozent eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage. Für 50 Prozent ist die Sorge groß, dass Wohnen unbezahlbar wird. (Auffällig ist eine andere Entwicklung: Die Angst vor den Folgen des Klimawandels und vor Naturkatastrophen ist im Vergleich zu früher zurückgegangen.)

Die Zahlen zeigen: Viele Menschen blicken mit Sorge in die Zukunft. Und das ist nicht unbedingt verwunderlich. Wir erleben Kriege, politische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit und tiefgreifende Veränderungen. Dazu kommen die ganz persönlichen Sorgen, die in keiner Statistik vollständig auftauchen: die Angst vor einer Krankheit, vor Einsamkeit, vor dem Verlust eines geliebten Menschen oder vor dem eigenen Älterwerden.

Doch eine Frage sollten wir uns stellen: Wie viel Raum wollen wir unseren Ängsten geben?

Angst ist nicht immer unser Feind

Angst hat einen schlechten Ruf. Dabei ist sie zunächst etwas Sinnvolles. Sie warnt uns vor Gefahren und hilft uns, vorsichtig zu sein. Wer bei Glatteis langsamer fährt, wer für schwierige Zeiten etwas Geld zurücklegt oder sich rechtzeitig um seine Gesundheit kümmert, handelt vernünftig. Angst kann uns also schützen und zum Handeln bewegen.

Schwierig wird es, wenn aus einer Warnung ein Dauerzustand wird. Wenn wir uns ständig ausmalen, was alles passieren könnte. Wenn wir nachts wach liegen, obwohl wir gerade nichts ändern können. Oder wenn wir eine Zukunft, die noch gar nicht eingetreten ist, gedanklich schon als Katastrophe erleben. Dann nimmt uns die Angst etwas, das wir dringend brauchen: die Kraft, den heutigen Tag zu leben.

Viele Menschen blicken mit Sorge in die Zukunft. Und das ist nicht unbedingt verwunderlich. Wie können wir uns vor einer allgemeinen Angststimmung schützen? Kann der Glaube helfen, wenn uns die Sorgen über den Kopf wachsen? (Foto: pd, pixabay.com)
Berechtigte Sorge oder Angstkino?

Wie können wir unterscheiden, ob unsere Angst uns auf eine wirkliche Gefahr aufmerksam macht oder ob unsere Gedanken uns in eine düstere Zukunft führen? Eine einfache Regel lautet: Nimm die Gefahr ernst, aber nicht jede Befürchtung für eine Tatsache.

Dazu können drei Fragen helfen:

1. Was weiß ich wirklich?
Es macht einen Unterschied, ob eine Kündigung angekündigt wurde oder ob wir lediglich befürchten, unseren Arbeitsplatz zu verlieren. Ob eine ärztliche Untersuchung einen konkreten Verdacht ergeben hat oder ob wir uns die schlimmsten Diagnosen ausmalen.

Natürlich gibt es auch echte Gefahren, deren Ausmaß wir noch nicht kennen. Aber eine Möglichkeit ist noch keine Gewissheit.

2. Was kann ich beeinflussen?

  • Wenn die Kosten steigen, können wir unsere Ausgaben prüfen.
  • Wenn uns die Zukunft unserer Kinder Sorgen macht, können wir für sie da sein.
  • Wenn uns politische Entwicklungen beunruhigen, können wir uns informieren, unsere Meinung äußern und uns engagieren.

Manches liegt allerdings außerhalb unserer Kontrolle. Wir können keinen Krieg allein beenden, keine Wirtschaftskrise verhindern und nicht jede Krankheit abwenden. Es hilft, zwischen beidem zu unterscheiden. Sonst verschwenden wir unsere Kraft damit, Probleme lösen zu wollen, auf die wir keinen direkten Einfluss haben.

3. Was würde ich einem guten Freund raten?
Würden wir ihm sagen, dass er sich schon heute vor allen denkbaren Katastrophen fürchten soll? Oder würden wir ihm helfen, die Lage nüchtern anzuschauen und den nächsten vernünftigen Schritt zu finden? Mit uns selbst dürfen wir ebenso freundlich und realistisch umgehen wie mit anderen.

Wie können wir uns vor einer allgemeinen Angststimmung schützen?

Angst ist ansteckend. Wenn überall von Krisen, Gefahren und drohendem Niedergang die Rede ist, kann leicht der Eindruck entstehen, dass eigentlich alles immer schlimmer wird.

Nachrichten und soziale Medien verstärken diesen Eindruck mitunter. Dramatische Ereignisse ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Eine gute Entwicklung, ein gelöstes Problem oder ein Mensch, der sich für andere einsetzt, schaffen es dagegen oft kaum in die Schlagzeilen. Das bedeutet nicht, dass wir die Augen vor Problemen verschließen sollten. Aber wir sollten darauf achten, welches Bild der Welt in unserem Kopf entsteht.

Ein paar Dinge können dabei helfen:

Nachrichten bewusst dosieren. Wer ständig Meldungen abruft, bekommt nicht unbedingt mehr Orientierung, sondern manchmal nur mehr Unruhe. Es kann guttun, feste Zeiten für Nachrichten einzuplanen und das Smartphone zwischendurch beiseitezulegen.

Zwischen Information und Aufregung unterscheiden. Nicht jede dramatische Überschrift enthält eine neue Erkenntnis. Wir können uns fragen: Was ist tatsächlich passiert? Was ist eine Prognose? Und was ist lediglich eine zugespitzte Meinung?

Den eigenen Blick weiten. Neben den Krisen gibt es Menschen, die helfen, heilen, forschen, Frieden stiften und Verantwortung übernehmen. Es gibt Nachbarschaftshilfe, engagierte Ehrenamtliche, gelungene Versöhnungen und kleine Fortschritte, die selten Schlagzeilen machen. Auch sie gehören zur Wirklichkeit.

Das tun, was heute möglich ist. Vielleicht lässt sich eine finanzielle Frage klären, ein längst überfälliges Gespräch führen oder ein Termin vereinbaren. Manchmal hilft ein Spaziergang mehr als eine weitere Stunde Grübeln. Und manchmal brauchen wir schlicht einen Menschen, dem wir sagen können, was uns bedrückt.

Wir müssen nicht alle Probleme der Welt lösen, um heute etwas Gutes tun zu können.

Was kann der christliche Glaube gegen die Angst tun?

Kann der Glaube helfen, wenn uns die Sorgen über den Kopf wachsen? Ich glaube: ja. Allerdings nicht, weil Christen keine Angst hätten oder weil ihnen alles erspart bliebe. Auch gläubige Menschen erleben Krankheit, Verlust, Enttäuschung und Unsicherheit. Wer behauptet, echter Glaube beseitige alle Angst, macht es Menschen, die leiden, unnötig schwer.

Der christliche Glaube bietet etwas anderes: eine Perspektive, die über die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinausreicht: Ich muss nicht alles selbst in der Hand haben.

Viele unserer Ängste hängen damit zusammen, dass wir die Kontrolle behalten möchten. Wir wollen wissen, was morgen geschieht, wie sich die Dinge entwickeln und ob am Ende alles gut ausgeht. Aber das Leben war noch nie vollständig planbar. Der Glaube erinnert uns daran, dass wir nicht alles tragen und nicht alles selbst absichern müssen.

Jesus sagte einmal: „Sorgt euch nicht um morgen“ (Matthäus 6,34). Das ist keine Aufforderung, die Wirklichkeit zu ignorieren. Es ist eine Einladung, nicht schon heute an den Sorgen von morgen zu zerbrechen.

Ich darf meine Angst aussprechen. Beten muss nicht bedeuten, besonders fromme Worte zu finden. Wir dürfen Gott auch sagen, was uns Angst macht, was wir nicht verstehen und wovor wir uns fürchten. Ein schlichtes Gebet kann lauten: „Gott, ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich habe Angst. Hilf mir, den nächsten Schritt zu erkennen.“

Manchmal verändert ein solches Gebet nicht sofort die äußeren Umstände. Aber es kann helfen, die eigene Angst nicht allein tragen zu müssen.

Meine Hoffnung ist größer als meine Prognose. Der christliche Glaube verspricht nicht, dass die Weltgeschichte immer besser verläuft oder dass unser persönliches Leben von Krisen verschont bleibt. Er gründet seine Hoffnung vielmehr auf die Überzeugung, dass Leid, Unrecht und Tod nicht das letzte Wort behalten werden, weil Gott eine neue Welt aufrichten wird: Wenn Jesus Christus wiederkommt, beginnt die Ewigkeit. Dann herrschen Zustände wie am Anfang im Paradies: kein Leid, keine Schmerzen, kein Tod.

Wer darauf vertraut, muss die Probleme der Gegenwart nicht kleinreden. Er kann ihnen ins Gesicht sehen, ohne ihnen die Macht zu geben, die gesamte Zukunft zu bestimmen.

Persönliches

Ich schreibe diese Zeilen nicht nur als Beobachter. Diese Woche steht mir eine Bypass-Operation am Herzen bevor. Da bekommt das Nachdenken über Ängste und Zukunftshoffnung plötzlich eine sehr persönliche Bedeutung.

Natürlich gehen mir Fragen durch den Kopf. Wie wird die Operation verlaufen? Wie werde ich mich danach fühlen? Was kommt auf mich und meine Frau zu? Ich könnte mich in solchen Fragen verlieren. Aber ich versuche, mich nicht von ihnen beherrschen zu lassen. Ich darf meine Sorgen ernst nehmen, sie aussprechen und Gott anvertrauen. Und ich darf zugleich dankbar sein für die Menschen, die mich im Gebet begleiten – und derer sind viele überall in Deutschland und darüber hinaus. Ich bin auch für die bisherige ärztliche Begleitung dankbar und bete auch für das medizinische Personal, das sich ab dieser Woche um mich kümmern wird.

Mein Glaube nimmt mir nicht jede Unsicherheit. Aber er erinnert mich daran, dass ich auch in dieser Situation nicht allein bin. Vielleicht ist das ein wichtiger Schritt zu mehr Zuversicht: nicht erst dann hoffen zu dürfen, wenn alle Fragen beantwortet sind, sondern mitten in der Unsicherheit Vertrauen zu wagen.

Mutig leben, obwohl nicht alles sicher ist

Zuversicht bedeutet nicht, dass wir sicher sein können, dass alles gut ausgeht. Zuversicht bedeutet, dass wir auch dann leben, handeln und hoffen können, wenn wir nicht alles wissen.

  • Wir dürfen Vorsorge treffen, ohne ständig mit dem Schlimmsten zu rechnen.
  • Wir dürfen Gefahren ernst nehmen, ohne überall nur Gefahren zu sehen.
  • Und wir dürfen uns über das freuen, was heute schön ist, obwohl wir wissen, dass morgen manches anders sein kann.
  • Manchmal hilft es, den eigenen Blick bewusst vom großen Weltgeschehen auf das Naheliegende zu richten: auf einen Menschen, der uns guttut, auf ein Gespräch, auf die Natur vor unserer Haustür oder auf eine Aufgabe, die wir sinnvoll erledigen können.

Das ist keine Flucht vor der Wirklichkeit. Es ist eine Erinnerung daran, dass unser Leben mehr umfasst als die Krisen, von denen wir täglich hören. Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen: Was könnte alles schiefgehen? Sondern auch: Was ist heute gut? Was kann ich tun? Wem kann ich helfen? Und worauf darf ich vertrauen, selbst wenn ich noch nicht weiß, wie es weitergeht?

 

Abstract:
Many people are looking to the future with concern. And that is not necessarily surprising. How can we protect ourselves from a general sense of anxiety? Can faith help when our worries become overwhelming?

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Resumen
Mucha gente mira al futuro con preocupación. Y eso no es precisamente de extrañar. ¿Cómo podemos protegernos de ese clima general de miedo? ¿Puede la fe ayudarnos cuando las preocupaciones superan nuestra capacidad de afrontarlas?

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Was bleibt, wenn nichts mehr bleibt?

HINGESCHAUT. (10)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Welche Schicksale sind mit einer Hochwasserkatastrophe verbunden! (Kurzfassung auf Instagram: #edp51)

Die „Jahrhundertflut“ ist inzwischen 23 Jahre her. Ein Bild von damals ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben: Zwei Männer waten durch die Wassermassen. Jeder trägt einen Rucksack und eine Plastiktüte.

Der Fernsehreporter erklärt: „In diesem Rucksack und in dieser Plastiktüte tragen sie alles, was sie retten konnten.“

Ein Rucksack und eine Plastiktüte – das ist nicht viel. Aber es bringt mich zu einer Frage:

Was würde ich retten, wenn ich plötzlich alles zurücklassen müsste?

Wenn ich daran denke, was ich normalerweise auf eine Reise mitnehme, würde mir wahrscheinlich nicht einmal ein mittelgroßer Lkw reichen. Kleidung, Bücher, Computer, Erinnerungsstücke, Dinge, die mir wichtig sind …

Doch irgendwann kommt der Moment, in dem wir uns von allem trennen müssen. Haus, Auto, Geld, Kleidung, berufliche Erfolge, technische Geräte – nichts davon können wir für immer behalten.

„Mein Haus, mein Boot, mein Auto!“ – Nichts davon kann man eines Tages mitnehmen!

Das klingt vielleicht zunächst bedrückend. Aber eigentlich steckt darin eine wichtige Lebensfrage:

Was ist wirklich wertvoll, wenn das wegfällt, was wir besitzen?

Der Apostel Paulus hat vor fast 2000 Jahren einen bemerkenswerten Rat gegeben: „Kauft ein, als ob ihr das Gekaufte nicht behalten würdet, und geht so mit der Welt um, dass ihr nicht darin aufgeht.“ (1. Korinther 7,30–31)

Das bedeutet nicht: Wir sollen nichts besitzen, kein schönes Zuhause haben oder auf moderne Technik verzichten. Im Gegenteil: Wir dürfen unser Leben genießen. Aber wir sollten uns nicht von unseren Dingen besitzen lassen.

  • Wir können in einem schönen Haus wohnen, ohne zu vergessen, dass ein Zuhause mehr ist als vier Wände.
  • Wir können moderne Technik nutzen, ohne unser Leben von ihr bestimmen zu lassen.
  • Wir können soziale Medien genießen, ohne dabei die Menschen neben uns aus den Augen zu verlieren.
  • Wir können beruflich erfolgreich sein, ohne unseren Wert davon abhängig zu machen.

Vielleicht ist das eine gute Lebenshaltung: dankbar besitzen, aber innerlich frei bleiben. Denn irgendwann werden wir alles zurücklassen müssen, was wir heute unser Eigen nennen. Aber eines bleibt: die Menschen.

  • Die Kinder, denen wir Zeit und Liebe geschenkt haben.
  • Freunde, die uns begleitet haben.
  • Menschen, denen wir Mut gemacht haben.
  • Menschen, deren Leben durch eine Begegnung mit uns ein wenig heller, leichter oder hoffnungsvoller geworden ist.

Aus christlicher Sicht ist genau das kein Zufall. Jesus hat sein Leben für Menschen eingesetzt – und lädt uns ein, dasselbe zu tun: nicht nur Dinge anzuhäufen, sondern in Menschen zu investieren.

Wenn am Ende unseres Lebens tatsächlich nur eine Plastiktüte übrigbliebe, wäre die entscheidende Frage deshalb nicht: Was konnte ich alles hineinpacken? Sondern:

  • Wen habe ich mitgenommen?
  • Wen habe ich geliebt?
  • In wessen Leben habe ich etwas Gutes hinterlassen?

Vielleicht ist das die wichtigste Investition unseres Lebens. Eine, die man nicht in einen Rucksack packen kann – und die trotzdem bleibt.

 

Abstract:
A man is carrying a backpack and a plastic bag in the wake of a devastating flood. Inside are all the possessions he managed to save. How big would ‘my plastic bag’ have to be to hold everything that matters to me?
A good life philosophy would be to be grateful for what we have, whilst remaining free at heart. For one day we will have to leave behind everything we now call our own. But one thing remains: the people we have invested in.
At the end of our lives, what matters is not: what possessions and wealth have we amassed – in other words, what have we packed into our ‘plastic bag’? But rather: who have I taken with me? Who have I loved? And in whose life have I left something good behind?

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Resumen
Un hombre lleva una mochila y una bolsa de plástico tras una inundación. Ahí está todo lo que ha podido salvar. ¿Qué tamaño tendría que tener «mi bolsa de plástico» para meter en ella todo lo que es importante para mí?
Una buena forma de ver la vida sería poseer con gratitud, pero mantenerse libre por dentro. Porque, tarde o temprano, tendremos que dejar atrás todo lo que hoy llamamos nuestro. Pero hay algo que permanece: las personas en las que hemos invertido.
Al final de nuestra vida, lo que cuenta no es: ¿qué bienes y riquezas hemos acumulado, es decir, qué hemos metido en la «bolsa de plástico»? Sino: ¿a quién me he llevado conmigo? ¿A quién he amado? ¿Y en la vida de quién he dejado un legado positivo?

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Teures Parken

HINGESCHAUT. (9)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Das hat man davon, wenn man nicht aufpasst! (Kurzfassung auf Instagram: #edp51)

Das hat man davon, wenn man nicht genau auf die Verkehrszeichen achtet! Als ich kürzlich den jüdischen Friedhof besuchte, parkte ich gegenüber und „entdeckte“, dass es bis zum Klinikum nur 100 Meter sind. „Super“, dachte ich mir, „wenn ich das nächste Mal hin muss, kann ich hier kostenlos parken und mir die Parkhausgebühren sparen!“

Das nächste Mal war jetzt am Montag. Ich blieb dort für eine Nacht, freute mich über den kurzen Weg zum Auto – und dann kam der Schock, als ich mir die zwei Verwarnungszettel unter dem Scheibenwischer ansah. Kleine Verwarnungen (z. B. über zehn Euro) habe ich manchmal gehabt. Aber was las ich da? Zweimal 55,00 Euro! Für den Montag 55,00 und für den Dienstag denselben Betrag!

Ich fiel aus allen Wolken, war mir keiner Schuld bewusst: Ich blockierte keine Einfahrt, daneben standen andere Autos, sogar ein Wohnmobil. Inzwischen weiß ich, was ich falsch gemacht habe: Ich bin nicht nur durch eine „Anlieger frei“-Straße gefahren, sondern habe auch dort fast zwei volle Tage geparkt. (Allerdings frage ich mich, wie Besucher des jüdischen Friedhofs dorthin fahren sollen und ob sie auch nicht während des Friedhofsbesuchs gegenüber parken dürfen. Ich werde beim Straßenverkehrsamt nachfragen.)

Der persönliche Ärger ist berechtigt: Für 110 Euro hätte ich viermal mit dem Taxi fahren oder elf Tage im Klinikum-Parkhaus parken können! Aber schuld bin nur ich, weil ich das Verkehrszeichen missachtet habe.

Dieses Schild habe ich missachtet.
Diese Schilder zu übersehen oder zu missachten kann sehr gefährlich sein!

Verkehrszeichen zu übersehen oder zu missachten kann sehr gefährlich werden, so zum Beispiel vor einem schrankenlosen Bahnübergang. Oder wenn man dem Navi im Auto mehr vertraut als dem Verkehrszeichen am Fähranleger. Oder wenn man in die falsche Autobahnspur einfährt und zum Blindfahrer wird.

Im übertragenen Sinne können uns „Warnschilder“ auch vor seelischen, geistigen und geistlichen Gefahren bewahren – wenn wir bereit sind, auf sie zu achten.

  • Da gibt es zum Beispiel das Warnschild „Achtung: falsche Richtung!“ Wenn wir merken, dass wir uns immer mehr von einem Menschen entfernen, den wir eigentlich lieben, wäre es vielleicht Zeit, innezuhalten und die eigene Richtung zu überprüfen.
  • Oder „Vorsicht: Schleudergefahr!“ Manchmal bringen uns Ärger, Enttäuschung oder verletzter Stolz so sehr ins Schleudern, dass wir Dinge sagen oder tun, die wir später bereuen.
  • „Abstand halten!“ kann ebenfalls ein guter Hinweis sein. Nicht nur im Straßenverkehr. Auch Beziehungen brauchen manchmal gesunden Abstand. Und manche Menschen tun gut daran, nicht jede Grenze anderer zu überschreiten.
  • „Sackgasse!“ – ein wichtiges Zeichen, wenn wir merken, dass ein eingeschlagener Weg uns nicht weiterbringt. Eine Gewohnheit, eine Einstellung, ein Umgang mit anderen oder eine Entscheidung kann sich als Sackgasse erweisen. Dann ist Umkehren keine Niederlage, sondern eine vernünftige Entscheidung.
  • Und schließlich gibt es das wohl wichtigste Verkehrszeichen überhaupt: „STOPP!“ Manchmal wäre es gut, wenn wir dieses Zeichen rechtzeitig erkennen würden: Stopp mit dem Streit. Stopp mit den Vorwürfen. Stopp mit dem Grübeln. Stopp mit einer Gewohnheit, die uns selbst oder anderen schadet.

Gott hat uns keine himmlischen Verwarnungszettel unter den Scheibenwischer geklemmt. Aber er hat uns in der Bibel erstaunlich viele Hinweise gegeben, die uns schützen können: vor falschen Entscheidungen, vor zerstörerischen Beziehungen, vor Selbstüberschätzung, Habgier, Unversöhnlichkeit oder einem Leben, das irgendwann in eine Sackgasse führt.

Viele dieser Hinweise sind keine Verbote um ihrer selbst willen. Sie sind eher wie Verkehrszeichen: Sie wollen uns nicht die Freude am Leben verderben, sondern uns einen sicheren Weg zum Ziel zeigen.

David dichtete in einem Lied: „Du sprichst zu mir: »Ich will dich lehren und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich berate dich, nie verliere ich dich aus den Augen.“ (Psalm 32,8)

Und das vielleicht Schönste daran: Wenn wir uns einmal völlig verfahren haben, gibt es nicht nur den Hinweis „Bitte wenden!“. Gott zeigt uns auch den Weg zurück.

Ich hätte mir die 110 Euro gern erspart. Aber vielleicht waren die beiden Zettel unter meinem Scheibenwischer doch eine ziemlich teure – und zugleich nützliche Erinnerung: Es lohnt sich, die Schilder ernst zu nehmen. Auf der Straße. Und im Leben.

 

Abstract:
Failing to notice or disregarding road signs can be very dangerous – for example, at an unguarded level crossing. Or if you trust your sat-nav in the car more than the road sign at the ferry terminal. Or if you merge into the wrong lane on the motorway and become a driver who puts lives at risk.
In a figurative sense, ‘warning signs’ can also protect us from emotional, mental and spiritual dangers – if we are prepared to pay attention to them.
In the Bible, God has given us an astonishing number of guidelines that can protect us: from wrong decisions, from destructive relationships, from overconfidence, greed, unforgiveness or a life that eventually leads to a dead end.

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Resumen
Pasar por alto o ignorar las señales de tráfico puede ser muy peligroso, por ejemplo, ante un paso a nivel sin barreras. O cuando confías más en el navegador del coche que en la señal de tráfico del embarcadero del ferry. O cuando te metes en el carril equivocado de la autopista y te conviertes en un conductor peligroso.
En sentido figurado, las «señales de advertencia» también pueden protegernos de peligros emocionales, mentales y espirituales, si estamos dispuestos a prestarles atención.
Dios nos ha dado en la Biblia una cantidad asombrosa de consejos que pueden protegernos: de decisiones equivocadas, de relaciones destructivas, de la sobrestima de uno mismo, de la codicia, de no querer perdonar o de una vida que, tarde o temprano, acaba en un callejón sin salida.

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Bringt die Widerspruchslösung die Wende?

Organspende-Logo. Sieger eines von DIATRA durchgeführten Wettbewerbs. (Foto: DIATRA, CCL 4.0 int.)
„Organspendeausweis“ bedeutet nicht, dass man Organspender ist. Es bedeutet nur: Ich habe rechtzeitig eine Entscheidung getroffen ...
... denn es gibt fünf Alternativen zum Ankreuzen.

Beim Thema Organspende richten sich viele Blicke nach Spanien: Mit einer Quote von regelmäßig über 50 Spendern pro Million Einwohner verzeichnet Spanien die höchste Spenderzahl weltweit und übertrifft den Durchschnitt der Europäischen Union um mehr als das Doppelte.

Greift die verbreitete Formel „Spanien hat die Widerspruchslösung, deshalb gibt es dort so viele Organspenden“ zu kurz? So ist es: Die Widerspruchslösung ist ein Baustein des spanischen Erfolgs, aber nicht der entscheidende alleinige Grund. Spanien hat seit 1989 ein umfassendes „Spanisches Modell“ aufgebaut, in dem Organisation, Krankenhausstrukturen, Transplantationskoordinatoren, Ausbildung, Qualitätskontrolle und Öffentlichkeitsarbeit zusammenspielen.

1. Der Unterschied zwischen Deutschland und Spanien ist tatsächlich enorm

2024 hatte Spanien 53,9 Organspender pro Million Einwohner; Deutschland kam 2025 auf 11,8 pro Million. Die Jahre sind nicht identisch, aber die Größenordnung zeigt den gewaltigen Unterschied.

Interessant ist aber der Blick auf andere Länder mit Widerspruchslösung. 2024 lagen beispielsweise:
• Portugal: 36,7
• Tschechien: 34,3
• Belgien: 32,8
• Kroatien: 31,0
• Finnland: 28,9
• Frankreich: etwa 28
• Spanien: 53,9

Die Widerspruchslösung führt also keineswegs automatisch zu spanischen Verhältnissen.

2. Was ist das Besondere am spanischen Modell?

Die spanische Nationale Transplantationsorganisation (Organización Nacional de Trasplantes, ONT) selbst betont ausdrücklich, dass das „Modelo Español“ nicht einfach aus der Widerspruchslösung besteht. Es umfasst unter anderem:

  • eine Koordination auf nationaler, regionaler und Krankenhausebene,
  • speziell ausgebildete Transplantationskoordinatoren in den Krankenhäusern,
  • häufig Intensivmediziner als Koordinatoren,
  • eine aktive Suche nach möglichen Organspendern,
  • systematische Qualitätskontrolle des gesamten Spendeprozesses,
  • kontinuierliche Ausbildung des medizinischen Personals,
  • eine zentrale Organisation, die die Abläufe zwischen Krankenhäusern und Transplantationszentren koordiniert.

Besonders interessant ist die Rolle der Krankenhauskoordinatoren. Sie warten nicht darauf, dass irgendwo ein Organspendeausweis auftaucht. Sie sind in den Krankenhäusern eingebunden und helfen dabei, mögliche Spender überhaupt zu erkennen und den gesamten Prozess professionell zu begleiten.

3. Und was ist mit der Familie?

Man könnte denken: Widerspruchslösung bedeutet, dass die Ärzte einfach Organe entnehmen dürfen, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten nicht widersprochen hat. So funktioniert Spanien in der Praxis nicht. Die spanische ONT erklärt ausdrücklich: Gibt es keine dokumentierte Willenserklärung, wird die Familie einbezogen. Die Organisation geht davon aus, dass Angehörige den Willen des Verstorbenen respektieren.

Das bedeutet: Auch bei der Widerspruchslösung bleibt das Gespräch mit den Angehörigen ein zentraler Bestandteil. Damit wird ein weiterer Punkt deutlich: Entscheidend ist nicht nur, was im Gesetz steht, sondern auch, wie Ärzte, Pflegekräfte und Koordinatoren mit den Angehörigen sprechen.

4. Haben andere Länder die gleiche Erfahrung gemacht?

Nein. Und genau das macht die Sache wissenschaftlich spannend. Untersuchungen über viele Länder zeigen zwar einen Zusammenhang: Länder mit Widerspruchssystemen haben im Durchschnitt höhere Raten an postmortalen Spendern. Eine internationale Untersuchung von 48 Ländern fand beispielsweise höhere Raten verstorbener Spender.

Aber andere Studien kommen zu einer wesentlich vorsichtigeren Einschätzung. Eine Analyse kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass der unmittelbare Effekt der gesetzlichen Voreinstellung nur einen relativ kleinen Teil der tatsächlichen Spendeentscheidungen betrifft – insbesondere, weil Angehörige und die konkrete Organisation des Spendeprozesses eine große Rolle spielen.

Das spanische Ergebnis lässt sich deshalb nicht einfach auf das Gesetz reduzieren.

5. Was könnte Deutschland von Spanien lernen?

Vier Punkte springen besonders ins Auge:

1. Organspende wird als Prozess organisiert.
Nicht erst am Ende des Lebens wird gefragt: „Hat der Patient einen Organspendeausweis?“ Das Krankenhaus hat Strukturen, um mögliche Spender frühzeitig zu erkennen.

2. Es gibt professionelle Ansprechpartner.
Die spanischen Transplantationskoordinatoren sind ein wesentlicher Bestandteil des Systems.

3. Die Angehörigen werden nicht als Hindernis betrachtet.
Das Gespräch mit der Familie gehört zum Prozess. Die spanische Erfahrung zeigt, wie wichtig Vertrauen, Kommunikation und professionelle Begleitung sind.

4. Das System wird ständig überprüft.
Spanien hat ein eigenes Qualitätsprogramm entwickelt, mit dem untersucht wird, wo im Prozess mögliche Spender „verloren gehen“.
Und noch etwas ist bemerkenswert: Spanien hat seine hohen Zahlen nicht erst durch die Diskussion um die Widerspruchslösung erreicht. Die entscheidende Entwicklung begann bereits mit dem Aufbau der ONT und des spanischen Modells ab 1989. Die ONT beschreibt einen Anstieg von etwa 14 Spendern pro Million Einwohner damals auf heute mehr als 50.

Fazit

Spanien zeigt nicht, dass die Widerspruchslösung funktioniert. Spanien zeigt vielmehr, was möglich ist, wenn eine Widerspruchslösung in ein funktionierendes System eingebettet wird.

Drei Meinungen dazu und zur Pro- und Contra-Diskussion:
  • Mehr Organspenden erreiche man nicht durch eine Widerspruchsregelung, sondern durch umfassende Aufklärung, niedrigschwellige Registrierungsmöglichkeiten und strukturelle Verbesserungen in den Kliniken, meint der CSU-Abgeordnete Stephan Pilsinger, Mitinitiator des eingebrachten Antrags gegen die Widerspruchsregelung.
  • Der SPD-Abgeordnete Stefan Schwarze meint, eine Widerspruchsregelung bedeute weder einen Zwang noch eine Pflicht zur Organspende. Ein „Nein“ werde jederzeit und ohne Begründung verbindlich respektiert.
  • Ich persönlich verstehe die Aufregung um die Debate Zustimmungslösung vs. Widerspruchslösung nicht: Wieso soll die Widerspruchslösung Zwang zur Organspende bedeuten? Wieso soll diese Lösung eine Verletzung der Selbstbestimmung sein? Wieso soll dadurch der Körper im Todesfall zum Objekt des Staates oder der Medizin werden, sodass die persönliche Integrität nicht gewahr bleibt? Wieso soll mit dieser angedachten Regelung aus der Organspende eine „Organabgabe“ unvereinbar mit der Menschenwürde werden? Und last but not least: Wieso soll die Widerspruchslösung eine Belastung für die Hinterbliebene bedeuten?
    (Fast) jeder Mensch kann sich rechtzeitig mit dem Thema befassen und dann per Patientenverfügung und Organspendeausweis seine Entscheidung treffen – unabhängig von der dann geltenden gesetzlichen Regelung. Bisher mussten diejenigen aktiv werden, die spenden wollen, mit der Widerspruchsregelung müssten jene aktiv werden, die sich gegen die Organspende aussprechen. Bei der Einschränkung „fast jeder Mensch kann …“ denke ich an Menschen mit Sprachbarrieren, geringem Bildungsstand oder kognitiven Einschränkungen – in diesen Fällen wäre natürlich eine angemessene, verständliche Aufklärung und Beratung nötig und sicher auch möglich.

Näheres zum Thema:

 

Abstract:
When it comes to organ donation, many eyes turn to Spain: with a rate regularly exceeding 50 donors per million inhabitants, Spain has the highest number of donors worldwide and is more than double the European Union average.
Does the common assumption that ‘Spain has the opt-out system, which is why there are so many organ donations there’ fall short? That is indeed the case: the opt-out system is a key component of Spain’s success, but it is not the sole decisive factor. Since 1989, Spain has developed a comprehensive ‘Spanish model’ in which organisation, hospital structures, transplant coordinators, training, quality control and public relations work together..

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Resumen
Cuando se habla de donación de órganos, muchos miran hacia España: con una tasa que suele superar los 50 donantes por cada millón de habitantes, España registra el mayor número de donantes del mundo y supera en más del doble la media de la Unión Europea.
¿Se queda corta la típica frase de que «España tiene el sistema de presunción de consentimiento, por eso hay tantas donaciones de órganos»? Así es: el sistema de presunción de donante es un pilar del éxito español, pero no es la única razón decisiva. Desde 1989, España ha ido construyendo un «modelo español» integral en el que se combinan la organización, las estructuras hospitalarias, los coordinadores de trasplantes, la formación, el control de calidad y la divulgación.

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Erntedank – noch zeitgemäß?

Für unsere Groß- und Urgroßeltern konnte eine schlechte Ernte über Wohlstand oder Not entscheiden.
Wir leben von der Ernte anderer – und merken es kaum noch. (Foto: analogicus, pixabay.com)

Erntedank. Für viele gehört das Wort irgendwie zum Herbst: geschmückte Kirchen, Körbe mit Äpfeln, Kartoffeln und Kürbissen, vielleicht ein Gottesdienst am Sonntag. Schön – aber auch ein bisschen aus der Zeit gefallen?

Schließlich leben die meisten von uns nicht mehr davon, was auf dem eigenen Feld wächst. Wir gehen in den Supermarkt und finden dort fast alles, was wir brauchen. Erdbeeren im Winter, Bananen aus Südamerika, Tomaten aus Spanien. Die Regale sind voll. Und wenn einmal etwas fehlt, ist das meistens nur eine kurze Irritation.

Unsere Groß- und Urgroßeltern erlebten das anders. Eine schlechte Ernte konnte über Wohlstand oder Not entscheiden. Frost zur falschen Zeit, zu viel Regen oder eine lange Trockenheit waren keine Nachrichten aus der Wetter-App, sondern konnten existenzielle Folgen haben. Man wusste noch sehr unmittelbar: Von der Ernte hängt vieles ab.

Erntedank war deshalb mehr als ein hübscher Brauch. Es war ein Ausdruck der Erleichterung und der Dankbarkeit: Die Ernte ist eingebracht. Wir haben genug zu essen. Wir können dem Winter entgegengehen.

Was ist davon geblieben?

Heute haben wir uns weitgehend von dieser unmittelbaren Abhängigkeit entfernt. Zumindest scheint es so. Denn eigentlich sind wir nach wie vor abhängig – nur sehen wir die Zusammenhänge kaum noch:

  • Hinter einem Brot stehen Getreide, Boden, Regen und Sonne, aber auch die Arbeit eines Landwirts, Maschinen, Transport und viele weitere Menschen.
  • Hinter einem Apfel stehen nicht nur ein Baum und ein Stück Erde, sondern auch Pflege, Wetter, Ernte und Vermarktung.
  • Unser voller Kühlschrank ist das Ergebnis eines riesigen Zusammenspiels.

Vielleicht ist genau das eine moderne Bedeutung des Erntedankfestes: Es erinnert uns daran, dass unser Leben nicht nur aus dem besteht, was wir selbst leisten.

Danken für das, was wir nicht gemacht haben

Das ist auch der ursprüngliche christliche Gedanke des Erntedanks:

  • Der Mensch arbeitet – aber er lässt die Sonne nicht scheinen.
  • Er sät – aber er kann das Wachstum nicht erzwingen.
  • Er kann vieles planen und organisieren, aber längst nicht alles liegt in seiner Hand.

Die Bibel erinnert deshalb immer wieder daran, dass wir Menschen letztlich Empfangende sind. Wir leben von Dingen, die wir uns nicht selbst gegeben haben.

Das kann man sehr religiös verstehen. Man muss es aber nicht. Denn auch wer mit Kirche und Glauben wenig anfangen kann, kennt vermutlich Augenblicke, in denen ihm bewusst wird: Da ist vieles in meinem Leben, das ich nicht selbst gemacht habe.

Menschen, die uns begleiten. Eine Familie. Freundschaften. Gesundheit. Ein Zuhause. Ein Arbeitsplatz. Eine Landschaft, in der wir gerne leben. Ein gutes Gespräch zur richtigen Zeit. Ein Mensch, der uns geholfen hat, ohne etwas dafür zu verlangen. Nichts davon wächst auf einem Feld. Und trotzdem sind es Ernten unseres Lebens.

Vielleicht ist Erntedank heute wichtiger denn je

Früher erinnerte Erntedank daran, dass eine gute Ernte nicht selbstverständlich war. Heute könnte es uns daran erinnern, dass unser ganzes Leben nicht selbstverständlich ist.

Wir haben uns daran gewöhnt, vieles als gegeben hinzunehmen. Wir erwarten, dass Wasser aus dem Hahn kommt, Strom aus der Steckdose und Lebensmittel im Supermarkt liegen. Wir planen unseren Alltag Monate im Voraus und ärgern uns, wenn etwas nicht funktioniert.

Dankbarkeit unterbricht diese Selbstverständlichkeit. Sie zwingt uns nicht, alles schönzureden. Es gibt auch in unserem Leben Missernten: Krankheiten, Enttäuschungen, Verluste und Dinge, die anders gekommen sind, als wir gehofft hatten. Aber vielleicht bedeutet Dankbarkeit gerade nicht, dass alles gut ist. Vielleicht bedeutet sie, das Gute nicht zu übersehen, obwohl nicht alles gut ist.

Was bleibt vom Erntedank? Vielleicht braucht Erntedank deshalb gar nicht unbedingt einen großen Erntealtar. Vielleicht reicht manchmal ein Augenblick, in dem wir innehalten und uns fragen:

  • Was ist mir in diesem Jahr geschenkt worden?
  • Was habe ich bekommen, ohne es verdient oder geplant zu haben?
  • Wofür könnte ich einmal ganz bewusst „Danke“ sagen?

Das christliche Erntedankfest gibt darauf eine klare Antwort: Hinter allem Guten steht letztlich Gott als der Geber des Lebens. Wer das glaubt, kann seinen Dank an Gott richten. Wer sich mit dieser Antwort schwertut, kann trotzdem mit der Frage beginnen. Denn vielleicht ist das Wichtigste am Erntedankfest gar nicht die Ernte. Vielleicht ist es das Danken.

 

Abstract:
In the past, the harvest festival (Thanksgiving) served as a reminder that a good harvest was not something to be taken for granted. Today, it could serve as a reminder that our whole life is not something to be taken for granted.
People work – but they cannot make the sun shine.
They sow – but they cannot force growth.
They can plan and organise many things, but by no means everything is in their hands.
The Bible therefore reminds us time and again that we humans are, ultimately, recipients. We live on things that we have not given to ourselves.

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Resumen
Antes, la fiesta de la cosecha nos recordaba que una buena cosecha no era algo que se diera por sentado. Hoy en día, podría recordarnos que toda nuestra vida tampoco es algo que se dé por sentado.
El ser humano trabaja, pero no hace que luzca el sol.
Siembra, pero no puede forzar el crecimiento.
Puede planificar y organizar muchas cosas, pero no todo está en sus manos, ni mucho menos.
Por eso, la Biblia nos recuerda una y otra vez que, en última instancia, los seres humanos somos receptores. Vivimos de cosas que no nos hemos dado a nosotros mismos.

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Das Puzzle meines Lebens

HINGESCHAUT. (8)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Da liegt einiges vor. Eine kurzweilige Herbstbeschäftigung. (Bild: FotoRieth, pixabay.com)
Je näher am Ziel, desto größer die Aufregung: Wird ein Teil fehlen? (Kurzfassung auf Instagram: #edp51)

Ob alle Puzzleteile da sind? Oder hat der Staubsauger welche geschluckt? Unsere Kinder haben begeistert gepuzzelt. Bei 3.000er- und 5.000er-Puzzles konnte das schon einmal wochenlang dauern. Je näher sie sich dem Abschluss näherten, desto aufregender wurde es: Ob auch das letzte Stück vorhanden sein wird?

Wir, meine Frau und ich, staunten darüber, in welcher Geschwindigkeit sie die Teile einsetzten, nachdem der Rahmen erst einmal gelegt war. Eine große, eigentlich unentbehrliche Hilfe war dabei die Schachtel, auf der das fertige Puzzle abgebildet war. Immer wieder wurde darauf geschaut: Wie sieht das Bild eigentlich aus? Wo könnte dieses Teil hingehören?

Und am Schluss war die Schachtel manchmal sogar die letzte Rettung, wenn tatsächlich ein Teil fehlte: Die ungefähre Stelle wurde ausgeschnitten und so passend wie möglich in die Lücke geklebt. Aus der Entfernung fiel die kleine Kaschierung kaum auf.

Gleicht unser Leben nicht auch einem riesigen Puzzle?

Tag für Tag kommen neue Teile dazu. Manche werden nach einem gewissen System eingefügt, andere eher willkürlich platziert. Manchmal lässt sich ein Muster erkennen, manchmal sehen wir nur ein verwirrendes Durcheinander. Manche Puzzleteile setzen wir bewusst. Andere werden uns einfach vorgegeben oder sogar aufgedrängt. Und manchmal halten wir ein Teil in der Hand und wissen überhaupt nicht, wohin es gehört.

Wie hilfreich wäre es, wenn es einen Rahmen und ein Bild zur Orientierung gäbe – so wie auf der Puzzleschachtel! Gibt es so etwas tatsächlich?

Wer davon ausgeht, dass unser Leben nicht einfach ein Zufallsprodukt ist, sondern dass hinter diesem Leben ein Schöpfer steht, darf auch nach einer Orientierung fragen. Nach einem Bild, das uns hilft, die einzelnen Teile einzuordnen.

Christen glauben, dass Gott uns eine solche Orientierung gegeben hat: in seinem Wort, der Bibel. Sie ist keine Gebrauchsanweisung, in der für jede einzelne Lebenssituation die passende Antwort auf Seite 247 steht. Aber sie enthält so etwas wie einen Rahmen, der unserem Leben Halt und Richtung geben kann.

Jesus fasste diesen Rahmen einmal erstaunlich einfach zusammen: Liebe Gott – und liebe deinen Mitmenschen (vgl. Matthäus 22,37–40).

Das ist kein fertiges Lebenspuzzle. Aber es kann helfen, die vielen einzelnen Teile einzuordnen: unsere Entscheidungen, unsere Beziehungen, unseren Umgang mit anderen, unseren Umgang mit uns selbst.

Und dann kommt irgendwann der Moment, an dem das Puzzle fertig sein sollte. Vielleicht stellen wir dann fest: Manche Teile fehlen. Nicht weil der Staubsauger sie verschluckt hat. Sondern weil wir selbst sie verloren haben.

  • Verpasste Gelegenheiten.
  • Ungesagte Worte.
  • Nicht ausgesprochene Bitten um Verzeihung.
  • Gebrochene Versprechen.
  • Entscheidungen, die wir heute anders treffen würden.

Solche Lücken lassen sich nicht einfach mit einem ausgeschnittenen Stück von einer Puzzleschachtel kaschieren. Unser Leben ist eben kein Puzzle, bei dem man am Ende fehlende Teile einfach nachbestellen kann. Und genau hier wird für mich der Gedanke an Gott wichtig.

  • Ich muss am Ende meines Lebens kein perfektes Kunstwerk abliefern.
  • Ich darf darauf vertrauen, dass ein Größerer als ich mein Zukurzkommen ausgleicht.
  • Dass er mein Versagen vergeben und meinen Mangel ausfüllen kann.
  • Dass er nicht nur das sieht, was in meinem Leben fehlt, sondern auch meine Motive, meine Sehnsucht und mein Bemühen.

Der Gedanke macht mir Mut: Gott erwartet kein perfektes Puzzle. Er kann auch mit den Lücken etwas anfangen.

 

Abstract:
Doing puzzles is exciting, especially towards the end: are all the pieces really there? Our lives are like a jigsaw puzzle. Some pieces are missing: missed opportunities. Words left unsaid. Unspoken pleas for forgiveness. Broken promises. As I reach the end of my life, I can trust that Someone greater than myself will make up for what I have fallen short of, and forgive my failures. He sees not only what is missing from my life, but also my motives, my longings and my efforts. God does not expect a perfect jigsaw puzzle. He can still make sense of it, even with the gaps.

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Resumen
Hacer un puzle es emocionante, sobre todo al final: ¿están realmente todas las piezas? Nuestra vida se parece a un puzle. Faltan algunas piezas: oportunidades perdidas. Palabras que no se han dicho. No haber pedido perdón. Promesas incumplidas. Al final de mi vida, puedo confiar en que alguien más grande que yo compensará mis carencias y perdonará mis fracasos. Alguien que no solo ve lo que falta en mi vida, sino también mis motivos, mis anhelos y mi esfuerzo. Dios no espera un puzle perfecto. Él también sabe qué hacer con las piezas que faltan.

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