Kategoriearchiv: Erlebtes

Einsam und auf der Flucht

Die Oase En Gedi (auch Ein Gedi) liegt am Westufer des Toten Meeres, 44  km südlich von Jericho. Heute befinden sich dort ein Kibbuz, ein israelischer Nationalpark und mehrere archäologische Stätten.

An einem schattigen Platz (es ist recht heiß am Toten Meer) erzähle ich den Reiseteilnehmern vom designierten König David auf der Flucht. Vor uns sehen wir den Wasserfall, an dem wir uns gleich erfrischen werden. Hinter uns haben wir am Hügel einige Höhlen gesehen: Ob eine davon jene ist, in der sich David auf der Flucht vor Saul versteckte? Als gehörte er zur Gruppe, beobachtet uns über unsere Köpfe ein niedlicher Klippdachs, der eine Weile neugierig zuhört.

Irgendwo hier, in der Oase En Gedi, schrieb der junge gesalbte aber noch nicht inthronisierte König David den Psalm 142: „Ein Gedicht Davids, ein Gebet. Er verfasste es, als er in der Höhle war.“ (V. 1 GNB) Im 5. Vers heißt es:

Ich schaue mich um: da ist niemand, der mich beachtet. Ich habe keine Zuflucht mehr, keinen Menschen, der sich um mich kümmert.

Wie kann er behaupten, einsam zu sein? Er hatte um die 600 Männer um sich, die ihm treu folgten und ihn beschützten! Ob er keinen unter ihnen fand, dem er sein Herz ausschütten, mit dem er offen über seine Ängste, seine Enttäuschungen, seine Träume, reden konnte?

In dieser Stimmung tat er das, was garantiert hilft: Sich an den zu wenden, der David nicht einen Augenblick aus den Augen verloren hatte. „Zu dir, Herr, schreie ich! Ich sage: Du bist meine Zuflucht, mit dir habe ich alles, was ich im Leben brauche!“ (V. 6)

„Alles, was ich im Leben brauche.“ Wirklich? Gottes Hand trägt uns, gewiss! Aber wie gut tut es, wenn uns jemand fest umarmt. Er hört immer unsere Gebete, gewiss! Aber wie wohltuend ist es, wenn uns ein Mensch akustisch hörbar eine Zusage Gottes in Erinnerung ruft. Oder uns per E-Mail oder sonst wie schreibt, dass er/sie heute für uns gebetet hat.

In der Zeitung las ich: Ärzte dürfen in England ab 2023 Rezepte gegen Einsamkeit ausstellen, so z. B. Gruppenaktivitäten wie gemeinsames Spazierengehen oder Malen; denn Einsamkeit sei eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit.
Wohl jedem, der in seiner Kirchengemeinde, in einem Hauskreis oder in einer Aktionsgruppe Gleichgesinnte hat, die zuhören können und wollen.

Auf die Gemeinschaft mit solchen Menschen freute sich David, als er am Schluss dichtete: „Im Kreise aller, die dir die Treue halten, werde ich dir dafür danken, Herr, dass du so gut zu mir gewesen bist.“ (V. 8)


Lonely and on the run
At a shady place (it is quite hot at the Dead Sea) I tell the tour participants about the designated King David on the run. In front of us we see the waterfall where we are about to refresh ourselves. Behind us we have seen some caves on the hill: I wonder if one of them is the one where David hid when he was fleeing from Saul. As if he belonged to the group, a cute clipped badger watches us over our heads, listening curiously for a while.

Somewhere here, in the oasis of En Gedi, the young anointed but not yet enthroned King David wrote Psalm 142: „A poem of David, a prayer. He composed it while he was in the cave.“ (v. 1 GNB) The 5th verse reads:

I look around: there is no one to heed me. I have no refuge anymore, no one who cares for me.

How can he claim to be lonely? He had about 600 men around him who followed him loyally and protected him! Could he find no one among them to whom he could pour out his heart, with whom he could talk openly about his fears, his disappointments, his dreams?

In this mood, he did what is guaranteed to help: turn to the One who had not lost sight of David for a moment. „To you, Lord, I cry out! I say, You are my refuge; with You I have everything I need in life!“ (V. 6)

„Everything I need in life.“ Really? God’s hand carries us, certainly! But how good it feels to have someone hug us tightly. He always hears our prayers, certainly! But how comforting it is when a person audibly reminds us of a promise from God. Or writes us by e-mail or otherwise that he/she has prayed for us today.

I read in the newspaper that doctors in England will be allowed to issue prescriptions against loneliness from 2023, for example group activities such as walking or painting together, because loneliness is one of the greatest health challenges of our time. It is good for everyone who has like-minded people in their church community, in a house group or in an action group who can and want to listen.

David was looking forward to fellowship with such people when he concluded by writing, „In the company of all who are faithful to you, I will thank you, Lord, for having been so good to me.“ (V. 8)


A solas y huyendo
En un lugar sombreado (hace bastante calor cerca del Mar Muerto) hablo al grupo de turistas sobre el designado Rey David que está huyendo. Delante de nosotros vemos la cascada, donde pronto nos refrescaremos. Detrás hemos visto algunas cuevas en la colina: Me pregunto si una de ellas es aquella en la que David se escondió mientras huía de Saúl. Como si perteneciera al grupo, un simpático damán roquero nos observa, escuchando con curiosidad durante un rato.

Por aquí, en el oasis de En Gedi, el joven ungido pero aún no entronizado rey David escribió el Salmo 142: „Un poema de David, una oración. Lo compuso mientras estaba en la cueva“ (v. 1). El quinto verso dice:

Miro a mi alrededor: no hay nadie que me preste atención. No me queda ningún refugio, nadie que se se preocupe por mí.

¿Cómo puede decir que está solo? Tenía unos 600 hombres a su alrededor, que le seguían y protegían fielmente. Me pregunto si no encontró a nadie entre ellos a quien pudiera desahogar su corazón, con quien pudiera hablar abiertamente de sus miedos, sus decepciones, sus sueños.

En este estado de ánimo hizo lo que siempre ayuda: dirigirse a Aquel que no había perdido de vista a David ni por un momento. „¡A ti, Señor, clamo! Yo digo: „Tú eres mi refugio; ¡en ti tengo todo lo que necesito para vivir!“. (V. 6)

„Todo lo que necesito para vivir“. ¿De verdad? La mano de Dios nos sostiene, sin duda. Pero qué bien sienta que alguien nos dé un fuerte abrazo. Él siempre escucha nuestras oraciones, ciertamente. Pero qué reconfortante es cuando una persona nos recuerda con palabras audibles una promesa de Dios. O nos escribe por correo electrónico o de otra manera que ha orado hoy por nosotros.

Leí en el periódico que a partir de 2023 los médicos de Inglaterra podrán dar recetas contra la soledad, como actividades en grupo, caminar o pintar juntos, porque la soledad es uno de los mayores retos sanitarios de nuestro tiempo. Es un privilegio tener personas afines en la iglesia o en un grupo social que puedan y quieran escucharnos.

David anhelaba el contacto con esas personas cuando concluyó escribiendo: „En compañía de todos los que te son fieles, te daré gracias, Señor, por haber sido tan bueno conmigo.“ (V. 8)

Bezahlt und nicht archiviert

Ich blicke auf zwei bemerkenswerte Erlebnisse im Straßenverkehr zurück. Im Ergebnis waren sie gleich, im Ablauf aber unterschiedlich. Das erste hatte ich vor ein paar Jahren unweit von Madrid. Ich fuhr auf der Autobahn ein Mietauto und merkte sehr spät, dass ich dabei war, die falsche Ausfahrt zu nehmen. Regelwidrig kam ich dann im letzten Augenblick auf die Hauptfahrbahn zurück. Ein paar Wochen später kam eine Rechnung vom Autovermieter für die Übermittlung meiner Daten an die Verkehrspolizei. Von dieser bekam ich aber keine Post. Nach einem Jahr wusste ich: Mein Vergehen würde keine Konsequenzen haben.

Das zweite Erlebnis liegt nur ein paar Wochen zurück. Um Post bei einem Freund in den Briefkasten einzuwerfen, missachtete ich das Halteverbot. Es würde nicht lange dauern! Als ich nach zwei Minuten zurückkam, hatte der Verkehrspolizist die Daten bereits in seinem Gerät erfasst. Ich erklärte kurz den Grund und fragte sehr freundlich, ob es eine Lösung gäbe, da es sich nur um ein paar Sekunden gehandelt hätte. Er überlegte eine Weile, dann druckte er einen Beleg aus und gab ihn mir. Oben stand: „Glück gehabt!“. Dann, nach einem kurzen Text: „Verwarnungsgeld: 0,00 EUR“

Die spanische Polizeiverwaltung schaffte es nicht, die Ordnungswidrigkeit zu bearbeiten. Der freundliche Polizist erließ mir das Bußgeld.

Gott ist weder vergesslich noch überfordert: Wenn er uns die Lebensschuld vergibt, dann tut er es freiwillig und gern! Wir müssen nicht um Gnade betteln, es genügt, wenn wir unser Versagen eingestehen. In der Bibel steht das Wort (Hebräerbrief 8,12 GNB):

Ich will ihnen ihren Ungehorsam vergeben und will nie mehr an ihre Sünden denken.

Noch eins: Wenn er unsere Sünden vergibt, dann archiviert er sie nicht, um sie uns bei passender Gelegenheit aufzutischen. Er will nie mehr daran denken – lesen wir im Hebräerbrief und auch in anderen Bibelstellen, wie Micha 7,19:

„Glück gehabt!“ kann man im Zusammenhang mit der Vergebung überhaupt nicht sagen: Es ist nicht so, als würde Gott einfach ein Auge zudrücken, wie ich es beim Halteverbot erlebte. Auch reichte nicht ein Knopfdruck aus, um den Stand unseres Schuldenkontos auf Null zu setzen: Er selbst bezahlte die Schuld, und zwar mit dem Tod seines Sohnes am Kreuz!

Meiner Sünden will Gott nie mehr gedenken. Den Preis dafür will ich nie im Leben vergessen.


Paid and not archived!
I look back on two striking experiences in road traffic. In the result they were the same, but in the process they were different. The first I had a few years ago not far from Madrid. I was driving a rental car on the highway and realized very late that I was about to take the wrong exit. Against the rules, I got back on the main lane at the last moment. A few weeks later I received an invoice from the car rental company for the transmission of my data to the traffic police. But I did not receive any mail from them. After a year, I knew that my failure would have no consequences.

The second experience was only a few weeks ago. In order to put mail in a friend’s mailbox, I disregarded the no-parking sign. It wouldn’t take long! When I returned two minutes later, the traffic cop had already recorded the data in his device. I briefly explained the reason and asked very nicely if there was a solution, since it had only been a few seconds. He thought for a while, then printed out a receipt and gave it to me. At the top it said, „Lucky you!“. Then, after a short text: „Warning charge: 0,00 EUR“.

The Spanish police administration did not manage to process the infraction. The friendly policeman waived the fine.

God is neither forgetful nor overburdened: When He forgives our life’s debt, He does it willingly and gladly! We do not have to beg for mercy, it is enough to admit our failure.

In the Bible the word is written (Hebrews 8:12): „I will forgive their disobedience and will never again remember their sins“.

One more thing: When He forgives our sins, He doesn’t archive them to serve them up to us when the opportunity arises. He never wants to think about them again – we read in the Letter to the Hebrews and also in other Bible passages, such as Micah 7:19:

„Lucky!“ cannot be said at all in connection with forgiveness: it is not as if God would simply turn a blind eye, as I experienced with the no-stopping order. Nor was one push of a button enough to set the balance of our debt account to zero: He Himself paid the debt with the death of His Son on the cross!

God never wants to remember my sins. I never want to forget the price for it in my life.


¡Pagado y no archivado!
Recuerdo dos experiencias que hice conduciendo. Fueron iguales en el resultado, pero diferentes en la trayectoria. La primera la hice hace unos años no muy lejos de Madrid. Estaba conduciendo un coche de alquiler por la autopista y me di cuenta muy tarde de que estaba a punto de tomar la salida equivocada. En contra de las reglas, volví al carril principal en el último momento. Unas semanas después recibí una factura de la empresa de alquiler de coches por pasar mis datos a la policía de tráfico. Pero de ésta no recibí ningún correo. Después de un año estaba claro: mi infracción no tendría consecuencias.

La segunda experiencia la hice hace sólo unas semanas. Para depositar correo en el buzón de un amigo, hice caso omiso de la señal de prohibido aparcar. No tardaría mucho. Cuando volví dos minutos después, el policía de tráfico ya había registrado los datos en su aparato. Le expliqué brevemente el motivo y le pregunté muy amablemente si había una solución, ya que sólo habían pasado unos segundos. Se quedó pensando un rato, luego imprimió un recibo y me lo entregó. Arriba decía: „¡Ha tenido suerte!“ A continuación, tras un breve texto: „Importe de la multa: 0,00 EUR“.

La policía española no consiguió tramitar la infracción. El amable policía renunció a poner la multa.

Dios no es olvidadizo ni tiene demasiado trabajo: Cuando Él perdona la deuda de nuestros pecados, lo hace voluntariamente y con gusto. No tenemos que mendigar clemencia, basta con admitir y confesar nuestros pecados.

La Biblia dice (Hebreos 8:12): „Perdonaré su desobediencia y no me acordaré nunca de sus pecados.“

Es más: cuando Él perdona nuestros pecados, no los archiva para servírnoslos cuando se presente la oportunidad. No quiere volver a pensar en ellos – leemos en Hebreos y también en otras escrituras, como Miqueas 7:19:

„¡Has tenido suerte!“ no puede decirse en absoluto en el contexto del perdón: no es como si Dios se limitara a hacer la vista gorda, como lo hizo el policía. Tampoco bastó con pulsar un botón para poner a cero el saldo de nuestra cuenta moral: Él mismo pagó la deuda, y lo hizo con la muerte de su Hijo Jesucristo en la cruz.

Mis pecados Dios nunca los recordará. Yo quiero recordar toda mi vida el precio que Él pagó.

Vor einem Jahr in Görlitz

[nx_spacer size=“5″]Görlitz, 2.11.2019: Vor genau einem Jahr besuchte ich Görlitz zum ersten Mal, um dort zu predigen und ein Seminar über Patientenverfügung usw. zu halten. Es war ein kurzer aber schöner Aufenthalt in dieser sehenswerten Stadt an der polnischen Grenze.


Görlitz, 2.11.2019: Exactly one year ago I visited Görlitz for the first time to preach and hold a seminar on living wills etc. It was a short but nice stay in this worth seeing city at the Polish border.


Görlitz, 2.11.2019: Hace exactamente un año visité Görlitz por primera vez para predicar allí y dar un seminario sobre testamentos vitales, etc. Fue una corta pero valiosa estancia en esta ciudad digna de ser visitada en la frontera polaca.

Jerusalemtag

Blick auf Jerusalem vom Ölberg aus: Altstadtmauer mit dem Goldenen Tor, Tempelberg mit dem Felsendom (auch Omar Moschee genannt), ganz hinten die Neustadt. (Foto: edp, 2019)

[nx_spacer size=“10″]Heute (22. Mai bzw. 28. Ijjar im jüdischen Kalender) feiert Israel den Jerusalemtag. Gefeiert wird die Wiedervereinigung der Stadt Jerusalem als Ergebnis des Sechstagekrieges (Juni 1967). Die arabische Bevölkerung Jerusalems empfindet diesen Gedenktag als Provokation.

Nachfolgend ein paar Fotomotive aus meinem Aufenthalt 2013 in dieser geschichtsträchtigen und faszinierenden Stadt (erstes Bild anklicken, um die Vorschau auszulösen):

Und hier ein paar Lieder, die Jerusalem besingen:

 

Today Israel celebrates Jerusalem Day. It represents the reunification of the city of Jerusalem as a result of the Six Day War (June 1967). The Arab population of Jerusalem considers this day of commemoration a provocation.

See the links and the photo gallery above.

Hoy (22 de mayo y 28 de Iyar según el calendario judío) celebra Israel el Día de Jerusalén, conmemorando la conquista de la parte oriental de la ciudad durante la Guerra de los Seis Días (junio, 1967). Los habitantes árabes consideran que este día festivo nacional es una provocación.

Véanse arriba los enlaces a algunas canciones dedicadas a esta ciudad tan histórica y fascinadora,  y la galería de algunas fotos hechas durante mi estancia en 2013.

Kirchlich online verwöhnt!

Drei Online-Gottesdienste heute: Regional: „Predigt im Norden“; bundesweit: „Atem der Hoffnung“ bei HOPE-TV; lokal: Präsenzgottesdienst in Lüneburg auf YouTube übertragen. (Screenshots)

[nx_spacer size=“10″]Dass meine Freikirche welt- und bundesweit im Medienbereich sehr innovativ und gut aufgestellt ist, wusste ich bereits (ich bin Siebenten-Tags-Adventist). Aber dass sich diese technische Affinität herunter bis in die örtlichen Kirchengemeinden durchzieht, das ist mir jetzt während der Corona-Pandemie ganz klar geworden.

Vier Gottesdienste zur Auswahl
Heute hätte ich beispielsweise mindestens vier Gottesdienste vom Wohnzimmer aus besuchen können. Drei davon habe ich auch zeitweise besucht: Um 9:30 Uhr war ich virtuell in Alsbach-Hähnlein (bei Darmstadt), wo das HOPE-Medienzentrum (früher „Stimme der Hoffnung“) der Freikirche in Deutschland steht. Dort senden sie jeden Sonnabend einen zweiteiligen Gottesdienst bestehend aus einer Talkrunde und einer Predigt, dazwischen einige Minuten Kinderprogramm.
Seit keine Gottesdienste vor Ort stattfinden dürfen, senden sie live. Mit sehr ansprechenden Musikbeiträgen. Heute konnte ich nur 30 Minuten dabei sein und so erlebte ich den Anfang der Talkrunde zu einem aktuellen Thema: Wie gehen wir in dieser Zeit und auf engem Raum so miteinander um, dass wir uns nicht auf den Wecker fallen und Konflikte erst gar nicht eskalieren?

Wofür YouTube gut sein kann …
Um 10 Uhr bin ich „umgestiegen“ und in Lüneburg gelandet: Meine Heimatgemeinde veranstaltete heute erstmalig einen Präsenzgottesdienst unter Beachtung aller Hygienevorschriften. Und weil die Teilnehmerzahl sehr beschränkt ist, wurde der Gottesdienst zum ersten Mal live über YouTube übertragen. Sowohl die junge Moderatorin als auch unser Pastor und sein Sohn in der Technik haben wirklich „Tolles“ geleistet. Sogar eine kurze Kindergeschichte gab es für einen einzigen Jungen, der mit seiner Familie dabei war.
Als ich den Pastor und den Jungen vorn neben einer Arche Noah im gebührenden Abstand sitzen sah, musste ich an Jesus am Jakobsbrunnen denken: Ob ihm Tausende oder nur eine Person zuhörten, er widmete sich diesem Einen so, als stünde dieser im Zentrum des Universums. Nach 35 Minuten musste ich mich verabschieden, um virtuell nach Hamburg zu reisen. (Meine Frau sagte mir aber, dass ihr die Predigt gut gefallen hätte: Unser Pastor verband die aktuelle Situation mit der „Quarantäne“, die Gott Noah und seiner Familie während der Sintflut „verordnete“. Und diese dauerte viel länger als die Zeit unserer Einschränkungen möglicherweise dauern wird.)

… und auch Zoom
Um Punkt 11 Uhr begann der Online-Gottesdienst der Freikirche für den Großraum Hamburg (Predigt im Norden). Mit eigenem Studio und eigener Band. Parallel über Zoom (da kann man sich auch sehen, nicht nur hören) und über YouTube. Nach einer netten Anmoderation durfte ich (vom Wohnzimmersessel aus) etwa zum Thema Vorsorge (z. B. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht) sagen und auch auf meine Online-Vorsorgeseminare hinweisen, ebenfalls ein „Nebenprodukt“ der Corona-Krise. Danach begann die Predigt, die ein junger, dynamischer Pastor hielt und den Titel trug: „Von den weichen Herzen: Wenn Gott mitgeht, sollten wir nicht stehen bleiben“.

Am Schluss des Gottesdienstes wurde es dann interaktiv: Wer wollte, blieb auf Zoom und wurde (per Zufallgenerator) kleinen Gesprächsrunden zugeordnet, die noch eine Weile miteinander reden, beten usw. konnten. Und so standen mir plötzlich eine nette Frau mit ihren drei Söhnen auf der Couch sitzend und ein freundlicher Herr in einem leeren Kirchenraum gegenüber auf dem Bildschirm.
Wir kannten uns nicht, doch schnell waren wir im Gespräch verwickelt – die junge Familie aus Hamburg und der Herr aus einer kleinen Adventgemeinde in Mecklenburg. Er erzählte uns u. a., dass seine Gemeinde zzt. den Gottesdienst im Freien feiert und sie immer schönes Wetter gehabt hätten. Die Jungen erzählten ein wenig von der Schule und dass sie sich auf den Nachmittag mit ein paar Verwandten freuten. Wir sprachen auch eine Weile über das Thema Vorsorge. Auch dieser hanseatische Gottesdienst hat mich sehr angesprochen.

Die vierte Alternative, die aber heute nicht infrage kam, wäre gewesen, wieder den Zoom-Gottesdienst der ComingHOME-Gemeinde in Darmstadt zu besuchen, in der ich mich vor zwei Wochen sehr wohl gefühlt habe, als ich für sie die Predigt vom Wohnzimmer aus hielt.

Und nächste Woche?
Morgen, Sonntag, will ich die Wiederholung des HOPE-Channel-Gottesdienstes sehen, denn die Gesprächsrunde schien mir sehr interessant und aktuell zu sein. Außerdem sagte mir ein Freund, dass die anschließende Predigt sehr gut gewesen sei. Vergangene Woche hielt übrigens der Präsident der Freikirche in Norddeutschland eine ausgezeichnete Predigt über die Rückkehr zur „Normalität“. Sie hat mir so gut gefallen, dass ich darüber einen extra Beitrag  schreiben musste.

Am kommenden Donnerstagabend wird es wieder „rund“ gehen: Von 18 bis 19 Uhr möchte ich am Bibelgespräch meiner Heimatgemeinde über Zoom teilnehmen (das sonst im ersten Teil des wöchentlichen Gottesdienstes stattfindet) und ab 19 Uhr treffen wir uns als Hausbibelkreis zum zweiten Mal ebenfalls über Zoom. Am Sonnabend möchte ich aber nicht wieder zappen, sondern an einem Gottesdienst von Anfang bis Ende teilnehmen; denn ich will nicht „süchtig“ werden! Und man kann auch das Gute übertreiben.

Mein erster Zoom-Gottesdienst

Mit dieser digitalen „Anzeige“ hatte die ComingHOME-Kirchengemeinde zum Gottesdienst eingeladen.

[nx_spacer size=“10″]Wie er wohl ablaufen wird? Hoffentlich streikt die Technik nicht! Es sollte der erste Zoom-Gottesdienst sein, den ich besuchen würde, und bei dem ich die Predigt halten sollte. (Zoom ist eine weltweit verbreitete Videokonferenz-Software.)

Aber alles der Reihe nach: Wäre nicht die Corona-Pandemie ausgebrochen, wären wir, meine Frau und ich, am vergangenen Wochenende in Darmstadt gewesen, um am Jubiläumstreffen der Abgangsklasse 1975 des Theologischen Seminars Marienhöhe teilzunehmen. Es war ausgemacht, dass ich am Sonnabendvormittag in der Kirchengemeinde ComingHOME predigen würde. (Das ist eine der sechs Adventgemeinden in Darmstadt.) Nun erreichte mich Anfang der Woche die Anfrage, ob ich bereit wäre, die Predigt über Zoom zu halten. Einen Tag später habe ich zugesagt und begonnen, eine Predigt vorzubereiten, die zwischen 20 und 25 Minuten dauern durfte. (Mein Durchschnitt liegt bei 30 bis 40 Minuten!)

Wie ich zum Thema der Predigt kam, ist eine interessante Nebengeschichte: Wir lesen unseren Enkelkindern, die am Bodensee leben (800 km von Lüneburg entfernt!), jeden Abend über FaceTime (das ist eine Videotelefonie-App) vor, und zwar aus dem Jugendbuch-Bestseller „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Eine bestimmte Szene aus dem Buch brachte mich zum Thema: „Ich schäme mich“ und lieferte mir gleich den Dialog für die Einführung und für den Schluss der Predigt. Diese sollte eine Ermutigung für alle sein, die sich schämen, so, wie sie sind, in die Nähe Gottes zu kommen (zum Beispiel im Gebet).

Am Donnerstagabend bekam ich von einem der Gemeindeleiter erklärt, wie Zoom funktioniert, am Freitag erstellte ich ein paar PowerPoint-Folien, eine Predigtfassung zum Nachlesen für die interessierten Zuhörer und eine Liedpräsentation. Ach ja: Abends noch installierte ich eine Teleprompter-App auf dem Tablet, um nicht am Predigtskript zu kleben. Und am Morgen des Sonnabends machte ich mich auf den Weg … ins Wohnzimmer: im Hemd und in bequemer Haushose (diese würde ja keiner sehen).

Jetzt wurde es spannend: Für mich war es der erste Zoom-Gottesdienst, für diese innovative Gemeinde bereits der sechste! Beginn war um 10 Uhr, aber bereits ab 9 Uhr war die digitale Kirche geöffnet. D. h. wer wollte, konnte sich einwählen, um sich dann mit anderen anwesenden Personen zu unterhalten. Wir konnten einander sehen und miteinander (aber nicht gleichzeitig) sprechen, uns vorstellen usw. Das funktionierte so gut, dass meine Sorgen immer kleiner wurden.

Um Punkt 10 Uhr übernahm eine sympathische junge Frau die Moderation. Dass sie sich aus Würzburg zugeschaltet hatte, merkte man nicht. Genauso wenig wie die Standorte der anderen Teilnehmer: Abgesehen von den Personen, die zu dieser Kirchengemeinde gehören, waren auch Gäste aus Mainz, Lübeck, Lüneburg, München, Hamburg, Neuburg an der Donau und vielen anderen Orten zu sehen. Sie waren mit ca. 90 Geräten eingewählt, 140 Personen nahmen am Gottesdienst teil.

Sie saßen (häufig als Ehepaar, mit Kindern oder ohne) gemütlich in ihren Wohnzimmern leger gekleidet. Es war schön anzusehen! Da wurde ein Baby auf dem Arm getragen, ein Junge machte Grimassen hinter dem Kopf seiner Mutter, jemand trank zwischendurch eine Tasse Tee und … keiner musste eine Schutzmaske tragen! Musik über Keyboard wurde eingespielt, einige der Gäste durften sich vorstellen, es gab Bekanntmachungen und dann, was beim Gottesdienst der Adventisten nicht fehlen darf, Bibelgesprächsgruppen in separaten virtuellen Räumen! Zur Auswahl standen zwei Gesprächsgruppen über das Bibelthema der Woche, eine weitere über ein freigewähltes, aktuelles Anliegen, eine vierte als Gebetsgruppe, eine fünfte Gruppe für Jugendliche und dann noch welche für die jüngeren Kinder. In der von mir gewählten Gruppe waren wir zwölf Personen und wir hatten ein angeregtes Gespräch – bis der technische Moderator die verbleibenden 60 Sekunden ankündigte und uns dann pünktlich aus den Gesprächsräumen ins Plenum holte. Wie praktisch! Da war kein Überziehen möglich!

Nach einer Kaffee-, Toiletten- oder was auch immer Pause, startete dann der dritte Teil des Gottesdienstes, in dem ich dann nach einer kurzen Vorstellung die Predigt hielt. Es funktionierte fast alles recht gut (das Einblenden der Folien muss ich noch üben) und, soweit ich es sehen konnte, ist nur das Baby eingeschlafen. Die E-Mails und WhatsApps, die ich im Laufe des Tages erhielt, zeigten mir, dass viele dieses sehr persönlich gehaltene Thema geschätzt haben. Ach ja: Weitere Bibeltexte, die ich gern behandelt hätte, hatte ich ins Predigtskript aufgenommen, das am Ende des Gottesdienstes von der Homepage der Gemeinde als PDF zum Herunterladen abrufbar war.

Im vierten Teil des Gottesdienstes gab es noch ein Geburtstagslied, einige Ansagen und dann die Gelegenheit zum Austausch für alle, die vorgekocht hatten. Es war kurz nach 12 Uhr.

Dieser Zoom-Gottesdienst war für mich ein sehr positives Erlebnis. Viel besser als nur auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, um sich eine Predigt anzusehen. Natürlich ist auch das besser als nichts, denn nicht jede Kirchengemeinde ist in der Lage, diese interaktive Variante anzubieten. Einer der Gemeindeleiter sagte mir, dass sie erwägen, auch nach der Aufhebung der Versammlungseinschränkungen diese Technik parallel zu nutzen, und zwar für alle, die aus Alters- oder sonstigen Gründen zu Hause bleiben müssen. Und ich erfuhr im Vorprogramm, dass sie sogar einen Abendmahlsgottesdienst über Zoom durchgeführt haben, für den im Vorfeld Traubensaft (in kleinen Flaschen) und Abendmahlsbrot als Päckchen an die Gemeindeglieder versandt wurden.

Mir hat der Zoom-Gottesdienst dieser innovativen und offenen Gemeinde sehr gefallen. Daher freue ich mich schon jetzt darauf, sie spätestens im nächsten Jahr vor Ort kennenzulernen, wenn wir das aufgeschobene Klassentreffen nachholen. Noch eins hätte ich beinah vergessen: Eine Kollekte wurde nicht gesammelt: Die elektronische Abgabe ist (noch) nicht in Zoom implementiert.

Diese Bilder hat keiner sehen können – auch meine Haushose nicht.