Wie viel Furie steckt in uns?

HINGESCHAUT. (2)

Kleine Beobachtungen. Große Gedanken.

Selva entgeht aber auch nichts. Wie gut sich beide verstehen! (Foto: Daniel Diez)

Sie ist ganz lieb und friedlich. Meistens jedenfalls. Unser älterer Sohn hat Selva vor acht Jahren aus dem Tierheim geholt. Sie kommt aus Spanien und ist ein Herdenschutzhund. Eigentlich könnte man sagen: Sie ist die Ruhe in Person … bis sie einen Hasen, eine Maus oder einen anderen Hund hört, sieht oder riecht! Dann wird aus der friedlichen Selva häufig plötzlich eine Furie. An der Leine ist sie kaum zu halten.

Wenn unser Sohn mit ihr spazieren geht, hält er deshalb Ausschau nach entgegenkommenden Hunden. Er versucht, Selva abzulenken oder sie ein Stück vom Weg wegzuführen. Meistens gelingt das. Als ich kürzlich im Wald einen solchen Selva-Ausbruch miterlebte, kamen mir zwei Fragen:

Kurzfassung auf Instagram abrufbar: @edp51
  • Kann Selva eigentlich etwas dafür, dass sie plötzlich so ausrastet? Wahrscheinlich nicht. Es gehört zu ihrem Instinkt, zu ihrer Natur. (Wir wissen auch nicht, welche Früherfahrungen sie gemacht hat, bevor sie ins Tierheim kam.)
  • Kann man ihr dieses Verhalten vollständig abtrainieren? Vermutlich auch nicht. Ein Herdenschutzhund bleibt schließlich ein Herdenschutzhund.

Aber wie ist das bei uns Menschen?

Sind wir von Natur aus friedlich, vernünftig und beherrscht? Sicher nicht immer. Jeder kennt Menschen, die plötzlich aus der Haut fahren. Und manchmal erleben wir es sogar bei uns selbst: Wir sagen oder tun etwas, von dem wir kurz danach denken: Das war eigentlich gar nicht ich!

Oder vielleicht doch? Sind wir von Natur aus friedlich, vernünftig und beherrscht? Sicher nicht immer. Jeder kennt Menschen, die plötzlich aus der Haut fahren. Und manchmal erleben wir es sogar bei uns selbst: Wir sagen oder tun etwas, von dem wir kurz danach denken: Das war eigentlich gar nicht ich!

Oder vielleicht doch?

Steckt in jedem von uns eine Art „Furie“, die unter bestimmten Umständen zum Vorschein kommen kann? Eine Seite, die wir normalerweise im Griff haben, die aber in einer schwierigen Situation plötzlich die Kontrolle übernimmt?

Die Bibel beschreibt genau dieses Phänomen. Sie spricht davon, dass der Mensch durch die Trennung von seinem Schöpfer – die sie „Sünde“ nennt – etwas in sich trägt, das ihn immer wieder von dem Guten wegzieht, das er eigentlich tun möchte.

Es ist wie ein innerer Widerstreit: Auf der einen Seite der Wunsch, gut zu handeln, liebevoll zu sein, gerecht und friedlich zu leben. Auf der anderen Seite Kräfte und Gewohnheiten, die uns immer wieder genau daran hindern.

Der Apostel Paulus beschreibt diesen Kampf sehr ehrlich. Er kennt den Widerspruch zwischen dem, was er eigentlich will, und dem, was er manchmal tatsächlich tut (Römer 7). Und der Prophet Jeremia stellt eine ernüchternde Frage: Kann ein Leopard seine Flecken verändern? (Jeremia 13,23)

Die Botschaft dahinter ist unbequem: Wir können uns nicht einfach selbst neu erfinden. Natürlich können wir uns zusammenreißen. Wir können an uns arbeiten, schlechte Gewohnheiten verändern und lernen, unsere Reaktionen besser zu kontrollieren. Das alles ist wichtig. Aber wer schon einmal erlebt hat, wie tief bestimmte Verhaltensmuster sitzen, weiß: Es gibt Grenzen unserer Selbstoptimierung.

Die Bibel setzt deshalb nicht nur auf mehr Disziplin, sondern auf Veränderung von innen. Sie beschreibt Gott als denjenigen, der einen Menschen tatsächlich neu anfangen lassen kann. Nicht so, dass plötzlich alles perfekt ist. Nicht so, dass die „Furie“ nie wieder auftaucht. Aber da ist eine stärkere Kraft, die uns unterstützt: Gottes Liebe.

Wer sich ihm anvertraut, muss nicht mehr allein gegen sich selbst kämpfen. Schritt für Schritt kann sich etwas verändern – unsere Gedanken, unsere Reaktionen, unser Umgang mit anderen und schließlich unser ganzes Wesen. Die Furie in uns verschwindet nicht auf Knopfdruck. Aber sie muss auch nicht mehr das letzte Wort haben.

 

Abstract:
In each of us, there seems to be more going on beneath the surface than we show to others. Our son´s dog Selva is a good example: usually peaceful and calm, she can suddenly turn into a fury when she sees a rabbit or another dog.

We humans know such moments too—times when we hardly recognize ourselves. Why do we sometimes do things we never intended to do? The Bible describes this inner conflict as a consequence of humanity’s separation from its Creator—what it calls “sin.”

Within us, good intentions and deeply rooted patterns of behavior struggle with each other.  Self-discipline and self-improvement can help, but they have their limits. That is why the Bible points not to change through our own efforts, but to transformation from within. God’s love can help us change, step by step, and become different people.

The “fury” inside us does not disappear at the push of a button—but it does not have to have the final word.

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Resumen
En cada uno de nosotros parece haber mucho más de lo que mostramos a los demás. Selva, la perra de nuestro hijo, es un buen ejemplo: normalmente tranquila y pacífica, puede convertirse de repente en una verdadera furia cuando ve un conejo u otro perro.

Los seres humanos también conocemos esos momentos en los que apenas nos reconocemos a nosotros mismos. ¿Por qué hacemos a veces cosas que en realidad no queremos hacer? La Biblia describe este conflicto interior como consecuencia de la separación del ser humano de su Creador, algo que llama «pecado».

En nuestro interior luchan las buenas intenciones y los patrones de comportamiento profundamente arraigados. La autodisciplina y el esfuerzo por mejorar pueden ayudar, pero tienen sus límites. Por eso, la Biblia no habla tanto de un cambio logrado con nuestras propias fuerzas, sino de una transformación desde dentro. El amor de Dios puede ayudarnos a cambiar paso a paso y a convertirnos en personas diferentes.

La «furia» que llevamos dentro no desaparece de un día para otro, pero tampoco tiene por qué tener la última palabra.

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