Kategoriearchiv: Erlebtes

Weit weg kann plötzlich ganz nah werden!

HINGESCHAUT. (5)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Ist das wahr oder fake? Kaum zu fassen, was zu sehen ist! (Foto: Wolfgang Staehle, publ. domain; American Airlines Flight 11 Anflug in den Nordturm des WTC, von automatischer Kamera in Brooklyn aufgenommen)
Plötzlich ist man kein kühler Beobachter mehr! (Kurzfassung auf Instagram: #edp51)

11. September 2001.
Meine Frau und ich bekommen noch heute Gänsehaut, wenn wir an diesen Abend vor 25 Jahren zurückdenken.

Schon am Nachmittag hatten wir eine Sitzung des Aufsichtsrats im Verlag in Lüneburg vorzeitig beendet. Einer der Teilnehmer hatte uns die Bilder gezeigt: Passagierflugzeuge, die in die Türme des World Trade Centers flogen. Am Abend saßen meine Frau und ich vor dem Fernseher und konnten noch immer nicht fassen, was wir sahen.

New York ist rund 6.000 Kilometer Luftlinie von Lüneburg entfernt. Ziemlich weit weg, oder?

Plötzlich klingelte das Telefon. Unser jüngerer Sohn rief vom Flughafen Frankfurt an – völlig aufgeregt. Da waren wir irritiert: Er ist doch auf dem Weg nach Mexiko! Oder besser gesagt: Er war auf dem Weg nach Mexiko. Seine Maschine musste vor dem sogenannten „Point of no Return“ kehrtmachen und nach Frankfurt zurückfliegen. Unser Sohn wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, was eigentlich geschehen war.

Seine Aufregung hatte allerdings einen anderen Grund: Seine junge Ehefrau war ebenfalls unterwegs nach Mexiko, denn beide wollten dort ihre Familie besuchen. Nur saß sie aus buchungstechnischen Gründen in einer anderen Maschine. Und von ihr wussten wir nichts.

Wir baten unseren Sohn, nach Hamburg weiterzufliegen und zu uns zu kommen. Und dann begann die verzweifelte Suche nach unserer Schwiegertochter.

Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia in Kanada. Sie liegt an der Ostküste der Nova-Scotia-Halbinsel am Nordatlantik.

Wegen der unterschiedlichen Flugnummern ließ sich stundenlang nicht herausfinden, was mit ihrer Maschine geschehen war. Erst am folgenden Abend kam der erlösende Anruf: Das Flugzeug hatte den „Point of no Return“ bereits überschritten, war weiter nach Westen geflogen und schließlich mit 46 weiteren Maschinen im kanadischen Halifax gelandet.

Die Passagiere waren dort praktisch abgeschnitten. Sie hatten keine Informationen darüber, was geschehen war – geschweige denn, wann und wie es weitergehen würde. Schließlich war der Kapitän des Wartens müde. Er beschloss, einen großen Bogen um den amerikanischen Luftraum zu fliegen und direkt nach Mexiko-Stadt weiterzufliegen.

Wir ermutigten unseren Sohn, nach einer beruhigenden Zwischenphase ebenfalls nach Mexiko zu fliegen. Dort konnte er seine Frau und ihre Familie endlich wiedersehen – und hoffentlich nach all der Aufregung eine schöne gemeinsame Zeit verbringen.

Dieses traumatische Erlebnis hat mir etwas sehr deutlich gemacht: Was sehr weit entfernt geschieht, kann plötzlich ganz nah sein, wenn Menschen, die wir lieben, mittendrin sind und unmittelbar davon betroffen werden.

Zu viel Leid und Gewalt. Frei Haus. Abschalten? (Foto: Tumisu, pixabay.com)
Wenn die Welt ins Wohnzimmer kommt

Heute bekommen wir praktisch alles, was irgendwo auf der Welt geschieht, frei Haus geliefert – oft sogar während wir am Esstisch sitzen. Kriege, Naturkatastrophen, Terroranschläge, Hungersnöte und persönliche Schicksale. Ein Klick genügt, und wir sind dabei.
Die Entfernung kann dabei täuschen. Kiew liegt beispielsweise nur rund 1.500 Kilometer von Hamburg entfernt. Aber selbst wenn ein Ereignis 10.000 Kilometer entfernt stattfindet: Für die Menschen, die es erleben, gibt es kein „weit weg“.

Zugleich kann die ständige Flut schlechter Nachrichten überfordern. Wer jeden Tag mit neuen Bildern von Leid und Gewalt konfrontiert wird, stumpft leicht ab. Manchmal ist die Versuchung groß, einfach abzuschalten: Nachrichten aus, Handy weg – und weiterleben. Das kann durchaus sinnvoll sein. Niemand muss sich permanent mit allem beschäftigen, was in der Welt geschieht.

Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: nicht wegzusehen, ohne sich vom Leid überwältigen zu lassen.

Ich versuche deshalb, Nachrichten, die mich beschäftigen, in meine Gebete aufzunehmen.

  • Die Menschen, die leiden.
  • Die Angehörigen, die um jemanden bangen oder trauern.
  • Die Rettungskräfte, die helfen.
  • Und auch die Politiker und andere Entscheidungsträger, die Einfluss darauf haben, ob Konflikte eskalieren oder beendet werden.

Dabei geht es nicht darum, Gott über die neuesten Ereignisse zu informieren. Er weiß längst, was geschehen ist – und kennt auch die Dinge, die wir nicht sehen: die Hintergründe, die Motive, die Ängste und die persönlichen Schicksale hinter einer Nachricht.

Das Leid an einen Größeren abgeben. Wohl die bessere Alternative.
Ein noch Größerer hat das letzte Wort

Für mich verändert das Gebet dennoch etwas. Es hilft mir, das Leid nicht einfach nur zu konsumieren. Ich kann es abgeben – und zugleich daran festhalten, dass diese Welt nicht das letzte Wort hat.

Ich glaube daran, dass Gott für Gerechtigkeit sorgen wird und dass er einen dauerhaften Frieden schaffen möchte, der diesen Namen wirklich verdient. Zugegeben: Es dauert lange. Sehr lange. Für uns jedenfalls. Und für Menschen, die unmittelbar von Krieg, Gewalt oder Verlust betroffen sind, muss die Zeit bis dahin oft unendlich lang erscheinen.

Warum greift Gott nicht früher ein? Warum lässt er manches zu? Auf viele dieser Fragen habe ich keine befriedigende Antwort. Vielleicht hilft mir gerade deshalb ein Satz aus dem Buch Jesaja. Gott erinnert uns daran, dass unsere Perspektive begrenzt ist:

„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“, sagt der HERR, „und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so viel höher stehen meine Wege über euren Wegen und meine Gedanken über euren Gedanken.“ (Jesaja 55,8.9 NLB)

Das bedeutet für mich nicht, dass ich alles verstehen muss. Aber ich darf darauf vertrauen, dass Gott mehr sieht als ich.

Und dann ist da noch diese Zusage, die Jeremia übermittelt bekam – Worte, die auch heute Hoffnung geben können:

„Ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der HERR, habe Frieden für euch im Sinn und will euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Mein Wort gilt!“ (Jeremia 29,11 Hfa)

Vielleicht ist das eine gute Antwort auf die vielen Nachrichten, die täglich auf uns einstürzen: nicht gleichgültig werden, nicht verzweifeln – sondern hinschauen, mitfühlen, beten und darauf vertrauen, dass Gott das letzte Wort haben wird.

 

Abstract:
How we, as a family, experienced 11 September 25 years ago, when our son and his young wife were on their way to Mexico – on separate flights. His flight had to turn back to Frankfurt, whilst hers continued on …
What happens far away can suddenly feel very close when people we love are right in the thick of it and are directly affected.
What is the best way to deal with the flood of negative news that the media delivers to our doorsteps?

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Resumen
Cómo vivimos como familia el 11 de septiembre de hace 25 años, cuando nuestro hijo y su joven esposa iban de camino a México, cada uno en un avión diferente. Su avión tuvo que dar media vuelta hacia Fráncfort, el de ella siguió su ruta…
Lo que ocurre muy lejos puede estar de repente muy cerca cuando las personas a las que queremos se ven envueltas en ello y se ven directamente afectadas.
¿Cuál es la mejor manera de hacer frente a la avalancha de noticias negativas que nos traen los medios de comunicación directamente a casa?

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Wie viel Furie steckt in uns?

HINGESCHAUT. (2)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Selva entgeht aber auch nichts. Wie gut sich beide verstehen! (Foto: Daniel Diez)

Sie ist ganz lieb und friedlich. Meistens jedenfalls. Unser älterer Sohn hat Selva vor acht Jahren aus dem Tierheim geholt. Sie kommt aus Spanien und ist ein Herdenschutzhund. Eigentlich könnte man sagen: Sie ist die Ruhe in Person … bis sie einen Hasen, eine Maus oder einen anderen Hund hört, sieht oder riecht! Dann wird aus der friedlichen Selva häufig plötzlich eine Furie. An der Leine ist sie kaum zu halten.

Wenn unser Sohn mit ihr spazieren geht, hält er deshalb Ausschau nach entgegenkommenden Hunden. Er versucht, Selva abzulenken oder sie ein Stück vom Weg wegzuführen. Meistens gelingt das. Als ich kürzlich im Wald einen solchen Selva-Ausbruch miterlebte, kamen mir zwei Fragen:

Kurzfassung auf Instagram abrufbar: @edp51
  • Kann Selva eigentlich etwas dafür, dass sie plötzlich so ausrastet? Wahrscheinlich nicht. Es gehört zu ihrem Instinkt, zu ihrer Natur. (Wir wissen auch nicht, welche Früherfahrungen sie gemacht hat, bevor sie ins Tierheim kam.)
  • Kann man ihr dieses Verhalten vollständig abtrainieren? Vermutlich auch nicht. Ein Herdenschutzhund bleibt schließlich ein Herdenschutzhund.

Aber wie ist das bei uns Menschen?

Sind wir von Natur aus friedlich, vernünftig und beherrscht? Sicher nicht immer. Jeder kennt Menschen, die plötzlich aus der Haut fahren. Und manchmal erleben wir es sogar bei uns selbst: Wir sagen oder tun etwas, von dem wir kurz danach denken: Das war eigentlich gar nicht ich!

Oder vielleicht doch? Sind wir von Natur aus friedlich, vernünftig und beherrscht? Sicher nicht immer. Jeder kennt Menschen, die plötzlich aus der Haut fahren. Und manchmal erleben wir es sogar bei uns selbst: Wir sagen oder tun etwas, von dem wir kurz danach denken: Das war eigentlich gar nicht ich!

Oder vielleicht doch?

Steckt in jedem von uns eine Art „Furie“, die unter bestimmten Umständen zum Vorschein kommen kann? Eine Seite, die wir normalerweise im Griff haben, die aber in einer schwierigen Situation plötzlich die Kontrolle übernimmt?

Die Bibel beschreibt genau dieses Phänomen. Sie spricht davon, dass der Mensch durch die Trennung von seinem Schöpfer – die sie „Sünde“ nennt – etwas in sich trägt, das ihn immer wieder von dem Guten wegzieht, das er eigentlich tun möchte.

Es ist wie ein innerer Widerstreit: Auf der einen Seite der Wunsch, gut zu handeln, liebevoll zu sein, gerecht und friedlich zu leben. Auf der anderen Seite Kräfte und Gewohnheiten, die uns immer wieder genau daran hindern.

Der Apostel Paulus beschreibt diesen Kampf sehr ehrlich. Er kennt den Widerspruch zwischen dem, was er eigentlich will, und dem, was er manchmal tatsächlich tut (Römer 7). Und der Prophet Jeremia stellt eine ernüchternde Frage: Kann ein Leopard seine Flecken verändern? (Jeremia 13,23)

Die Botschaft dahinter ist unbequem: Wir können uns nicht einfach selbst neu erfinden. Natürlich können wir uns zusammenreißen. Wir können an uns arbeiten, schlechte Gewohnheiten verändern und lernen, unsere Reaktionen besser zu kontrollieren. Das alles ist wichtig. Aber wer schon einmal erlebt hat, wie tief bestimmte Verhaltensmuster sitzen, weiß: Es gibt Grenzen unserer Selbstoptimierung.

Die Bibel setzt deshalb nicht nur auf mehr Disziplin, sondern auf Veränderung von innen. Sie beschreibt Gott als denjenigen, der einen Menschen tatsächlich neu anfangen lassen kann. Nicht so, dass plötzlich alles perfekt ist. Nicht so, dass die „Furie“ nie wieder auftaucht. Aber da ist eine stärkere Kraft, die uns unterstützt: Gottes Liebe.

Wer sich ihm anvertraut, muss nicht mehr allein gegen sich selbst kämpfen. Schritt für Schritt kann sich etwas verändern – unsere Gedanken, unsere Reaktionen, unser Umgang mit anderen und schließlich unser ganzes Wesen. Die Furie in uns verschwindet nicht auf Knopfdruck. Aber sie muss auch nicht mehr das letzte Wort haben.

 

Abstract:
In each of us, there seems to be more going on beneath the surface than we show to others. Our son´s dog Selva is a good example: usually peaceful and calm, she can suddenly turn into a fury when she sees a rabbit or another dog.

We humans know such moments too—times when we hardly recognize ourselves. Why do we sometimes do things we never intended to do? The Bible describes this inner conflict as a consequence of humanity’s separation from its Creator—what it calls “sin.”

Within us, good intentions and deeply rooted patterns of behavior struggle with each other.  Self-discipline and self-improvement can help, but they have their limits. That is why the Bible points not to change through our own efforts, but to transformation from within. God’s love can help us change, step by step, and become different people.

The “fury” inside us does not disappear at the push of a button—but it does not have to have the final word.

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Resumen
En cada uno de nosotros parece haber mucho más de lo que mostramos a los demás. Selva, la perra de nuestro hijo, es un buen ejemplo: normalmente tranquila y pacífica, puede convertirse de repente en una verdadera furia cuando ve un conejo u otro perro.

Los seres humanos también conocemos esos momentos en los que apenas nos reconocemos a nosotros mismos. ¿Por qué hacemos a veces cosas que en realidad no queremos hacer? La Biblia describe este conflicto interior como consecuencia de la separación del ser humano de su Creador, algo que llama «pecado».

En nuestro interior luchan las buenas intenciones y los patrones de comportamiento profundamente arraigados. La autodisciplina y el esfuerzo por mejorar pueden ayudar, pero tienen sus límites. Por eso, la Biblia no habla tanto de un cambio logrado con nuestras propias fuerzas, sino de una transformación desde dentro. El amor de Dios puede ayudarnos a cambiar paso a paso y a convertirnos en personas diferentes.

La «furia» que llevamos dentro no desaparece de un día para otro, pero tampoco tiene por qué tener la última palabra.

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Meine Hecke überlebte

HINGESCHAUT. (1)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Man muss Hecken schneiden, damit sie dicht und gesund wachsen. Ein regelmäßiger Schnitt regt die Verzweigung der Triebe an und hält die Pflanze in Form. (Foto: Ray Shrewsberry, pixabay.com)

Immer, wenn ich mich der Gartenhecke widme, muss ich mich an meine „heroische“ Leistung an einem Herbsttag vor fast drei Jahrzehnten erinnern. Am freien Tag war ich stundenlang mit der Hecke beschäftigt und wartete gespannt aufs Urteil meiner Frau. Als sie abends nach Hause kam, war sie entsetzt: Die teilweise meterhohen Sträucher waren zu zentimeterhohen Stümpfen geschrumpft, von den zwei Obstbäumchen war fast nichts mehr zu sehen.

Kurzfassung auf Instagram abrufbar: @edp51

Manchmal muss etwas radikal geschnitten werden
Verständlich, dass ich die Hecke und die beiden Bäumchen im darauffolgenden Frühjahr fast täglich nach Lebenszeichen absuchte. Es dauerte lange, aber am Ende wurde mein Übereifer doch belohnt. Nicht nur, dass an den Sträuchern und Bäumen reichlich frische Triebe nachwuchsen, die sie später noch buschiger machten; ich hatte auch in Sachen Naturgesetze eine äußerst einprägsame Lektion gelernt.

Ob es bei uns Menschen auch so etwas wie einen „radikalen Schnitt“ geben kann, der zu einem heilsamen Anfang führt? Manchmal offenbar schon. Wir kennen solche Schnitte aus dem eigenen Leben.

  • Eine Beziehung zerbricht. Ein Arbeitsplatz geht verloren.
  • Eine Freundschaft endet.
  • Eine Krankheit zwingt uns, bisherige Pläne aufzugeben.
  • Oder wir erkennen irgendwann, dass eine Gewohnheit, eine Einstellung oder ein Lebensstil uns mehr schadet als guttut.

Was wir bisher für selbstverständlich gehalten haben, ist plötzlich nicht mehr möglich.

Solche Einschnitte tun weh. Und während wir mitten darinstecken, können wir uns kaum vorstellen, dass daraus jemals wieder etwas Gutes entstehen könnte. Doch vielleicht ist genau das der Moment, in dem wir nicht nur auf das schauen sollten, was verschwunden ist, sondern auch auf das, was neu wachsen kann.

Ein radikaler Schnitt bedeutet schließlich nicht automatisch das Ende. Beim Beschneiden eines Baumes wird zwar sichtbar etwas weggenommen. Aber gerade dadurch bekommt die Pflanze neue Kraft. Verzweigte, alte oder kranke Äste werden entfernt, damit neue Triebe entstehen können. Was zunächst nach Zerstörung aussieht, kann sich später als Voraussetzung für neues Leben erweisen.

Natürlich lässt sich diese Erfahrung nicht einfach auf jedes menschliche Schicksal übertragen. Nicht jeder Verlust hat einen verborgenen Sinn, und nicht jede schmerzhafte Erfahrung wird sich irgendwann als „gut“ herausstellen. Manche Wunden bleiben lange bestehen. Manche Fragen bekommen wir in diesem Leben nicht beantwortet. Aber eines dürfen wir hoffen: Ein schwieriger Schnitt muss nicht das letzte Kapitel unseres Lebens sein.

Die Bibel findet dafür ein bemerkenswertes Bild. Im Buch Hiob heißt es sinngemäß: „Für einen Baum gibt es immer noch Hoffnung, selbst wenn man ihn gefällt hat; aus seinem Stumpf wachsen wieder frische Triebe.“ (Hiob 14,7) Ich mag dieses Bild. Denn es spricht von Hoffnung, ohne die Realität des Verlustes schönzureden. Der Baum ist gefällt. Es bleibt nur ein Stumpf. Und trotzdem ist noch nicht alles vorbei.

Vielleicht ist das auch eine Botschaft für Menschen, die gerade selbst das Gefühl haben, nur noch aus einem „Stumpf“ zu bestehen: Nach einer Trennung. Nach einem Verlust. Nach einem Scheitern. Nach einer Entscheidung, die alles verändert hat. Oder einfach nach Jahren, in denen vieles anders gekommen ist, als man es sich vorgestellt hatte.

Der christliche Glaube geht noch einen Schritt weiter: Für Gott gibt es keinen hoffnungslosen Fall! Wo wir nur noch einen abgesägten Stamm sehen, sieht Gott möglicherweise schon den ersten neuen Trieb. Das bedeutet nicht, dass morgen plötzlich alles wieder gut ist. Aber es bedeutet, dass wir unsere Geschichte nicht vorschnell für beendet erklären sollten.

  • Vielleicht braucht es manchmal Geduld.
  • Vielleicht einen Menschen, der uns begleitet.
  • Vielleicht den Mut, etwas Altes loszulassen.
  • Vielleicht einen neuen Anfang, den wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.
  • Und vielleicht braucht es einfach die Hoffnung, dass aus einem scheinbaren Ende tatsächlich wieder etwas wachsen kann.

Ich denke dabei manchmal an meine völlig verstümmelte Gartenhecke von damals. Meine Frau hatte allen Grund, über meinen „Radikalschnitt“ entsetzt zu sein. Aber die Natur war geduldiger als wir. Unter der Erde war das Leben längst weitergegangen. Und irgendwann zeigte es sich wieder – zuerst ganz unscheinbar, dann immer kräftiger.

Vielleicht ist das eine der schönsten Lektionen, die uns ein Garten geben kann: Nicht alles, was abgeschnitten aussieht, ist tot. Ob das auch für unser Leben gilt?

 

Abstract:

Sometimes something needs to be cut back radically — I learned that decades ago from my garden hedge. What looked like destruction at the time produced new, vigorous shoots the following spring.

Our lives also experience such radical cuts: breakups, losses, illness, failure, or necessary changes. Such setbacks hurt, and at first we often cannot see any meaning in them. But an ending does not necessarily mean the end of our story. Just as with a tree, removing what is old can create room for something new.
The Bible says: “There is still hope for a tree” (Job 14:7).

Not every loss has a hidden meaning, and some wounds remain for a long time. But the Christian faith says that no one is beyond hope in God’s eyes. Not everything that looks cut off is dead — perhaps new life is already growing underneath.

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Resumen
A veces es necesario hacer una poda radical; eso lo aprendí hace décadas con el seto de mi jardín. Lo que entonces parecía una destrucción hizo que, en primavera, brotaran nuevos y vigorosos tallos.

También en nuestra vida hay «podas radicales»: separaciones, pérdidas, enfermedades, fracasos o cambios necesarios. Estos golpes duelen y, al principio, muchas veces no logramos encontrarles ningún sentido. Pero un final no tiene por qué significar automáticamente el final de nuestra historia.

Como ocurre con un árbol, eliminar lo viejo puede crear espacio para algo nuevo. La Biblia dice: «Siempre hay esperanza para un árbol» (Job 14:7). No toda pérdida tiene un sentido oculto, y algunas heridas permanecen durante mucho tiempo. Pero la fe cristiana afirma que, para Dios, no existe ningún caso sin esperanza. No todo lo que parece cortado está muerto; quizá debajo ya está creciendo una nueva vida.

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Wo ist denn der Ausgang?

Gibt es einen Ausgang aus dem Käfig von Schuld und Versagen? (Foto: KI-gen.)

Bei meinem morgendlichen Nordic Walking lief ich an einem weitläufig-eingezäunten Gelände mit mehreren Fußballfeldern entlang. Plötzlich sah ich zwei Rehe, die davonliefen, als sie mich kommen sahen. Sie waren auf der anderen Seite des Drahtzaunes, also auf dem Sportplatz, und suchten unruhig nach einem Ausgang. Sie hatten anscheinend vergessen, wo bzw. wie sie in das Gelände gekommen waren.

Die zwei Rehe haben vergessen, wie sie in den eingezäunten Platz geraten sind.

Diese Beobachtung beschäftigte mich eine Weile. Gleichen nicht viele Menschen den zwei Rehen? Sie leben nicht in einem Gefängnis, nein: Ihr Lebensraum ist groß genug. Manchen reicht er allerdings nicht, daher versuchen sie, ihn außerhalb unseres Planeten zu erweitern. Der Lebensraum ist groß genug, die Bewegungsfreiheit ist kaum zu steigern, dennoch geht es ihnen wie den zwei Rehen: Sie fühlen sich nicht wirklich frei, suchen verzweifelt nach … Ja, wonach suchen sie denn?

Es ist so, als fühlten sie sich wie gebunden, eingesperrt durch Sorgen und Ängste, durch Belastungen aus der Vergangenheit, durch Fremderwartungen, die sie nicht erfüllen können, durch Versagen, durch die Unsicherheit darüber, was die Zukunft bringen mag. Wie die zwei Rehe rennen sie von einem Angebot zum anderen und finden den Ausgang aus ihrem großen, unsichtbaren Käfig nicht. Sie finden ihn nicht, weil sie noch nicht erkannt haben, wie sie in den Käfig geraten sind.

Die Bibel beschreibt auf den ersten Seiten, wie der Mensch willentlich und trotz Vorwarnung diesen großen Käfig betrat: Durch die Trennung von seinem Schöpfer (in der Bibel „Sünde“ genannt) gerieten die ersten Menschen (und danach alle ihre Nachkommen bis zu uns heute) in den Machtbereich des Feindes Gottes.

Wo der Eingang ist, ist auch der Ausgang: Zurück in die Gemeinschaft mit dem Schöpfer durch die Tür, die Jesus uns geöffnet hat. Er selbst ist diese Tür zurück in ein befreites, erfülltes Leben in Harmonie mit Gott. Woanders wird man den Ausgang nie finden. Der Evangelist Johannes formulierte es so (Johannes 8,36 Gute Nachricht Bibel):

Wenn der Sohn [Jesus Christus] euch frei macht, dann seid ihr wirklich frei. 

Der Kirchenvater Augustinus hat es in seinen Bekenntnissen so formuliert: „Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“

Den Rehen kann man schwer helfen, den Ausgang zu finden. Aber viele Suchende warten darauf, von Christen zu erfahren, wie sie Befreiung und Frieden gefunden haben.

Dieser Text ist im Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg am 6. April 2025 erschienen.


 

 

Where Is the Way Out?

[Shortened] During my morning Nordic walking, I saw two deer inside a fenced sports field. They were restlessly searching for a way out, apparently unaware of how they had gotten in.

The scene reminded me of many people. They don’t live in a prison—their living space is vast—yet they feel trapped. Worries, fears, expectations, failures, and anxiety about the future create an invisible cage. Like the deer, they rush from one opportunity to another in search of freedom, without realizing how they ended up in this state.

The Bible explains that humanity entered this condition through separation from God. But there is a way out: a return to fellowship with the Creator—through Jesus, who is Himself the door. “So if the Son sets you free, you will be free indeed” (John 8:36).

It’s not easy to help the deer find the exit—but we can help people. Christians are called to share the path that truly leads out.


 

¿Dónde está la salida?

[Abreviado] Durante mi matutino nordic walking pasé junto a un campo deportivo cercado. Vi a dos ciervos dentro, buscando inquietos una salida, aparentemente sin saber cómo habían entrado.

Esta escena me hizo pensar en muchas personas. No viven en una prisión; su espacio vital es amplio, y sin embargo, se sienten atrapadas. Preocupaciones, miedos, expectativas, fracasos y la incertidumbre del futuro forman una jaula invisible. Como los ciervos, corren de una oportunidad a otra, buscando libertad, sin comprender cómo llegaron a esa situación.

La Biblia dice que el ser humano cayó en este estado por separarse de Dios. Pero hay una salida: volver a la comunión con el Creador, a través de Jesús, quien es la puerta: “Así que, si el Hijo os hace libres, seréis verdaderamente libres” (Juan 8:36).

A los ciervos difícilmente se les puede ayudar a encontrar la salida —pero a las personas sí. Los cristianos pueden explicar por experiencia propia cual es el camino que realmente conduce a la libertad.

Wie eine wärmende Seelenmassage

Wasserturm, Industrie- und Handelskammer am Sande, Am Stint, Rathaus (Fotos: edp)

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Wie eine wärmende Seelenmassage

Die Weihnachtsbeleuchtung in Lüneburg ist – verständlicherweise – etwas bescheidener als vor einigen Jahren. Dennoch übt sie auf mich und auf tausende Besucher der Weihnachtsmärkte eine unbestrittene Faszination aus. Der beleuchtete Wasserturm (leider ohne Lichterkranz), die angestrahlte Rathausfassade, die beleuchteten Giebelhäuser, die Lichtspiegelungen im Wasser: Das alles ist nicht nur schön anzusehen, es bewirkt so etwas wie eine wärmende Seelenmassage!
Licht, besonders das Licht der Sonne – seit einigen Tagen vermisse ich ihre Strahlen – macht nicht nur alles bunter, sondern ist für uns Menschen lebenswichtig (Stichwort Vitamin D). Daher wundert es mich nicht, dass in der Heiligen Schrift, in der Bibel, so häufig von Gott und seinem Wort die Rede in Verbindung mit dem Licht ist. So heißt es zum Beispiel in einem alttestamentlichen, von David komponierten Lied: „Du selbst bist die Quelle, die uns Leben schenkt. Deine Liebe ist die Sonne, von der wir leben.“ (Psalm 36,10 GNB) Oder: „Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet.“ (Psalm 119,105 Hfa)
Als vor ca. 2000 Jahren Gott in der Person Jesus Christus Mensch wurde – eigentlich das, was wir in diesen Tagen feiern – bezeichnete er sich als das Licht der Welt und erklärte: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Dunkelheit umherirren, sondern er hat das Licht, das ihn zum Leben führt.“ (Johannes 8,12 Hfa) Für mich völlig unverständlich bleibt, dass so viele Menschen die Finsternis in der Gottesferne mit ihren Folgen vorziehen: Hass und Terror, Neid, Arroganz und Unversöhnlichkeit.
Vor einigen Jahren zog ich von meinem großen Arbeitszimmer im Keller in ein kleineres, freigewordenes Kinderzimmer im ersten Stock um, weil ich mich nach dem Tageslicht sehnte. Vor noch mehr Jahren habe ich Jesus Christus gesagt: Du sollst die Sonne meines Lebens sein und alles Dunkle vertreiben. Daher singe ich sehr gern das alte Lied von Caroline Rhiem (1902): „Jesus, meine Sonne in der dunklen Nacht, Jesus, meine Wonne, wenn mir Freude lacht … Deinen tiefen Frieden spür ich täglich nun, darf in deiner Liebe Stund um Stunde ruhn … Du willst für mich kämpfen, ich darf stille sein, mich in deine Gnade hüllen fester ein. Niemand kann mich reißen, Herr, aus deiner Hand, bis du mich aus Gnaden bringst ins Heimatland.“
Das bald zu Ende gehende Jahr ist für viele Menschen ein dunkles Jahr gewesen, zuletzt für die Angehörigen der Opfer in Israel und im Gazastreifen. Davor und schon länger für tausende Familien in der Ukraine. Dazu für jene, die unter den Folgen von Naturkatastrophen oder Hunger leiden. Sie sehnen sich danach, dass die Sonne in ihrem Leben aufgeht. Das wird sie tun, wenn der Tag der Wiederkunft Jesu anbricht und er für immer die Dunkelheit vertreibt und sein Reich aufrichtet, in dem es keine Schatten des Leides und des Todes geben wird. Bis es so weit ist, können uns die Worte des Weihnachtliedes trösten: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht endlos sein!“


 

Like a warming massage for the soul

The Christmas lights in Lüneburg are – of course – somewhat more modest than they were a few years ago. Nevertheless, they still exert an undeniable fascination on me and on thousands of visitors to the Christmas markets. The illuminated water tower (sadly without a crown of lights), the illuminated town hall façade, the illuminated gabled houses, the reflections of light in the water: it’s not just beautiful to look at, it’s something of a warming massage for the soul!
Light, especially the light of the sun – I’ve been missing its rays for a few days now – not only makes everything more colourful, but is also vital for us humans (keyword vitamin D). I am therefore not surprised that the Holy Scriptures, the Bible, so often speak of God and his word in connection with light. For example, in an Old Testament song composed by David, it says: „You yourself are the source that gives us life. Your love is the sun from which we live.“ (Psalm 36:10) Or: „Your word is like a light in the night that illuminates my path.“ (Psalm 119:105)
When God became man in the person of Jesus Christ around 2000 years ago – which is actually what we are celebrating these days – he described himself as the light of the world and declared: „Whoever follows me will not wander in darkness, but will have the light that leads him to life.“ (John 8:12) It remains completely incomprehensible to me that so many people prefer the darkness of being far from God with all its consequences: Hatred and terror, envy, arrogance and unreconcilability.
A few years ago, I moved from my large office in the basement to a smaller, vacant children’s room on the first floor because I longed for daylight. Even more years ago, I told Jesus Christ: You shall be the sun of my life and dispel all darkness. That’s why I love to sing the old song by Caroline Rhiem (1902): „Jesus, my sun in the dark night, Jesus, my delight, when I laugh with joy … I feel your deep peace every day now, I can rest in your love hour after hour … You want to fight for me, I can be still, wrap myself more firmly in your grace. No one can snatch me out of your hand, Lord, until you bring me home by grace.“
The year that is soon coming to an end has been a dark one for many people, most recently for the relatives of the victims in Israel and Gaza. Before that and for a long time for thousands of families in Ukraine. And for those suffering from the consequences of natural disasters or hunger. They long for the sun to rise in their lives. It will do so when the day of Jesus‘ return dawns and he dispels the darkness forever and establishes his kingdom, in which there will be no shadow of suffering and death. Until then, we can take comfort in the words of the Christmas carol: „Because God appeared in deepest night, our night cannot be endless!“


 

Como un masaje para el alma

La iluminación navideña de Luneburgo es – comprensiblemente – algo más modesta que hace unos años. Sin embargo, sigue ejerciendo una innegable fascinación sobre mí y sobre miles de visitantes de los mercadillos navideños. La torre del agua iluminada (lamentablemente sin corona de luces), la fachada iluminada del ayuntamiento, las casas iluminadas, los reflejos de la luz en el agua: no es sólo bonito de ver, es una especie de masaje para calentar el alma.
La luz, sobre todo la luz del sol – hace unos días que echo de menos sus rayos – no sólo hace que todo sea más colorido, sino que también es vital para nosotros los humanos (p.ej. vitamina D). Por eso no me sorprende que las Sagradas Escrituras hablen tan a menudo de Dios y de su palabra relacionándolos con la luz. Por ejemplo, en una canción del Antiguo Testamento compuesta por David, se dice: „Tú mismo eres la fuente que nos da vida. Tu amor es el sol del que vivimos“. (Salmo 36:10) O: „Tu palabra es como una luz en la noche que ilumina mi camino“. (Salmo 119:105)
Cuando Dios se hizo hombre en la persona de Jesucristo hace unos 2000 años -que es en realidad lo que celebramos estos días-, se describió a sí mismo como la luz del mundo y declaró: „El que me sigue no andará en tinieblas, sino que tendrá la luz que le lleva a la vida.“ (Juan 8:12) Me sigue resultando totalmente incomprensible que tantas personas prefieran la oscuridad lejos de Dios, con todas sus consecuencias: Odio y terror, envidia, arrogancia e irreconciabilidad.
Hace unos años, me mudé de mi grande oficina en el sótano a una habitación más pequeña en el primer piso porque anhelaba ver la luz del día. Hace aún más años, le dije a Jesucristo: Quiero que seas el sol de mi vida y disipes todas las tinieblas. Por eso me encanta cantar la antigua canción de Caroline Rhiem (1902): „Jesús, mi sol en la noche oscura, Jesús… Siento tu profunda paz cada día, puedo descansar en tu amor hora tras hora… Nadie podrá arrebatarme de tu mano, Señor, hasta que me lleves a casa por gracia“.
El año que pronto termina ha sido oscuro para muchas personas, actualmente para los familiares de las víctimas de Israel y de Gaza. Antes y durante mucho tiempo para miles de familias en Ucrania. Y para quienes sufren las consecuencias de catástrofes naturales o del hambre. Anhelan que salga el sol en sus vidas. Lo hará cuando amanezca el día del regreso de Jesús y disipe para siempre las tinieblas e instaure su reino, en el que no habrá sombra de sufrimiento ni de muerte. Hasta entonces, podemos consolarnos con las palabras del villancico: „Porque Dios apareció en la noche más profunda, nuestra noche no puede ser interminable“.

Ein Dom, einige Fragen

Der Hohe Dom St. Maria, St. Liborius, St. Kilian in Paderborn. Westturm. (Foto: edp)

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Gedanken und Fragen nach dem Besuch des Doms von Paderborn

Die Kathedrale (Hoher Dom) des Erzbistums von Paderborn stammt im Wesentlichen aus dem 13. Jhdt. Ein paar Dinge sind mir bei der kurzen Besichtigung am vergangenen Freitagnachmittag (3.11.2023) aufgefallen: die stattliche Figur der Maria, die in der Mitte der dreischiffigen Kirchenhalle hängt; die große Krypta, in der sich u.a. die Reliquien des Heiligen Liborius befinden; der Beichtstuhl aus dem Jahr 1725; die Turmorgel (mit 80 Registern) und das mächtige Glockengeläut (eine der Glocken gehört zu den größten in Deutschland).

Auf dem Marienaltar des Jahres 1653 steht S MARIA ORA PRO NOBIS = Heilige Maria bete für uns. Wie ich hier ausgeführt habe, lehrt die Heilige Schrift nirgendwo, dass wir einen Vermittler brauchen, der für uns betet, denn dies tut bereits unser Hoherpriester Jesus Christus im Himmel [1].

Was die Reliquien betrifft, so entbehrt nicht nur deren Verehrung jeglicher biblischen Grundlage, sondern auch deren Echtheit ist recht zweifelhaft: Von manchen Heiligen gibt es bis zu 28 Beinen und bei eBay kann man angebliche Reliquien (teilweise samt Zertifikat) für 100 bis 600 Euro kaufen! [2]

Zur Beichte, wie sie in der römisch-katholischen Kirche praktiziert wird, habe ich einige Fragen:

  • Wer oder was berechtigt uns Menschen, die Sünden verschiedenen Kategorien wie Todsünde oder lässliche Sünde zuzuordnen, da die Heilige Schrift solche Abstufungen nicht kennt?
  • Woher nimmt sich ein Mensch (der Priester) das Recht, eine Absolution („Ich spreche dich los von deinen Sünden“) zu erteilen?
  • Warum muss auch hier ein menschlicher „Vermittler“ zwischen uns Sündern und Gott eingeschaltet werden, nachdem die priesterliche Vermittlung des Alten Testaments mit dem Kommen und Sterben von Jesus Christus am Kreuz ein Ende fand? Im Neuen Testament werden wir immer wieder eingeladen, direkt zu Gott/Jesus Christus mit unserer Sündenlast zu kommen! [3]

Ich respektiere die Frömmigkeit katholischer Christen, die es nicht anders gelehrt bekommen haben, kann aber jeden nur ermutigen, die Jahrhunderte lang praktizierten Traditionen mit dem zu vergleichen, was die Heilige Schrift lehrt; denn schließlich liegt die Bibel in unserer Sprache in den verschiedensten Übersetzungen und Preisklassen vor. Und das 1229 unter Papst Gregor IX auf der Synode von Toulouse erlassene generelle Bibelverbot für „Laien“ gilt schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Papst Benedikt XVI. empfahl, im Urlaub die Bibel, statt Krimis zu lesen; denn die Kenntnisse vieler Katholiken seien „sehr begrenzt und oberflächlich“. [4] Und Papst Franziskus empfahl, in der Fastenzeit lieber die Bibel zu lesen, statt ständig fernzusehen oder mit dem Handy zu hantieren. [5]

Im „Katechismus der Katholischen Kirche“ wird die Bedeutung der Heiligen Schrift unterstrichen [6], ja die Kirche „ermahnt … alle Christgläubigen … besonders eindringlich“, die Schrift häufig zu lesen, denn „Unkenntnis der Schriften ist nämlich Unkenntnis Christi“ (Hieronymus). [7]

Fußnoten:
[1] Z.B. 1. Johannes 2,1; Hebräer 7,25; 1. Timotheus 2,5
[2] Z. B.: Außergewöhnlich schöne große Reliquienkapsel aus dem 17./18. Jhdt., Heiliger Oleguer Bonestruga Bischof von Barcelona, mit innen liegenden Reliquien. 575 Euro. eBay-Artikelnr.: 126144657436
[3] Z. B. Hebräer 4,15.-16; 10,22; 1. Johannes 2,1
[4] diepresse.com, 3.8.2011
[5] Vaticannews.va, 26.2.2020
[6] Artikel 131-133
[7] Artikel 133


 

Thoughts and questions after visiting the cathedral in Paderborn

Lightly abbreviated
On the Marian altar of 1653 is written S MARIA ORA PRO NOBIS = Holy Mary pray for us. As I have explained here, nowhere does the Holy Scripture teach that we need a mediator to pray for us, because our High Priest Jesus Christ already does this in heaven.

As far as relics are concerned, not only is their veneration lacking any biblical basis, but their authenticity is also quite dubious: there are up to 28 legs of some saints and on eBay you can buy alleged relics (sometimes with a certificate) for between 100 and 600 euros!

I have a few questions about confession as it is practised in the Roman Catholic Church:
– Who or what authorises us humans to assign sins to different categories such as mortal sin or venial sin, since Holy Scripture does not recognise such gradations?
– Where does a human being (the priest) get the right to grant absolution („I absolve you from your sins“)?
– Why does a human „mediator“ have to be interposed between us sinners and God, after the priestly mediation of the Old Testament came to an end with the coming and death of Jesus Christ on the cross? In the New Testament, we are repeatedly invited to come directly to God/Jesus Christ with our burden of sin!

I respect the piety of Catholic Christians who have not been taught otherwise, but I can only encourage everyone to compare the traditions that have been practised for centuries with what the Holy Scriptures teach; after all, the Bible is available in our language in a wide variety of translations and price ranges. And the general ban on the Bible for the „laity“ issued by Pope Gregory IX at the Synod of Toulouse in 1229 has long since ceased to apply. On the contrary: Both, Pope Benedict XVI and Pope Francis, as well as the Catechism of the Catholic Church recommend frequent reading of the Holy Scriptures, because „ignorance of the Scriptures is ignorance of Christ“ (St Jerome).


 

Reflexiones y preguntas tras visitar la catedral de Paderborn

Ligeramente abreviado
En el altar mariano de 1653 se lee S MARIA ORA PRO NOBIS = Santa María ruega por nosotros. Como ya he explicado aquí, la Sagrada Escritura no enseña en ninguna parte que necesitemos un mediador que ruegue por nosotros, pues esto ya lo hace nuestro Sumo Sacerdote Jesucristo en el cielo.

En cuanto a las reliquias, no sólo su veneración carece de base bíblica, sino que su autenticidad es bastante dudosa: hay hasta 28 piernas de algunos santos y en eBay se pueden comprar supuestas reliquias (a veces con certificado incluido) ¡por entre 100 y 600 euros!

Tengo algunas preguntas sobre la confesión tal como se practica en la Iglesia Católica Romana:
– ¿Quién o qué nos autoriza a los humanos a asignar los pecados a diferentes categorías como pecado mortal o pecado venial, ya que la Sagrada Escritura no reconoce tales gradaciones?
– ¿De dónde saca un ser humano (el sacerdote) el derecho a conceder la absolución („yo te absuelvo de tus pecados“)?
– ¿Por qué tiene que intervenir un „mediador“ humano entre nosotros, pecadores, y Dios, después de que la mediación sacerdotal del Antiguo Testamento llegara a su fin con la venida y muerte de Jesucristo en la cruz? En el Nuevo Testamento se nos invita repetidamente a acudir directamente a Dios/Jesucristo con nuestra carga de pecado.

Respeto la religiosidad de los cristianos católicos a los que no se les ha enseñado otra cosa, pero sólo puedo animar a todos a comparar las tradiciones que se han practicado durante siglos con lo que enseñan las Sagradas Escrituras; después de todo, la Biblia está disponible en nuestro idioma en una amplia variedad de traducciones y precios. Y la prohibición general de leer la Biblia para los „laicos“ dictada por el Papa Gregorio IX en el Sínodo de Toulouse de 1229 hace tiempo que no está en vigor. Al contrario: Tanto el Papa Benedicto XVI como el Papa Francisco como el Catecismo der la Iglesia Católica recomiendan leer las Sagradas Escrituras, porque „la ignorancia de las Escrituras es ignorancia de Cristo“ (Jerónimo).