Papst Leo XIV. in Spanien

Papst Leo XIV. (Foto: Ricardo Stuckert, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
Zitatenauswahl aus Reden von Leo XIV. während der Spanienreise im Juni 2026

Während seiner Spanienreise vom 6. bis 12. Juni hat Papst Leo XIV. mehrere Predigten und Ansprachen in Madrid, Barcelona, Gran Canaria und Teneriffa gehalten. Obwohl ich aufgrund meines Bibelverständnisses u.a. das Primat des Papstes und das Dogma seiner Unfehlbarkeit nicht anerkenne, kann ich sehr vielen seiner Aussagen nur zustimmen. Hier eine Auswahl von Zitaten, die ich besonders gut fand:

Aus der ersten Ansprache vom 6.6.2026 in Madrid:

  • „Genau betrachtet findet die Botschaft des Friedens, die in diesen Zeiten leider für manche naiv und für andere provokativ klingt, Anklang bei jenen, die sich nicht in vorgefertigte Ideologien verschließen, sondern offen für die Wahrheit sind.“
  • „Die neuen Technologien sind zu einem künstlichen Umfeld geworden, in dem unsere grundlegenden Wahlmöglichkeiten auf die Probe gestellt werden. In diesem Umfeld verschärfen sich Vorurteile, kritisches Denken wird geschwächt, und übermächtige Interessen säen tödliche Impulse. Andererseits kann das Gute Widerstand leisten und sich mitteilen.“
  • „Sicherheit, von der wir uns allzu oft einbilden, sie käme von Waffen und Mauern, entsteht vielmehr dadurch, dass wir lernen, gemeinsam mit anderen voranzugehen, gemeinsam zu wachsen, Seite an Seite.“
Leo der XIV. im spanischen Parlament, Madrid (Foto © vaticanmedia.va)

Aus der Rede am 8.6.2026 im spanischen Parlament:

  • „Wo die Familie unterstützt wird, wird auch die geistige und soziale Stabilität der Nationen gestärkt. Die Familie wird immer die erste Schule der Menschlichkeit sein, in der man früher als an jedem anderen Ort die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens erlernt: das Leben anzunehmen, für den anderen da zu sein, zu vergeben, zu dienen und dazuzugehören.“
    „Die Situation von Migranten und Flüchtlingen erfordert eine Antwort, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, die die Ursachen ihres Weggangs angeht und über die bloße Steuerung der Migrationsströme hinausgeht. Daraus ergibt sich ein doppeltes Erfordernis sozialer Gerechtigkeit: sichere und legale Wege, würdige Aufnahmebedingungen und echte Integrationsmöglichkeiten zu bieten; und gleichzeitig das Recht zum Verbleib im eigenen Land zu fördern, indem darauf hingearbeitet wird, dass niemand sein Zuhause aufgrund von Mangel an Frieden und Sicherheit oder aufgrund von menschenunwürdigen Lebensbedingungen verlassen muss, zu denen auch wirtschaftliche Ungerechtigkeiten und die Auswirkungen der Klimakrise gehören (vgl. Magnifica humanitas, 81).“
  • „Jeder Krieg ist letztlich eine schmerzhafte Niederlage für die Fähigkeit zu verhandeln und auch für jenes allgemeine Bewusstsein der Menschheit, das zwischen den Nationen Bande der Gerechtigkeit erkennt. Waffen mögen vorübergehend für Ruhe sorgen, doch sie werden niemals einen echten und dauerhaften Frieden schaffen können.“
  • „Darum ist es besorgniserregend, dass sich an verschiedenen Orten der Welt, auch in Europa, die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt. Wahre Sicherheit hingegen entspringt der Gerechtigkeit, dem geduldigen Dialog, der Achtung des Völkerrechts und einer Politik, die in der Lage ist, das Leben der Völker über die Interessen zu stellen, die vom Krieg profitieren. Auch die Entwicklung neuer Technologien und künstlicher Intelligenz im militärischen Bereich erfordert eine strenge ethische Kontrolle, damit Entscheidungen über Leben und Tod niemals auf automatisierte Systeme abgewälzt oder der moralischen Verantwortung des Menschen entzogen werden (vgl. Ansprache an der Universität „La Sapienza“, 14. Mai 2026).“
  • „Auch innerhalb der Gesellschaften selbst ist es dringend notwendig, eine Kultur der Gegenseitigkeit aufzubauen. Politische Vielfalt sollte nicht in eine permanente Abwertung des Gegners ausarten. In einem reifen Zusammenleben kann sogar ein Konflikt zu einem Weg zum Frieden werden, wenn sich die Differenzen durch Zuhören verringern lassen und auf die Anerkennung der Bedürfnisse, Bestrebungen und Fähigkeiten aller ausrichten.“
  • „Doch Friede ist nicht nur eine politische oder institutionelle Angelegenheit. Er entsteht auch im Gewissen, dort, wo Groll, Gleichgültigkeit und Hass der Versöhnung weichen. Deshalb wird Friede auch durch Sprache gestiftet und bewahrt. Worte können Wege eröffnen oder versperren; sie können die Wirklichkeit erhellen oder sie so verzerren, dass eine Begegnung unmöglich wird. Wer öffentliche Verantwortung trägt, hat daher eine besondere Verpflichtung, mit Worten achtsam umzugehen, um »die Sprache [zu] entwaffnen« (Fastenbotschaft 2026, 13. Februar 2026). Bestimmtheit erfordert keine Verachtung; Meinungsverschiedenheit muss nicht mit Demütigung einhergehen.“
  • „Der Glaube beansprucht nicht, sich durch Privilegien oder Zwang durchzusetzen; er darf jedoch auch nicht zum Schweigen gebracht werden, so als sei er für das öffentliche Leben irrelevant.“
  • „Jede Entscheidung der öffentlichen Autoritäten betrifft Menschen aus Fleisch und Blut, insbesondere jene, die weniger Kraft haben, sich Gehör zu verschaffen. Denn Weitblick bedeutet gerade, genauer hinzuschauen, worum es bei jeder öffentlichen Entscheidung geht. Deshalb braucht es neben fachlichen Lösungen und Gesetzesreformen auch eine moralische Erneuerung.“

Aus der Predigt am 10.6.2026 in der Sagrada Familia, Barcelona:

  • „Wir können nicht an Jesus glauben und Krieg führen. Wir können nicht an Jesus glauben und Unschuldige töten. Wir können nicht an Jesus glauben und diejenigen im Stich lassen, die leiden, die weinen, die vor der Not fliehen.“
  • „Liebe Brüder und Schwestern, die Schönheit dieses Gotteshauses ermutigt uns, von unserem Meister und Herrn immer mehr die Kunst zu lernen, nach seinem Evangelium zu leben. Während wir unseren Blick zu ihm, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, erheben, verpflichten wir uns, das Gesicht derer emporzuheben, die im Staub liegen (vgl. 1 Sam 2,8). Und so zeigen wir, dass die Sagrada Familia die höchste Kirche der Welt ist, aber nicht, um in weltlichen Ranglisten führend zu sein, sondern um die Schritte des pilgernden Volkes Gottes in dieser Region Katalonien zu leiten, mit dem Kreuz, das den Weg erhellt wie eine brennende Lampe in Erwartung der Wiederkunft des Bräutigams.“

Quellen:
Rede beim Kulturtreffen in Madrid
Rede im Parlament von Spanien
Predigt in der Sagrada Familia