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Meine Hecke überlebte

HINGESCHAUT. (1)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Man muss Hecken schneiden, damit sie dicht und gesund wachsen. Ein regelmäßiger Schnitt regt die Verzweigung der Triebe an und hält die Pflanze in Form. (Foto: Ray Shrewsberry, pixabay.com)

Immer, wenn ich mich der Gartenhecke widme, muss ich mich an meine „heroische“ Leistung an einem Herbsttag vor fast drei Jahrzehnten erinnern. Am freien Tag war ich stundenlang mit der Hecke beschäftigt und wartete gespannt aufs Urteil meiner Frau. Als sie abends nach Hause kam, war sie entsetzt: Die teilweise meterhohen Sträucher waren zu zentimeterhohen Stümpfen geschrumpft, von den zwei Obstbäumchen war fast nichts mehr zu sehen.

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Manchmal muss etwas radikal geschnitten werden
Verständlich, dass ich die Hecke und die beiden Bäumchen im darauffolgenden Frühjahr fast täglich nach Lebenszeichen absuchte. Es dauerte lange, aber am Ende wurde mein Übereifer doch belohnt. Nicht nur, dass an den Sträuchern und Bäumen reichlich frische Triebe nachwuchsen, die sie später noch buschiger machten; ich hatte auch in Sachen Naturgesetze eine äußerst einprägsame Lektion gelernt.

Ob es bei uns Menschen auch so etwas wie einen „radikalen Schnitt“ geben kann, der zu einem heilsamen Anfang führt? Manchmal offenbar schon. Wir kennen solche Schnitte aus dem eigenen Leben.

  • Eine Beziehung zerbricht. Ein Arbeitsplatz geht verloren.
  • Eine Freundschaft endet.
  • Eine Krankheit zwingt uns, bisherige Pläne aufzugeben.
  • Oder wir erkennen irgendwann, dass eine Gewohnheit, eine Einstellung oder ein Lebensstil uns mehr schadet als guttut.

Was wir bisher für selbstverständlich gehalten haben, ist plötzlich nicht mehr möglich.

Solche Einschnitte tun weh. Und während wir mitten darinstecken, können wir uns kaum vorstellen, dass daraus jemals wieder etwas Gutes entstehen könnte. Doch vielleicht ist genau das der Moment, in dem wir nicht nur auf das schauen sollten, was verschwunden ist, sondern auch auf das, was neu wachsen kann.

Ein radikaler Schnitt bedeutet schließlich nicht automatisch das Ende. Beim Beschneiden eines Baumes wird zwar sichtbar etwas weggenommen. Aber gerade dadurch bekommt die Pflanze neue Kraft. Verzweigte, alte oder kranke Äste werden entfernt, damit neue Triebe entstehen können. Was zunächst nach Zerstörung aussieht, kann sich später als Voraussetzung für neues Leben erweisen.

Natürlich lässt sich diese Erfahrung nicht einfach auf jedes menschliche Schicksal übertragen. Nicht jeder Verlust hat einen verborgenen Sinn, und nicht jede schmerzhafte Erfahrung wird sich irgendwann als „gut“ herausstellen. Manche Wunden bleiben lange bestehen. Manche Fragen bekommen wir in diesem Leben nicht beantwortet. Aber eines dürfen wir hoffen: Ein schwieriger Schnitt muss nicht das letzte Kapitel unseres Lebens sein.

Die Bibel findet dafür ein bemerkenswertes Bild. Im Buch Hiob heißt es sinngemäß: „Für einen Baum gibt es immer noch Hoffnung, selbst wenn man ihn gefällt hat; aus seinem Stumpf wachsen wieder frische Triebe.“ (Hiob 14,7) Ich mag dieses Bild. Denn es spricht von Hoffnung, ohne die Realität des Verlustes schönzureden. Der Baum ist gefällt. Es bleibt nur ein Stumpf. Und trotzdem ist noch nicht alles vorbei.

Vielleicht ist das auch eine Botschaft für Menschen, die gerade selbst das Gefühl haben, nur noch aus einem „Stumpf“ zu bestehen: Nach einer Trennung. Nach einem Verlust. Nach einem Scheitern. Nach einer Entscheidung, die alles verändert hat. Oder einfach nach Jahren, in denen vieles anders gekommen ist, als man es sich vorgestellt hatte.

Der christliche Glaube geht noch einen Schritt weiter: Für Gott gibt es keinen hoffnungslosen Fall! Wo wir nur noch einen abgesägten Stamm sehen, sieht Gott möglicherweise schon den ersten neuen Trieb. Das bedeutet nicht, dass morgen plötzlich alles wieder gut ist. Aber es bedeutet, dass wir unsere Geschichte nicht vorschnell für beendet erklären sollten.

  • Vielleicht braucht es manchmal Geduld.
  • Vielleicht einen Menschen, der uns begleitet.
  • Vielleicht den Mut, etwas Altes loszulassen.
  • Vielleicht einen neuen Anfang, den wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.
  • Und vielleicht braucht es einfach die Hoffnung, dass aus einem scheinbaren Ende tatsächlich wieder etwas wachsen kann.

Ich denke dabei manchmal an meine völlig verstümmelte Gartenhecke von damals. Meine Frau hatte allen Grund, über meinen „Radikalschnitt“ entsetzt zu sein. Aber die Natur war geduldiger als wir. Unter der Erde war das Leben längst weitergegangen. Und irgendwann zeigte es sich wieder – zuerst ganz unscheinbar, dann immer kräftiger.

Vielleicht ist das eine der schönsten Lektionen, die uns ein Garten geben kann: Nicht alles, was abgeschnitten aussieht, ist tot. Ob das auch für unser Leben gilt?

 

Abstract:

Sometimes something needs to be cut back radically — I learned that decades ago from my garden hedge. What looked like destruction at the time produced new, vigorous shoots the following spring.

Our lives also experience such radical cuts: breakups, losses, illness, failure, or necessary changes. Such setbacks hurt, and at first we often cannot see any meaning in them. But an ending does not necessarily mean the end of our story. Just as with a tree, removing what is old can create room for something new.
The Bible says: “There is still hope for a tree” (Job 14:7).

Not every loss has a hidden meaning, and some wounds remain for a long time. But the Christian faith says that no one is beyond hope in God’s eyes. Not everything that looks cut off is dead — perhaps new life is already growing underneath.

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Resumen
A veces es necesario hacer una poda radical; eso lo aprendí hace décadas con el seto de mi jardín. Lo que entonces parecía una destrucción hizo que, en primavera, brotaran nuevos y vigorosos tallos.

También en nuestra vida hay «podas radicales»: separaciones, pérdidas, enfermedades, fracasos o cambios necesarios. Estos golpes duelen y, al principio, muchas veces no logramos encontrarles ningún sentido. Pero un final no tiene por qué significar automáticamente el final de nuestra historia.

Como ocurre con un árbol, eliminar lo viejo puede crear espacio para algo nuevo. La Biblia dice: «Siempre hay esperanza para un árbol» (Job 14:7). No toda pérdida tiene un sentido oculto, y algunas heridas permanecen durante mucho tiempo. Pero la fe cristiana afirma que, para Dios, no existe ningún caso sin esperanza. No todo lo que parece cortado está muerto; quizá debajo ya está creciendo una nueva vida.

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