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Wie perfekt muss es sein?

HINGESCHAUT. (12)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Gut oder nicht gut getroffen - das ist hier nicht die Frage! Warum nicht? (Kurzfassung auf Instagram: #edp51)

Dieses Bild hängt seit zweieinhalb Jahren an der Tür meines Arbeitszimmers.

Das soll ich sein. Wirklich? Ich finde mich nicht besonders gut getroffen. Die Nase, die Ohren, die Frisur – na ja, sagen wir mal: künstlerische Freiheit! So ganz entspricht das Porträt jedenfalls nicht meinem Selbstbild.

Trotzdem hängt es noch immer dort. Ich habe es nicht in einer Schublade verschwinden lassen und schon gar nicht im Papierkorb entsorgt. Ab und zu schaue ich es mir sogar etwas genauer an.
Warum?

Weil derjenige, der es für mich gezeichnet hat, mein Enkelsohn ist. Er hat mir das Bild zu meinem Geburtstag geschenkt. Es ist also nicht irgendeine Zeichnung, die man nach ästhetischen Maßstäben beurteilen könnte. Es ist ein Geschenk. Ein Geschenk von meinem Enkel, mit Liebe gemacht.

Plötzlich bekommt das Bild einen ganz anderen Wert.
Denn der Wert eines Geschenkes hängt nicht allein davon ab, wie gut es gemacht ist. Entscheidend ist auch, wer es schenkt – und warum.

Natürlich freue ich mich über ein Geschenk, das schön aussieht, meinen Geschmack trifft oder mir im Alltag nützlich ist. Aber was wäre, wenn wir jedes Geschenk danach beurteilen würden, wie perfekt es gelungen ist? Dann würden wir manches zurückweisen, was eigentlich von Herzen kommt.

  • Ein selbst gebasteltes Geschenk eines Kindes ist vielleicht schief, bunt und voller Klebereste.
  • Eine Karte enthält Rechtschreibfehler.
  • Ein Kuchen ist nicht ganz durchgebacken.
  • Ein Lied klingt nicht wie bei einem professionellen Sänger.

Aber vielleicht steckt gerade in diesen Dingen etwas, das man nicht kaufen kann: Zeit, Mühe, Zuneigung und der Wunsch, einem anderen Menschen eine Freude zu machen.

Wer nur auf das Ergebnis schaut, übersieht leicht das Wesentliche. Wer dagegen auch die Liebe hinter einer Gabe erkennt, entdeckt einen Wert, der sich nicht in Geld ausdrücken lässt.

Das gilt übrigens nicht nur für Geschenke. Wie oft machen wir unseren eigenen Wert oder den anderer Menschen von Leistungen abhängig? Wir vergleichen, messen und beurteilen. Wir fragen, ob etwas gut genug, erfolgreich genug oder perfekt genug ist. Dabei vergessen wir manchmal, dass Menschen keine Maschinen sind und Beziehungen keine Leistungsprüfungen.

Auch im Glauben lohnt sich dieser Blickwechsel.
Ich glaube, dass Gott nicht nur auf das schaut, was wir tun, sondern auch darauf, aus welcher Haltung heraus wir es tun. Nicht die perfekte Rede, die beeindruckendste Tat oder das größte Opfer muss für ihn das Wertvollste sein. Manchmal ist es das kleine, unscheinbare Zeichen der Liebe: ein geduldiges Zuhören, eine helfende Hand, ein ehrliches Wort oder ein Besuch bei jemandem, der sich einsam fühlt.

Wir werden dabei nicht immer alles richtig machen. Unsere Worte können unbeholfen sein, unsere Hilfe kann unvollkommen bleiben und unsere guten Absichten können manchmal am Ziel vorbeigehen. Das ist kein Freibrief, sich nicht anzustrengen. Aber es ist eine Einladung, nicht Perfektion zum Maß aller Dinge zu machen.
Vielleicht sollten wir deshalb öfter hinter das Ergebnis schauen – bei anderen und bei uns selbst. Und uns fragen: Was wollte dieser Mensch mir damit sagen? Welche Zuneigung steckt dahinter? Was hat ihn bewegt?

Mein Enkel hat mir ein Bild von seinem Opa geschenkt. Ob es ein gelungenes Porträt ist, darüber lässt sich streiten. Dass es für mich wertvoll ist, steht außer Frage. Ich lasse es hängen. Nicht, weil ich mich darauf so gut getroffen finde, sondern weil ich mich darin an etwas viel Wichtigeres erinnert sehe: an die Liebe, die mir mit diesem Geschenk gezeigt wurde. Und das ist doch eigentlich das Schönste, was ein Geschenk leisten kann.

 

Abstract:
This picture is supposed to be a portrait of me. Well, I don’t really think it captures me quite right. Nevertheless, it’s been hanging on my office door for two and a half years. Why? Because my grandson gave it to me as a birthday present. So it’s not just any old drawing that you could judge by aesthetic standards. It’s a present. A present from my grandson, made with love. If you look only at the result, it’s easy to overlook what really matters. But if you also recognise the love behind a gift, you discover a value that cannot be expressed in monetary terms.

I believe that God looks not only at what we do, but also at the attitude with which we do it. It is not necessarily the perfect speech, the most impressive deed or the greatest sacrifice that is most valuable to him. Sometimes it is the small, unassuming sign of love: listening patiently, lending a helping hand, offering a sincere word or visiting someone who feels lonely.

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Resumen
Se supone que este dibujo me representa. Bueno, la verdad es que no me veo del todo reflejado en él. Aun así, lleva dos años y medio colgado en la puerta de mi despacho. ¿Por qué? Porque me lo regaló mi nieto por mi cumpleaños. Así que no es un dibujo cualquiera que se pueda juzgar según criterios estéticos. Es un regalo. Un regalo de mi nieto, hecho con amor. Si solo te fijas en el resultado, es fácil pasar por alto lo esencial. En cambio, si reconoces el amor que hay detrás de un regalo, descubres un valor que no se puede expresar en dinero.

Creo que Dios no solo mira lo que hacemos, sino también la actitud con la que lo hacemos. Para él, lo más valioso no tiene por qué ser el discurso perfecto, el acto más impresionante o el sacrificio más grande. A veces es ese pequeño y discreto gesto de amor: escuchar con paciencia, echar una mano, decir algo sincero o visitar a alguien que se siente solo.

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