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Weit weg kann plötzlich ganz nah werden!

HINGESCHAUT. (5)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Ist das wahr oder fake? Kaum zu fassen, was zu sehen ist! (Foto: Wolfgang Staehle, publ. domain; American Airlines Flight 11 Anflug in den Nordturm des WTC, von automatischer Kamera in Brooklyn aufgenommen)
Plötzlich ist man kein kühler Beobachter mehr! (Kurzfassung auf Instagram: #edp51)

11. September 2001.
Meine Frau und ich bekommen noch heute Gänsehaut, wenn wir an diesen Abend vor 25 Jahren zurückdenken.

Schon am Nachmittag hatten wir eine Sitzung des Aufsichtsrats im Verlag in Lüneburg vorzeitig beendet. Einer der Teilnehmer hatte uns die Bilder gezeigt: Passagierflugzeuge, die in die Türme des World Trade Centers flogen. Am Abend saßen meine Frau und ich vor dem Fernseher und konnten noch immer nicht fassen, was wir sahen.

New York ist rund 6.000 Kilometer Luftlinie von Lüneburg entfernt. Ziemlich weit weg, oder?

Plötzlich klingelte das Telefon. Unser jüngerer Sohn rief vom Flughafen Frankfurt an – völlig aufgeregt. Da waren wir irritiert: Er ist doch auf dem Weg nach Mexiko! Oder besser gesagt: Er war auf dem Weg nach Mexiko. Seine Maschine musste vor dem sogenannten „Point of no Return“ kehrtmachen und nach Frankfurt zurückfliegen. Unser Sohn wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, was eigentlich geschehen war.

Seine Aufregung hatte allerdings einen anderen Grund: Seine junge Ehefrau war ebenfalls unterwegs nach Mexiko, denn beide wollten dort ihre Familie besuchen. Nur saß sie aus buchungstechnischen Gründen in einer anderen Maschine. Und von ihr wussten wir nichts.

Wir baten unseren Sohn, nach Hamburg weiterzufliegen und zu uns zu kommen. Und dann begann die verzweifelte Suche nach unserer Schwiegertochter.

Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia in Kanada. Sie liegt an der Ostküste der Nova-Scotia-Halbinsel am Nordatlantik.

Wegen der unterschiedlichen Flugnummern ließ sich stundenlang nicht herausfinden, was mit ihrer Maschine geschehen war. Erst am folgenden Abend kam der erlösende Anruf: Das Flugzeug hatte den „Point of no Return“ bereits überschritten, war weiter nach Westen geflogen und schließlich mit 46 weiteren Maschinen im kanadischen Halifax gelandet.

Die Passagiere waren dort praktisch abgeschnitten. Sie hatten keine Informationen darüber, was geschehen war – geschweige denn, wann und wie es weitergehen würde. Schließlich war der Kapitän des Wartens müde. Er beschloss, einen großen Bogen um den amerikanischen Luftraum zu fliegen und direkt nach Mexiko-Stadt weiterzufliegen.

Wir ermutigten unseren Sohn, nach einer beruhigenden Zwischenphase ebenfalls nach Mexiko zu fliegen. Dort konnte er seine Frau und ihre Familie endlich wiedersehen – und hoffentlich nach all der Aufregung eine schöne gemeinsame Zeit verbringen.

Dieses traumatische Erlebnis hat mir etwas sehr deutlich gemacht: Was sehr weit entfernt geschieht, kann plötzlich ganz nah sein, wenn Menschen, die wir lieben, mittendrin sind und unmittelbar davon betroffen werden.

Zu viel Leid und Gewalt. Frei Haus. Abschalten? (Foto: Tumisu, pixabay.com)
Wenn die Welt ins Wohnzimmer kommt

Heute bekommen wir praktisch alles, was irgendwo auf der Welt geschieht, frei Haus geliefert – oft sogar während wir am Esstisch sitzen. Kriege, Naturkatastrophen, Terroranschläge, Hungersnöte und persönliche Schicksale. Ein Klick genügt, und wir sind dabei.
Die Entfernung kann dabei täuschen. Kiew liegt beispielsweise nur rund 1.500 Kilometer von Hamburg entfernt. Aber selbst wenn ein Ereignis 10.000 Kilometer entfernt stattfindet: Für die Menschen, die es erleben, gibt es kein „weit weg“.

Zugleich kann die ständige Flut schlechter Nachrichten überfordern. Wer jeden Tag mit neuen Bildern von Leid und Gewalt konfrontiert wird, stumpft leicht ab. Manchmal ist die Versuchung groß, einfach abzuschalten: Nachrichten aus, Handy weg – und weiterleben. Das kann durchaus sinnvoll sein. Niemand muss sich permanent mit allem beschäftigen, was in der Welt geschieht.

Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: nicht wegzusehen, ohne sich vom Leid überwältigen zu lassen.

Ich versuche deshalb, Nachrichten, die mich beschäftigen, in meine Gebete aufzunehmen.

  • Die Menschen, die leiden.
  • Die Angehörigen, die um jemanden bangen oder trauern.
  • Die Rettungskräfte, die helfen.
  • Und auch die Politiker und andere Entscheidungsträger, die Einfluss darauf haben, ob Konflikte eskalieren oder beendet werden.

Dabei geht es nicht darum, Gott über die neuesten Ereignisse zu informieren. Er weiß längst, was geschehen ist – und kennt auch die Dinge, die wir nicht sehen: die Hintergründe, die Motive, die Ängste und die persönlichen Schicksale hinter einer Nachricht.

Das Leid an einen Größeren abgeben. Wohl die bessere Alternative.
Ein noch Größerer hat das letzte Wort

Für mich verändert das Gebet dennoch etwas. Es hilft mir, das Leid nicht einfach nur zu konsumieren. Ich kann es abgeben – und zugleich daran festhalten, dass diese Welt nicht das letzte Wort hat.

Ich glaube daran, dass Gott für Gerechtigkeit sorgen wird und dass er einen dauerhaften Frieden schaffen möchte, der diesen Namen wirklich verdient. Zugegeben: Es dauert lange. Sehr lange. Für uns jedenfalls. Und für Menschen, die unmittelbar von Krieg, Gewalt oder Verlust betroffen sind, muss die Zeit bis dahin oft unendlich lang erscheinen.

Warum greift Gott nicht früher ein? Warum lässt er manches zu? Auf viele dieser Fragen habe ich keine befriedigende Antwort. Vielleicht hilft mir gerade deshalb ein Satz aus dem Buch Jesaja. Gott erinnert uns daran, dass unsere Perspektive begrenzt ist:

„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“, sagt der HERR, „und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so viel höher stehen meine Wege über euren Wegen und meine Gedanken über euren Gedanken.“ (Jesaja 55,8.9 NLB)

Das bedeutet für mich nicht, dass ich alles verstehen muss. Aber ich darf darauf vertrauen, dass Gott mehr sieht als ich.

Und dann ist da noch diese Zusage, die Jeremia übermittelt bekam – Worte, die auch heute Hoffnung geben können:

„Ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der HERR, habe Frieden für euch im Sinn und will euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Mein Wort gilt!“ (Jeremia 29,11 Hfa)

Vielleicht ist das eine gute Antwort auf die vielen Nachrichten, die täglich auf uns einstürzen: nicht gleichgültig werden, nicht verzweifeln – sondern hinschauen, mitfühlen, beten und darauf vertrauen, dass Gott das letzte Wort haben wird.

 

Abstract:
How we, as a family, experienced 11 September 25 years ago, when our son and his young wife were on their way to Mexico – on separate flights. His flight had to turn back to Frankfurt, whilst hers continued on …
What happens far away can suddenly feel very close when people we love are right in the thick of it and are directly affected.
What is the best way to deal with the flood of negative news that the media delivers to our doorsteps?

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Resumen
Cómo vivimos como familia el 11 de septiembre de hace 25 años, cuando nuestro hijo y su joven esposa iban de camino a México, cada uno en un avión diferente. Su avión tuvo que dar media vuelta hacia Fráncfort, el de ella siguió su ruta…
Lo que ocurre muy lejos puede estar de repente muy cerca cuando las personas a las que queremos se ven envueltas en ello y se ven directamente afectadas.
¿Cuál es la mejor manera de hacer frente a la avalancha de noticias negativas que nos traen los medios de comunicación directamente a casa?

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